Zerfall von Gehirnzellen und Leberschäden: Ursachen und Zusammenhänge

Die Gesundheit von Gehirn und Leber ist eng miteinander verbunden. Schädigungen in einem Organ können sich auf das andere auswirken und zu einer Reihe von gesundheitlichen Problemen führen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen für den Zerfall von Gehirnzellen und Leberschäden, wobei ein besonderer Fokus auf dem Morbus Wilson und dem Leberkoma liegt.

Morbus Wilson: Eine genetische Ursache für Gehirn- und Leberschäden

Morbus Wilson ist eine seltene, autosomal-rezessiv vererbte Kupferspeicherkrankheit. Sie betrifft etwa eine von 30.000 Personen. Dabei liegt ein Defekt im sogenannten Wilson-Gen vor, der zu einer gestörten Kupferausscheidung über die Galle und einem gestörten Kupfertransport im Körper führt. Dies führt zu einer Überladung des Körpers mit freiem Kupfer und in der Folge zu Kupferablagerungen, vor allem in der Leber, dem zentralen Nervensystem, der Hornhaut des Auges und den roten Blutkörperchen.

Symptome des Morbus Wilson

Die Symptome des Morbus Wilson manifestieren sich meist zwischen dem fünften und 40. Lebensjahr. Es können zwei Krankheitsphasen unterschieden werden:

  • Präklinisches, asymptomatisches Stadium: Die Dauer dieses Stadiums ist individuell unterschiedlich und hängt von verschiedenen Faktoren ab.
  • Klinisches, symptomatisches Stadium: Die Symptome werden durch die Kupferablagerungen in den verschiedenen Organen verursacht.

Die Symptome können vielfältig sein und folgende Organe betreffen:

  • Leber: Fettleber, Leberentzündung, Leberzirrhose, hepatische Enzephalopathie
  • Nervensystem: Bewegungsstörungen (Parkinson-Syndrom, Chorea Huntington), Schluckstörungen, verwaschene Sprache, psychische Veränderungen (Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen, Depression, Demenz)
  • Auge: Kayser-Fleischer-Kornealring
  • Haut: Acanthosis nigricans, Dunkelfärbung der Haut, Gelbfärbung, Erweiterung der oberflächlichen arteriellen Gefäße
  • Blut: Gerinnungsstörungen, Zerfall von roten Blutkörperchen und Blutmangel

Bis zur Pubertät steht vor allem die Symptomatik der Leberschädigung im Vordergrund, auch ein leichter Zerfall von roten Blutkörperchen ist möglich. Zur neurologischen Verlaufsform kommt es meist erst nach dem 10. Lebensjahr.

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Diagnose des Morbus Wilson

Besteht der Verdacht auf Morbus Wilson, können verschiedene Laborwerte bestimmt werden:

  • Caeruloplasmin im Blutserum
  • Kupferkonzentration im Blutserum
  • Kupferkonzentration im Sammelurin über 24 Stunden

Des Weiteren kann eine Kernspintomographie des Gehirns gemacht werden, um die Kupferablagerungen darzustellen. Bei unklaren Fällen können zudem Leberproben entnommen werden, in denen die Kupfermenge bestimmt wird. Außerdem sollten Geschwister und Kinder betroffener Personen auf Defekte des Wilson-Gens untersucht werden.

Therapie des Morbus Wilson

Morbus Wilson ist nicht heilbar, da es sich um eine genetische Erkrankung handelt. Unbehandelt schreitet die Krankheit immer weiter fort und endet meist nach vier bis acht Jahren tödlich. Allerdings lassen sich die Symptome gut behandeln. Mit frühem Therapiebeginn und lebenslanger Fortführung der Behandlung ist die Lebenserwartung nicht verkürzt.

Zeigen sich bei Betroffenen Symptome, wird die Therapie meist mit sogenannten Chelatbildnern begonnen. Dies sind Medikamente, die mit dem Kupfer Komplexe bilden und das Kupfer so ausscheidbar für die Niere machen. Sie erhöhen also die Ausscheidung des Kupfers über die Niere und verhindern so dessen Ansammlung in den Organen. Für Schwangere und Betroffene ohne Symptome empfiehlt sich die Therapie mit Zinksalzen.

Das Leberkoma: Eine Folge schwerer Leberfunktionsstörungen

Funktionsstörungen der Leber können in schweren Fällen zum Leberkoma führen. Die Leber stellt das zentrale Stoffwechsel- und Entgiftungsorgan im Körper dar. Kann die Leber ihre Entgiftungsaufgabe nicht mehr ausreichend erfüllen, führt dies häufig auch zu einer Hirnfunktionsstörung - der sogenannten hepatischen Enzephalopathie.

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Ursachen und Entstehung des Leberkomas

Eine wesentliche Rolle spielt dabei Ammoniak. Es entsteht regulär als Stoffwechselendprodukt bei der Verdauung von Nahrungseiweiß. Normalerweise wird es aus dem Darm über die Pfortader zur Entgiftung in die Leber geleitet. Ist die Entgiftung aber gestört, steigt die Ammoniakkonzentration im Blut stark an. Über die Blut-Hirn-Schranke gelangt Ammoniak ins Gehirn, wo es zu Schädigungen führt. Es entsteht eine hepatische Enzephalopathie.

Oft wird eine hepatische Enzephalopathie zunächst nicht ernst genommen, da sie sich im Anfangsstadium vergleichsweise harmlos äußert: Müdigkeit, Konzentrationsstörungen und gestörte Feinmotorik. Im weiteren Verlauf wird der Patient jedoch zunehmend schläfriger und apathischer, zittert und hat eine undeutliche Sprache. Verschärft sich die Situation noch weiter, treten Verwirrtheit, Wahnvorstellungen, Muskelstarre und Krämpfe auf. Im Endstadium kann es schließlich zum lebensbedrohlichen Leberkoma (Coma hepaticum) kommen. Hierbei handelt es sich um eine schwere Form der Bewusstseinsstörung. Der Betroffene reagiert nicht mehr auf Schmerz- oder andere Reize.

Beim Leberkoma werden - je nach Ursache - zwei Formen unterschieden:

  • Leberausfallkoma: Entwickelt sich infolge einer Vorschädigung der Leber, meist einer Leberzirrhose.
  • Leberzerfallskoma: Ist die Folge eines akuten Leberversagens, meist aufgrund einer Vergiftung (z. B. mit Paracetamol oder Knollenblätterpilzen) oder einer akuten Virushepatitis.

Prävention und Therapie des Leberkomas

Um ein Leberkoma zu verhindern und die hepatische Enzephalopathie zu therapieren, muss möglichst die Ausgangsursache - also die Leberstörung - behandelt werden. Außerdem gilt es, die Ammoniakspiegel zu senken. Dies geschieht durch eine Einschränkung der Eiweißzufuhr, außerdem durch die Gabe von Lactulose, den Einsatz von Antibiotika, um die Ammoniak-bildenden Bakterien im Darm abzutöten, und von L-Ornithin-L-Aspartat, um den Harnstoffzyklus zu entlasten.

Pathogenese der hepatischen Enzephalopathie

Die präzise Pathogenese der hepatischen Enzephalopathie ist unbekannt. Es existiert keine kausale Therapie. Es werden derzeit drei Hypothesen diskutiert:

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  1. Neurotoxine: Steigende Ammoniakwerte können nicht über den Mechanismus eliminiert werden, bei dem Ammoniak in den Astrozyten durch vermehrte Bildung von Glutamin entgiftet wird.
  2. Wirkung falscher Neurotransmitter: Bei einer Leberzirrhose steigen die GABA-Spiegel im Blut durch funktionelle und anatomische Shunts an.
  3. Hyperammoniumämie: Die Hyperammoniumämie bei Lebererkrankungen beruht auf einer verminderten Ammoniumentgiftung in der Leber.

Subklinische hepatische Enzephalopathie

Psychometrische Tests geben Hinweise auf eine subklinische hepatische Enzephalopathie (SHE). Aufmerksamkeit und Bewegungsstörungen sind die häufigsten neurocognitiven Defizite. Patienten mit Leberzirrhose leiden oft unter Einschlafstörungen in der Nacht und Somnolenz am Tag.

Einfluss von Biotin und Zink

Bei Alkoholikern mit Leberschädigung sind in etwa 40 % der Fälle niedrige Biotin-Spiegel zu finden. Es werden Korrelate veränderter Zink- und Biotinspiegel im Plasma bei chronischem Alkoholismus diskutiert.

Therapeutische Maßnahmen bei hepatischer Enzephalopathie

Grundlage der Therapie ist die diätetische Beratung mit eingeschränkter Eiweißzufuhr. Die Proteintoleranz lässt sich durch verschiedene Maßnahmen verbessern. Die Neurotoxine verhalten sich synergistisch. Es kommt zu Veränderungen normaler Neurotransmitter und ihrer Rezeptoren.

Ischämische Zellschädigung als Ursache für Gehirnzellenzerfall und Leberschäden

Als ischämische Zellschädigung werden Schädigungen an einer Zelle bezeichnet, die aus einer reduzierten Blutzufuhr resultieren. Die insuffiziente Blutversorgung führt zu Hypoxie, Nährstoffmangel und der Ansammlung toxischer Metaboliten im betroffenen Gewebe. Das anfälligste Organ für Ischämie ist das Gehirn.

Ursachen und Folgen der ischämischen Zellschädigung

Bei längerer Ischämie führt die Hypoxie zu einem Abbau von ATP und einem verringerten intrazellulären pH-Wert (durch Laktatakkumulation). ATP-abhängige Ionentransportmechanismen werden gestört, was zu einer intrazellulären Calciumüberladung, Zellödem bzw. -ruptur und Zelltod führt. Wenn der Sauerstoffgehalt wiederhergestellt wird (Reperfusion), werden reaktive Sauerstoffspezies (ROS) erzeugt. Es treten des Weiteren proinflammatorische Veränderungen auf: Neutrophile infiltrieren ischämisches Gewebe und verschlimmern die ischämische Schädigung.

Ischämie in verschiedenen Organen

Die kürzeste Zeitspanne bis zum Auftreten irreversibler Schädigungen beträgt ca. 3 Minuten im Gehirn, 20 Minuten im Herz/Myokard und 30-60 Minuten in der Niere.

Wasserscheideninfarkte

Wasserscheideninfarkte treten an den Grenzen der Versorgungsgebiete verschiedener Arterien auf.

Klinische Aspekte der ischämischen Zellschädigung

Ischämische Zellschädigungen können durch kardioembolische Erkrankungen, andere systemische Zustände oder gastrointestinale Symptome verursacht werden. Häufig ist sie begleitet von einer Hypoperfusion anderer Endorgane.

Leberkrebs: Ursachen, Symptome und Behandlung

Leberkrebs, medizinisch korrekt hepatozelluläres Karzinom (HCC) genannt, ist in Deutschland eine recht seltene Erkrankung. Die Hauptursachen für die Entstehung eines Leberzelltumors sind übermäßiger Alkoholkonsum oder eine Hepatitis-Infektion.

Aufgaben der Leber

Die Leber übernimmt zahlreiche Aufgaben im Körper:

  • Entgiftung: Die Leber nimmt Schadstoffe auf, die aus dem Darm kommen.
  • Stoffwechsel: Die Leber verwertet bestimmte Bestandteile der Nahrung.
  • Produktion von lebenswichtigen Stoffen: Die Leber stellt Eiweiße und Hormone her sowie Stoffe, die für die Blutgerinnung wichtig sind.
  • Verdauung: Der in der Leber hergestellte Gallensaft spaltet das Fett aus der Nahrung auf.

Risikofaktoren für Leberkrebs

Es gibt mehrere Faktoren, die einen Lebertumor auslösen können:

  • Leberzirrhose
  • Fettleber und Fettleberentzündung
  • Virusinfektion (Hepatitis)
  • Schimmelpilzgifte (Aflatoxine)
  • Seltene Ursachen (Autoimmun- oder Stoffwechselerkrankungen, bestimmte Medikamente oder Chemikalien)

Symptome und Vorsorgemöglichkeiten bei Leberkrebs

Da die Leber keine Schmerzen empfindet, bleibt Leberkrebs in vielen Fällen zunächst unentdeckt. Symptome treten meist erst im späteren Stadium auf. Dazu gehören:

  • allgemeine Leistungsminderung
  • Druckschmerzen im rechten Oberbauch
  • unerklärlicher Gewichtsverlust
  • Ansammlung von Flüssigkeit in der Bauchhöhle (Aszites)
  • gelb gefärbte Haut und Augen (Gelbsucht)
  • Erbrechen von Blut
  • Schwarzer, streng riechender Stuhl, der wie Teer aussieht

Die beste Vorsorge vor Leberkrebs ist eine gesunde Lebensweise: Vermeiden Sie übermäßigen und häufigen Alkoholkonsum sowie fettreiche Nahrung. Bewegen Sie sich regelmäßig und nehmen Sie ab, wenn Sie an Übergewicht leiden. Gegen Hepatitis B gibt es einen wirksamen Impfschutz.

Diagnose und Behandlung von Leberkrebs

Zur Diagnose von Leberkrebs werden verschiedene Methoden eingesetzt:

  • Erstuntersuchung (Anamnese, körperliche Untersuchung, Blutuntersuchung)
  • Bildgebende Verfahren (Ultraschall, CT, MRT)
  • Biopsie

Die Behandlung von Leberkrebs hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie der Anzahl und Größe der Tumoren, dem Vorliegen von Metastasen, der Funktionsfähigkeit der Leber und dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten. Es gibt zwei Behandlungswege:

  • Kurative Therapie: Ziel ist die Heilung des Krebses (Operation, Organtransplantation, Wärmebehandlung)
  • Palliative Behandlung: Ziel ist die Lebensverlängerung und Linderung von Beschwerden (Transarterielle Chemoembolisation (TACE), Selektive Intraarterielle Radiotherapie (SIRT), Strahlentherapie, Systemische Therapien)

Leberversagen: Ursachen, Symptome und Therapie

Von einem Leberversagen oder einer Leberinsuffizienz spricht man, wenn die Leber nicht mehr richtig arbeitet. Selten entwickelt sich dies ohne eine Vorerkrankung der Leber (akutes Leberversagen). Meistens ist die Ursache eine langfristige Leberschädigung (chronisches Leberversagen).

Ursachen und Risikofaktoren für Leberversagen

Grundsätzlich kommen für ein Leberversagen ganz unterschiedliche Ursachen infrage. Häufig geht dem Leberversagen eine Erkrankung der Leber voraus, die bereits seit Monaten oder Jahren besteht. In dem Fall spricht man von einem chronischen Leberversagen, bei einer plötzlichen starken Verschlechterung auch von einem akut-auf-chronischen Leberversagen.

Ein akutes Leberversagen bedeutet, dass die Leberfunktion ohne eine langfristige Vorerkrankung zusammenbricht. Dies kommt deutlich seltener vor. Zu den möglichen Gründen dafür zählen:

  • Virus-Hepatitis
  • Vergiftungen
  • Seltenere Ursachen (Autoimmunhepatitis, Morbus Wilson, Schwangerschaftskomplikationen)

Symptome und Diagnose von Leberversagen

Klinische Symptome wie Ikterus und Augenflattern bringen den Arzt schnell auf den Gedanken, dass die Leber nicht richtig arbeitet. Zur Diagnose des Leberversagens nimmt er außerdem Blut ab. Verschiedene Laborwerte im Blutbild erhärten den Verdacht auf ein chronisches oder akutes Leberversagen. Die weiteren Untersuchungen richten sich nach der vermuteten Ursache, den Symptomen und dem Verlauf der Leberinsuffizienz.

Therapie von Leberversagen

Ein akutes oder akut-auf-chronisches Leberversagen erfordert eine sofortige Therapie auf einer Intensivstation. Die Behandlung richtet sich vor allem nach dem Auslöser der Leberschädigung. Zudem werden bei einem Leberversagen Symptome wie die entgleisen Blutwerte so gut wie möglich behandelt. In einigen Fällen ist eine Lebertransplantation notwendig.

Prävention von Leberversagen

Um einem Leberversagen vorzubeugen, ist es wichtig, die Risikofaktoren für verschiedene Lebererkrankungen und Vergiftungen einzudämmen:

  • Achten Sie auf einen maßvollen Alkoholkonsum.
  • Verzichten Sie auf übermäßig viel Zucker und Fett in Ihrer Ernährung.
  • Lassen Sie chronische Erkrankungen (wie Diabetes) immer richtig behandeln und einstellen.
  • Verzichten Sie auf Drogen; achten Sie gegebenenfalls auf die Verwendung steriler Nadeln.
  • Schützen Sie sich beim Geschlechtsverkehr mit Kondomen, wenn Sie über mögliche Infektionen des Sexualpartners keine Gewissheit haben.
  • Achten Sie vor Reisen ins Ausland auf einen ausreichenden Impfschutz (etwa gegen Hepatitis A und B).
  • Beherzigen Sie besonders auf Auslandsreisen die Regeln zur Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene.
  • Halten Sie sich genau an die empfohlenen Dosierungen, wenn Sie Medikamente einnehmen.
  • Verzichten Sie auf den Verzehr von Pilzen und Pflanzen, deren Art und Herkunft Sie nicht sicher kennen.

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