Hirnbiopsie: Dauer des Krankenhausaufenthalts, Verfahren und wichtige Aspekte

Die Hirnbiopsie ist ein medizinisches Verfahren, bei dem eine Gewebeprobe aus dem Gehirn entnommen und anschließend mikroskopisch untersucht wird. Ziel ist es, Zellveränderungen festzustellen, wie sie etwa bei Krebs oder Entzündungen auftreten. Obwohl der Eingriff relativ selten durchgeführt wird, ist er in bestimmten Situationen unerlässlich, um eine Diagnose zu sichern und eine geeignete Behandlungsstrategie zu entwickeln. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Hirnbiopsie, einschließlich der Vorbereitung, des Ablaufs, der Risiken, der Ergebnisse und der Dauer des Krankenhausaufenthalts.

Einleitung

Eine Hirnbiopsie wird durchgeführt, um Gewebeproben aus dem Gehirn zu gewinnen, was besonders bei unklaren Raumforderungen oder degenerativen Erkrankungen des Gehirns von Bedeutung ist. Die Entnahme der Gewebeprobe ermöglicht eine genaue Diagnose, die für die weitere Therapieplanung entscheidend ist. Da der Eingriff jedoch mit Risiken verbunden ist, wird er nur dann in Betracht gezogen, wenn andere diagnostische Methoden keine ausreichenden Informationen liefern.

Gründe für eine Hirnbiopsie

Eine Hirnbiopsie wird aus verschiedenen Gründen empfohlen, insbesondere wenn der Verdacht auf folgende Erkrankungen besteht:

  • Raumforderungen im Gehirn: Diese können gut- oder bösartig sein und müssen zur Therapieplanung abgeklärt werden.
  • Degenerative Erkrankungen: Bei fortschreitendem Abbau der Hirnsubstanz kann eine Biopsie helfen, die Ursache zu identifizieren.
  • Infektiöse Erkrankungen: In seltenen Fällen wird eine Biopsie durchgeführt, um die Erreger einer Hirninfektion zu bestimmen.
  • Unklare Bildgebungsergebnisse: Wenn Tumore oder Läsionen auf Standard-Bildgebungen nicht eindeutig klassifiziert werden können, ist eine Gewebeprobe notwendig.
  • Vor der Planung einer Therapie: Die Biopsie kann helfen, die Art des Tumors genau zu bestimmen, um eine individuell zugeschnittene Behandlung zu planen.

Arten von Hirnbiopsien

Es gibt verschiedene Techniken zur Durchführung einer Hirnbiopsie, wobei die stereotaktische Biopsie eine der gängigsten Methoden ist.

Stereotaktische Biopsie

Die stereotaktische Biopsie ist eine minimal-invasive Technik, bei der mithilfe von Bildgebungstechnologien (MRT, CT oder Neuro-Navigation) eine präzise Nadel oder ein Biopsieinstrument an den zu untersuchenden Tumor oder die verdächtige Gehirnregion geführt wird. Der Begriff "stereotaktisch" bedeutet, dass das Verfahren unter Verwendung von 3D-Bildgebung erfolgt, die eine exakte Lokalisierung der Nadel im Gehirn ermöglicht. Dies erfolgt in der Regel mithilfe eines speziellen stereotaktischen Rahmens oder neuronavigierter Systeme.

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Ablauf einer stereotaktischen Biopsie

  1. Vorbereitung: Der Patient wird in der Regel in Vollnarkose oder lokaler Betäubung versetzt.
  2. Anbringen des stereotaktischen Rahmens: Ein stereotaktischer Rahmen wird am Kopf des Patienten befestigt, um eine genaue Ausrichtung und Positionierung zu gewährleisten. In einer Berliner Klinik wird dieser Rahmen tatsächlich "Dornenkrone" genannt, da er verschorfte Markierungen am Kopf hinterlässt.
  3. Bildgebung: Der Chirurg verwendet präzise Bildgebungstechniken (MRT oder CT), um den Tumor oder die abnormale Gehirnregion exakt zu identifizieren und die Biopsienadel direkt an die Zielstruktur zu führen.
  4. Entnahme der Gewebeprobe: Eine dünne Biopsienadel wird über den stereotaktischen Rahmen oder das neuronavigierte System in den Tumorbereich eingeführt. Der Chirurg entnimmt kleine Gewebeproben des Tumors (meist mehrere, um eine repräsentative Probe zu gewährleisten).
  5. Abschluss: Die Nadel wird entfernt, und der Patient wird überwacht, während die Narkose nachlässt. Je nach Verfahren und Zustand des Patienten kann der Eingriff ambulant oder stationär erfolgen.

Vorteile der stereotaktischen Biopsie

  • Minimal-invasiv: Im Vergleich zu einer offenen Gehirnoperation ist die stereotaktische Biopsie weniger invasiv und hat daher eine kürzere Erholungszeit und ein geringeres Risiko für Komplikationen.
  • Präzision: Die Bildgebungstechnik ermöglicht eine exakte Führung der Biopsienadel, was eine sehr präzise Entnahme von Gewebe aus dem Tumor oder der verdächtigen Region ermöglicht.
  • Schnelle Diagnose: Durch die Entnahme von Gewebeproben können wichtige Informationen zur Art des Tumors (gutartig oder bösartig), zu genetischen oder molekularen Markern und zu spezifischen Tumormerkmalen schnell gewonnen werden.
  • Weniger Komplikationen: Da keine große Hirnoperation erforderlich ist, gibt es weniger Risiko für Infektionen, Blutungen oder andere chirurgische Komplikationen.

Andere Biopsieverfahren

Neben der stereotaktischen Biopsie gibt es auch andere Verfahren, wie z.B. die offene Biopsie, bei der ein größerer Einschnitt erforderlich ist, um Zugang zum Gehirn zu erhalten. Die Wahl des Verfahrens hängt von der Lage, Größe und Art der zu untersuchenden Läsion ab.

Vorbereitung auf eine Hirnbiopsie

Die Vorbereitung auf eine Hirnbiopsie umfasst mehrere wichtige Schritte, um einen reibungslosen und sicheren Ablauf des Eingriffs zu gewährleisten.

Medizinische Bewertung

Es wird eine umfassende medizinische Untersuchung durchgeführt, einschließlich der Überprüfung der Krankengeschichte, der aktuellen Medikamente und etwaiger Allergien des Patienten.

Bildgebende Tests

Vor der Biopsie ist eine genaue dreidimensionale Bildgebung des Gehirns (meist ein MRT des Gehirns) notwendig, da nur so der genaue Ort der Probenentnahme bestimmt werden kann. In der Regel werden anschließend mittels Computersimulationen die perfekten Biopsieorte bestimmt.

Anästhesie-Sprechstunde

Es findet ein Beratungsgespräch mit einem Anästhesisten statt, um die verschiedenen Anästhesieverfahren und eventuelle Bedenken des Patienten zu besprechen.

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Ablauf einer Hirnbiopsie

Der Ablauf der Hirnbiopsie unterscheidet sich etwas, je nachdem an welchen Orten und wie viele Biopsien entnommen werden sollen. Zunächst ist die Planung der genauen Stellen mittels dreidimensionaler Bilder und Computeranimationen wichtig. Anschließend wird entschieden, ob die Hirnbiopsie in Vollnarkose entnommen wird. Meist erfolgt die Biopsie mittels sehr dünner Instrumente. Diese werden auf einen Ring, der auf den Kopf aufgesetzt werden kann, aufgespannt. Dadurch wird die vorher durch den Computer bestimmte Lokalisation der Hirnbiopsie gewährleistet. Vor der eigentlichen Biopsie müssen nun kleine Löcher in den Schädelknochen gebohrt werden, durch welche die Instrumente in den Schädel eingeführt werden können. Anschließend werden die Biopsieinstrumente punktgenau an den/die gewünschte/n Ort/e gebracht. Die Gewebeproben werden anschließend meist sofort konserviert und in eine Pathologie geschickt, wo die Biopsate unter dem Mikroskop auf Auffälligkeiten untersucht werden können. Die Instrumente werden aus dem Schädel entfernt, anschließend werden die Löcher wieder verschlossen.

Risiken und Komplikationen

Wie jeder chirurgische Eingriff birgt auch die Hirnbiopsie gewisse Risiken und mögliche Komplikationen.

Allgemeine Risiken

  • Blutungen und Nachblutungen
  • Schwellungen
  • Verletzungen von Strukturen an der Haut oder am Schädel
  • Infektionen

Spezifische Risiken

  • Schädigung von Hirnstrukturen mit möglichen Funktionsausfällen
  • Liquorleck (Austritt von Hirnwasser)
  • Verschleppung von Tumorzellen

Infektionen

Die gefürchtetsten und gefährlichsten Risiken der Hirnbiopsie bestehen in einer Infektion. Da bei der Untersuchung Löcher in den Schädel gebohrt werden, besteht nun eine direkte Verbindung zwischen der Außenwelt und dem ansonsten besonders gut abgeschirmten Gehirn. Daher eignen sich die Löcher sowie die Biopsieinstrumente hervorragend für Infektionen durch Bakterien, Pilze oder Viren.

Ergebnisse der Hirnbiopsie

Die Ergebnisse der Hirnbiopsie unterscheiden sich je nach zugrundeliegender Erkrankung sehr deutlich. So sollte bei Raumforderungen zunächst eine Unterscheidung in gut- und bösartige Prozesse erfolgen. Anschließend muss genauer bestimmt werden, von welchem Hirngewebe die Läsion ausgeht. So kann neben den einzelnen großen Anteilen des Gehirns (Großhirn, Kleinhirn, Zwischenhirn, etc.) auch zwischen unterschiedlichen Zellen im Gehirn entschieden werden. Die Raumforderungen können beispielsweise von den Nervenzellen selbst ausgehen. Aber auch Zellen, die nur der Isolation der Nervenbahnen dienen, können entarten oder sich ungewollt vermehren. Eine genaue Unterscheidung der zugrundeliegenden Mechanismen erfolgt meist unter dem Mikroskop. Außerdem werden verschiedene Färbemethoden angewandt, die bestimmte biologische Eigenschaften der betroffenen Zellen untersuchen können. Bei neurodegenerativen Erkrankungen (Rückgang des Hirngewebes) sollten die Ergebnisse der Biopsie ebenfalls erklären können, von welchen Zellen des Gehirns die Prozesse ausgehen. Gegebenenfalls können bei Hirnbiopsien auch Ablagerungen von giftigen Stoffen im Gehirn gefunden werden, welche bestimmte Symptome erklären. Die groben Ergebnisse sind je nach Dringlichkeit nach einer Hirnbiopsie meist bereits nach einem Tag zu erwarten (abhängig davon, ob das durchführende Krankenhaus selbst eine pathologische Abteilung besitzt oder die Proben erst an eine geeignete Einrichtung verschicken muss). Eine genaue Untersuchung der erkrankten Zellen sowie deren biologisches Profil kann dagegen einige Tage bis hin zu Wochen in Anspruch nehmen.

Dauer des Krankenhausaufenthalts

Die Dauer des Krankenhausaufenthalts nach einer Hirnbiopsie variiert je nach Art des Eingriffs, dem Zustand des Patienten und dem Auftreten von Komplikationen. In der Regel beträgt der Aufenthalt jedoch zwischen zwei und sieben Tagen. Bei unkomplizierten stereotaktischen Biopsien kann der Patient möglicherweise bereits am nächsten Tag entlassen werden, während bei offenen Biopsien oder dem Auftreten von Komplikationen ein längerer Aufenthalt erforderlich sein kann.

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Faktoren, die die Aufenthaltsdauer beeinflussen

  • Art der Biopsie: Stereotaktische Biopsien sind in der Regel mit einem kürzeren Krankenhausaufenthalt verbunden als offene Biopsien.
  • Komplikationen: Das Auftreten von Komplikationen wie Blutungen, Infektionen oder neurologischen Ausfällen kann den Aufenthalt verlängern.
  • Allgemeiner Gesundheitszustand: Patienten mit Vorerkrankungen oder einem schlechten Allgemeinzustand benötigen möglicherweise eine längere Überwachung und Genesungszeit.
  • Individueller Genesungsverlauf: Jeder Patient erholt sich unterschiedlich schnell, was sich auf die Dauer des Krankenhausaufenthalts auswirken kann.

Erfahrungsberichte von Patienten

Einige Patienten berichten von einem kurzen Krankenhausaufenthalt von zwei Tagen, während andere aufgrund von Komplikationen oder der Notwendigkeit einer Überwachung länger im Krankenhaus bleiben mussten. Es ist wichtig, sich auf einen individuellen Genesungsverlauf einzustellen und die Anweisungen des behandelnden Arztes genau zu befolgen.

Nachsorge und Rehabilitation

Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus ist eine sorgfältige Nachsorge und Rehabilitation wichtig, um den Genesungsprozess zu unterstützen und mögliche Komplikationen frühzeitig zu erkennen.

Ärztliche Kontrollen

Regelmäßige ärztliche Kontrollen sind unerlässlich, um den Heilungsverlauf zu überwachen und gegebenenfalls weitere Behandlungen einzuleiten.

Medikamentöse Therapie

Je nach Befund der Biopsie und dem Zustand des Patienten kann eine medikamentöse Therapie erforderlich sein, z.B. zur Behandlung von Entzündungen, Infektionen oder zur Unterdrückung von Tumorzellen.

Rehabilitation

In einigen Fällen kann eine Rehabilitation erforderlich sein, um neurologische Ausfälle zu kompensieren und dieFunktionsfähigkeit wiederherzustellen. Dies kann Physiotherapie, Ergotherapie oder Logopädie umfassen.

Kosten einer Hirntumorbehandlung

Die Kosten für die Behandlung von Hirntumoren können je nach Art der Behandlung, dem Krankenhaus und dem Standort variieren. In Singapur beispielsweise betragen die Kosten für die Behandlung von Hirntumoren 20.000 bis 100.000 USD. Die Kosten können auch durch die Dauer des Krankenhausaufenthalts, die Notwendigkeit einer Nachsorge und den Einsatz fortschrittlicher Technologien beeinflusst werden.

Globale Kostenvergleich

Ein globaler Vergleich der Kosten für die Behandlung von Hirntumoren zeigt erhebliche Unterschiede zwischen den Ländern. So sind die Kosten in Indien beispielsweise deutlich niedriger als in der Schweiz oder den USA.

LandMindestkosten (USD)Maximale Kosten (USD)
Indien7.50012.000
Israel20.00034.000
Malaysia20.00060.000
Saudi-Arabien20.000100.000
Singapur20.000100.000
Südafrika10.00050.000
Südkorea20.00035.000
Spanien30.000100.000
Schweiz50.000200.000
Thailand22.00025.000
Tunesien10.00030.000
Türkei8.65029.000
Vereinigte Arabische Emirate13.00028.000
Großbritannien50.000150.000

Alternativen zur Hirnbiopsie

Die Alternativen zu einer Hirnbiopsie sind in der Regel eingeschränkt, da man sich nur in besonderen Situationen für eine Biopsie entscheidet. Vorab sind meist schon viele Bildgebungen des Hirns erfolgt, mit deren Hilfe man versucht, die Diagnosen einzugrenzen. Einige Prozesse können anstelle einer Hirnbiopsie durch eine Liquorpunktion, also eine Untersuchung des Hirnwassers erfolgen.

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