Die Zoologische Sammlung der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg ist nicht nur eine bedeutende Forschungskollektion Deutschlands, sondern auch ein lebendiger Ort der Wissensvermittlung. Insbesondere das Projekt "Junge Experten", initiiert unter der Leitung von Dr. Karla Schneider, Kustodin der Zoologischen Sammlung, erfreut sich großer Beliebtheit. Dieses museumspädagogische Angebot ermöglicht es Schülern, die Aufgabenbereiche einer naturwissenschaftlichen Sammlung kennenzulernen und sich als Nachwuchs-Präparatoren, Spezialisten für bestimmte Tiergruppen oder sogar als Experten für die Gestaltung von Führungen auszutesten.
Die Zoologische Sammlung Halle: Ein Schatzhaus der Biodiversität
Die Zoologische Sammlung in Halle ist die älteste und umfangreichste ihrer Art in Sachsen-Anhalt. Mit etwa 2,5 Millionen Objekten umfasst sie alle Tiergruppen, von Schwämmen über Korallen bis hin zu Weichtieren, Krebsen, Spinnen, Insekten und Wirbeltieren. In Mitteldeutschland wird sie in Umfang und thematischer Breite nur von den Sammlungen der Naturkundemuseen in Berlin, Dresden und Görlitz übertroffen. Deutschlandweit gehört sie zu den 15 größten zoologischen Sammlungen.
Das Material stammt zum großen Teil aus Südamerika, Zentralasien und Mitteleuropa. Bemerkenswert ist der hohe Anteil stark bedrohter oder bereits ausgestorbener Arten sowie von sogenannten Typusexemplaren. Die Sammlung besitzt zwei Schaumagazine für Lehre und Weiterbildung im Ambiente des späten 19. Jahrhunderts, einschließlich der knapp 200 historischen Vitrinen. Einige Sammlungsteile sind in der internationalen Forschung sehr gefragt, darunter die historische Insektensammlung, die am besten dokumentierte und weltweit umfangreichste Sammlung mongolischer Wirbeltiere, die weltweit drittbeste Sammlung an kubanischen Vögeln, eine der drei besten Vogeleiersammlungen der Welt und das frühe Typenmaterial aus Südamerika, u.a. von Burmeister. Die wissenschaftliche Sammlung beinhaltet zudem eine Skelettsammlung vom Aussterben bedrohter Tiere mit teils erstaunlichen Serien von mehreren hundert Nachweisen von u. a. Fischottern, Bibern und Wildkatzen. Zu den musealen Besonderheiten zählen Riesenotter, Beutelwolf und der zentralasiatische Biber. Die Sammlung beteiligt sich regelmäßig an regionalen, nationalen wie internationalen Forschungsvorhaben und wird intensiv in der Objekt basierten Lehre eingesetzt.
Die Sammlung dient nicht nur der Forschung, sondern auch der Lehre und Weiterbildung. In zwei Schaumagazinen, die im Ambiente des späten 19. Jahrhunderts eingerichtet sind, können Besucher die Vielfalt der Tierwelt bestaunen. Die historischen Vitrinen tragen zusätzlich zum besonderen Charme der Sammlung bei.
"Junge Experten": Museumspädagogik und Nachwuchsförderung
Ein besonderes Highlight der Zoologischen Sammlung ist das museumspädagogische Angebot "Junge Experten". Unter der Leitung von Museumspädagogin Arila-Maria Perl und in enger Zusammenarbeit mit Dr. Karla Schneider, Kustodin der Zoologischen Sammlung, erhalten Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, eigene Forschungsprojekte zu entwickeln und umzusetzen.
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Die "Jungen Experten" treffen sich jeden Dienstagnachmittag in der Zoologischen Sammlung. Hier können sie sich frei bewegen, ihre Interessen entdecken und eigene Forschungsthemen wählen. Die Kinder werden dabei von einer Museumspädagogin fachlich und gleichermaßen auch didaktisch angeleitet. „Ziel ist es, den Kindern die Grundlagen wissenschaftlicher Arbeit beizubringen, so dass sie ihr Wissen zum Beispiel bei Führungen oder in kleinen Publikationen weitergeben können. Sie sollen sollen Jung-Experten werden“, so Museumspädagogin Arila-Maria Perl. Wann immer es möglich ist, nehmen sich die Wissenschaftler des Zentralmagazins Naturwissenschaftlicher Sammlungen (ZNS) Zeit für die „Jungen Experten“ und lassen sich bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen.
Ein Beispiel: "Wir machen Meer"
Ein konkretes Beispiel für die Arbeit der "Jungen Experten" ist das Projekt "Wir machen Meer". Die Schülerinnen Maria und Anastasia haben sich entschieden, eine Vitrine mit Meerestieren zu gestalten. "Wir mögen beide das Meer", sagt Anastasia. Und sie kennen es gut. "Ich war schon oft Schnorcheln", erzählt Maria. Ihre Freundin ergänzt: "Wir haben auch schon viele Dokumentarfilme gesehen - über das bedrohte Great Barrier Reef zum Beispiel“. Gemeinsam mit der Kustodin der Zoologischen Sammlung Dr. Karla Schneider stehen die beiden Mädchen vor einer Vitrinen, auf der Suche nach Meerestieren, die mit Ton nachgebaut werden könnten. Sie inspizieren die Feuerkoralle und staunen über ein Stück Haihaut - „wie cool!“.
Nach der Recherche und dem Sichten der Bestände entscheiden sie sich für die Ausstellungsstücke, die zu gestalten sind. „Tiefseekorallen sind eigentlich nicht so spektakulär“, findet Maria, die Meeresbiologin werden möchte und eine eigene Schneckensammlung zu Hause hat. Ein „einmaliger Kugelfisch“, ein „netter Hai“ und Meeresschwämme entstehen so im Laufe des Nachmittags. Bei jedem Tier gilt es, die Struktur so realitätsgetreu wie möglich in Ton zu kopieren.
"Die Kinder bringen eigene Interessen mit. Sie können sich frei in den Räumen bewegen und suchen sich ihre Forschungsthemen selbst", so Arila Perl, die als Museumspädagogin die Kinder betreut.
Das Projekt "Junge Experten" bietet den Kindern nicht nur die Möglichkeit, ihr Wissen über die Natur zu erweitern, sondern fördert auch ihre Kreativität, ihre Teamfähigkeit und ihre Fähigkeit zum selbstständigen Arbeiten.
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Mehrwert für die Universität und die Stadt Halle
Für die Universität Halle liegt der Mehrwert des Angebots aber auch noch anderswo: „Durch die jungen Experten können wir zum einen langfristig Nachwuchs binden und vielleicht für ein Studium an der Uni Halle begeistern. Zum anderen wirken wir über die Kinder in die Stadt und die Öffentlichkeit hinein", so Perl.
Das Haustiermuseum "Julius Kühn"
Neben der Zoologischen Sammlung beherbergt der Steintor-Campus auch das Haustiermuseum "Julius Kühn". Das Museum zeigt einen weltweit einzigartigen Bestand an präparierten Haustieren sowie deren Skelette. Und es erklärt internationale Forschungsprojekte in der Domestikationsforschung und Tierzucht.
Informationen für Besucher
Der Steintor-Campus gewinnt für Besucher nun an zusätzlicher Attraktivität. Das auf diesem einstigen Gelände der Landwirtschaftsfakultät verbliebene, historische Haustiermuseum wird nun für Besucher zugänglich. Interessierte Besucher und Schulklassen können nun erstmals regelmäßig und kostenfrei die Zoologische Sammlung und das Museum für Haustierkunde besichtigen oder auch Führungen und Expertengespräche planen und buchen“, so Frank Steinheimer, der Leiter des ZNS an der halleschen Universität.
Zoologische Sammlung:
- Führungen und Expertengespräche können geplant und gebucht werden.
Haustiermuseum (Steintorcampus):
- Führungen mittwochs 14 bis 17 Uhr.
- Kontakt: Telefon: +49 (0) 345 5526 455Dr. Frank D. Steinheimer.
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