Die Frage, ob Zugluft eine Hirnhautentzündung (Meningitis) verursachen kann, ist ein weit verbreitetes Anliegen. Um diese Frage zu beantworten, ist es wichtig, die Ursachen und Risikofaktoren einer Hirnhautentzündung zu verstehen.
Was ist eine Hirnhautentzündung?
Bei einer Meningitis handelt es sich um die Entzündung der Hirn- und Rückenmarkshäute (Meningen). In den meisten Fällen wird sie durch Viren verursacht, aber auch andere Erreger können zu der ernstzunehmenden Erkrankung führen. Bakterielle und virale Erreger sind in erster Linie für die Meningitis verantwortlich. Im Gegensatz zur bakteriellen Meningitis kommt es im Vergleich deutlich häufiger zu einer viralen Hirnhautentzündung. Die Erkrankung kann in jedem Alter auftreten, vom Säugling bis zum älteren Erwachsenen. Dank Impfungen ist die Zahl der Erkrankungen durch bestimmte Bakterien wie Haemophilus influenzae und Meningokokken in den letzten Jahrzehnten zurückgegangen.
Ursachen einer Hirnhautentzündung
Die Auslöser der Meningitis sind vielfältig, meist verursachen Bakterien oder Viren die Entzündung.
Bakterielle Meningitis
Mögliche Erreger einer bakteriellen Meningitis sind zum Beispiel:
- Pneumokokken (Streptococcus pneumoniae): Vorausgehen kann eine Entzündung im Hals-Nasen-Ohren-Bereich, wie eine Mittelohr- oder Nasennebenhöhlenentzündung.
- Meningokokken (Neisseria meningitidis): Meningokokken werden durch Tröpfcheninfektion übertragen und sind sehr ansteckend. Menschen mit einer Meningokokken-Meningitis müssen deshalb schnell isoliert werden.
Die bakterielle Meningitis wird häufig durch Pneumokokken (spezielle Bakterien der Gattung Streptococcus pneumoniae) ausgelöst. Des Weiteren kommt als mögliche Ursache für Meningitis eine Erkrankung mit Meningokokken infrage. Da die auslösenden Erreger außerhalb des menschlichen Körpers relativ rasch absterben, ist für die Übertragung ein enger Kontakt nötig. Die Bakterien werden daher direkt oder über Tröpfchen beispielsweise beim Husten oder Niesen weitergegeben. Die Dauer bis zum Ausbruch (Inkubationszeit) beträgt bei einer Meningokokken-Meningitis in der Regel 3 bis 4 Tage. Eine Meningokokken-Erkrankung ist sehr ansteckend, kann einen schwerwiegenden Verlauf nehmen und innerhalb weniger Stunden lebensbedrohliche Ausmaße annehmen.
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Virale Meningitis
Mögliche Erreger einer viralen Meningitis sind zum Beispiel:
- Enteroviren: Sie sind die häufigste Ursache für virale Hirnhautentzündungen.
- Herpesviren: Insbesondere das Herpes-simplex-Virus (HSV) und das Varizella-Zoster-Virus (der Erreger von Windpocken und Gürtelrose) können eine schwere Meningoenzephalitis (Entzündung des Gehirns) verursachen.
- FSME-Virus: Das Frühsommer-Meningoenzephalitis-Virus wird durch Zeckenstiche übertragen.
Seltener kann eine Hirnhautentzündung auch durch Pilzinfektionen verursacht werden, vor allem bei Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem.
Symptome einer Hirnhautentzündung
Die Anzeichen einer Meningitis können sich schnell entwickeln. Anzeichen einer Meningitis sind zum Beispiel:
- starke Kopfschmerzen
- hohes Fieber
- Nackensteifigkeit (Meningismus)
- Bewusstseinsstörungen (von leichter Verwirrtheit bis zum Koma)
Allerdings treten nicht immer alle vier Symptome gemeinsam auf. Weitere häufige Beschwerden sind Übelkeit, Erbrechen, starke Licht- und Geräuschempfindlichkeit (Lichtscheu) sowie epileptische Anfälle.
Bei einer durch Meningokokken verursachten Meningitis ist ein Warnsignal ein typischer Hautausschlag, der als kleine, rote oder violette Flecken (Petechien) beginnt. Sie können sich zu größeren Einblutungen entwickeln (Purpura fulminans) und deuten darauf hin, dass die Blutgerinnung durch die Infektion gestört ist. Das kann Zeichen einer schweren Blutvergiftung (Sepsis) sein.
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Bei Säuglingen und Kleinkindern sind die Symptome oft untypisch. Bei Verdacht auf eine Meningitis sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen oder den Notruf (112) wählen. Achten Sie auf diese Warnzeichen:
- plötzliche starke Kopfschmerzen,
- Fieber
- und Nackensteifigkeit, das bedeutet Sie können den Kopf nicht mehr nach vorne zur Brust beugen.
Zugluft und Nackensteifigkeit
Viele Menschen reagieren empfindlich auf Zugluft und geben an, dass ein durch Zugluft ausgekühlter Nacken zu Schmerzen und Verspannungen führt. Messbar ist das allerdings nicht: So konnte in einer aktuellen Studie kein Zusammenhang zwischen Nackenschmerzen und einer eingeschränkten Beweglichkeit aufgrund der Spannung innerhalb des Muskelgewebes festgestellt werden. Wenn Sie dennoch den Eindruck haben, dass ein kalter Luftstrom die Nacken- und Halsmuskulatur angreift und versteift, sollten Sie stets ein Halstuch oder einen Schal dabeihaben.
Ein versteifter Nacken ist ein mitunter äußerst schmerzhaftes Symptom des sogenannten Halswirbelsäulen- oder Zervikalsyndroms und kann in diesem Rahmen eine Reihe von Begleiterscheinungen mit sich bringen. Ausstrahlung in angrenzende Körperbereiche, wie z. B. Sehstörungen (z. B.
Der Zusammenhang zwischen Zugluft und Hirnhautentzündung
Es gibt keinen direkten wissenschaftlichen Beweis dafür, dass Zugluft eine Hirnhautentzündung verursacht. Hirnhautentzündungen werden in erster Linie durch Viren und Bakterien verursacht, die durch Tröpfcheninfektion übertragen werden.
Allerdings kann Zugluft indirekt zu einem erhöhten Risiko für Infektionen beitragen, indem sie:
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- Das Immunsystem schwächt: Kälte kann das Immunsystem vorübergehend schwächen, was es Viren und Bakterien leichter macht, in den Körper einzudringen und eine Infektion auszulösen.
- Verspannungen verursacht: Zugluft kann zu Muskelverspannungen im Nacken- und Schulterbereich führen, was wiederum die Durchblutung beeinträchtigen und das Immunsystem schwächen kann.
Vorbeugung
Auch wenn Zugluft nicht direkt eine Hirnhautentzündung verursacht, ist es dennoch ratsam, sich vor Kälte und Zugluft zu schützen, um das Immunsystem zu stärken und Muskelverspannungen vorzubeugen.
Weitere vorbeugende Maßnahmen gegen Hirnhautentzündung sind:
- Impfungen: Es gibt Impfungen gegen einige der häufigsten bakteriellen Erreger der Hirnhautentzündung, wie Meningokokken und Pneumokokken.
- Gute Hygiene: Regelmäßiges Händewaschen und Vermeidung von engem Kontakt mit erkrankten Personen können das Risiko einer Ansteckung verringern.
- Stärkung des Immunsystems: Ausreichend Schlaf, eine gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung können das Immunsystem stärken und vor Infektionen schützen.
Was tun bei Verdacht auf Hirnhautentzündung?
Bei Verdacht auf eine Hirnhautentzündung sollten Sie umgehend einen Arzt aufsuchen oder den Notruf (112) wählen. Eine rasche Diagnose und anschließende Therapie ist wichtig, um schwerwiegende Komplikationen sowie das Sterberisiko zu reduzieren.
Behandlung einer Meningitis
Die Therapie hängt entscheidend vom Erreger ab.
Behandlung der bakteriellen Meningitis
Patienten und Patientinnen mit Verdacht auf eine bakterielle Meningitis werden sofort im Krankenhaus, meist auf einer Intensivstation, aufgenommen. Sie erhalten Antibiotika über die Vene und zusätzlich wird oft ein Kortisonpräparat gegeben. Es kann bei Pneumokokken-Meningitis die Sterblichkeit und bei einer Meningokokken-Meningitis das Risiko für Folgeschäden wie einen Hörverlust senken.
Behandlung der viralen Meningitis
Die meisten viralen Hirnhautentzündungen werden symptomatisch mit fiebersenkenden und schmerzlindernden Medikamenten behandelt. Eine wichtige Ausnahme ist die durch Herpesviren (Herpes-simplex-Virus, Varizella-Zoster-Virus) verursachte Enzephalitis. Hier ist eine sofortige intravenöse Therapie mit dem antiviralen Medikament Aciclovir lebensrettend und muss bereits bei Verdacht begonnen werden.
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