Zitternde Hände können verschiedene Ursachen haben, von harmlosen Auslösern wie Stress oder Koffeinkonsum bis hin zu neurologischen Erkrankungen wie Morbus Parkinson oder Multipler Sklerose. Entzündungsherde im Gehirn, die beispielsweise durch eine Enzephalitis oder Multiple Sklerose verursacht werden, können ebenfalls zu Tremor führen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen von zitternden Händen im Zusammenhang mit Entzündungsherden im Gehirn und stellt mögliche Behandlungsansätze vor.
Morbus Parkinson: Dopaminmangel und seine Folgen
Morbus Parkinson ist eine neurodegenerative Erkrankung, die durch einen Mangel an Dopamin in bestimmten Hirnregionen gekennzeichnet ist. Dopamin ist ein wichtiger Botenstoff, der unter anderem von der Substantia nigra produziert wird und für die Steuerung der Muskelbewegungen verantwortlich ist. Beim Morbus Parkinson sterben die dopaminproduzierenden Zellen in der Substantia nigra ab, was zu einem Dopaminmangel führt.
Kardinalsymptome des Morbus Parkinson
Das Parkinson-Syndrom äußert sich durch die folgenden Kardinalsymptome, die in unterschiedlicher Ausprägung auftreten können:
- Akinese: Bewegungsarmut, die zu einer Verlangsamung und Verminderung willkürlicher und automatischer Bewegungen führt. Betroffene haben Schwierigkeiten beim Aufstehen, Hinsetzen, Umdrehen im Liegen oder Stehen. Im weiteren Verlauf können vermindertes Mitschwingen der Arme beim Gehen, reduzierte Mimik und Störungen der Feinmotorik auftreten. Bei schwer betroffenen Patienten kann es zu Gangstörungen mit Start- und Stophemmung, einem kleinschrittigen Gangbild und Sturzneigung kommen. Plötzlich auftretende Unbeweglichkeit beim Gehen wird als Freezing bezeichnet.
- Muskuläre Rigidität (Rigor): Muskelsteife bei aktiven und passiven Bewegungen. Das Zahnradphänomen, bei dem es bei passiver Bewegung des Handgelenks zu einem ruckartigen Nachgeben des Muskelwiderstandes kommt, ist typisch.
- Ruhetremor (Zittern): Eines der auffälligsten Symptome, bei dem die Hände oder Finger in Ruhe Bewegungen ausführen, die an Geldzählen oder Pillendrehen erinnern. Aufregung verstärkt das Zittern häufig. Der Ruhetremor hat beim Parkinson-Patienten eine typische Frequenz von 2-3 Hz und entsteht durch die Anspannung in gegensätzlichen Muskeln.
Weitere Symptome des Morbus Parkinson
Neben den Kardinalsymptomen können im Verlauf der Erkrankung weitere Symptome auftreten:
- Schmerzen oder Missempfindungen: Im Rücken, Nacken, Armen oder Beinen. Oft werden diese Symptome als Muskel- oder Gelenkerkrankung verkannt.
- Störungen der Blasen- oder Darmfunktion: Harninkontinenz oder Verstopfung (Obstipation). Auch die Sexualfunktion oder die Regelung von Blutdruck und Körpertemperatur können gestört sein.
- Veränderungen der Stimmung und des Gefühlslebens: Ängste, vermehrte Reizbarkeit oder Depressionen.
- Nachlassen der geistigen Leistungsfähigkeit: Kann bis zur Demenz fortschreiten.
- Störungen des Sprechens und Schluckens: Die Sprache kann undeutlicher, leise und monoton werden. Schluckstörungen können die Nahrungsaufnahme und den Speichel betreffen und zu einer Lungenentzündung führen.
- Hautprobleme: Fettige oder ölige Haut im Gesichtsbereich (Salbengesicht) oder starke Trockenheit der Haut.
- Schlafprobleme: Unruhe, Alpträume und das Gefühl, nicht ausgeschlafen zu sein.
- Riechstörungen: Oft ein unerkanntes Frühzeichen, das bereits Jahre vor den motorischen Symptomen auftreten kann.
Ursachen des Morbus Parkinson
Die Ursachen des Morbus Parkinson sind vielfältig. Es gibt primäre Parkinson-Syndrome, bei denen keine Ursache gefunden wird oder Erblichkeit vorliegt (idiopathisches Parkinson-Syndrom, hereditäre Parkinson-Syndrome), und sekundäre Parkinson-Syndrome, bei denen eine spezifische Ursache diagnostiziert werden kann. Zu den sekundären Ursachen zählen:
Lesen Sie auch: Entzündungsherde bei Multipler Sklerose
- Hirnentzündungen: Verschiedener Ursache (Enzephalitis lethargica, AIDS-Enzephalopathie, andere Erreger).
- Durchblutungsstörungen: Schlaganfall.
- Giftstoffe: Mangan, Kohlenmonoxid, MPTP (Drogenmissbrauch).
- Medikamente: Gegen psychische Erkrankungen, Übelkeit und Erbrechen, bestimmte Blutdruck- und Herzmedikamente.
- Schädel-Hirn-Verletzungen.
- Stoffwechselerkrankungen: Wilson-Krankheit, Hypoparathyreoidismus.
- Neurodegenerative Erkrankungen: Multisystematrophie, progressive supranukleäre Blickparese, kortikobasale Degeneration, Demenz vom Lewy-Körper-Typ, Huntington-Krankheit.
Diagnose und Behandlung des Morbus Parkinson
Die Diagnose des Morbus Parkinson wird von einem Neurologen gestellt. Sie umfasst eine ausführliche Anamnese, eine klinisch-neurologische Untersuchung und gegebenenfalls eine psychiatrische Untersuchung. Bildgebende Verfahren wie Computer- oder Kernspintomographie des Gehirns sowie eine spezielle nuklearmedizinische Untersuchung (DAT-Spect) können ebenfalls eingesetzt werden.
Die Behandlung des Morbus Parkinson zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Es stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, die individuell auf die Bedürfnisse des Patienten abgestimmt werden. Nichtmedikamentöse Maßnahmen wie Physiotherapie, psychisch stützende Maßnahmen und kognitives Training können ebenfalls hilfreich sein. In schweren Fällen kann eine Tiefenhirnstimulation in spezialisierten Zentren in Erwägung gezogen werden.
Essentieller Tremor: Ursachen und Behandlung
Der essentielle Tremor ist eine der häufigsten Ursachen für zitternde Hände. Es handelt sich um eine neurologische Erkrankung, die sich durch unwillkürliche und rhythmische Zitterbewegungen äußert. Die genaue Ursache ist bisher nicht vollständig geklärt, aber es gibt Hinweise auf eine genetische Veranlagung.
Symptome des essentiellen Tremors
Der essentielle Tremor tritt meist beidseits bei aktiven Bewegungen auf und ist deutlich sichtbar. Typisch sind sechs bis acht Zitterbewegungen pro Sekunde, vor allem wenn die Hände nach vorne gestreckt oder Gegenstände gehalten werden. Neben den Händen können auch andere Körperregionen wie Arme, Kopf, Beine oder Stimme betroffen sein.
Diagnose und Behandlung des essentiellen Tremors
Die Diagnose des essentiellen Tremors wird in der Regel anhand der Anamnese und einer körperlichen Untersuchung gestellt. In komplexeren Fällen kann eine Elektromyographie (EMG) oder eine polygraphische Tremoranalyse durchgeführt werden.
Lesen Sie auch: Entzündungsherde im ZNS verstehen
Die Behandlung des essentiellen Tremors zielt darauf ab, das Zittern zu unterdrücken und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Es kommen medikamentöse und nicht-medikamentöse Therapien infrage. Häufig werden Betablocker wie Propranolol oder Antiepileptika verschrieben. In schweren Fällen, die nicht auf Medikamente ansprechen, kann eine tiefe Hirnstimulation in Erwägung gezogen werden.
Hilfreiche Maßnahmen im Alltag
Neben den medizinischen Behandlungen können einfache Tricks und Helfer den Alltag für Menschen mit essentiellem Tremor erleichtern:
- Verzicht auf Substanzen wie Koffein, die die Symptome verstärken können.
- Stressreduktion.
- Verwendung von Hilfsmitteln wie Tremorlöffel oder Tremorstifte.
Multiple Sklerose (MS): Entzündungen im Gehirn und ihre Auswirkungen
Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die Gehirn und Rückenmark betrifft. Bei MS greift das Immunsystem die schützende Myelinschicht um die Nervenfasern an, was zu Entzündungen und Schädigungen führt. Diese Entzündungsherde können an verschiedenen Stellen im Gehirn auftreten und unterschiedliche neurologische Symptome verursachen, darunter auch Tremor.
Symptome der Multiplen Sklerose
Die Symptome der Multiplen Sklerose sind vielfältig und können von Person zu Person unterschiedlich sein. Häufige Symptome sind:
- Motorische Störungen: Muskelschwäche, verlangsamte Bewegungsabläufe, Spastik, Gleichgewichtsstörungen.
- Sensibilitätsstörungen: Missempfindungen, Taubheitsgefühle, Kribbeln.
- Sehstörungen: Entzündung des Sehnervs (Optikusneuritis), unkontrollierte Augenbewegungen (Nystagmus).
- Blasen- und Darmstörungen: Harninkontinenz, Verstopfung.
- Schmerzen: Vor allem in Armen und Beinen.
- Fatigue: Körperliche und psychische Erschöpfung.
- Kognitive Störungen: Gedächtnisprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten.
- Psychische Veränderungen: Depressionen, Angstzustände.
- Tremor: Zitternde Hände.
Diagnose der Multiplen Sklerose
Die Diagnose der Multiplen Sklerose ist komplex und erfordert verschiedene Untersuchungen. Dazu gehören:
Lesen Sie auch: Multiple Sklerose und Entzündungsherde
- Neurologische Untersuchung.
- Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns und Rückenmarks: Zum Nachweis von Entzündungsherden.
- Liquoruntersuchung (Lumbalpunktion): Zum Nachweis von oligoklonalen Banden, die auf entzündliche Prozesse im Körper hinweisen.
- Messungen von Sehnerven (VEP) und Nervenbahnen (SEP).
Behandlung der Multiplen Sklerose
Die Behandlung der Multiplen Sklerose zielt darauf ab, die Entzündungen zu reduzieren, die Symptome zu lindern und den Krankheitsverlauf zu verlangsamen. Es kommen verschiedene Medikamente zum Einsatz, darunter:
- Kortison: Zur Behandlung von akuten Schüben.
- Immuntherapien: Zur Beeinflussung des Immunsystems und zur Reduktion der Entzündungsaktivität.
- Symptomatische Therapien: Zur Linderung spezifischer Symptome wie Spastik, Schmerzen oder Blasenstörungen.
Zusätzlich zu den medikamentösen Therapien spielen auch nicht-medikamentöse Maßnahmen eine wichtige Rolle bei der Behandlung der Multiplen Sklerose:
- Physiotherapie: Zur Verbesserung der Beweglichkeit, Koordination und Kraft.
- Ergotherapie: Zur Unterstützung bei alltäglichen Aktivitäten.
- Logopädie: Zur Behandlung von Sprach- und Schluckstörungen.
- Psychotherapie: Zur Bewältigung der psychischen Belastungen.
- Sport und Bewegung: Zur Verbesserung der körperlichen und psychischen Gesundheit.
- Gesunde Ernährung.
Enzephalitis: Entzündung des Gehirns als mögliche Ursache für Tremor
Eine Enzephalitis ist eine Entzündung des Gehirns, die meist durch Viren verursacht wird. Seltener sind Bakterien, Pilze oder Parasiten die Ursache. In einigen Fällen kann auch eine Autoimmunreaktion des Körpers gegen das eigene Gehirngewebe eine Enzephalitis auslösen (Autoimmun-Enzephalitis).
Symptome der Enzephalitis
Die Symptome einer Enzephalitis können vielfältig sein und hängen von der Ursache und dem Schweregrad der Entzündung ab. Häufige Symptome sind:
- Fieber.
- Kopfschmerzen.
- Verwirrtheit.
- Bewusstseinsstörungen.
- Krampfanfälle.
- Verhaltensänderungen.
- Halluzinationen.
- Denkstörungen.
- Neurologische Ausfälle: Lähmungen, Sprachstörungen, Sehstörungen, Tremor.
Ursachen der Enzephalitis
Die häufigsten Ursachen für eine Enzephalitis sind:
- Viren: Herpes-simplex-Viren, Enteroviren, Epstein-Barr-Viren, Cytomegalieviren, Varizella-Zoster-Viren, Parechoviren, Influenzaviren, Arboviren (z.B. FSME-Virus, West-Nil-Virus).
- Autoimmunreaktionen: Bei der Autoimmun-Enzephalitis greift das Immunsystem die Gehirnzellen an.
Diagnose der Enzephalitis
Die Diagnose einer Enzephalitis umfasst:
- Neurologische Untersuchung.
- Anamnese.
- Blutuntersuchung.
- Liquoruntersuchung (Lumbalpunktion).
- Bildgebende Verfahren: Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns.
Behandlung der Enzephalitis
Die Behandlung einer Enzephalitis richtet sich nach der Ursache der Entzündung. Bei einer viralen Enzephalitis können antivirale Medikamente eingesetzt werden. Bei einer Autoimmun-Enzephalitis kommen Immunsuppressiva zum Einsatz, um die Immunreaktion zu unterdrücken. In schweren Fällen kann eine intensivmedizinische Betreuung erforderlich sein.
Weitere Ursachen für zitternde Hände
Neben den bereits genannten Erkrankungen gibt es noch weitere Ursachen für zitternde Hände:
- Physiologischer Tremor: Ein kaum wahrnehmbares, feines Zittern, das durch Stress, Angst, Müdigkeit, Koffeinkonsum oder bestimmte Medikamente verstärkt werden kann.
- Verstärkter physiologischer Tremor: Durch Stoffwechselstörungen wie Schilddrüsenüberfunktion, Unterzuckerung oder Kalziummangel verursacht.
- Medikamenteninduzierter Tremor: Als Nebenwirkung bestimmter Medikamente.
- Alkoholentzug.
- Vergiftungen: Schwermetallvergiftungen.
- Nervenschädigungen (Neuropathien).
tags: #entzundungsherde #im #gehirn #zitternde #hande