Parkinson ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen kann. Eine frühzeitige und korrekte Diagnose ist entscheidend für eine wirksame Behandlung und die Erhaltung der Lebensqualität. Doch was passiert, wenn Zweifel an der Diagnose aufkommen oder die Behandlung nicht den gewünschten Erfolg bringt? In solchen Fällen kann es ratsam sein, eine zweite Meinung einzuholen.
Der Fall einer Fehldiagnose
Ein Bericht der Ruhrnachrichten schildert den Fall einer Frau, die im Jahr 2007 im Alter von 63 Jahren die Diagnose Parkinson erhielt. Zuvor wurde sie aufgrund von Unruhe, Zittern und Angstzuständen in ein Krankenhaus eingeliefert. Nachfolgend wurde in einer Klinik in Hemer die Diagnose gestellt und eine medikamentöse Behandlung begonnen.
Die Patientin empfand jedoch, dass die Medikamente nicht wirkten, sondern ihren Zustand sogar verschlechterten. Sie hatte zunehmend Schwierigkeiten beim Laufen, litt unter Depressionen und nahm täglich neun Tabletten ein, darunter auch starke Psychopharmaka. Insgesamt sollen es rund 36.000 Pillen in den elf Jahren gewesen sein.
Durch Zufall kamen jedoch Zweifel an der Diagnose auf. Im Frühjahr 2018 wurde die 73-Jährige wegen Herzproblemen in eine Dortmunder Klinik eingeliefert. Bei der Entlassung äußerte der behandelnde Kardiologe Zweifel an der Parkinson-Diagnose und riet seiner Patientin, einen Neurologen aufzusuchen.
Nach einer Untersuchung durch einen weiteren Neurologen und einem anschließenden „Datscan“ - einer nuklearmedizinischen Untersuchungsmethode, die in der Parkinson-Diagnostik eingesetzt wird - stand fest: Die Frau hat kein Parkinson.
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„Ich habe beim Bäcker wildfremden Menschen erzählt, dass ich kein Parkinson habe. Die haben mir gratuliert. Und ich hätte schreien können vor Glück. Denn ich wusste nicht wohin mit meinen Gefühlen“, wird sie zitiert.
Seitdem setzt die Frau Tag für Tag schleichend die Medikamente ab und stellt fest, dass sie bereits jetzt viel besser laufen kann und sich ihr Gemütszustand zum Besseren verändert hat.
Dieser Fall verdeutlicht, wie wichtig es sein kann, eine zweite Meinung einzuholen, wenn Zweifel an der Diagnose oder der Wirksamkeit der Behandlung bestehen.
Warum eine Zweitmeinung sinnvoll sein kann
Es gibt verschiedene Gründe, warum es sinnvoll sein kann, eine zweite Meinung bei Parkinson einzuholen:
- Unsicherheit bei der Diagnose: Parkinson kann in den frühen Stadien schwer zu diagnostizieren sein, da die Symptome unspezifisch sein können und auch bei anderen Erkrankungen auftreten können. Eine zweite Meinung kann helfen, die Diagnose zu bestätigen oder auszuschließen.
- Unzufriedenheit mit der Behandlung: Wenn die Behandlung nicht den gewünschten Erfolg bringt oder unerwünschte Nebenwirkungen auftreten, kann eine zweite Meinung helfen, alternative Behandlungsmöglichkeiten zu finden.
- Komplexe Krankheitsverläufe: Parkinson kann im Laufe der Zeit komplexer werden und unterschiedliche Symptome verursachen. Eine zweite Meinung kann helfen, den Krankheitsverlauf besser zu verstehen und die Behandlung entsprechend anzupassen.
- Neue Therapieansätze: Die Parkinson-Forschung entwickelt sich ständig weiter und es gibt immer wieder neue Therapieansätze. Eine zweite Meinung kann helfen, über diese neuen Möglichkeiten informiert zu sein und zu prüfen, ob sie für den individuellen Fall geeignet sind.
- Spezialisierte Expertise: Nicht alle Ärzte haben die gleiche Erfahrung und Expertise in der Behandlung von Parkinson. Eine zweite Meinung von einem Spezialisten kann helfen, eine optimale Behandlung zu gewährleisten.
Wo kann man eine Zweitmeinung einholen?
Es gibt verschiedene Anlaufstellen, um eine Zweitmeinung bei Parkinson einzuholen:
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- Neurologen: Neurologen sind Fachärzte für Erkrankungen des Nervensystems und haben in der Regel Erfahrung in der Behandlung von Parkinson.
- Spezialambulanzen für Bewegungsstörungen: Viele Universitätskliniken und größere Krankenhäuser haben Spezialambulanzen für Bewegungsstörungen, in denen Parkinson-Patienten von erfahrenen Spezialisten betreut werden.
- Parkinson-Zentren: Es gibt in Deutschland eine Reihe von Parkinson-Zentren, die sich auf die Behandlung von Parkinson spezialisiert haben und eine umfassende Betreuung anbieten.
- Selbsthilfegruppen: Selbsthilfegruppen können eine gute Anlaufstelle sein, um Informationen über Ärzte und Kliniken zu erhalten, die sich mit Parkinson auskennen.
Einige neurologische Hochschulambulanzen bieten Spezialsprechstunden zu neurologischen Erkrankungen an, darunter auch Bewegungsstörungen wie Morbus Parkinson. In diesen Sprechstunden werden Patienten mit Parkinson und anderen Bewegungsstörungen von einem Team aus Neurologen und anderen Spezialisten betreut.
Was ist bei der Einholung einer Zweitmeinung zu beachten?
Bei der Einholung einer Zweitmeinung sollten folgende Punkte beachtet werden:
- Offene Kommunikation: Es ist wichtig, offen mit dem behandelnden Arzt über den Wunsch nach einer Zweitmeinung zu sprechen.
- Vollständige Informationen: Dem Arzt, der die Zweitmeinung abgibt, sollten alle relevanten Informationen zur Verfügung gestellt werden, wie z.B. Arztberichte, Untersuchungsergebnisse und Medikamentenpläne.
- Eigene Fragen: Es ist wichtig, sich vor dem Termin bei dem Arzt, der die Zweitmeinung abgibt, Fragen zu notieren, um sicherzustellen, dass alle wichtigen Aspekte besprochen werden.
- Vergleich der Meinungen: Nach der Einholung der Zweitmeinung sollten die beiden Meinungen verglichen und gemeinsam mit dem behandelnden Arzt besprochen werden, um die bestmögliche Behandlungsstrategie zu entwickeln.
Therapieansätze und Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlung von Parkinson umfasst in der Regel eine Kombination aus medikamentösen und nicht-medikamentösen Therapien.
Medikamentöse Therapie
Die medikamentöse Therapie zielt darauf ab, den Dopaminmangel im Gehirn auszugleichen und die Symptome zu lindern. Es gibt verschiedene Medikamente, die bei Parkinson eingesetzt werden, wie z.B.:
- L-Dopa: L-Dopa ist eine Vorstufe von Dopamin und wird im Gehirn in Dopamin umgewandelt. Es ist das wirksamste Medikament zur Behandlung von Parkinson-Symptomen.
- Dopaminagonisten: Dopaminagonisten wirken ähnlich wie Dopamin und stimulieren die Dopaminrezeptoren im Gehirn.
- MAO-B-Hemmer: MAO-B-Hemmer verhindern den Abbau von Dopamin im Gehirn und verlängern so die Wirkung von Dopamin.
- COMT-Hemmer: COMT-Hemmer verhindern den Abbau von L-Dopa im Körper und erhöhen so die Menge an L-Dopa, die ins Gehirn gelangt.
Nicht-medikamentöse Therapie
Die nicht-medikamentöse Therapie umfasst verschiedene Maßnahmen, die helfen können, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern, wie z.B.:
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- Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Beweglichkeit, Koordination undBalance zu verbessern.
- Ergotherapie: Ergotherapie kann helfen, dieAlltagsfähigkeiten zu erhalten und zu verbessern.
- Logopädie: Logopädie kann helfen, die Sprach- und Schluckfunktion zu verbessern.
- Psychotherapie: Psychotherapie kann helfen, mit den psychischen Belastungen der Erkrankung umzugehen.
- Ernährungstherapie: Eine ausgewogene Ernährung kann helfen, die Symptome zu lindern und die allgemeine Gesundheit zu verbessern.
Invasive Therapien
In fortgeschrittenen Stadien der Erkrankung können invasive Therapien in Betracht gezogen werden, wie z.B.:
- Tiefe Hirnstimulation (THS): Bei der THS werden Elektroden in bestimmte Bereiche des Gehirns implantiert, um die Hirnaktivität zu modulieren und die Symptome zu lindern.
- Apomorphin- und Duodopa-Pumpen-Behandlung: Bei dieser Behandlung werden Medikamente kontinuierlich über eine Pumpe in den Körper verabreicht, um eine gleichmäßige Wirkung zu erzielen.
Die Parkinson-Tagesklinik
In der Parkinson-Tagesklinik erfolgt die spezialisierte Diagnostik und Therapie von Parkinsonpatienten. Über einen Aufnahmetermin in die Tagesklinik wird im Rahmen einer ambulanten Vorstellung entschieden. Die Parkinson-Erkrankung ist eine fortschreitende Erkrankung, die nicht nur mit Einschränkungen der Beweglichkeit einhergeht, sondern auch zahlreiche nichtmotorische Probleme (beispielsweise Depression, Schmerzen, Verdauungsstörungen, Schlafstörungen) umfasst. Im Laufe der Erkrankung wird es daher oft schwieriger, alle Facetten und Probleme der Erkrankung im Rahmen der ambulanten Versorgung zufriedenstellend zu behandeln. Auch kommt es oft, z.B. durch einen Infekt, zu relativ raschen Verschlechterungen, die eine intensivere Betreuung und Behandlung notwendig machen. Die Behandlung der Parkinson-Erkrankung in der Klinik gründet auf neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen und langjährigen Erfahrungen. Bei der Behandlung werden die Wünsche und Prioritäten des Patienten, die aktuelle Lebenssituation, das Alter, Begleiterkrankungen und bisherige Erfahrungen mit Medikamenten stets berücksichtigt. Das Ziel ist, die motorischen und psychischen Fähigkeiten und die Lebensqualität des Patienten zu verbessern und die Selbstständigkeit möglichst lange zu erhalten.