20 Arten von Epilepsie: Ein umfassender Überblick

Epilepsie, auch bekannt als zerebrales Anfallsleiden oder Krampfleiden, ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholt auftretende zerebrale Krampfanfälle gekennzeichnet ist. Diese Anfälle entstehen durch eine chronisch übersteigerte Entladungsaktivität von Nervenzellgruppen im Gehirn. Die Auswirkungen eines epileptischen Anfalls können je nach Größe des betroffenen Hirnbereichs und dessen Funktion variieren und reichen von kurzzeitigen Bewusstseinsstörungen über unwillkürliche Muskelzuckungen bis hin zu klassischen Krampfanfällen des gesamten Körpers.

In Deutschland sind etwa 0,5-1 % der Bevölkerung von Epilepsie betroffen, wobei die ersten Anfälle meist vor dem 20. Lebensjahr auftreten. Die Behandlung eines akuten Krampfanfalls ist in der Regel nur erforderlich, wenn dieser länger als 5 Minuten dauert. Eine medikamentöse Dauertherapie mit Antiepileptika zielt darauf ab, erneute Anfälle zu unterdrücken.

Ursachen und Entstehung von Epilepsie

Die Ursachen für die Übererregung der Nervenzellen, die zu epileptischen Anfällen führt, sind noch nicht vollständig geklärt. Die Forschung konzentriert sich vor allem auf die Nervenzellen und die umliegenden Astrozyten. Es wird vermutet, dass ein Versagen der Astrozyten, die normalerweise die Aktivität der Nervenzellen kontrollieren und bestimmte Signale blockieren, dazu führt, dass Signale zwischen Nervenzellen uneingeschränkt übertragen werden.

Epilepsie kann in zwei Hauptformen auftreten:

  • Idiopathische Epilepsie: Hierbei ist keine erkennbare Ursache für die Anfälle zu finden. Die Krampfschwelle ist jedoch erniedrigt, sodass bereits geringe Belastungen wie Schlafentzug, Flackerlicht oder schnelles Atmen einen Anfall auslösen können. Die erniedrigte Krampfschwelle kann erblich bedingt sein, die Epilepsie selbst wird jedoch nicht vererbt.
  • Symptomatische Epilepsie: In diesem Fall ist eine Gehirnschädigung die Ursache der Epilepsie. Mögliche Ursachen sind Sauerstoffmangel während der Geburt, Schädel-Hirn-Verletzungen, Gefäßfehlbildungen, Schlaganfälle oder Gehirntumore.

Arten von epileptischen Anfällen

Die Art und Weise, wie sich ein epileptischer Anfall äußert, hängt davon ab, in welchem Gehirnbereich sich die abnormen Aktivitäten abspielen. Grundsätzlich werden zwei Haupttypen von Anfällen unterschieden: fokale und generalisierte Anfälle.

Lesen Sie auch: Diagnose und Behandlung genetischer Epilepsie

Fokale Anfälle

Fokale Anfälle entstehen in einem begrenzten Bereich des Gehirns. Je nachdem, ob das Bewusstsein des Betroffenen beeinträchtigt ist oder nicht, werden sie weiter unterteilt in:

  • Einfach-fokale Anfälle: Das Bewusstsein ist erhalten, und der Betroffene kann sich später genau an das Erlebte erinnern. Typische Symptome sind Muskelzuckungen, "Ameisenlaufen" auf der Haut, Sehen von Lichtblitzen, Hören von Geräuschen oder anfallartige Geruchs- oder Geschmacksempfindungen.
  • Komplex-fokale Anfälle: Das Bewusstsein ist verändert, der Betroffene wirkt "weggetreten" oder "umdämmert" und vollzieht stereotype Bewegungen, ohne bewusstlos zu sein. Nach dem Anfall dauert es oft Minuten bis Stunden, bis der Betroffene wieder vollständig orientiert ist.

Generalisierte Anfälle

Generalisierte Anfälle betreffen von Anfang an beide Gehirnhälften. Entsprechend zeigen auch beide Körperhälften Symptome. Die bekannteste Form ist der Grand-mal-Anfall (tonisch-klonischer Anfall):

  • Grand-mal-Anfall: Dieser beginnt mit plötzlichem Bewusstseinsverlust und Steifwerden der Muskeln (möglicherweise mit einem Schrei und Sturz). Durch die Verkrampfung der Atemmuskulatur ist die Atmung gestört, was zu einer bläulichen Hautverfärbung führen kann. Es folgen beidseitige Muskelzuckungen, die mehrere Minuten dauern können. Häufig bildet sich in dieser Phase blutiger Schaum vor dem Mund. Nach dem Anfall schläft der Betroffene meist für mehrere Stunden.
  • Absencen: Diese Anfälle sind vor allem bei Schulkindern häufig. Es handelt sich um kurze, aber oft in Serien auftretende Aufmerksamkeitsstörungen, die leicht als Unwillen aufzupassen fehlgedeutet werden können.

Sowohl fokale als auch generalisierte Anfälle können von einer Aura eingeleitet werden.

Diagnose von Epilepsie

Die Diagnose von Epilepsie basiert auf einer exakten Anfallsbeschreibung sowie einer gründlichen neurologischen Untersuchung. Wichtige diagnostische Hilfsmittel sind:

  • EEG (Elektroenzephalogramm): Mit dem EEG können epilepsietypische Veränderungen wie Spike-Wave-Komplexe aufgezeichnet werden. Allerdings kann das EEG auch bei Gesunden Auffälligkeiten zeigen oder trotz Epilepsie unauffällig sein. Daher sind oft mehrere aufeinanderfolgende EEGs erforderlich.
  • Provokations-EEG: Bei normalem EEG, aber weiterhin bestehendem Verdacht auf Epilepsie, kann ein Provokations-EEG zwischen zwei Anfällen Veränderungen provozieren. Dies kann durch schnelles und tiefes Atmen (Hyperventilation) oder Flackerlicht (Fotostimulation) geschehen.
  • Langzeit-EEG: Die verlängerte Aufzeichnungsdauer von bis zu 48 Stunden erhöht die Chance, seltener auftretende Veränderungen festzustellen.
  • Video-EEG: Gleichzeitig zum EEG erfolgt eine Videoaufnahme des Patienten, um den Anfall genau zu analysieren und ihn mit EEG-Veränderungen in Verbindung zu bringen.
  • MRT (Magnetresonanztomografie): Eine MRT ist erforderlich, um eine Hirnschädigung als Ursache der Epilepsie auszuschließen.
  • Blutuntersuchungen: Blutuntersuchungen können helfen, andere Ursachen für die Anfälle auszuschließen.

Differenzialdiagnosen

Es gibt verschiedene Erkrankungen und Zustände, die epilepsieähnliche Anfälle verursachen können und daher differenzialdiagnostisch abgeklärt werden müssen:

Lesen Sie auch: Diagnose und Therapie von Epilepsie bei Kindern

  • Psychogene Anfälle
  • Hyperventilation
  • Migräne
  • Ohnmacht (Synkope)
  • Akut symptomatische Anfälle (z. B. aufgrund von Alkoholentzug oder Stoffwechselstörungen)

Behandlung von Epilepsie

Ziel jeder Epilepsiebehandlung ist es, weitere Anfälle zu vermeiden. Die Behandlung kann verschiedene Ansätze umfassen:

  • Beseitigung der Ursache: Bei einer symptomatischen Epilepsie wird, wenn möglich, die Ursache behoben.
  • Vermeidung von Auslösern: Bei einer idiopathischen Epilepsie werden bekannte Auslöser eines Anfalls gemieden.
  • Medikamentöse Therapie: Antiepileptika (Antikonvulsiva) sind Medikamente zur Unterdrückung zerebraler Anfälle. Sie müssen dauerhaft und regelmäßig eingenommen werden. Die Auswahl des geeigneten Medikaments richtet sich nach der Art der Anfälle und eventuellen Begleiterkrankungen. Zunächst wird versucht, mit nur einem Medikament auszukommen (Monotherapie).
  • Epilepsiechirurgie: In bestimmten Fällen kann der Herd, von dem die abnormen Erregungen ausgehen, operativ entfernt werden. Voraussetzung ist, dass die medikamentöse Therapie nicht anschlägt, es sich um eine fokale Epilepsie mit feststellbarem Herd handelt und dass dieser mit einem vertretbaren Risiko entfernt werden kann.
  • Vagusnervstimulation: Ein Impulsgeber, ähnlich einem Herzschrittmacher, wird im Brustbereich unter der Haut eingesetzt und mit dem linken Vagusnerv verbunden. Dieser stimuliert den Vagusnerv in programmierten Abständen, wodurch die Erregbarkeit des Gehirns beeinflusst wird.
  • Tiefe Hirnstimulation: Bei dieser Methode wird ein Impulsgeber im Bauch- oder Brustbereich eingesetzt, der mit Mikroelektroden im Stammhirn verbunden ist. Die Stimulation des vorderen Thalamus kann die Anfallsrate reduzieren.

Medikamentöse Akutbehandlung

Ein einzelner epileptischer Anfall muss nicht medikamentös unterdrückt werden. Nur wenn der Anfall länger als fünf Minuten dauert oder sich mehrere Anfälle kurz hintereinander ereignen, werden krampfunterdrückende Medikamente gespritzt, um Hirnschäden zu vermeiden. Angehörige können krampfunterdrückende Medikamente rektal oder bukkal verabreichen. Geeignete Wirkstoffe sind Diazepam oder Midazolam.

Antiepileptika

Es gibt eine Vielzahl von Antiepileptika, die sich in ihrer Wirkweise und ihren Nebenwirkungen unterscheiden. Einige Beispiele sind:

  • Brivaracetam
  • Carbamazepin
  • Clonazepam
  • Ethosuximid
  • Felbamat
  • Gabapentin
  • Oxcarbazepin
  • Lamotrigin
  • Lacosamid
  • Levetiracetam
  • Phenobarbital
  • Phenytoin
  • Pregabalin
  • Primidon
  • Tiagabin
  • Valproinsäure
  • Vigabatrin
  • Zonisamid

Alle Antiepileptika haben vor allem zu Beginn der Behandlung und in hoher Dosierung Nebenwirkungen, insbesondere Müdigkeit, Schwindel, Verschwommensehen oder Doppelbilder, Koordinationsstörungen und Übelkeit. Sie können die Reaktionsfähigkeit und Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen. Alkoholgenuss kann diese Nebenwirkungen verstärken. Einige Antiepileptika können die Wirkung der "Pille" beeinträchtigen. Schwangere Frauen sollten ihren Arzt über die Einnahme von Antiepileptika informieren, da einige Wirkstoffe das Risiko für Fehlbildungen beim Kind erhöhen können.

Epilepsie und Schwangerschaft

Epilepsie ist heutzutage nur selten ein Grund, der gegen eine Schwangerschaft spricht. Frauen mit Epilepsie sollten jedoch auf einige Dinge achten und sich von ihrem Arzt beraten lassen:

Lesen Sie auch: Was ist Rolando-Epilepsie?

  • Umstellung der Medikamente: Einige Antiepileptika können Fehlbildungen hervorrufen. Daher ist es wichtig, die verordneten Medikamente und ihre Dosierung möglichst schon vor Beginn einer Schwangerschaft überprüfen zu lassen und gegebenenfalls das Medikament umzustellen.
  • Folsäure: Die tägliche Einnahme von Folsäure ist für Frauen mit Epilepsie besonders wichtig. Beginnen Sie damit schon vor dem Absetzen der Verhütung und nehmen Sie die Folsäure mindestens bis zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels ein.
  • Anfallskontrolle: Solange der Medikamentenspiegel konstant bleibt, ändert sich die Anfallshäufigkeit in der Schwangerschaft meist nicht. In der Schwangerschaft kann es aber zu einem Abfall des Spiegels kommen, sodass die Dosis angepasst werden muss. Nach der Geburt wird sie dann unter ärztlicher Kontrolle wieder gesenkt.
  • Geburtsmodus: Auf die Art der Geburt nimmt die Epilepsie kaum einen Einfluss. Einzige Ausnahme sind Frauen, bei denen häufig Anfälle auftreten. Wenn das Risiko hoch ist, dass eine Frau während der Geburt einen größeren Anfall haben wird, kann ein geplanter Kaiserschnitt die bessere Alternative sein.
  • Stillen: Antiepileptika können beim Stillen in die Muttermilch übergehen. Fachleute halten den Nutzen des Stillens jedoch für größer als das Risiko, das dadurch entsteht.
  • Schutz des Kindes: Bei einem epileptischen Anfall kann es unvermittelt zu einem Sturz kommen. Machen Sie sich am besten schon frühzeitig Gedanken darüber, wie Sie Ihr Kind vor Verletzungen schützen können, zum Beispiel, indem Sie es auf dem Fußboden wickeln, nur im Bett oder in einem Sessel stillen und es nicht allein baden.

Leben mit Epilepsie

Wird eine idiopathische Epilepsie optimal behandelt, bleiben über 70 % der Betroffenen anfallsfrei. Die meisten Menschen mit Epilepsie können selbstbestimmt und weitgehend normal leben. Für viele Epileptiker ist das Führen eines Anfallskalenders sinnvoll, um den Überblick über die Anfälle, ihre möglichen Auslöser und die Wirksamkeit der Behandlung zu behalten.

Epilepsie bei Neugeborenen

Anfälle sind der häufigste neurologische Notfall in der Neugeborenenperiode. Im Gegensatz zu Anfällen im Kindes- und Erwachsenenalter handelt es sich bei Neugeborenen in den allermeisten Fällen um akut symptomatische Anfälle bei Hirninsult. Die häufigsten Ursachen sind hypoxisch-ischämische Enzephalopathie, intrakraniale Blutungen und frühkindlicher Schlaganfall. Die Diagnose von Neugeborenenanfällen ist schwierig, da viele Anfälle subklinisch verlaufen. Daher ist ein EEG zur Bestätigung der Diagnose unerlässlich. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der Anfälle.

tags: #20 #ssw #kind #epilepsie