Migräne ist eine weit verbreitete neurologische Erkrankung, die durch starke, einseitige Kopfschmerzen gekennzeichnet ist und oft von vegetativen Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen und Lichtempfindlichkeit begleitet wird. Schätzungen zufolge suchen viele Betroffene keine ärztliche Hilfe, sondern behandeln ihre Schmerzen selbst mit rezeptfreien Präparaten. Es ist wichtig, die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten von Migräne zu verstehen, um eine wirksame Therapie zu gewährleisten und Komplikationen zu vermeiden.
Ursachen und Auslöser von Migräne
Die genauen Ursachen von Migräne sind noch nicht vollständig geklärt, aber es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischer Veranlagung und Umweltfaktoren eine Rolle spielt. Viele Menschen, die an Migräne leiden, können durch die Attacken, die Schmerzen und durch die begleitenden Effekte wie die Aura, das Erbrechen oder die Übelkeit nicht zur Arbeit gehen. Die Hälfte der Frauen mit Migräne und ungefähr 40 Prozent der Männer mit Migräne verlieren pro Jahr ungefähr 6 oder teilweise mehr Arbeitstage. Der Grund für diesen Verlust ist die immer wieder auftretende Migräne.
Verschiedene Triggerfaktoren können Migräneattacken auslösen, darunter:
- Hormonelle Veränderungen: Bei Frauen können Menstruation, Schwangerschaft und Wechseljahre Migräneattacken auslösen.
- Stress: Sowohl akuter als auch chronischer Stress kann Migräneattacken begünstigen.
- Ernährung: Bestimmte Lebensmittel und Getränke wie Rotwein, Käse, Schokolade und koffeinhaltige Getränke können bei manchen Menschen Migräneattacken auslösen.
- Umweltfaktoren: Wetterumschwünge, grelles Licht, laute Geräusche und starke Gerüche können ebenfalls Migräneattacken auslösen.
- Schlafstörungen: Sowohl Schlafmangel als auch übermäßiger Schlaf können Migräneattacken begünstigen.
Symptome von Migräne
Migräne äußert sich durch eine Vielzahl von Symptomen, die von Person zu Person unterschiedlich sein können. Die häufigsten Symptome sind:
- Starke, einseitige Kopfschmerzen: Die Schmerzen sind oft pulsierend oder hämmernd und können sich bei körperlicher Anstrengung verschlimmern.
- Übelkeit und Erbrechen: Viele Migränepatienten leiden unter Übelkeit und Erbrechen während einer Attacke.
- Licht- und Geräuschempfindlichkeit: Betroffene sind oft empfindlich gegenüber hellem Licht und lauten Geräuschen.
- Aura: Einige Migränepatienten erleben vor oder während einer Attacke eine Aura, die sich durch visuelle Störungen wie Flimmern, Blitze oder Gesichtsfeldausfälle äußern kann. Auch sensible oder motorische Störungen sind möglich.
- Weitere Symptome: Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Schwindel und Nackensteifigkeit können ebenfalls auftreten.
Die Migräne kann in zwei verschiedene Formen eingeteilt werden. Diese Form der Migräne ist die häufigste Form der Migräne. Hierbei nimmt der Kopfschmerz immer langsam zu und hält dann schließlich 18 bis maximal 72 Stunden an. Des Weiteren kommt es währenddessen meist zu Übelkeit, Erbrechen, Lichtscheue und Geräuschempfindlichkeit. Diese Form der Migräne ist im Gegensatz zur Migräne ohne Aura die seltenere Form. Bevor der typische Kopfschmerz beginnt, kommt es meist zu 5-20-minütigen neurologischen Ausfallserscheinungen, die selten sogar 60 Minuten andauern und die sich in einer unangenehmen und schmerzhaften Körperempfindung (sog. ‚Parästhesie‘), Sprachstörungen und Augensymptomen bemerkbar machen. Diese Augensymptome machen sich wiederrum bemerkbar durch Flimmern, Funkensehen oder auch auftretende Sehschwäche.
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Diagnose von Migräne
Die Diagnose von Migräne basiert in erster Linie auf der Anamnese und der Beschreibung der Symptome durch den Patienten. Der Arzt wird Fragen zu Art, Stärke, Häufigkeit und Dauer der Kopfschmerzen stellen, sowie nach Begleitsymptomen und möglichen Auslösern fragen. Eine körperliche und neurologische Untersuchung kann durchgeführt werden, um andere Ursachen für die Kopfschmerzen auszuschließen. In einigen Fällen können bildgebende Verfahren wie eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns erforderlich sein, um andere Erkrankungen auszuschließen.
Behandlung von Migräne
Die Behandlung von Migräne zielt darauf ab, die Schmerzen während einer Attacke zu lindern und die Häufigkeit und Schwere der Attacken zu reduzieren. Es gibt verschiedene Behandlungsansätze, die je nach Schweregrad der Migräne und den individuellen Bedürfnissen des Patienten eingesetzt werden können.
Akutbehandlung
Die Akutbehandlung von Migräne zielt darauf ab, die Schmerzen und Begleitsymptome während einer Attacke zu lindern. Hierzu können folgende Medikamente eingesetzt werden:
- Schmerzmittel: Bei leichten bis mittelschweren Migräneattacken können rezeptfreie Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen oder Paracetamol helfen.
- Triptane: Triptane sind spezielle Migränemedikamente, die bei mittelschweren bis schweren Attacken eingesetzt werden. Sie wirken, indem sie die Blutgefäße im Gehirn verengen und Entzündungen reduzieren. Zwei der sieben Triptane kann man in kleinen Packungsgrößen sogar bereits rezeptfrei in der Apotheke kaufen. Zwei weitere Substanzen sollten eigentlich Ende vergangenen Jahres ebenfalls unter bestimmten Auflagen von der Verschreibungspflicht befreit werden. Doch der Bundesrat lehnte dies Anfang November ab. Obwohl sie überraschend kam, finden viele Experten diese Entscheidung richtig. Zwar sind Triptane wirksam und meist gut verträglich - aber nicht immer harmlos. Weil sie die Blutgefäße verengen, dürfen Patienten, die bereits einen Herzinfarkt hatten oder deren hoher Blutdruck nicht gut eingestellt ist, die Mittel nicht einnehmen. Es gibt verschiedene Sorten beziehungsweise Arten von Triptanen, die sich in ihren Eigenschaften unterscheiden. So hat z. B. Zolmitriptan eine höhere Bioverfügbarkeit (40 %) als Sumatriptan (14 %) und kann daher schneller vom Körper aufgenommen werden. Aber die Triptane unterscheiden sich auch hinsichtlich der verschiedenen Darreichungsformen. Sie können als Tablette, Schmelztablette, Suppositorien, Nasenspray und Injektion eingenommen werden. Die verschiedenen Arten der Triptane unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Geschwindigkeit des Wirkeintritts, der Wirkdauer, der Applikationsdauer sowie der Verträglichkeit.
- Antiemetika: Bei Übelkeit und Erbrechen können Antiemetika wie Metoclopramid oder Domperidon eingesetzt werden.
- Ergotaminderivate: Ergotaminderivate wie Ergo-Kranit® oder Dihytamin® können auch bei schweren Migräneanfällen eingesetzt werden. Diese ähneln den Triptanen in der Hinsicht, dass sie auch an spezifische Serotonin-Rezeptoren binden. Dies führt wie bei der Einnahme von Triptanen zu einer Gefäßverengung (sog. ‚Vasokonstriktion‘) und daraufhin zur Hemmung der Entstehung einer Entzündung. Ein wichtiger Unterschied ist hierbei, dass sie jedoch an eine Reihe von weiteren Rezeptoren andocken, die nicht für die Migränetherapie relevant sind.
Es ist sehr wichtig, Triptane nicht während einer Aura einzunehmen, da dies nicht mehr zur Linderung der Kopfschmerzen führt. Es kann sogar zu einer Verschlimmerung der Kopfschmerzen kommen, wenn man Triptane während einer Auraphase einnimmt. Aus diesem Grund sollten Triptane erst nach Ende der Aura eingenommen werden. Es darf frühestens nach zwei Stunden die nächste Tablette eingenommen werden und insgesamt nicht mehr als drei Tabletten pro Tag. Dabei muss darauf geachtet werden, dass man nicht an mehr als 10 Tagen pro Monat Triptane nimmt. Außerdem haben die Triptane eine relativ kurze Halbwertszeit, sie werden schnell verstoffwechselt und ausgeschieden, ungefähr über einen Zeitraum von zwei bis fünf Stunden. Diese kurze Halbwertszeit ist auch der Grund dafür, dass in ungefähr 20-40 Prozent der Fälle die Migräne wieder auftritt.
Migräneprophylaxe
Die Migräneprophylaxe zielt darauf ab, die Häufigkeit, Schwere und Dauer von Migräneattacken zu reduzieren. Sie kommt in Betracht, wenn Migräneattacken häufig auftreten oder die Lebensqualität des Patienten stark beeinträchtigen. Hierzu können folgende Medikamente und Maßnahmen eingesetzt werden:
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- Betablocker: Betablocker wie Propranolol oder Metoprolol können die Häufigkeit von Migräneattacken reduzieren.
- Antidepressiva: Bestimmte Antidepressiva wie Amitriptylin oder Venlafaxin können ebenfalls zur Migräneprophylaxe eingesetzt werden.
- Antiepileptika: Einige Antiepileptika wie Topiramat oder Valproinsäure können die Häufigkeit von Migräneattacken reduzieren.
- CGRP-Antikörper: CGRP-Antikörper sind eine neue Klasse von Medikamenten, die gezielt gegen das Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) wirken, ein Molekül, das bei der Entstehung von Migräne eine Rolle spielt.
- Botulinumtoxin Typ A: Botulinumtoxin Typ A (Botox) kann bei chronischer Migräne eingesetzt werden, um die Häufigkeit von Kopfschmerztagen zu reduzieren.
- Nicht-medikamentöse Maßnahmen: Regelmäßiger Ausdauersport, Entspannungstechniken wie Meditation oder Yoga, Akupunktur und Biofeedback können ebenfalls zur Migräneprophylaxe beitragen.
- Pestwurz: Die im Frühjahr blühende Pestwurz hat zahlreiche Wirkungen, die seit mehreren Jahrhunderten geschätzt werden. Früher wurde sie gegen Geschwüre oder die Pest eingesetzt, heutzutage ist sie als schleimlösend, entkrampfend oder auch als schmerzlindernd bekannt. Ein weiterer hier relevanter Einsatz ist der Einsatz bei Migräneprophylaxe. Sie wird also bei einer Vorbeugung von Migräneanfällen eingesetzt, ist gut wirksam und hat kaum Nebenwirkungen. Hierbei wird die Pestwurz jedoch zu einem speziellen Extrakt verarbeitet, damit spezielle Inhaltsstoffe (Pyrrolizidinalkaloide) der Pestwurz, die potentiell giftig sind, entfernt werden.
- Pfefferminzöl: Pfefferminzöl hat zahlreiche Wirkungen, die in verschiedenen Situationen hilfreich sein können. Zum einen wirkt es bei bspw. Bauchschmerzen entkrampfend. Auch hat es eine desinfizierende und erfrischende Wirkung. Bei einem Migräneanfall kann Pfefferminzöl verwendet werden, indem es auf Schläfen und Stirn aufgetragen wird. Es wirkt entspannend auf Gefäße sowieso Muskeln und lindert so den Kopfschmerz.
Medikamentenübergebrauch-Kopfschmerz
Ein häufiges Problem bei Migränepatienten ist der Medikamentenübergebrauch-Kopfschmerz. Dieser entsteht, wenn Schmerzmittel oder Triptane zu häufig eingenommen werden, was paradoxerweise zu einer Zunahme der Kopfschmerzhäufigkeit führen kann. Alle akut wirksamen Arzneistoffe dürfen nicht häufiger als zehn Tage im Monat und nicht länger als drei Tage in Folge angewendet werden. Mit anderen Worten: Etwa 20 Tage im Monat muss ein Kopfschmerzpatient ohne jegliche Akutmedikation auskommen. Dies gilt ganz besonders für die Migräne, die das höchste Risiko für Medikamenten-induzierten Kopfschmerz hat. Gemäß den Leitlinien sollten Migränepatientinnen und -patienten, wenn Medikamentenübergebrauch-Kopfschmerzen diagnostiziert wurden, die Medikation von akuten Kopfschmerzattacken reduzieren. Die Empfehlung lautete, die Medikamente über 2-4 Wochen ganz wegzulassen oder zumindest die Behandlungstage auf 2 pro Woche zu beschränken. Eine weitere Option war, die Patienten von Triptanen auf nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), frei verkäufliche Schmerzmittel, umzustellen.
Es ist dann schwer, unter 10 Einnahmetagen zu bleiben, doch bei mehr Einnahmetagen kann es durch die Schmerz- und Migränemittel zu einem Medikamentenübergebrauch-Kopfschmerz kommen - und ein Teufelskreis entsteht. „Im klinischen Alltag sehen wir das häufig, dass Patientinnen und Patienten mit Migräne an deutlich mehr als 10 Tagen Kopfschmerzmedikamente einnehmen bzw. einnehmen müssen, weil sie die Schmerzen sonst nicht aushalten, und infolge des Medikamentenübergebrauchs die Frequenz der Kopfschmerztage steigt“, erklärt Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN).
Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, ist es wichtig, die Medikamenteneinnahme zu reduzieren und alternative Behandlungsmethoden wie Entspannungstechniken oder Akupunktur in Betracht zu ziehen. In einigen Fällen kann auch eine stationäre Behandlung in einer Schmerzklinik erforderlich sein.
Migräne im Alter
Migräne unterliegt im Laufe des Lebens immer wieder Veränderungen. Im Alter berichten viele Patienten, dass sich die Kopfschmerzerkrankung bessert. Dennoch muss das nicht sein. Vorsicht ist geboten, wenn ältere Menschen zum ersten Mal über Migräne klagen. Zudem bedarf die Behandlung einiger Besonderheiten. Ein Großteil der Patienten erhält die Diagnose Migräne bereits im Jugendalter oder als junge Erwachsene. Auch wenn Migräne nicht heilbar ist, unterliegt sie jedoch oftmals stetigen Veränderungen. So können die einzelnen Attacken nicht nur völlig unterschiedlich ablaufen, sondern phasenweise häufiger beziehungsweise seltener auftreten. Im Alter beobachten Experten die Tendenz, dass Migräne abnimmt und bei einigen Patienten sogar ganz verschwindet. Dazu ändert sich zumeist die Ausprägung der Attacken. Wenn migräneartige Kopfschmerzen im Alter zum ersten Mal auftreten, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Nur selten entsteht Migräne als Neuerkrankung nach dem 45.
Zur medikamentösen Behandlung von Migräne kommen vorrangig Schmerzmittel aus der Gruppe der nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) sowie Triptane zum Einsatz. Für ältere Migränepatienten müssen jedoch einige Punkte vor der Anwendung beachtet werden:
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- Funktionsstörungen der Nieren oder der Leber können eine veränderte Wirksamkeit der Medikamente hervorrufen.
- Vorerkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck müssen besondere Beachtung finden.
- Augenmerk sollte auf mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, zum Beispiel Psychopharmaka oder Herz-Kreislauf-Mittel, gelegt werden.
- Patienten, die unter Gefäßerkrankungen leiden, beispielsweise der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK), dürfen keine Triptane einnehmen.
Leben mit Migräne
Migräne kann das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen. Es ist wichtig, Strategien zu entwickeln, um mit der Erkrankung umzugehen und die Lebensqualität zu verbessern. Dazu gehören:
- Führen eines Kopfschmerztagebuchs: Um Triggerfaktoren zu identifizieren und die Wirksamkeit der Behandlung zu überwachen.
- Regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus: Um Schlafstörungen zu vermeiden, die Migräneattacken auslösen können.
- Gesunde Ernährung: Um mögliche Triggerfaktoren in der Ernährung zu vermeiden.
- Stressmanagement: Um Stress abzubauen und Entspannungstechniken zu erlernen.
- Regelmäßige Bewegung: Um die allgemeine Gesundheit zu verbessern und Stress abzubauen.
- Unterstützung suchen: Der Austausch mit anderen Betroffenen und die Unterstützung durch Familie und Freunde können helfen, mit der Erkrankung umzugehen. Migräne-Betroffene können sich von der Deutschen Hirnstiftung kostenfrei beraten lassen. Das geht online über die Webseite hirnstiftung.link/online-anfrage. Oder einmal im Monat telefonisch, dazu kann man sich hier anmelden: hirnstiftung.link/expertentelefon. Mitglieder der Deutschen Hirnstiftung erreichen Patientenberater Dr.