5-Hydroxytryptophan (5-HTP) ist eine natürlich vorkommende Aminosäure, die eine entscheidende Rolle bei der Serotoninproduktion im Körper spielt. Da niedrige Serotoninspiegel mit verschiedenen Gesundheitsproblemen in Verbindung gebracht werden, greifen immer mehr Menschen auf 5-HTP-Ergänzungen zurück, um ihr Wohlbefinden zu fördern. Dieser Artikel beleuchtet die Grundlagen von 5-HTP, seine potenziellen Vorteile, die empfohlene Dosierung, insbesondere im Zusammenhang mit Migräne, sowie mögliche Nebenwirkungen und Vorsichtsmaßnahmen.
Was ist 5-HTP?
5-HTP ist eine Aminosäure, die aus L-Tryptophan gewonnen wird, einer weiteren Aminosäure. Ein ausreichender 5-HTP-Spiegel wird normalerweise durch den Verzehr von L-Tryptophan-reichen Lebensmitteln wie Samen, Sojabohnen, Käse und Truthahn erreicht. Manche Menschen nehmen jedoch zusätzliches 5-HTP ein, um ihren Serotoninspiegel zu erhöhen.
Der Zusammenhang zwischen Serotonin und Gesundheit
Die Forschung deutet auf einen Zusammenhang zwischen niedrigen Serotoninspiegeln und einem erhöhten Risiko für Depressionen, Migräne und Schlafstörungen hin. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass konkrete Fälle komplexer sind und die Behandlung nicht auf eine einzelne Neurochemikalie reduziert werden kann.
5-HTP bei Depressionen
Die medizinische Fachzeitschrift Trends in Pharmacological Sciences untersuchte die Auswirkungen einer 5-HTP-Zusatzzufuhr auf behandlungsresistente Depressionen. Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Inhibitoren (SSRI) erhöhen traditionell den natürlichen 5-HT-Spiegel des Gehirns.
5-HTP bei Migräne
Migräne wird häufig mit einem niedrigen Serotoninspiegel in Verbindung gebracht. Obwohl die genaue Ursache der Migräne nicht vollständig geklärt ist, deutet eine Studie aus dem Jahr 2011 darauf hin, dass 5-HT ein beitragender Faktor sein könnte. Die Neurologisch-verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel bietet eine spezielle Therapie von Migräne mit und ohne Aura sowie anderen Kopfschmerzarten an.
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5-HTP und Schlaf
Die Rolle von 5-HTP für den Schlaf ist komplex, da eine Zusatzzufuhr Schlaflosigkeit erhöhen kann. Es ist wichtig, die interne Wechselwirkung zwischen Serotonin und Melatonin zu berücksichtigen. Die Zirbeldrüse benötigt Serotonin, um Melatonin zu produzieren, das schlafinduzierende Hormon, das für die Steuerung der inneren Uhr des Körpers verantwortlich ist.
Dosierung von 5-HTP
Die empfohlene Dosierung von 5-HTP hängt von den Gründen für die Einnahme ab:
- Migräne: 100-200 mg
- Stimmung: 50-100 mg
Bei der Einnahme von 5-HTP zur Stimmungsaufhellung kann es wirksam sein, eine niedrigere Dosis als üblich, dafür aber häufiger einzunehmen. Es wird empfohlen, langsam zu beginnen und sich an das untere Ende der empfohlenen Dosierungen zu halten.
Mögliche Nebenwirkungen von 5-HTP
Die Wahrscheinlichkeit von Nebenwirkungen bei der Einnahme von 5-HTP ist gering, und wenn sie auftreten, sind sie in der Regel mild. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass 5-HTP die Wirkung bestimmter verschreibungspflichtiger Medikamente, einschließlich SSRIs und anderer Antidepressiva, beeinträchtigen kann.
Vorsichtsmaßnahmen bei der Einnahme von 5-HTP
Obwohl die mit 5-HTP-Ergänzungen verbundenen Risiken minimal sind, gibt es einige spezifische Umstände, die beachtet werden sollten:
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- Schwangere oder stillende Frauen sollten die Einnahme von 5-HTP vermeiden.
- Derselbe Rat gilt für Kinder, insbesondere für Kinder unter 12 Jahren.
- Personen, die sich in naher Zukunft einer Operation unterziehen müssen, sollten die Einnahme von 5-HTP vermeiden, da einige der während einer Operation verabreichten Medikamente das Serotonin-Gleichgewicht des Körpers verändern können.
Es ist ratsam, jede Art der regelmäßigen Einnahme von Ergänzungsmitteln zuerst mit einem Arzt zu besprechen.
Natürliche Quellen von 5-HTP
Die Samen von Griffonia simplicifolia sind die einzige Quelle für 5-HTP in Ergänzungsmitteln und anderen Zubereitungen. Obwohl Nahrungsquellen selbst kein 5-HTP enthalten, enthalten bestimmte Lebensmittel Tryptophan, das im Körper in 5-HTP umgewandelt wird.
Weitere potenzielle Vorteile von 5-HTP
Neben der Behandlung von Depressionen, Migräne und Schlafstörungen wurde 5-HTP auf seine potenziellen Vorteile bei der Gewichtsabnahme und der Behandlung von Fibromyalgie untersucht.
5-HTP und Gewichtsabnahme
5-HTP kann appetitanregenden Hormonen entgegenwirken. Eine Studie aus dem Jahr 1998 ergab, dass Teilnehmer, die 5-HTP einnahmen, pro Tag weniger Kalorien konsumierten als diejenigen, die ein Placebo einnahmen.
5-HTP und Fibromyalgie
Forscher haben 5-HTP in Bezug auf Symptome von Muskelschmerzen untersucht, die mit Fibromyalgie einhergehen. Die Ergebnisse sind vielversprechend, aber es gibt keine beweiskräftigen Belege dafür, dass 5-HTP eine brauchbare künftige Behandlung für Menschen mit Fibromyalgie ist.
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5-HTP und psychische Gesundheit
Viele Menschen nutzen verschiedene Verbesserungen der Lebensweise wie Nahrungsergänzungsmittel in der Hoffnung, dass ihre Stimmung davon profitiert und die Höhen sowie Tiefen des Alltagslebens erleichtert werden. Eine Metastudie aus dem Jahr 2002 untersuchte die Auswirkungen von 5-HTP auf Depressionen, fand aber nur zwei Studien, die die Einschlusskriterien erfüllten.
5-HTP im Vergleich zu L-Tryptophan
5-HTP hat einige Vorteile gegenüber L-Tryptophan. Es ist oft effektiver, da es schneller in Serotonin umgewandelt werden kann. 5-HTP wird aus einer natürlichen Quelle gewonnen, dem Samen einer afrikanischen Pflanze (Griffonia simplicifolia), während L-Tryptophan mit Hilfe von Fermentation produziert wird. Die Erfahrung zeigt, dass die Wirkung von 5-HTP, aber auch von Tryptophan je nach Person unterschiedlich sein kann. Deshalb empfehlen Ernährungswissenschafter, eines der beiden zu testen, und bei Bedarf auf das andere zu wechseln, falls die gewünschte Wirkung nicht eintritt.
Dosierungsempfehlungen für verschiedene Anwendungen
- Gegen Depressionen, zum Gewichtsverlust, gegen Kopfschmerzen und gegen Fibromyalgie: Die Dosierung sollte bei 50 mg dreimal pro Tag starten. Falls die gewünschte Wirkung nach zwei Wochen nicht eintritt, sollte die Dosis auf 100 mg dreimal pro Tag erhöht werden. 5-HTP kann während des Essens eingenommen werden. Falls 5-HTP zum Abnehmen eingenommen wird, sollte es 20 Minuten vor den Mahlzeiten eingenommen werden.
- Gegen Schlaflosigkeit: 100 bis 300 mg etwa 30-45 Minuten vor dem Zubettgehen einnehmen. Mindestens drei Tage lang mit der niedrigeren Dosis beginnen, bevor die Dosis erhöht wird.
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und Substanzen
5-HTP sollte nicht gleichzeitig mit Antidepressiva eingenommen werden, außer die Einnahme wird von einem Arzt überwacht, da 5-HTP die Aktivität dieser Medikamente verstärken kann. Vorsicht ist auch geboten bei der Einnahme von Triptanen, die zur Akutbehandlung von Migräne eingesetzt werden, da es potenziell zu einem Serotoninsyndrom kommen kann.
Koffein kann die körpereigene Gefäßregulation stören und somit kontraproduktiv bei Migräne sein. Es wird empfohlen, auf Koffein für eine Woche komplett zu verzichten und danach jeden zweiten bis dritten Tag eine mindestens 24-stündige Pause einzulegen.
Weitere natürliche Ansätze zur Migräneprophylaxe
Neben 5-HTP gibt es weitere natürliche Ansätze, die bei der Migräneprophylaxe helfen können:
- Magnesium: Migränepatienten weisen häufig einen suboptimalen Magnesiumstatus auf und sprechen gut auf eine Supplementierung an.
- Taurin: Die schwefelhaltige Aminosäure Taurin ist durch ihre ausgeprägten antioxidativen Eigenschaften für ihre stabilisierende und schützende Wirkung auf Nervenmembranen bekannt und hat eine analgetische Wirkung.
- Coenzym Q10: Klinische Studien deuten darauf hin, dass bei Migräne der Coenzym-Q10-Status unter den normalen Werten liegt.
- Omega-3-Fettsäuren: Omega-3-Fettsäuren wirken entzündungshemmend und können die Migränefrequenz reduzieren.
- Vitamin D: Vitamin D kann die Entzündungsaktivität verbessern und Migräne lindern.
- Pfefferminzöl und Lavendelöl: Bei beginnendem Kopfschmerz kann ein Tropfen Pfefferminzöl auf die schmerzende Stelle aufgetragen werden. Bei beginnender Migräne hat sich ein Tropfen 10 %iges Lavendelöl auf der Oberlippe als Aromatherapie bewährt.
- Pestwurzpräparate: Prophylaktisch sind Pestwurzpräparate bewährt.
- Vermeidung von Trigger-Lebensmitteln: Wenn bestimmte Lebensmittel als Auslöser für Migräne erkannt werden, sollten diese vermieden werden.
- Bewegung und Ernährung: Regelmäßige Bewegung und eine ausgewogene Ernährung können ebenfalls zur Migräneprophylaxe beitragen.