5G-Netze und Gesundheit: Eine umfassende Analyse aktueller Studien

Einführung

Die Einführung der fünften Mobilfunkgeneration (5G) hat in der Öffentlichkeit sowohl Begeisterung als auch Besorgnis ausgelöst. Während die Technologie immense Fortschritte in der Datenübertragung und Konnektivität verspricht, bestehen Ängste hinsichtlich möglicher gesundheitlicher Auswirkungen der damit verbundenen elektromagnetischen Felder (EMF). Dieser Artikel bietet eine umfassende Analyse des aktuellen Forschungsstandes zu den Auswirkungen von 5G-Netzen auf die Gesundheit, unter Berücksichtigung der Erkenntnisse verschiedener Studien und Stellungnahmen von Experten.

Aktuelle Erkenntnisse und Studien

Bundesamt für Strahlenschutz (BfS)

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hat sich intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt. Das BfS kommt zu dem Schluss, dass die derzeitigen Forschungsergebnisse weitgehend auf 5G übertragbar sind, da 5G-Handys ähnliche Frequenzen wie bisherige Mobilfunkgeräte nutzen. Das bedeutet, dass bei Einhaltung der geltenden Grenzwerte bisher kein Nachweis für gesundheitliche Risiken bei der Nutzung von 5G-Handys vorliegt. Es wird jedoch betont, dass die Mobilfunktechnologie ein relativ junges Feld ist und die langfristigen Folgen intensiver Smartphone-Nutzung noch nicht abschließend geklärt sind. Das BfS forscht weiterhin, wie sich steigende Datenmengen und schnellere Datenübertragung auf die Strahlenbelastung auswirken.

Elektromagnetische Felder und Gesundheit

Elektromagnetische Felder (EMF), insbesondere hochfrequente EMF, wie sie im Mobilfunk, WLAN oder bei schnurlosen Telefonen verwendet werden, sind ein aktuelles Thema. Die Bundesärztekammer beteiligt sich am Runden Tisch Elektromagnetischer Felder (RTEMF) des BfS, um die Transparenz wissenschaftlicher Erkenntnisse zu fördern.

Studienlage und Forschungsprogramme

Deutschland hat seit 2002 erhebliche Mittel in die Erforschung von Handystrahlung investiert. Das Deutsche Mobilfunk-Forschungsprogramm (DMF) untersuchte von 2002 bis 2008 in 54 Forschungsprojekten die gesundheitlichen Wirkungen elektromagnetischer Felder auf den menschlichen Körper. Die Studien bezogen sich hauptsächlich auf die Standards GSM und UMTS (2G und 3G).

Der Wissenschaftliche Ausschuss für Gesundheit, Umwelt und neu auftretende Risiken (SCHEER) der Europäischen Kommission aktualisierte seine Bewertung elektromagnetischer Felder im Jahr 2023 und berücksichtigte alle relevanten Studien seit 2015. SCHEER kam zu dem Schluss, dass es unterhalb der Grenzwerte keine Hinweise auf gesundheitliche Beeinträchtigungen durch EMF gibt.

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Technikfolgenabschätzung des Deutschen Bundestages

Das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) veröffentlichte 2023 einen Bericht, der den Sachstand zu möglichen gesundheitlichen Auswirkungen elektromagnetischer Felder bewertet. Der Bericht weist auf Tierstudien hin, die Hinweise auf ein erhöhtes Auftreten von Herz- und Hirntumoren geben, betont jedoch, dass die Datenlage zu Wirkungen auf die frühkindliche Entwicklung, Krebs und physiologische Parameter unzureichend ist.

Bericht der Bundesregierung

Die Bundesregierung legt dem Deutschen Bundestag seit 2002 regelmäßige Emissionsminderungsberichte vor. Der Bericht von 2023 kommt zu dem Schluss, dass die Bevölkerung durch die geltenden Grenzwerte ausreichend vor gesundheitlichen Auswirkungen hochfrequenter EMF geschützt ist, kündigt jedoch weitere Untersuchungen zu 5G und zukünftig 6G an.

Internationale Studien

Die MOBI-KIDS-Studie untersuchte von 2010 bis 2021 die Wirkungen von Handystrahlung auf Kinder und Jugendliche und fand keine Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Hirntumore. Die COSMOS-Studie untersucht seit 2007 die Langzeitwirkungen von EMF auf Erwachsene und konnte bisher keinen Zusammenhang zwischen Mobiltelefonnutzung und Krebs feststellen. Das GERoNiMO-Projekt erweiterte das Wissen über mögliche Wirkungen elektromagnetischer Felder und entwickelte Maßnahmen zur Reduzierung der Exposition durch EMF.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat seit 2019 insgesamt zehn systematische Reviews in Auftrag gegeben, in denen Studienergebnisse zusammengetragen, analysiert und bewertet werden.

Die Rolle höherer Frequenzen bei 5G

Der 5G-Mobilfunk nutzt derzeit Frequenzen, die auch für frühere Mobilfunkgenerationen verwendet werden. Einige Hochschulen und Unternehmen arbeiten jedoch an Funknetzen, die höhere Frequenzen im Bereich von 26 Gigahertz nutzen (Millimeterwellen). Diese Frequenzen werden voraussichtlich hauptsächlich für die lokale Versorgung (Campusnetze) eingesetzt. Die biologischen Wirkungen elektromagnetischer Felder in diesen Frequenzbereichen sind vergleichsweise weniger gut untersucht, sodass hier noch Forschungsbedarf besteht. Dennoch geht man davon aus, dass auch von den höheren Frequenzbändern keine Risiken ausgehen, solange die Grenzwerte eingehalten werden.

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#Faktenfuchs: 5G nach derzeitigem Wissensstand ungefährlich

Der #Faktenfuchs kommt zu dem Schluss, dass es bisher keinen wissenschaftlichen Nachweis dafür gibt, dass Mobilfunkstrahlung unterhalb der geltenden Grenzwerte Menschen gesundheitlich schädigt. Die Studienlage zu 5G ist zwar schlechter als zur bisherigen Technik, aber Wissenschaftler und die deutsche Fachbehörde sagen, dass die bisherigen Erkenntnisse auch für 5G gelten.

Mobilfunkstrahlung kann Körpergewebe erwärmen

Hochfrequente elektromagnetische Felder können Körpergewebe erwärmen (thermische Wirkung). Um gesundheitliche Schäden zu verhindern, gibt es Grenzwerte für die Stärke der hochfrequenten elektromagnetischen Felder. Für Mobilfunktelefone werden die Grenzwerte als SAR-Wert (Spezifische Absorptionsrate) festgelegt. Die Einhaltung der Grenz- und SAR-Werte überwacht die Bundesnetzagentur.

Elektrosensibilität und Nocebo-Effekt

Menschen verdächtigen Mobilfunkstrahlung immer wieder als Verursacher für gesundheitliche Probleme (Elektrosensibilität). Es gibt die Annahme, dass diese Beschwerden auf einen "Nocebo-Effekt" zurückgehen, bei dem Menschen sich wegen der elektromagnetischen Felder solche Sorgen um ihre Gesundheit machen, dass sie daraufhin tatsächlich Beschwerden entwickeln.

Krebserkrankungen und Mobilfunk

Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) hat elektromagnetische Felder 2011 als "möglicherweise krebserregend" eingestuft. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Mobilfunknutzer wegen des Telefonierens einen Hirntumor entwickeln. Es gibt Studien, die auf einen Zusammenhang hindeuten, aber auch viele Studien, die diesen Zusammenhang nicht belegen.

Eine Studie aus dem Jahr 2022 mit sehr vielen Teilnehmerinnen fand keinerlei Verbindung zwischen Mobiltelefonen und bestimmten Krebsarten, vor allem Hirntumoren.

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Es wird nie einen Nachweis für absolute Ungefährlichkeit geben, da man kein Nichts nachweisen kann.

Chancen und Risiken von 5G im Gesundheitswesen

Der Ausbau des 5G-Netzes beschleunigt die Digitalisierung des Gesundheitswesens und ermöglicht telemedizinische Anwendungen wie Fernoperationen, Videosprechstunden und den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Diagnostik. 5G zeichnet sich durch geringe Latenz, große Zuverlässigkeit und hohe Bandbreiten aus.

Allerdings birgt der Ausbau einer 5G-Infrastruktur auch das Risiko von Hacker-Angriffen. Daher bedarf es eines verlässlichen Sicherheitskonzeptes und eines umfassenden Konzepts zum Datenschutz.

Herausforderungen und offene Fragen

Unsicherheiten und Forschungsbedarf

Trotz der umfangreichen Forschung gibt es weiterhin Unsicherheiten und Forschungsbedarf. Seriöse Wissenschaft kann niemals einen Nachweis der Unbedenklichkeit geben, da man niemals alle möglichen Effekte, Szenarien und Kombinationen erforschen kann. Es gibt offene Fragen bezüglich der langfristigen Auswirkungen von 5G und der Auswirkungen höherer Frequenzen.

Bewertung von Studien

Die Bewertung der Qualität und Aussagekraft einzelner Studien ist von grundlegender Bedeutung. Die Risikobewertung des BfS beruht auf der Gesamtschau aller wissenschaftlichen Ergebnisse, wobei die Qualität der Studien berücksichtigt wird. Systematische Reviews, wie sie von der WHO in Auftrag gegeben werden, gelten als besonders aussagekräftig.

Der STOA-Bericht

Der STOA-Bericht "Health Impact of 5G" von Dr. Fiorella Belpoggi interpretiert die berücksichtigten Studien dahingehend, dass die elektromagnetischen Felder des Mobilfunks wahrscheinlich krebserregend für den Menschen seien. Das BfS kritisiert den Bericht jedoch, da definierte wissenschaftliche Kriterien bei der Bewertung der Qualität der Studien nicht ausreichend berücksichtigt worden seien.

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