Die Nervenheilung ist ein komplexer Prozess, der von verschiedenen Faktoren beeinflusst wird. In diesem Artikel werden wir die verschiedenen Aspekte der Nervenheilung beleuchten, von den Ursachen von Nervenschäden bis hin zu den verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten und Rehabilitationsmaßnahmen. Ziel ist es, ein umfassendes Verständnis für die Dauer und den Verlauf der Nervenheilung zu vermitteln.
Ursachen von Nervenschäden
Nervenschäden können durch eine Vielzahl von Faktoren verursacht werden. Dazu gehören:
- Traumata: Unfälle, Stürze oder Sportverletzungen können zu Quetschungen, Zerrungen oder Durchtrennungen von Nerven führen. In der Handchirurgie spielt die Behandlung von durchtrennten Fingernerven eine entscheidende Rolle.
- Engpasssyndrome: Erkrankungen wie das Karpaltunnelsyndrom, bei dem der Mittelnerv im Handgelenk eingeklemmt wird, können Nervenschäden verursachen.
- Systemische Erkrankungen: Diabetes mellitus, Alkoholmissbrauch oder Vitaminmangel können zu Nervenschädigungen führen, die als Polyneuropathie bezeichnet werden. Eine diabetische Neuropathie (Nervenschädigungen infolge der Zuckerkrankheit Diabetes mellitus) erfordert eine optimale Einstellung der Blutzuckerwerte. Bei alkoholbedingten Nervenschädigungen ist eine sofortige Alkoholabstinenz erforderlich. Bei starker Abhängigkeit wird meist ein Entzug unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt. Entzugserscheinungen können dann beispielweise mit Medikamenten abgemildert werden. Nach der körperlichen Entgiftung folgt in der Regel eine psychische Entwöhnung. Spezielle Fachkliniken oder Beratungsstellen unterstützen Betroffene dabei, ihren Abstinenzwunsch zu festigen.
- Infektionen: Bestimmte Infektionen wie Borreliose oder Herpes Zoster können Nerven schädigen.
- Tumore: Tumore, die auf Nerven drücken oder in sie einwachsen, können Nervenschäden verursachen.
- Iatrogene Ursachen: Nervenschäden können auch als Folge von Operationen oder Injektionen auftreten.
Diagnose von Nervenschäden
Die Diagnose von Nervenschäden erfordert in der Regel eine gründliche klinische Untersuchung. Es ist entscheidend, frühzeitig eine genaue Diagnose zu stellen, um die bestmögliche Behandlung für durchtrennte Fingernerven zu gewährleisten. Die Diagnose umfasst:
- Anamnese: Der Arzt erfragt die Krankengeschichte des Patienten, einschließlich der Art und des Zeitpunktes der Verletzung oder Erkrankung.
- Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht die Sensibilität, Motorik und Reflexe des Patienten, um das Ausmaß der Nervenschädigung zu beurteilen. Die Prüfung der Berührungs-, Schmerz- und Temperaturempfindung schließt Verfahren wie die Zwei-Punkte-Diskrimination und den Semmes-Weinstein-Monofilament-Test zur genaueren Quantifizierung ein. Auch Veränderungen der Hauttrophik (Ausprägung der Leisten, Schweißsekretion, Behaarung etc.) können auf eine sensible Nervenschädigung hinweisen, dies hat allerdings bei frischen Verletzungen keine Aussagekraft. Dieses Zeichen wird allerdings erst einige Wochen nach der Nervendurchtrennung auslösbar.
- Elektrophysiologische Untersuchungen: Elektrophysiologische Untersuchungen wie die Elektroneurographie (ENG) und die Elektromyographie (EMG) können helfen, die Funktion der Nerven zu beurteilen und den Ort und das Ausmaß der Schädigung zu bestimmen. Elektrophysiologische Untersuchungen können zusätzliche Hinweise geben, sie spielen aber vor allem im spätprimären und sekundären Abschnitt eine sehr wichtige Rolle, in der Akutphase (den ersten Wochen) ist wenig Information zu erwarten. Initial kann die Elektrodiagnostik eine vorhandene Neurapraxie (spontan und komplett reversibel) nicht verlässlich von einer strukturellen Nervenschädigung wie der Neurotmesis oder Axonotmesis unterscheiden.
- Bildgebende Verfahren: In einigen Fällen können bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder Magnetresonanztomographie (MRT) eingesetzt werden, um die Nerven darzustellen und Verletzungen oder Tumore zu erkennen. In den letzten Jahren hat sich als wichtiges diagnostisches Instrument der hochauflösende Nervenultraschall herauskristallisiert. Aufgrund der hohen Auflösung moderner Ultraschallsonden können sogar die Kontinuität und Qualität einzelner Nervenfaszikel zuverlässig beurteilt werden. Als besonderer Vorteil kann der betreffende Nerv ultraschallkontrolliert mit minimalen Mengen an Lokalanästhesie und sehr differenziert probeweise blockiert werden. Der genaue Verlauf kann auch auf der Haut markiert werden, was dem Operateur das Auffinden von Läsionen und Neuromen wesentlich erleichtert und die Operationszeit verringert. In ähnlicher Weise bietet ebenso die MR-Neurografie völlig neue Möglichkeiten der frühzeitigen Diagnostik, sie steht aber nur selten zur Verfügung.
Konservative Behandlungsmöglichkeiten
In vielen Fällen können Nervenschäden konservativ behandelt werden. Die Wahl zwischen konservativen Behandlungsmöglichkeiten und chirurgischen Eingriffen hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Schwere der Verletzung und die individuellen Bedürfnisse des Patienten. In den Fällen, in denen ein Fingernerv durchtrennt ist, spielen konservative Behandlungsmöglichkeiten eine entscheidende Rolle bei der Genesung. Zu den konservativen Behandlungsmöglichkeiten gehören:
- Ruhe und Schonung: Nach einer durchtrennten Fingernervverletzung ist es wichtig, dem betroffenen Finger ausreichend Ruhe zu gönnen. Durch das Vermeiden von Belastung und Bewegung wird die Heilung gefördert und das Risiko für weitere Komplikationen minimiert.
- Physiotherapie: Physiotherapie spielt eine essentielle Rolle im Prozess der Heilung nach einer Fingernervverletzung. Durch gezielte Übungen und Techniken werden die Muskeln gestärkt, die Beweglichkeit verbessert und die sensorische Wahrnehmung im betroffenen Bereich wiederhergestellt.
- Schmerzmittel: Schmerzmittel können helfen, die Schmerzen zu lindern, die mit Nervenschäden einhergehen. Dazu gehören beispielsweise die Wirkstoffe Acetylsalicylsäure oder Paracetamol. Sie zählen zu den schwächeren Schmerzmitteln und sind meist rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.Stufe 2 sieht den Gebrauch mittelstarker Opioide (synthetisch hergestellte Arzneimittel aus Opium) vor. Substanzen dieser Schmerzklasse verschreibt der Arzt, wenn Schmerzmittel der Stufe 1 nicht mehr ausreichen.Stufe 3 beinhaltet den Einsatz starker Opioide. Beim Einsatz dieser Schmerzmittel ist eine ärztliche Überwachung der Therapie wichtig. Schmerzmittel sind in Form von Tabletten, Spritzen, Gels oder Wirkstoffpflastern erhältlich.
- Ergotherapie: Ergotherapie kann helfen, die Funktion der betroffenen Gliedmaße zu verbessern und den Alltag besser zu bewältigen.
- Alternative Behandlungsmethoden: Einige alternative Behandlungsmethoden wie Akupunktur oder Massagen können ebenfalls zur Schmerzlinderung und Entspannung beitragen. Akupunktur: Die Methode aus der traditionellen chinesischen Medizin setzt auf das Einbringen von Nadeln in die Haut an bestimmten Energiepunkten und eine ganzheitliche Sichtweise zur Linderung der Beschwerden. Bisher gibt es jedoch nicht ausreichende Nachweise, die eine Wirkung gegen Nervenschmerzen belegen. Massagen: Sie fördern die Durchblutung und lockern das Bindegewebe. Massagen werden daher in einigen Fällen als wohltuend empfunden.
Chirurgische Behandlungsmöglichkeiten
Die Entscheidung für einen chirurgischen Eingriff bei einem durchtrennten Fingernerv hängt von verschiedenen Faktoren ab. Eine Operation zur Behandlung eines durchtrennten Fingernervs kann in Betracht gezogen werden, wenn konservative Behandlungsmethoden nicht die gewünschten Ergebnisse erzielen oder wenn bestimmte Symptome oder Umstände vorliegen, die eine chirurgische Korrektur erfordern. Bei der Operation eines durchtrennten Fingernervs stehen unterschiedliche chirurgische Techniken zur Verfügung, die je nach Art und Schwere der Verletzung angewendet werden. Zu den chirurgischen Behandlungsmöglichkeiten gehören:
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- Nervennaht: Wenn ein Nerv durchtrennt ist, kann er durch eine Nervennaht wieder verbunden werden. Die beste Variante ist hierbei die primäre sofortige Naht des Nervs. Ist dies nicht möglich, so muß im weiteren Verlauf, am besten aber innerhalb von 3 Monaten, eine Nervenrekonstruktion durch ein Transplantat erfolgen.
- Nerventransplantation: Falls ein längerer Nervendefekt vorliegt, kann eine Nerventransplantation erforderlich sein. Der Chirurg benutzt hierfür körpereigenes Nervengewebe des Patienten (meist aus der Wade). Für das Einnähen verwendet er feinste, mit bloßem Auge kaum sichtbare Nähte.
- Nervenrekonstruktion: Bei komplexen Nervenverletzungen kann eine umfassendere Rekonstruktion erforderlich sein, um die Funktion des Nervs wiederherzustellen. Die Wahl der geeigneten chirurgischen Technik richtet sich nach verschiedenen Faktoren wie der Lokalisation der Verletzung, dem Ausmaß des Nervenschadens und den individuellen Bedürfnissen des Patienten.
- Dekompression: Bei Engpasssyndromen kann eine Dekompression des Nervs erforderlich sein, um den Druck auf den Nerv zu verringern. Karpaltunnelsyndrom: Durch die Einklemmung des Mittelnervs im Handgelenk entstehen Schmerzen, Taubheitsgefühle oder ein Kribbeln in den Fingern. Meist wird zunächst versucht, die Beschwerden konservativ (beispielsweise mittels Ruhigstellung oder Kühlung) zu behandeln. Stellt sich keine Besserung ein, kann eine operative Freilegung des Nervs zu einer Entlastung führen.
- Nerventransfer: Bei bestimmten Nervenverletzungen kann ein Nerventransfer durchgeführt werden, um die Funktion eines geschädigten Nervs durch einen anderen, weniger wichtigen Nerv zu ersetzen.
Dauer der Nervenheilung
Der Heilungsprozess nach einer Nervendurchtrennung im Finger ist individuell und kann je nach Schwere der Verletzung variieren. In der Regel kann es mehrere Wochen bis Monate dauern, bis die Nervenfasern wieder zusammenwachsen und die Funktion des Nervs teilweise oder vollständig wiederhergestellt ist. Man kann davon ausgehen, dass der Nerv mit einer Geschwindigkeit von ca. 0,5 bis 1 mm pro Tag das zu versorgende Areal wiederfindet. Die Nerven wachsen mit einer Geschwindigkeit von einem Millimeter pro Tag. Beim Menschen würde es also mindestens 40 Tage dauern, bis die Nervenenden wieder zueinander gefunden hätten.
Die Dauer der Nervenheilung hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter:
- Art und Schwere der Verletzung: Leichte Nervenquetschungen können innerhalb von Wochen heilen, während schwere Nervendurchtrennungen Monate oder sogar Jahre dauern können, um sich zu erholen.
- Alter des Patienten: Jüngere Patienten haben in der Regel eine bessere Fähigkeit zur Nervenregeneration als ältere Patienten.
- Allgemeiner Gesundheitszustand des Patienten: Patienten mit Grunderkrankungen wie Diabetes oder Durchblutungsstörungen haben möglicherweise eine langsamere Nervenheilung.
- Behandlung: Eine frühzeitige und angemessene Behandlung kann die Nervenheilung beschleunigen.
Rehabilitationsmaßnahmen
Die Rehabilitationsmaßnahmen nach einer Finger-Nervenbehandlung sind entscheidend für eine erfolgreiche Genesung. Dazu gehören gezielte physiotherapeutische Übungen, die darauf abzielen, die Beweglichkeit des betroffenen Fingers zu verbessern und die Kraft in der Hand wiederherzustellen. Die regelmäßige Nachsorge und Kontrolluntersuchungen beim Handchirurgen sind ebenfalls wichtig, um den Fortschritt der Heilung zu überwachen und potenzielle Komplikationen frühzeitig zu erkennen. Durch die konsequente Einhaltung der Rehabilitationsmaßnahmen und der empfohlenen Nachsorge können Patienten mit einem durchtrennten Fingernerv optimale Bedingungen für eine erfolgreiche Genesung schaffen. Zu den Rehabilitationsmaßnahmen gehören:
- Physiotherapie: Gezielte Übungen zur Verbesserung der Beweglichkeit, Kraft und Koordination. Krankengymnastik und Sporttherapien: Sie zielen darauf, Körperhaltung und Bewegungsabläufe zu trainieren, und nehmen daher vor allem in der Rehabilitation (zum Beispiel nach einem Schlaganfall) einen wichtigen Stellenwert ein. Bewegung stärkt betroffene Muskelgruppen. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass durch Sport körpereigene Schmerzhemmstoffe (Endorphine) ausgeschüttet werden.
- Ergotherapie: Anpassung des Arbeitsplatzes und der Alltagsaktivitäten, um die Belastung der betroffenen Gliedmaße zu reduzieren.
- Schmerzmanagement: Einsatz von Schmerzmitteln, Entspannungstechniken oder anderen Methoden zur Schmerzlinderung.
- Psychologische Betreuung: Unterstützung bei der Bewältigung von Schmerzen, Ängsten und Depressionen. Nervenschmerzen können eine starke psychische Belastung sein. Um Depressionen oder Angststörungen vorzubeugen, kann daher eine psychologische Behandlung sinnvoll sein.
Komplikationen
Nach einer Finger-Nerv Behandlung können bestimmte Komplikationen auftreten, die den Heilungsprozess beeinflussen können. Bei der Behandlung von durchtrennten Fingernerven können verschiedene Komplikationen auftreten, die den Genesungsprozess verlängern oder beeinträchtigen können. Um diese Komplikationen zu minimieren, ist eine sorgfältige Nachsorge und regelmäßige Kontrolle der Heilung essenziell. Bei starken Schmerzen oder anderen ungewöhnlichen Symptomen sollten Betroffene umgehend ihren Arzt konsultieren. Zu den möglichen Komplikationen gehören:
- Infektionen: Infektionen können den Heilungsprozess verzögern und weitere Schäden verursachen.
- Nervenkompressionssyndrome: Narbengewebe kann auf den Nerv drücken und zu erneuten Beschwerden führen.
- Chronische Schmerzen: In einigen Fällen können chronische Schmerzen nach Nervenschäden auftreten. Selbst ausgeheilte Nervenverletzungen hinterlassen häufig chronischen Schmerz und Überempfindlichkeit gegenüber sanften Berührungen.
- Funktionsverlust: In schweren Fällen kann es zu einem dauerhaften Funktionsverlust der betroffenen Gliedmaße kommen.
Medikamentöse Schmerztherapie
Nervenschädigungen gehen meist mit brennenden, kaum erträglichen Schmerzen einher. Eine wichtige Säule der Behandlung stellt daher die medikamentöse Schmerztherapie dar. Betroffene sollten mit der Behandlung der Schmerzen möglichst frühzeitig beginnen, da das Nervensystem ansonsten für den Schmerz geradezu sensibilisiert wird. Es kann sich ein Schmerzgedächtnis entwickeln und die Gefahr einer Chronifizierung besteht. Orientierungshilfe in der Schmerztherapie. Dazu gehören beispielsweise die Wirkstoffe Acetylsalicylsäure oder Paracetamol. Sie zählen zu den schwächeren Schmerzmitteln und sind meist rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.Stufe 2 sieht den Gebrauch mittelstarker Opioide (synthetisch hergestellte Arzneimittel aus Opium) vor. Substanzen dieser Schmerzklasse verschreibt der Arzt, wenn Schmerzmittel der Stufe 1 nicht mehr ausreichen.Stufe 3 beinhaltet den Einsatz starker Opioide. Beim Einsatz dieser Schmerzmittel ist eine ärztliche Überwachung der Therapie wichtig. Schmerzmittel sind in Form von Tabletten, Spritzen, Gels oder Wirkstoffpflastern erhältlich. Medikamente zum Einsatz kommen.
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- Antiepileptika: Ursprünglich zur Therapie epileptischer Anfälle entwickelt, werden die Präparate mittlerweile häufig auch bei Nervenschmerzen angewandt. Sie hemmen übererregte Nervenzellen und verhindern dadurch, dass diese ständige Schmerzsignale aussenden.
- Antidepressiva: Die zur Behandlung von Depression zugelassenen Arzneimittel wirken nicht nur stimmungsaufhellend, sondern auch schmerzlindern und eignen sich deshalb auch bei neuropathischen Schmerzen. Das gilt insbesondere für trizyklische Antidepressiva, deren Namen sich auf ihre chemisch dreifache Ringstruktur bezieht und die am längsten auf dem Markt sind.
- Capsaicin: Der natürlich in Chilischoten vorkommende Wirkstoff hat sich ebenfalls bei Nervenschmerzen bewährt. Er deaktiviert hyperaktive Rezeptoren, die Schmerz wahrnehmen, und hemmt somit die Schmerzwahrnehmung.
Der Arzt verordnet in vielen Fällen eine Kombination aus zwei oder mehreren Wirkstoffen. Je nach Ursache verschreiben Ärzte darüber hinaus noch viele weitere Medikamente. Bei Migräne-Schmerzen sind beispielsweise Triptane (gefäßverengende und entzündungshemmende Wirkstoffe) das Mittel der Wahl, bei einem Schlaganfall müssen blutverdünnende Medikamente eingenommen werden. Viele der Medikamente sind verschreibungspflichtig.
Alternative Behandlungsmethoden bei Nervenschmerzen
- Wärme- und Kältebehandlungen: Diese lassen sich sehr leicht in den Alltag integrieren und zu Hause durchführen. Während bei Entzündungen vor allem Kälte (zum Beispiel in Form kalter Kompressen) angewandt werden kann, kann in einigen Fällen auch eine Wärmflasche oder ein warmes Bad als wohltuend empfunden werden. Bei Empfindungsstörungen müssen Sie jedoch sehr vorsichtig sein, um Verbrennungen oder Erfrierungen zu vermeiden.
- Biofeedback: Hier lernen Betroffene normalerweise unbewusst ablaufende Prozesse (wie die Herzrate oder Hirnströme) des Körpers zu kontrollieren. Beispielsweise sollen Patienten versuchen, die Hauttemperatur und damit einhergehende die Schmerzwahrnehmung zu reduzieren.
- Psychologische Betreuung: Nervenschmerzen können eine starke psychische Belastung sein. Um Depressionen oder Angststörungen vorzubeugen, kann daher eine psychologische Behandlung sinnvoll sein.
- Entspannungstechniken: Vielen Menschen helfen Entspannungstechniken wie Meditation, autogenes Training oder die Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen. Sie führen zu einer seelischen sowie gleichzeitig körperlichen Beruhigung und können somit das Wohlbefinden von Betroffenen steigern.
- Elektrotherapie: Eine alternative Behandlungsmethode ist die Elektrotherapie, bei der elektrische Impulse zur Schmerzlinderung eingesetzt werden. Die häufigste Methode ist die sogenannte epidurale Rückenmarkstimulation (englisch „spinal cord stimulation“, = SCS), bei der durch ein operatives Verfahren mehre Elektroden in den Rücken implantiert werden. Diese stimulieren die hinteren Abschnitte des Rückenmarks. Keine Implantation erfordert hingegen die Transkutane Elektrische Nerven-Stimulation, kurz TENS. Die Elektroden werden direkt an den schmerzhaften Hautregionen angeklebt und sind mit einem kleinen tragbaren Gerät verbunden. Per Knopfdruck lassen sich sanfte elektrische Impulse erzeugen, welche die Schmerzen hemmen sollen.
- Hilfsmittel für den Alltag: Ein zentraler Therapie-Bestandteil bei Nervenschädigungen sind außerdem Hilfsmittel für den Alltag. Bei Menschen mit einer diabetischen Neuropathie besteht beispielsweise eine erhöhte Gefahr von Verletzungen oder Druckstellen und damit von Folgeerkrankungen wie einem diabetischen Fußsyndrom. Noch wichtiger sind Hilfsmittel bei einigen bislang nicht heilbaren neurologischen Erkrankungen. Als Beispiele sind hier die Krankheiten Multiple Sklerose oder Amyotropher Lateralsklerose (ALS) zu nennen. Beide können mit Fortschreiten zu starken Bewegungseinschränkungen, Sprach- und Schluckstörungen sowie Atemschwäche führen. Rollstühle, Sprachcomputer, Türöffnungshilfen und Co.
Die Rolle von Nährstoffen bei der Nervenregeneration
Vielleicht hast Du auch schon einmal gehört, dass verletzte oder geschädigte Nerven sich nicht regenerieren können. Das ist allerdings nur bedingt richtig. Während im Gehirn und Rückenmark die Nervenfasern nach einer Verletzung in der Regel nicht nachwachsen können, zeigen die Nervenzellen im peripheren Nervensystem bei einer Nervenschädigung erstaunliche Regenerationsfähigkeiten. Allerdings sind dafür Geduld und eine gute Versorgung der Nervenzelle mit den richtigen Nährstoffen gefragt. Nervenschädigungen und damit einhergehende Nervenschmerzen sind keine Seltenheit, denn die Ursachen der sogenannten peripheren Neuropathie sind vielfältig. Neben Quetschungen des Nervs wie sie z. B. bei einem Karpaltunnelsyndrom vorkommen, sind es vor allem stoffwechsel- oder ernährungsbedingte Faktoren, die zu einer Schädigung der Nervenfaser führen, allen voran erhöhte Blutzuckerspiegel bei Diabetes Mellitus. Aber auch Giftstoffe (z. B. Ein geschädigter Nerv kann dementsprechend ankommende elektrische Impulse nicht mehr richtig weiterleiten. Es kommt zum Schmerz oder zu Gefühlsstörungen wie Taubheit oder Kribbeln.
Wissenschaftliche Erkenntnisse legen aber nahe, dass sich ein Nerv des peripheren Nervensystems unter bestimmten Voraussetzungen von selbst regenerieren kann. Dies hängt insbesondere von der Art der Schädigung und dem Überleben des Zellkörpers ab. Eine Nervenschädigung im zentralen Nervensystem ist für den Körper in der Regel permanent. Hier können Nervenzellen nicht ohne weiteres regenerieren. Die Nervenregeneration ist ein wichtiger Reparaturprozess des peripheren Nervensystems, der zur Wiederherstellung der Struktur und Funktion der Nervenzelle führt. Wird ein peripherer Nerv verletzt, vergrößert sich der Zellkern der Nervenzelle, um sich für die Herstellung von Proteinen für den Neuaufbau vorzubereiten. In einem nächsten Schritt werden Fresszellen des Immunsystems, sogenannte Makrophagen, angelockt, um die abgebauten Zellbestandteile zu entsorgen. Die Nervenzelle ist nun bereit für den Wiederaufbau. Ziel der Regeneration ist es, die abgebauten Teile der Axone wiederherzustellen, um so wieder eine kontinuierliche Reizweiterleitung und Versorgung der innervierten Organe zu ermöglichen. Mit der Zeit werden diese sogenannten Axon-Sprossen länger und wachsen in Richtung des Zielgewebes. Damit die Axone dabei nicht vom Weg abkommen, konstruieren neu gebildete Schwann-Zellen in dem leeren Raum, in dem sich die verletzten Axone befunden haben, eine Leitbahn. Schwann-Zellen übernehmen aber noch weitere wichtige Aufgaben im Rahmen der axonalen Regeneration. Sie fördern beispielsweise die Bereitstellung von Wachstumsfaktoren und können helfen, Entzündungen zu lindern. Damit die Regeneration einer Nervenzelle im peripheren Nervensystem gelingen kann, müssen allerdings zunächst die Ursachen der Nervenschäden beseitigt werden und im Körper alle für den Wiederaufbau benötigten Baumaterialen zur Verfügung stehen.
- Uridinmonophosphat (UMP) und Cytidinmonophosphat (CMP): Uridinmonophosphat (UMP) und Cytidinmonophosphat (CMP) gehören zu den sogenannten Nukleotiden, den Grundbausteinen unserer Erbsubstanz. Entsprechend sind sie an der Herstellung von Nervenzellproteinen und Membranlipiden, die für die Nervenregeneration unverzichtbar sind, in entscheidendem Maße beteiligt. Gleichzeitig übernehmen die Nukleotide in unserem Körper aber auch wichtige Rollen als Botenstoffe. Uridin-Nukleotide sorgen u. a. für die Differenzierung der Schwann-Zellen und leiten das Wachstum von Neuriten aus dem Wachstumskegel ein.
- B-Vitamine: Verschiedene Vitamine des B-Komplexes spielen für unsere Nerven eine entscheidende Rolle, da sie zur normalen Funktion des Nervensystems beitragen. Dies ist auch daran zu erkennen, dass eine mangelnde Versorgung mit B-Vitaminen, insbesondere ein Vitamin-B-12-Mangel, zu einer Nervenschädigung (z. B. der peripheren Neuropathie) beitragen kann.
- Vitamin B12: Als Coenzym übernimmt Vitamin B12 wichtige Funktionen im Energiestoffwechsel, der Zellteilung sowie der Übertragung von Methylgruppen. Damit spielt das Vitamin eine besondere Rolle bei der Herstellung wichtiger Nervenzellproteine und dem schützenden Myelin. Vitamin B12 ist ausschließlich in tierischen Lebensmitteln wie Fleisch, Fisch, Milchprodukten und Eiern enthalten. Daher sind Vegetarier:innen häufig nicht optimal mit B12 versorgt.
- Vitamin B6: Vitamin B6 übernimmt eine zentrale Rolle bei der Herstellung von Nervenbotenstoffen, die für die Signalübertragung zwischen den Nervenzellen wichtig sind. Zudem wird es als Cofaktor für die Herstellung von Myelin benötigt.
- Vitamin B1: Vitamin B1 wird häufig auch als „Nervenvitamin“ bezeichnet, denn es übernimmt gleich mehrere Aufgaben zum Erhalt der Nervenfunktion. Als Cofaktor beim Abbau von Glukose ist es zum einen dafür mitverantwortlich, dass der Nervenzelle ausreichend Energie zur Verfügung steht. Zum anderen unterstützt es die Bereitstellung von Nervenbotenstoffen und Myelin und trägt zum Erhalt der Struktur der Zellmembranen bei.
- Folsäure: Folsäure ist für das Wachstum und die Teilung der Nervenzelle von Bedeutung. Gemeinsam mit Vitamin B12 übernimmt es zudem eine wichtige Rolle als sog. Methylgruppenüberträger und ist somit an der Herstellung von DNA-Bausteinen beteiligt. Darüber hinaus trägt das Vitamin Folsäure dazu bei, das Stoffwechselprodukt Homocystein „abzubauen“, welches in großen Mengen nervenschädigend sein kann. Dabei arbeitet es eng mit Vitamin B6 und Vitamin B12 zusammen. Als Folat ist es insbesondere in grünem Blattgemüse zu finden.
Multimodale Patientenversorgung
Eine umfassende, multimodale Patientenversorgung kann neben einer sorgfältigen Differenzialdiagnose, eine Symptombekämpfung mittels Membranstabilisatoren, Analgetika und/oder Antidepressiva sowie gezieltes Bewegungstraining und entlastende orthopädische Hilfsmittel beinhalten. Ebenfalls einbezogen werden sollte die Möglichkeit, gleichzeitig kausal vorzugehen, und die Regeneration der peripheren Nerven zu unterstützen. „Damit sich die Nerven erfolgreich regenerieren können, müssen zunächst die auslösenden Ursachen, die zu ihrer Zerstörung geführt haben, behandelt werden“, erklärte Wimmer. „Zusätzlich kann eine Supplementation neurotroper Substanzen die Regeneration peripherer Nerven fördern.“
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