Parkinson ist eine neurologische Erkrankung, die das Bewegungszentrum des Gehirns betrifft und die Bewegungsfähigkeit beeinträchtigt. Regelmäßige Bewegung ist ein entscheidender Teil der Therapie, um die Beweglichkeit, Koordination, Selbstständigkeit und Lebensqualität zu erhalten. Dieser Artikel stellt sieben bewährte Übungen vor, die leicht in den Alltag integriert werden können und täglich durchgeführt werden sollten.
Die Bedeutung von Bewegung bei Parkinson
Bewegung ist ein menschliches Bedürfnis und vermittelt Selbstbewusstsein und Lebensgefühl. Menschen mit Parkinson leiden unter zunehmenden Bewegungseinschränkungen, die alltägliche Aufgaben erschweren. Regelmäßige Übungen stärken die Muskelkraft, fördern das Gleichgewicht und die Beweglichkeit und tragen so zur Sturzprophylaxe bei.
Medikamentöse Behandlung und begleitende Therapie
Da die Ursache für Parkinson ein Ungleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn ist, stellt eine medikamentöse Behandlung den ersten Schritt der Therapie dar. Parallel dazu wird eine begleitende Therapie entwickelt, die die Hauptbehandlung unterstützt. Ein Therapieplan wird stets individuell an den Betroffenen angepasst. Je nach Symptomatik kann eine Physio-, Ergo-, Sprach- oder Psychotherapie eingesetzt werden, oftmals wird auch auf eine Kombination dieser Behandlungsmethoden zurückgegriffen.
7 Parkinson Übungen für den Alltag
Die folgenden Übungen können ohne große Umstände zu Hause selbst praktiziert werden. Dennoch sollten Betroffene mit dem behandelnden Arzt abklären, welche Übungen geeignet sind und welche nicht.
- Große Ausfallschritte mit Armbewegung: Stellen Sie sich aufrecht hin, machen Sie einen großen Ausfallschritt nach vorne und führen Sie die Arme seitlich am Körper mit.
- Oberkörpervorbeugen im Sitzen: Setzen Sie sich auf den vorderen Teil eines Stuhls, Hände auf die Oberschenkel. Beugen Sie den gestreckten Oberkörper langsam nach vorne und richten Sie sich wieder auf.
- Arme schwingen im Sitzen: Im Sitzen die Knie abwechselnd anheben und die Arme gegenläufig mitschwingen (wie beim Wandern): linker Arm und rechtes Knie, dann rechter Arm und linkes Knie.
- Diagonale Hand-Fuß-Koordination: Im Stehen oder Sitzen mit der rechten Hand zum linken Fuß beugen und zurück, dann mit der linken Hand zum rechten Fuß.
- Brustkorb-Dehnung und Aufrichtung: Arme auf Brusthöhe nach vorne strecken, Ellbogen nach hinten führen und dabei einatmen, dann wieder nach vorne. Machen Sie 10 Wiederholungen.
- Gleichgewichtstraining mit Stuhl: Stellen Sie sich hinter einen stabilen Stuhl, halten Sie sich fest. Heben Sie abwechselnd ein Bein nach hinten oder zur Seite und halten Sie die Position kurz.
- Gesichtsmuskulatur aktivieren: Ziehen Sie das Gesicht in verschiedene Grimassen, z.B. weit lächeln, die Stirn runzeln, die Augenbrauen heben. Halten Sie jede Position einige Sekunden.
Tägliche Übungen für Mimik und Gestik
Tägliches Training der Gesichtsmuskulatur kann Ihre Ausdrucksfähigkeit erhalten oder wieder verbessern. Da die mimischen Muskeln ihre Stimmung anzeigen, spielen sie bei der nonverbalen Kommunikation eine wichtige Rolle. Je 3 x im Wechsel und in jeder Position in Gedanken bis drei zählen und dabei halten. Heben Sie beide Augenbrauen, dann runzeln Sie die Stirn ("erstaunt schauen"). Ziehen Sie die Augenbrauen zusammen ("verärgert"), dann rümpfen Sie die Nase ("angeekelt"). Spitzen Sie die Lippen ("Kussmund") / Sprechen Sie ein "u". Ziehen Sie die Lippen breit ("übertriebenes Lächeln") / Sprechen Sie ein übertriebenes "i". Setzen Sie Ihre Mimik bewusst im Alltag ein.
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Weitere Übungen und Therapieansätze
Neben den oben genannten Übungen gibt es eine Vielzahl weiterer Therapieansätze, die bei Parkinson hilfreich sein können:
Krankengymnastik / Physiotherapie
Die Krankengymnastik bzw. Physiotherapie bei Parkinson trägt wesentlich zur Verbesserung oder Erhaltung der aktiven und passiven Mobilität in allen Gelenken bei. Zusätzlich kann eine Abnahme der Muskelsteifheit und einer Verbesserung der Beweglichkeit und Gehleistung erreicht werden. Dafür werden die betroffenen Muskelgruppen durch Übungen und Massagetechniken gezielt behandelt. Auch Schwimmen, leichte Ballspiele, Wandern und Radfahren fördern die Beweglichkeit.
Ergotherapie
Die Ergotherapie bei Parkinson verbessert die Koordination der Bewegungsabläufe im täglichen Leben und fördert zudem Wahrnehmung, Orientierung sowie Gedächtnisleistungen. Das Training umfasst besonders die feinmotorischen Übungen der Finger und Hände, da bei Betroffenen oftmals Schwierigkeiten beim An- und Auskleiden, Schuhe binden sowie Auf- und Zuknöpfen von Kleidung auftreten. Auch das Schreiben und der Umgang mit Messer und Gabel ist oftmals mühsam und zeitraubend.
Sprachtherapie
Bei Parkinson sind die Gesichtsmuskeln häufig steif und angespannt, Stimme und Sprache leiden unter dieser Unbeweglichkeit. Die Stimme wird heiser und leiser, das Sprechen wird langsamer, die Aussprache undeutlicher. Atemübungen können dabei helfen, die Sprache zu trainieren. Richtiges Atmen verbessert darüber hinaus die Sauerstoffzufuhr der Lunge und schützt vor Bronchitis und Lungenentzündung.
Neben dem Atemtraining sind mimische Übungen, bei denen die Gesichtsmuskulatur gelockert wird, eine wichtige Vorbereitung für die eigentlichen Sprechübungen. Die Sprechübungen selbst dienen dazu, die Wörter richtig zu artikulieren und den Rhythmus sowie die Lautstärke der Sprache zu erhalten. Alle diese Übungen (Mimik, Atem- und Sprechtraining) sollten mit einem ausgebildeten Logopäden erlernt und dann konsequent zu Hause weitergeführt werden. Lautes Lesen kann das Sprachtraining zusätzlich unterstützen.
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Psychotherapie
Eine starke Ausprägung der Parkinson-Symptome kann zu sozialem Rückzug führen. Dieser reduzierte soziale Kontakt kann sich auf die Stimmung der Betroffenen auswirken, schließlich sind depressive Verstimmungen oder Depressionen häufige Begleiterscheinungen von Parkinson. Diese seelischen Erkrankungen sind in der Regel behandelbar. Durch eine Psychotherapie (z. B. eine Gesprächstherapie) können mögliche Traumata aufgearbeitet werden.
Bewegungstherapie
Bewegung ist ein wichtiger Teil der Parkinson-Behandlung. Medikamente können viele Symptome lindern, doch manche Beschwerden lassen sich vor allem durch eine gezielte Bewegungstherapie verbessern. Dazu zählen zum Beispiel Schwierigkeiten beim Sprechen, Gehen, Stehen oder Halten des Gleichgewichts sowie eine veränderte Körperhaltung. Regelmäßige Bewegung stärkt die Muskulatur, verbessert Ausdauer, Beweglichkeit und Geschicklichkeit - und hilft, möglichst lange aktiv und selbstständig zu bleiben.
Welche Übungen oder Sportarten für Sie persönlich geeignet sind, hängt von Ihrer Fitness und eventuellen Vorerkrankungen ab. Ob Gymnastik, Yoga, Nordic Walking oder Tanzen - wichtig ist, dass es Ihnen Freude macht und regelmäßig durchgeführt werden kann. Wenn Bewegung oder Sport bisher keine große Rolle in Ihrem Alltag gespielt haben, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, damit anzufangen. Schon kleine Schritte können viel bewirken. Beginnen Sie mit einfachen Übungen, zum Beispiel zur Verbesserung Ihrer Körperhaltung, oder machen Sie regelmäßig Spaziergänge. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt darüber, welche Aktivitäten zu Ihrer körperlichen Belastbarkeit passen und mögliche gesundheitliche Einschränkungen berücksichtigen. Planen Sie regelmäßig Zeit für Bewegung ein - am besten zwei- bis dreimal pro Woche für etwa 15 bis 60 Minuten. Nutzen Sie auch die Angebote von Parkinson-Sportgruppen oder Selbsthilfegruppen in Ihrer Nähe. Das Wichtigste: Bleiben Sie dran und haben Sie Freude an der Bewegung. Motivation ist wichtig - vermeiden Sie jedoch Überforderung. Hören Sie auf Ihren Körper und bleiben Sie zu Beginn lieber etwas unter Ihrer persönlichen Belastungsgrenze. Wenn Sie zum Beispiel mit Mühe eine halbe Stunde Nordic Walking schaffen, starten Sie zunächst mit etwa 15 Minuten und steigern Sie sich langsam. Treten während des Trainings Schmerzen, Schwindel oder andere Beschwerden auf, beenden Sie die Übung und sprechen Sie bitte mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt darüber. Im Allgemeinen wird empfohlen, zwei bis drei Bewegungseinheiten pro Woche durchzuführen, je nach Kondition 15 bis 60 Minuten lang. Sehr hilfreich sind auch Übungen im warmen Wasser. Viele Übungen in der Turnhalle oder zu Hause helfen Ihnen, leichter in Bewegung zu kommen, indem Sie das Gehen mit großen Schritten trainieren oder das Dehnen Ihrer Muskeln. Musik oder rhythmische Bewegungen können Ihnen dabei helfen, im richtigen Takt zu bleiben und das sogenannte Einfrieren („Freezing“) zu vermeiden. Wenn Sie sich unsicher auf den Beinen fühlen, führen Sie die Übungen im Sitzen durch oder stützen Sie sich an einer Wand oder einem Stuhl ab.
Kompensationsstrategien bei Gangstörungen
Parkinson-Patientinnen leiden oft erheblich unter ihren Gangstörungen. Medikamente helfen dagegen leider nur wenig. Beim Parkinson sind die motorischen Fähigkeiten deutlich eingeschränkt. Vor allem rhythmische Bewegungen wie das Gehen fallen den Patientinnen schwer. Typisch sind kleine Schritte und ein schlurfender, stark verlangsamter oder taumelnder Gang. Um sich das Gehen zu erleichtern, greifen Parkinson-Patient*innen meist zu Stöcken oder Rollatoren.
- Innere Anhaltspunkte suchen, z. B. das Zählen der Schritte im Kopf.
- Äußere Anhaltspunkte nutzen, z.B. einen Metronom oder rhythmische Signale von einem Musik-Player. In der eigenen Wohnung lassen sich auch Klebstreifen in regelmäßigen Abständen auf dem Boden anbringen, über die man „rhythmisch“ steigen muss.
- Motorische Bilder verfolgen, indem man anderen beim Gehen zuschaut und dies nachahmt.
- Das Gleichgewicht bewusst verlagern, z.B. indem man wie ein Seemann mit weiter auseinanderstehenden Beinen in breiten Kurven läuft.
- Neue Gehmuster ausprobieren, z. B. die Knie stärker anheben, Hüpfen oder Rückwärtsgehen.
- Beine anders einsetzen, z. B. beim Radfahren oder Krabbeln.
- Mentale Konzentration verbessern, z. B. durch Entspannungsübungen wie Autogenes Training oder der Progressiven Muskelrelaxation nach Jacobsen.
Diese Kompensationsstrategien sind bei Parkinson-Patientinnen noch nicht weit verbreitet, wie eine aktuelle niederländische Studie an über 4000 Betroffenen zeigt. Nur die Hälfte der Befragten kannte die Zuhilfenahme äußerer Anhaltspunkte, um das Gehen zu erleichtern. Dabei sind die Strategien durchaus hilfreich, wie die Studienteilnehmerinnen beim Ausprobieren feststellten. Die Mehrheit der Parkinson-Patient*innen gab an, dass sich die jeweils getestete Methode positiv auf die Gehbehinderung auswirkte.
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Tipps zur Umsetzung
- Regelmäßigkeit ist entscheidend: Schon wenige Minuten täglich helfen, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.
- Bei Unsicherheiten oder fortgeschrittenen Einschränkungen empfiehlt sich eine Rücksprache mit Physiotherapeuten und Physiotherapeutinnen oder Ärzten sowie Ärztinnen, um das Übungsprogramm individuell anzupassen.
- Bei Gleichgewichtsproblemen immer eine Stütze (z.B.
- Sicheres Umfeld schaffen: Entfernen Sie Stolperfallen wie lose Teppiche, Kabel oder herumliegende Gegenstände aus dem Übungsbereich. Sorgen Sie für ausreichend Licht und Platz, damit Sie sich frei bewegen können.
- Stabile Unterstützung nutzen: Führen Sie Übungen im Stehen immer in der Nähe einer stabilen Stütze durch, z.B. an einem Tisch, einer Fensterbank oder mit einer Stuhllehne als Halt.
- Übungen im Sitzen beginnen: Starten Sie neue oder ungewohnte Übungen zunächst im Sitzen.
- Langsam und bewusst bewegen: Führen Sie alle Bewegungen langsam und kontrolliert aus. Hektische oder ruckartige Bewegungen erhöhen das Sturzrisiko.
- Balance und Kraft gezielt trainieren: Integrieren Sie gezielte Gleichgewichts- und Kraftübungen in Ihren Alltag, um Ihre Standfestigkeit zu verbessern (z.B. Fersen-Zehen-Stand, Kniebeugen mit festem Halt). Nutzen Sie alltägliche Situationen, um zu üben, z.B.
- Regelmäßige Pausen und Trinken: Machen Sie regelmäßig Pausen und trinken Sie ausreichend, um Kreislaufproblemen vorzubeugen.
- Übungsroutine individuell anpassen: Passen Sie die Übungen an Ihre Tagesform an und steigern Sie die Schwierigkeit nur langsam.