Die Carotisstenose, eine Verengung der Halsschlagader, ist eine ernstzunehmende Erkrankung, die das Risiko für einen Schlaganfall erheblich erhöht. Jährlich erleiden in Deutschland etwa 270.000 Menschen einen Schlaganfall, wobei etwa 15 Prozent dieser ischämischen Schlaganfälle auf eine Verengung der Halsschlagadern zurückzuführen sind. Die vordere Halsschlagader (Arteria carotis) ist am häufigsten betroffen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Diagnoseverfahren und Therapiemöglichkeiten der Carotisstenose, um ein umfassendes Verständnis dieser Erkrankung zu ermöglichen.
Ursachen und Risikofaktoren der Carotisstenose
Die Hauptursache für eine Carotisstenose ist die Arteriosklerose, eine Verkalkung und Verengung der Arterien. Diese entsteht durch verschiedene Gefäßrisikofaktoren, darunter:
- Hoher Blutdruck: Chronisch erhöhter Blutdruck schädigt die Gefäßwände und fördert die Ablagerung von Plaques.
- Falsche Ernährung: Eine Ernährung mit hohem Anteil an gesättigten Fetten und Cholesterin begünstigt die Entstehung von Arteriosklerose.
- Cholesterinstoffwechselstörungen: Erhöhte Blutfettwerte, insbesondere ein hoher LDL-Cholesterinspiegel, tragen zur Plaquebildung bei.
- Rauchen: Nikotin schädigt die Gefäßwände und fördert die Entstehung von Blutgerinnseln.
- Bewegungsmangel: Mangelnde körperliche Aktivität begünstigt Übergewicht, hohe Blutfettwerte und Bluthochdruck.
- Erbliche Prädisposition: Eine familiäre Veranlagung zu Gefäßerkrankungen kann das Risiko einer Carotisstenose erhöhen.
- Diabetes mellitus: Erhöhte Blutzuckerwerte schädigen die Gefäße und beschleunigen die Arteriosklerose.
Mit zunehmendem Alter schreitet die Arteriosklerose fort, wodurch sich die Halsschlagadern verengen oder sogar ganz verschließen können. An den Engstellen können sich Blutgerinnsel bilden, die ins Gehirn geschwemmt werden und dort einen Schlaganfall verursachen.
Symptome und Warnzeichen einer Carotisstenose
Eine Carotisstenose verläuft oft lange Zeit ohne erkennbare Symptome. Die Verengung der Halsschlagader wird dann zufällig bei einer Ultraschalluntersuchung festgestellt. Treten Symptome auf, sind diese meist auf eine vorübergehende oder dauerhafte Durchblutungsstörung des Gehirns zurückzuführen. Zu den möglichen Symptomen gehören:
- Vorübergehende Sehstörungen: Plötzliche, kurzzeitige Beeinträchtigungen des Sehvermögens, die nur wenige Sekunden andauern.
- Sprach- oder Sprechstörungen: Schwierigkeiten, sich auszudrücken oder Gesprochenes zu verstehen.
- Lähmungen oder Gefühlsstörungen: Einseitige Schwäche oder Taubheitsgefühl in Arm, Bein oder Gesicht.
- Schluckbeschwerden: Probleme beim Schlucken von Nahrung oder Flüssigkeiten.
- Verwirrtheit: Plötzliche Orientierungslosigkeit oder Gedächtnisstörungen.
- Starke Kopfschmerzen: Ungewöhnlich heftige Kopfschmerzen, die plötzlich auftreten.
- Schwindel und Gleichgewichtsstörungen: Unsicherheit beim Gehen oder Stehen.
Diese Symptome können Anzeichen einer transitorischen ischämischen Attacke (TIA) sein, einer vorübergehenden Durchblutungsstörung des Gehirns. Eine TIA ist ein Warnsignal für einen drohenden Schlaganfall und sollte umgehend ärztlich abgeklärt werden.
Lesen Sie auch: Faszination Nesseltiere: Wie sie ohne Gehirn leben
Diagnose der Carotisstenose
Bei Verdacht auf eine Carotisstenose ist eine umfassende Diagnostik erforderlich, um den Grad der Verengung zu bestimmen und die Ursache der Beschwerden zu ermitteln. Zu den wichtigsten Diagnoseverfahren gehören:
- Ultraschalluntersuchung der Halsgefäße (Doppler- und Duplexsonographie): Dies ist eine schmerzfreie und nicht-invasive Methode, um die Halsschlagadern darzustellen und den Blutfluss zu messen. Mit einer Ultraschalluntersuchung der Halsgefäße können Verengungen und Ablagerungen in den Halsschlagadern erkannt werden.
- CT-Angiographie (Computertomographie-Angiographie): Hierbei wird ein Kontrastmittel in die Blutbahn injiziert, um die Halsschlagadern und Hirngefäße im CT-Bild детаilliert darzustellen.
- MRT-Angiographie (Magnetresonanztomographie-Angiographie): Dieses Verfahren nutzt Magnetfelder und Radiowellen, um detaillierte Bilder der Blutgefäße zu erzeugen.
- Angiographie (DSA, Digitale Subtraktionsangiographie): Hierbei wird ein Katheter in ein Blutgefäß eingeführt, um Kontrastmittel direkt in die Halsschlagader zu injizieren und Röntgenbilder anzufertigen. Dieses Verfahren ist invasiver als die anderen Methoden und wird seltener eingesetzt.
- EKG (Elektrokardiogramm): Um Herzerkrankungen, wie z.B. Herzrhythmusstörungen als Ursache auszuschließen.
Die Ergebnisse der Untersuchungen helfen dem Arzt, die geeignete Therapie zu planen.
Therapie der Carotisstenose
Die Therapie der Carotisstenose zielt darauf ab, das Risiko für einen Schlaganfall zu senken und die Durchblutung des Gehirns zu verbessern. Die Wahl der Therapie hängt vom Schweregrad der Verengung, den Symptomen und dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten ab. Es gibt verschiedene Behandlungsansätze:
Konservative Therapie
Bei einer geringgradigen Verengung der Halsschlagader ohne Symptome kann eine konservative Therapie ausreichend sein. Diese umfasst:
- Lebensstiländerungen: Eine gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung, Gewichtsreduktion und der Verzicht auf das Rauchen sind wichtige Maßnahmen, um das Fortschreiten der Arteriosklerose zu verlangsamen. Orientieren Sie sich an der mediterranen Küche, die reich an Gemüse und ungesättigten Fettsäuren (Oliven- oder Rapsöl) ist. Achten Sie auf ausreichend Ballaststoffe, sie können helfen, das ungesunde Cholesterin zu senken. Ballaststoffe finden sich vor allem in Vollkornprodukten, in faserigem Gemüse wie bspw. Kohlarten, in Hülsenfrüchten, Naturreis, Nüssen und Samen. Reduzieren Sie Salz.
- Medikamentöse Therapie:
- Thrombozytenaggregationshemmer: Medikamente wie Acetylsalicylsäure (ASS) oder Clopidogrel hemmen die Verklumpung von Blutplättchen und verringern das Risiko von Blutgerinnseln.
- Cholesterinsenkende Medikamente (Statine): Statine senken den LDL-Cholesterinspiegel und können die Plaques in den Halsschlagadern stabilisieren.
- Blutdrucksenkende Medikamente: Eine gute Blutdruckeinstellung ist wichtig, um die Gefäße zu schützen.
- Diabetesmedikamente: Bei Diabetes ist eine optimale Blutzuckereinstellung entscheidend, um die Gefäßschäden zu minimieren.
Operative Therapie
Bei einer höhergradigen Verengung der Halsschlagader oder bei Auftreten von Symptomen ist oft eine operative Therapie erforderlich. Es gibt zwei gängige Operationsverfahren:
Lesen Sie auch: Lesen Sie mehr über die neuesten Fortschritte in der Neurowissenschaft.
- Karotisendarteriektomie (TEA): Bei diesem offenen chirurgischen Eingriff wird die Halsschlagader über einen Schnitt am Hals freigelegt. Anschließend wird die Arterie eröffnet und die Ablagerungen (Plaques) ausgeschält (Thrombendarteriektomie). Je nach Bedarf wird die Arterie anschließend direkt vernäht oder mit einem Flicken (Patchplastik) erweitert. Die Operation kann in örtlicher Betäubung oder Vollnarkose durchgeführt werden. Nach dem heutigen Stand der Studienlage ist gerade bei älteren Patienten die offene Operation mit einer geringeren Rate an Nebenwirkungen (Komplikationen) behaftet.
- Karotis-Stenting (endovaskuläre Therapie): Bei diesem minimalinvasiven Verfahren wird ein Katheter über die Leistenarterie bis zur verengten Stelle in der Halsschlagader vorgeschoben. Dort wird ein Ballonkatheter aufgeblasen, um die Verengung aufzuweiten (Ballondilatation). Anschließend wird ein Stent (ein kleines Metallgitterröhrchen) eingesetzt, um die Arterie offen zu halten. Um zu vermeiden, führen wir zusätzlich ein Sicherheitssystem ein: Ein Schirmchen entfaltet sich im Gefäß und fängt diese losen Teile ab. Die Stentimplantation kommt jedoch nur in geeigneten Fällen unter ganz bestimmten Auswahlkriterien zur Anwendung.
Die Wahl des Operationsverfahrens hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter der Lage und Ausdehnung der Verengung, dem Alter und Gesundheitszustand des Patienten sowie der Erfahrung des behandelnden Arztes.
Interventionelle Therapie von Stenosen der A.
Alternativ zu diesem Operationsverfahren ist die Implantation eines Stents möglich. Die Stentimplantation kommt jedoch nur in geeigneten Fällen unter ganz bestimmten Auswahlkriterien zur Anwendung. Nach dem heutigen Stand der Studienlage ist gerade bei älteren Patienten die offene Operation mit einer geringeren Rate an Nebenwirkungen (Komplikationen) behaftet.
Nachsorge und Prävention
Nach einer erfolgreichen Behandlung der Carotisstenose ist eine konsequente Nachsorge wichtig, um das Risiko für erneute Verengungen oder andere Gefäßerkrankungen zu minimieren. Dazu gehören:
- Regelmäßige Kontrolluntersuchungen: Ultraschalluntersuchungen der Halsschlagadern sollten regelmäßig durchgeführt werden, um den Erfolg der Behandlung zu überwachen und frühzeitig neue Verengungen zu erkennen.
- Einhaltung der medikamentösen Therapie: Die verordneten Medikamente, insbesondere Thrombozytenaggregationshemmer und Statine, müssen konsequent eingenommen werden.
- Fortsetzung der Lebensstiländerungen: Eine gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung und der Verzicht auf das Rauchen sind auch nach der Behandlung entscheidend, um die Gefäße gesund zu halten.
- Einstellung von Risikofaktoren: Bluthochdruck, Diabetes und erhöhte Blutfettwerte müssen optimal eingestellt und behandelt werden.
Präventive Maßnahmen
Um einer Carotisstenose vorzubeugen, sollten die Risikofaktoren für Arteriosklerose minimiert werden. Dazu gehören:
- Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und wenig gesättigten Fetten und Cholesterin.
- Regelmäßige Bewegung: Mindestens 150 Minuten moderate oder 75 Minuten intensive körperliche Aktivität pro Woche.
- Nichtrauchen: Der Verzicht auf Nikotin ist eine der wichtigsten Maßnahmen zur Vorbeugung von Gefäßerkrankungen.
- Gewichtsmanagement: Übergewicht sollte vermieden oder reduziert werden.
- Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen: Bei Vorliegen von Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes oder familiärer Vorbelastung sollten regelmäßige Ultraschalluntersuchungen der Halsschlagadern durchgeführt werden.
Lesen Sie auch: Tinnitus und Gehirnaktivität: Ein detaillierter Einblick