Migräne ist eine komplexe neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, meist einseitige Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Der Schmerz erscheint hämmernd, pulsierend oder bohrend. Nicht selten begleiten Übelkeit, Erbrechen und Sehstörungen die intensiven Kopfschmerzen. Die sehr belastenden Migräneanfälle dauern zwischen 4 und 72 Stunden, in seltenen Fällen sogar noch länger. Die Attacken wiederholen sich in Abständen, die von Patient zu Patient ganz unterschiedlich ausfallen können.
Was ist Migräne?
Migräne ist eine der häufigsten Kopfschmerzerkrankungen. Die meisten Migräneanfälle erleiden Personen zwischen dem 35. und dem 45. Lebensjahr, wobei Frauen in dieser Lebensphase viel häufiger betroffen sind als Männer. Laut dem Gesundheitsministerium haben etwa 15 Prozent der Frauen regelmäßig Migräne-Anfälle. Damit zählt Migräne zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen in Deutschland. Sie ist zudem einer der häufigsten Gründe für kurzfristige Krankmeldungen. Trotzdem wird sie als Krankheit häufig unterschätzt.
Hinter Migräne verbergen sich nicht nur besonders starke Kopfschmerzen, sondern eine neurologische Erkrankung. Es handelt sich um eine vorübergehende Funktionsstörung des Gehirns und des Nervensystems. Der Unterschied zu „normalen“ Kopfschmerzen, die in der Medizin als Spannungskopfschmerzen bezeichnet werden, liegt besonders an der Intensität. Migräne-Kopfschmerzen sind häufig pulsierend und pochend. Meist kommen die Schmerzen ganz plötzlich und treten nur in einer Kopfhälfte auf. Sie kehren in unregelmäßigen Abständen zurück. Spannungskopfschmerzen treten dagegen häufig am gesamten Kopf auf. Für sie gibt es meistens keine spezielle Ursache.
Ein Migräne-Anfall kann unterschiedlich lange anhalten. Die typischen Kopfschmerzen und Begleiterscheinungen halten teilweise bis zu 72 Stunden an. Mehrtägige Anfälle sind jedoch eher selten. Meistens beschränkt sich eine Attacke auf einen Tag.
Symptome der Migräne
Migräne äußert sich in heftigen, häufig einseitigen pulsierend-pochenden Kopfschmerzen, die in Attacken auftreten und bei Bewegung an Intensität zunehmen. Bei einem Drittel der Betroffenen schmerzt der gesamte Kopf. Neben den Schmerzen werden Migräneattacken häufig von weiteren Symptomen begleitet. Dazu gehören Appetitlosigkeit - die fast immer auftritt - sowie Übelkeit bis hin zum Erbrechen und (Über-)Empfindlichkeit gegenüber Licht, Lärm und bestimmten Gerüchen.
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Migräne verläuft typischerweise in verschiedenen Phasen ab:
- Vorboten-Phase: Konzentrationsprobleme, Stimmungsschwankungen, Müdigkeit, starker Appetit, Teilnahmslosigkeit, Geräusch- und Lichtempfindlichkeit Stunden bis zu zwei Tagen im Vorfeld
- Aura-Phase: langsam einsetzende Sehstörungen bis zu Gesichtsfeldausfällen, Kribbeln in Händen, Armen und Kopf, Sprach- und Orientierungsprobleme, Gleichgewichtsstörungen, selten Lähmungserscheinungen
- Kopfschmerz-Phase: oft halbseitige Schmerzen, in Stirn, Schläfen, Augen, seltener im Hinterkopf, dazu Übelkeit, Magen-Darm-Beschwerden, teilweise Erbrechen, Geräusch-, Licht- und manchmal auch Geruchsempfindlichkeit
- Erholungsphase: anhaltende Erschöpfung, Appetitlosigkeit und starke Müdigkeit über bis zu zwei Tage hinweg
Bei einer Minderheit der Patienten kündigt sich ein bevorstehender Migräneanfall durch die sogenannte Aura an. Schon vor Einsetzen des Migränekopfschmerzes leiden die Betroffenen an Schwindel, Sehstörungen, Hautirritationen, Sprachproblemen und einem ausgeprägten Unwohlsein. Die Aura hält meist nur dreißig Minuten bis zu einer Stunde an und lässt dann wieder nach. Die Symptome der Aura haben starke Ähnlichkeit mit den typischen Krankheitsmerkmalen eines Schlaganfalls. Deswegen wird der Arzt sicherheitshalber kontrollieren, ob es sich auch tatsächlich um das Phänomen der Aura handelt.
Unterschiedliche Migränearten
Unter dem Überbegriff "Migräne" werden ganz unterschiedliche Erscheinungsformen der Krankheit zusammengefasst. Die Symptome und auch die Intensität können stark voneinander abweichen. Es werden heute 48 Hauptformen der Migräne unterschieden. Die wichtigsten Untergruppen sind:
- Migräne ohne Aura: Es ist die häufigste Art der Migräne. Meist auf eine Kopfhälfte beschränkt, treten die Kopfschmerzen in Stirn und Schläfe plötzlich und ohne ankündigende Vorzeichen (Aura) auf. Die Migräneattacke ist gekennzeichnet von hämmernden, pulsierenden Schmerzen, die im Extremfall bis zu drei Tagen anhalten können. Meist leiden die Betroffenen darüber hinaus unter Übelkeit, manchmal Erbrechen. Licht und Geräusche werden als belastend empfunden. Ruhe und Dunkelheit bringen häufig etwas Erleichterung.
- Migräne mit Aura: Etwa ein Drittel der Migräne-Patienten durchlebt vor der Kopfschmerzattacke eine Phase mit typischen Wahrnehmungsstörungen (Aura). Während einer Zeitspanne von bis zu 60 Minuten hat man ein Flimmern vor Augen oder sieht Lichtblitze beziehungsweise zackenartig verzerrte Linien. Dazu kommen nicht selten Schwindel und Unwohlsein. Ein Kribbeln wandert über die Haut. Manchmal zeigen sich während der Aura Probleme mit dem Sprechen.
- Migräne ohne Kopfschmerzen: Bei einige Migräne-Patienten zeigt sich die Aura-Phase, ohne dass anschließend Kopfschmerzen folgen. Das auch als Augen-Migräne bekannte Erscheinungsbild der Krankheit ist seltener und die Behandlung ist schwieriger. Sicherheitshalber schließt der Arzt meist aus, dass keine andere Erkrankung, wie zum Beispiel ein Schlaganfall, vorliegt.
- Persistierende Aura: Hier hält die Aura-Phase mehr als eine Woche. Bei der extrem langen Dauer besteht auch die Möglichkeit, dass eine andere Erkrankung vorliegt, zum Beispiel ein migränöser Infarkt. Eine persistierende Aura ist eine sehr seltene Migränekomplikation.
- Vestibuläre Migräne: Bei dieser Form der Migräne stehen als charakteristische Symptome Gleichgewichtsstörungen und Schwindel im Vordergrund. Die schlagartig auftretende vestibuläre Migräne wird, wegen der ähnlichen Symptome, häufig mit einer Erkrankung des Gleichgewichtsorgans im Innenohr verwechselt.
- Hemiplegische Migräne: Es handelt sich um eine erbliche Form der Migräne mit Aura. Die Forschung geht entsprechend von einem Gendefekt aus, der die Krankheit verursacht. Zu den oben beschriebenen Migräne-Symptomen kommen hier während der Attacke typischerweise noch Störung in den Bewegungsabläufen. Manchmal können Gliedmaßen vorübergehend gar nicht mehr bewegt werden.
- Migräne mit Hirnstammaura: Bei dieser Form der Migräne mit Aura zeigt sich der Kopfschmerz im Hinterkopf. In der Aura-Phase leiden die meist jüngeren Betroffenen an Sprach- und Hörstörungen. Die Koordination der Bewegungen ist in Mitleidenschaft gezogen. Schwindel und Bewusstseinsstörungen können auftreten. Die Patienten sehen Doppelbilder oder ihnen fehlt ein Teil des Gesichtsfeldes. Empfindungsstörungen in der Haut sind ebenfalls möglich. Selten kann der Kontakt zur Außenwelt sogar für kurze Zeit vollständig abreißen.
- Abdominelle Migräne: Hier treten die Schmerzen nicht im Kopf, sondern im Oberbauch auf. In der überwiegenden Mehrheit sind Kinder und Jugendliche betroffen. Neben einem dumpfen Bauchschmerz entwickeln sich als Symptome auch Übelkeit und Erbrechen.
- Chronische Migräne: Leiden Patienten über einen längeren Zeitraum hinweg an mehr als 15 Tagen im Monat unter Migräneattacken, spricht man von einer chronischen Migräne. Meist handelt es sich um eine Migräne ohne Aura, die chronisch wird. Nur selten werden auch andere Migräne-Formen chronisch.
Migräne nach dem 45. Lebensjahr
Ein Großteil der Patienten erhält die Diagnose Migräne bereits im Jugendalter oder als junge Erwachsene. Auch wenn Migräne nicht heilbar ist, unterliegt sie jedoch oftmals stetigen Veränderungen. So können die einzelnen Attacken nicht nur völlig unterschiedlich ablaufen, sondern phasenweise häufiger beziehungsweise seltener auftreten.
Im Alter beobachten Experten die Tendenz, dass Migräne abnimmt und bei einigen Patienten sogar ganz verschwindet. Dazu ändert sich zumeist die Ausprägung der Attacken. Dies können typische Veränderungen der Migräne im Alter sein:
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- Die Kopfschmerzzeiten verkürzen sich.
- Begleitsymptome wie Übelkeit oder Lichtempfindlichkeit sind schwächer ausgeprägt.
- Bei Patienten, die in jüngeren Jahren an Migräne mit Aura gelitten haben, kommt es im Alter manchmal zu Auraerscheinungen, aber ohne das Kopfschmerzen entstehen.
Warum sich bei vielen Menschen die Migräne im Alter abschwächt, ist bisher noch ungeklärt. Ein Faktor könnten, zumindest bei Frauen, die Wechseljahre sein. Sind diese überstanden, fällt die monatliche Schwankung des Hormons Östrogen weg, ein häufiger Trigger für Migräne.
Wichtig: Wenn migräneartige Kopfschmerzen im Alter zum ersten Mal auftreten, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Nur selten entsteht Migräne als Neuerkrankung nach dem 45. Lebensjahr.
Kopfschmerzen im Alter: Migräne oder andere Ursachen?
Auch wenn die Migräneneigung bei älteren Menschen eher sinkt, leiden auch sie unter Kopfschmerzen. Untersuchungen zeigen dabei, dass sich die Ursachen ändern. Im Alter treten Kopfschmerzen vorranging als Folge einer anderen Erkrankung auf. Fachleute sprechen von sekundären Kopfschmerzen. Mögliche Ursachen sind unter anderem:
- Schlecht angepasste Brillengläser
- Schlafapnoe (nächtliche Atemaussetzer)
- Bluthochdruck
- Neuralgien (Nervenschmerzen)
- Neuropathien (Nervenerkrankung)
- Nebenwirkung von Arzneimitteln
Dazu leiden Menschen im höheren Alter nicht selten an Spannungskopfschmerzen. Dahinter stecken mitunter Verspannungen der Halswirbelsäule oder depressive Verstimmungen. Auch die besonders heftigen Clusterkopfschmerzen können bei Senioren auftreten, jedoch selten zum ersten Mal. Da sie kaum bekannt sind, fällt manchmal die Diagnose schwer.
Kopfschmerzen, die anfallartig erscheinen, besonders stark sind oder ungewöhnlich verlaufen, gehören in ärztliche Behandlung.
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Migräne mit Aura im Alter
Als Aura bezeichnen Mediziner Wahrnehmungsstörungen, die typischerweise vor den eigentlichen Kopfschmerzen auftreten. Betroffene sehen dann zum Beispiel gezackte Linien oder Blitzlichter. Darüber hinaus sind Sprach- oder Gefühlsstörungen möglich. Bei älteren Menschen können visuelle Erscheinungen oftmals auch ohne Kopfschmerzen entstehen. Nicht immer sind sie einer Migräne zuzuschreiben, vor allem dann nicht, wenn sie zuvor noch nie aufgetreten sind. Es können zum einen harmlose Ursachen dahinterstecken, aber ebenso ernsthafte. Vor allem ein Schlaganfall äußert sich ähnlich, zudem kann eine Aura in einen Schlaganfall übergehen (migränöser Infarkt). Daher ist es wichtig, bei ungewöhnlichen Sehstörungen, Taubheitsgefühlen, Gleichgewichtsstörungen und ähnlichen Auffälligkeiten einen Arzt aufzusuchen.
Wichtig: Patienten, die an einer Migräne mit Aura leiden, haben ein erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall.
Ursachen der Migräne
Die Ursachen für das Auftreten von Migräne-Anfällen sind von der Wissenschaft noch nicht vollständig aufgeklärt. Neue Hypothesen gehen von einem Ungleichgewicht in der Verteilung von neuronalen Botenstoffen im Gehirn aus. In den Fokus der Forscher sind Serotonin, Neurokinin A (NKA) und Calcitonin-Gene-Related-Peptide (CGRP) geraten.
Durch die Veränderung der Botenstoffe kommt es vermutlich zu einer Dehnung der Blutgefäße. Hierdurch werden entzündliche Eiweißstoffe freigesetzt, die eine schmerzhafte neurogene Entzündung auslösen. Auch genetische Defekte können bei einem kleinen Teil der Migränefälle eine Rolle spielen, genauso wie hormonelle Schwankungen. Das erklärt die höhere Anfälligkeit von Frauen während der Menstruation.
Der Konsum bestimmter Lebensmittel (Bananen, Schokolade, Zitrusfrüchte) fördert bei einigen Menschen die Auslösung einer Migräneattacke. Auch Nikotin und Alkohol (besonders Rotwein) gelten als Auslöser. Als Trigger können aber auch belastende Lebensumstände fungieren.
Auslösende Faktoren (Trigger) für eine Migräneattacke:
- Stress
- Reizüberflutung durch Medienkonsum
- Gewitterwetter oder Föhn-Wetterlage
- Gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus
- Lebensmittel (Zitrusfrüchte, Bananen, Schokolade)
- Rauchen
- Alkohol
- Natürliche und künstliche Hormonschwankungen (Pillenpause)
Diagnose der Migräne
Wer den Eindruck hat, von Migräne betroffen zu sein, sollte sich unbedingt ärztlich untersuchen lassen. Zum einen, um mögliche, oft sehr schwerwiegende Erkrankungen, sicher ausschließen zu können. Zum anderen, weil eine individuell zugeschnittene Therapie der Migräne das Leiden erheblich erleichtern kann.
Migräne diagnostiziert der Arzt in der Regel anhand der charakteristischen Symptome. Er wird sich also genau nach Ablauf und Häufigkeit der Kopfschmerzanfälle erkundigen. Welche Medikamente werden genommen und wie häufig? Sind andere Familienmitglieder ebenfalls betroffen? Wie lässt sich der Kopfschmerz beschreiben? Gibt es erkennbare Auslöser für die Migräneattacken?
Auf das Anamnesegespräch folgt die körperliche Untersuchung. Augenbewegungen und Pupillenreaktion werden überprüft, Gleichgewichtssinn und Hautsensibilität begutachtet. Nur in Ausnahmefällen wird auch ein bildgebendes Untersuchungsverfahren, wie CT und MRT des Kopfes, genutzt. Hier geht es meist darum, mögliche unerkannte neurologische Störungen oder andere Erkrankungen auszuschließen. Gleiches gilt für EEG und die Ultraschalluntersuchung der Blutgefäße im Hals. Manchmal werden auch Leber und Nieren untersucht, um sicher zu gehen, dass verordnete Schmerzmittel auch langfristig vertragen werden.
Behandlung der Migräne
Migräne ist nach derzeitigem Stand der Wissenschaft nicht heilbar. Häufigkeit und Stärke der Migräneattacken lassen sich jedoch durch Behandlung und gezielte Vorbeugung positiv beeinflussen.
Medikamentöse Behandlung
Neben Schmerzmitteln kommen bei der Therapie auch Medikamente zum Einsatz, die ursprünglich für völlig andere Anwendungsgebiete entwickelt wurden:
- Schmerzmittel wie Ibuprofen, Paracetamol, Naproxen, Acetylsalicylsäure, Diclofenac und Metamizol mildern den pulsierenden Kopfschmerz.
- Bei starker Migräne lindern Triptane die Beschwerden. Triptane wirken auf die Blutgefäße im gesamten Körper ein. Deswegen besteht die Gefahr von Nebenwirkungen. Auch dürfen Triptane nicht zu häufig genommen werden, weil sie auf Dauer selbst Kopfschmerzen verursachen können.
- CGRP-Injektionen, das auch als Migräne-Spritze bekannte CGRP-Antikörper-Präparat wirkt prophylaktisch, indem es bestimmte Botenstoffe im Gehirn hemmt. Die Häufigkeit der Migräneattacken kann dadurch gesenkt werden. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten der Spritze allerdings nur bei chronischer Migräne.
- Antiemetika wirken der Übelkeit entgegen.
- Betablocker, Antidepressiva und Antikonvulsiva werden teilweise vorbeugend bei schwerer Migräne verordnet.
Nicht-medikamentöse Behandlung
- Neurofeedback: Elektroden am Kopf messen die Hirnströme, während die Patienten bestimmte Entspannungsübungen einüben. Durch die Rückmeldung der elektronischen Messergebnisse erlernen die Teilnehmer Entspannungszustände, die einer Migräneattacke entgegenwirken können, aktiv herbeizuführen.
- Verhaltenstherapie: Diese Therapieform dient ebenfalls der Migräneprophylaxe. Ziel der Verhaltenstherapie ist es, für die Migräne-Entstehung besonders ungünstige Gewohnheiten oder Denkmuster zukünftig zu vermeiden.
- Akupunktur: Akupunktur gilt als vorbeugende Therapie, die die Frequenz von Migräneattacken herabsenken, im günstigsten Fall sogar vermeiden kann. Auch die Heftigkeit der auftretenden Anfälle lässt sich oft verringern.
Was kann ich selbst gegen Migräne tun?
Für das Auftreten von Migräneattacken sind häufig ganz bestimmte Trigger der auslösende Faktor. Dazu zählen zum Beispiel Stress, Konsum bestimmter Genuss- oder Lebensmittel sowie Reizüberflutung. Das Führen eines persönlichen Migräne-Tagebuches hilft, individuelle Trigger zu erkennen und künftig zu vermeiden. Grundsätzlich ist es immer hilfreich, das Stresslevel im Alltagsleben soweit wie möglich abzusenken. Ferner kann die Ausübung von Entspannungstechniken wie Yoga, Autogenes Training und progressive Muskelrelaxation nach Jacobson die Belastung durch die Migräne vermindern. Auch Ausdauersport, wie Laufen, Radfahren und Walking, gilt als geeignete Migräneprophylaxe.
Besonderheiten der Behandlung bei Migräne im Alter
Zur medikamentösen Behandlung von Migräne kommen vorrangig Schmerzmittel aus der Gruppe der nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) sowie Triptane zum Einsatz. Für ältere Migränepatienten müssen jedoch einige Punkte vor der Anwendung beachtet werden:
- Funktionsstörungen der Nieren oder der Leber können eine veränderte Wirksamkeit der Medikamente hervorrufen.
- Vorerkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck müssen besondere Beachtung finden.
- Augenmerk sollte auf mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, zum Beispiel Psychopharmaka oder Herz-Kreislauf-Mittel, gelegt werden.
- Patienten, die unter Gefäßerkrankungen leiden, beispielsweise der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK), dürfen keine Triptane einnehmen.
Migräne-Prophylaxe im Alter
Leiden ältere Menschen häufig unter Migräne oder wird die Erkrankung gar chronisch, sollte über Maßnahmen zur Vorbeugung nachgedacht werden. Allerdings weichen auch hier die Empfehlungen gegenüber jungen Patienten ab. Das Problem: Studien zur Wirksamkeit der Migräne-Prophylaxe ab einem Alter vom 65 Jahren gibt es nicht. Fachleute raten dazu, bei der Auswahl der Substanzen auf mögliche Nebenwirkungen zu achten und den Gesundheitszustand des Patienten zu berücksichtigen. So sollten Diabetiker möglichst keine Betablocker zur Migräne-Prophylaxe erhalten. Ab vier Migränetagen im Monat besteht die Möglichkeit, auf eine spezielle Antikörpertherapie zurückzugreifen. In einem Arztgespräch können sich Betroffene über ihre Möglichkeiten zur Vorbeugung informieren.
Dazu ist es im höheren Alter ebenfalls empfehlenswert, auf einen gesunden Lebensstil zu achten. Eine entspannte Nackenmuskulatur und Halswirbelsäule beugen einer Migräne-Attacke vor.