Abnehmen bei Hemiparese: Tipps für ein gesundes Gewicht

Nach einem Schlaganfall oder einer Rückenmarksverletzung kann es aufgrund von verminderter Muskelmasse und eingeschränkter Mobilität schwierig sein, ein gesundes Gewicht zu halten oder zu erreichen. Dieser Artikel bietet umfassende Informationen und praktische Tipps, wie Menschen mit Hemiparese oder anderen ähnlichen Einschränkungen ihr Gewicht managen und ihre Lebensqualität verbessern können.

Einleitung

Eine Halbseitenlähmung (Hemiparese) ist oft die Folge eines Schlaganfalls, bei dem die Blutversorgung eines Teils des Gehirns unterbrochen wird. Dies kann zu einer Schwächung oder Lähmung einer Körperseite führen. Eine der vielen Herausforderungen, mit denen Menschen mit Hemiparese konfrontiert sind, ist die Gewichtskontrolle. Dieser Artikel untersucht die Ursachen für Gewichtszunahme nach einem Schlaganfall und bietet evidenzbasierte Strategien, um ein gesundes Gewicht zu erreichen und zu halten.

Ursachen für Gewichtszunahme bei Hemiparese

Veränderter Energieumsatz

Nach einer Rückenmarksverletzung oder einem Schlaganfall verändert sich der Energieumsatz des Körpers. Der Grundumsatz, also die Energiemenge, die der Körper im Ruhezustand benötigt, kann um 10-25% reduziert sein. Dies liegt daran, dass weniger aktive Muskelmasse zur Verfügung steht und die eingeschränkte Mobilität zu einem geringeren Energieverbrauch führt.

Medikamentennebenwirkungen

Einige Medikamente, die nach einem Schlaganfall oder einer Rückenmarksverletzung eingenommen werden, können als Nebenwirkung zu Gewichtszunahme führen.

Bauchfett und Gesundheitsrisiken

Übergewicht, insbesondere wenn es sich als Bauchfett ansammelt, kann das Herz-Kreislauf-System erheblich belasten und zu Bluthochdruck und Herzkrankheiten führen. Bei Menschen mit Querschnittlähmung, insbesondere Tetraplegikern, kann es schwierig sein, zwischen angesammeltem Fettgewebe und dem nach vorne drückenden Bauchinnenraum zu unterscheiden.

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Ernährungsumstellung als Schlüssel zur Gewichtskontrolle

Um das Gewicht zu halten oder zu reduzieren, ist oft eine Ernährungsumstellung notwendig. Hier sind einige wichtige Regeln und Strategien:

1. Die Bedeutung von Hunger, Appetit und Gewohnheiten

Hunger und Appetit werden nicht nur vom Energiebedarf und Kalorien gesteuert. Persönliche Vorlieben, Gewohnheiten, die Einstellung zum Essen und psychische Komponenten spielen ebenfalls eine Rolle.

2. Umgang mit Bewegungsmangel

Bei Bewegungsmangel ist ein Mobilitätstraining oder ein individuelles Sportprogramm empfehlenswert, das von einem Trainer mit Erfahrung im Umgang mit Querschnittgelähmten entwickelt wurde.

3. Emotionen und Essen

Wenn man feststellt, dass man aus Langeweile, Traurigkeit, Stress oder Genervtheit isst, sollte man alternative Möglichkeiten finden, um diesen Emotionen entgegenzuwirken. Sport, Treffen mit Freunden, Telefonieren oder Entspannungsmethoden können helfen.

4. Realistische Ziele setzen

Es ist wichtig, nicht zu viel zu schnell zu wollen. Besser ist es, sich Teilziele zu setzen.

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5. Individuelle Reduktionsdiät

Eine Reduktionsdiät ist individuell, und nicht alle Strategien funktionieren für jeden gleich gut. Viel trinken (z. B. Wasser oder ungesüßten Tee) kann helfen, das Hungergefühl zu reduzieren.

6. Vermeidung von Kohlenhydraten am Abend

Eine Strategie ist es, abends die Kohlenhydrate wegzulassen. Dies ist jedoch nicht für jeden geeignet.

7. Langsamer, kontinuierlicher Gewichtsverlust

Mehr als ein bis zwei Kilo pro Monat sollten es nicht sein. Wer schnell abnimmt, riskiert den Jojo-Effekt. Ein langsamer, kontinuierlicher Gewichtsverlust ist nachhaltiger.

8. Regelmäßige Gewichtskontrolle

Eine regelmäßige Gewichtskontrolle ist wichtig, aber nicht immer einfach.

9. Formulardiäten vermeiden

Von Formulardiäten, bei denen eine Mahlzeit durch ein Getränk oder eine Fertigmahlzeit ersetzt wird, ist abzuraten. Sie führen nicht zu einer langfristigen Ernährungsumstellung, da kein Lerneffekt eintritt.

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10. Keine Crash-Diäten

Crash-Diäten, bei denen man sehr schnell ab- dann aber auch wieder zunimmt, sind keine gute Idee. Auch hier droht der Jojo-Effekt.

11. Ausgewogene Ernährung

Eine sehr einseitige Ernährung ist nicht gut, da sonst ein Nährstoffmangel droht. Fette sollten nicht vollständig aus der Nahrung gestrichen werden, da Fettsäuren wichtig für verschiedene Verdauungs- und Stoffwechselvorgänge sind.

12. Vorsicht bei Low Carb Diäten

Bei Low Carb Diäten, bei denen weitgehend auf Kohlenhydrate verzichtet wird, ist Vorsicht geboten. Sie eignen sich zwar gut zur Gewichtsabnahme, sind aber häufig arm an Ballaststoffen.

Weitere wichtige Aspekte

Rehabilitation und Therapie

Je früher die Therapie bei einem Schlaganfall einsetzt, desto größer sind die Überlebenschancen des Patienten. Eine intensive Rehabilitation beginnt bereits in der Akutphase im Krankenhaus und wird idealerweise in stationären oder ambulanten Rehabilitationseinrichtungen fortgesetzt.

Teamarbeit in der Rehabilitation

Wie im Krankenhaus und in der Reha ist die Rehabilitation auch zu Hause eine Team-Aufgabe. Hausarzt, Fachkräfte aus der ambulanten Pflege, Physio- und Sprachtherapeuten sowie Familie und Partner müssen gut zusammenarbeiten, um dem Patienten wieder zu Lebensqualität zu verhelfen.

Anpassung des Wohnraums

Wichtig ist, den Wohnraum an die Bedürfnisse des Patienten anzupassen. Das Bett sollte so stehen, dass alle wichtigen Gegenstände auf der Seite der geschädigten Körperseite stehen. Stabile Stühle mit Rückenlehne und ein großer Tisch vor der Sitzgelegenheit geben mehr Sicherheit.

Hilfsmittel für Bad und Toilette

Für die Anpassung des Bades und der Toilette steht eine Reihe praktischer Hilfsmittel bereit, die dem Kranken gegebenenfalls eine selbstständige sichere Körperhygiene ermöglicht bzw. erleichtert.

Lagerung nach der Bobath-Methode

Die richtige Lagerung des Kranken als passive Bewegungsübung ist von Anfang an wichtig. Die Lagerung nach der Bobath-Methode hemmt Spasmen, bereitet normale Bewegungsmuster vor und fördert die Wahrnehmung.

Mundhygiene bei Gesichtslähmung

Bei Gesichtslähmung ist besonders auf die Mundhygiene zu achten, weil die geschädigte Seite oft vernachlässigt wird.

Umgang mit Schluckbehinderungen

Bestehen am Anfang durch die Lähmung Schluckbehinderungen, werden pürierte Speisen verabreicht.

Toilettentraining bei Inkontinenz

Bei Halbseitenlähmung besteht anfangs häufig Inkontinenz, die jedoch durch ein gezieltes Toilettentraining im Laufe der Zeit meist beherrscht werden kann.

Mobilisation und Selbstständigkeit

Ziel aller Maßnahmen ist es, den Patienten so rasch wie möglich wieder aus dem Bett zu bringen und ihm größtmögliche Selbständigkeit zurückzugeben.

Sprachstörungen (Aphasien)

Sprachstörungen, sog. Aphasien, bei denen sowohl die Fähigkeit, sich sprachlich auszudrücken, als auch das Sprachverständnis selbst in Mitleidenschaft gezogen sein kann, sind wohl die schwerste Belastung für den Kranken und seine Mitmenschen.

Fußheberschwäche

Die Fußheberschwäche ist eine der häufigsten Folgeerscheinungen nach einem Schlaganfall. Krankengymnastik, Orthesen und Funktionelle Elektrostimulation (FES) können helfen.

Ernährung nach einem Schlaganfall

Eine bewusste Ernährung spielt besonders nach einem Schlaganfall eine große Rolle. Sie hilft, das Risiko für einen weiteren Schlaganfall zu reduzieren und dient der Prävention. Reduzieren Sie Ihren Fett- und Zuckerkonsum, um eine Arteriosklerose (Gefäßverkalkung) zu verhindern.

Essenshilfen und Trinkhilfen

Nutzen Sie Essenshilfen und spezielles Essbesteck, die groß genug sind und über Riemen verfügen, sodass Betroffene das Besteck bzw. die Essenshilfen problemlos greifen können. Auch Trinkhilfen, insbesondere Nasenausschnittsbecher, können bei einer eingeschränkten Nackenbeweglichkeit oder bestehenden Schluckstörung helfen.

Essen für Schlaganfall-Patienten

Für Schlaganfall-Patienten mit einer Schluckstörung sollten die Mahlzeiten in kleine Stücke geschnitten werden. Zerkleinerte oder pürierte Kost, die leicht geschluckt werden kann und gleichzeitig nahrhaft ist, ist ideal.

Leben nach dem Schlaganfall gestalten

Passen Sie die persönliche Umgebung an die neuen Bedingungen an, beispielsweise indem man den Wohnraum behindertengerecht umgestaltet oder pflegerische Hilfe in Anspruch nimmt.

Schlaganfall & Autofahren

Lassen Sie nach einem Schlaganfall Ihre Fahrtauglichkeit unbedingt überprüfen. Eine objektive Einschätzung von Fachleuten bringt bei möglichen Selbstzweifeln Gewissheit.

Schlaganfall & Beruf

Sprechen Sie schon während der Rehabilitation mit Ihrem Arzt über eine mögliche Rückkehr in den Beruf beziehungsweise eine Neuorientierung. Die Agentur für Arbeit und die Träger der Rentenversicherung sind wichtige Ansprechpartner.

Schlaganfall & Reisen

Wenn Sie sich von Ihrem Schlaganfall erholt haben, dürfen Sie meist auch wieder in den Urlaub fahren. Sogar Flugreisen sind prinzipiell erlaubt. Es kommt aber vor allem darauf an, wie fit Sie sich fühlen.

Tipps für Angehörige

Die Folgen eines Schlaganfalls betreffen nicht nur die Patienten selbst, sondern auch die Menschen, die deren Leben teilen. Die Angehörigen benötigen meist viel Zeit, Geduld und Einfühlungsvermögen.

Praktische Übungen und Tipps für den Alltag

Fußtraining

  • Trommeln Sie mit den Füßen rhythmisch auf den Boden.
  • Versuchen Sie, einen Stift mit den Zehen hochzuheben.
  • Machen Sie einen Ausfallschritt, wobei der bewegungseingeschränkte Fuß hinten steht und die Ferse so gut wie möglich am Boden bleibt.

Allgemeine Ernährungstipps

  • Trinken Sie reichlich (mindestens 1,5 Liter am Tag).
  • Essen Sie viel Obst und Gemüse.
  • Integrieren Sie Hülsenfrüchte in Ihre Ernährung.
  • Wählen Sie Vollkornprodukte.
  • Bevorzugen Sie pflanzliche Öle.
  • Essen Sie ein- bis zweimal pro Woche Fisch.
  • Meiden Sie Fett, Zucker und Salz.
  • Nehmen Sie sich ausreichend Zeit zum Essen.

Unterstützung und Beratung

  • Ernährungsberatung durch qualifiziertes Personal.
  • Schlucktherapeuten für die richtige Konsistenz der Nahrung.

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