Die Magnetresonanztomographie (MRT) ist ein wichtiges bildgebendes Verfahren zur Abklärung von Kopfschmerzen, insbesondere bei Migräne. Dieser Artikel beleuchtet die Rolle der MRT bei der Diagnose von Migräne, die möglichen Ursachen von Kopfschmerzen, die mit einer MRT erkannt werden können, und die Bedeutung von MRT-Befunden im Zusammenhang mit Migräne.
Einführung
Kopfschmerzen sind ein weit verbreitetes Leiden, von dem fast jeder Mensch ein- bis mehrmals im Jahr betroffen ist. Es gibt über 200 verschiedene Arten von Kopfschmerzen, die sich in Art, Intensität und Ursache unterscheiden. Während die meisten Kopfschmerzen harmlos sind, können sie in einigen Fällen auch ein Symptom für eine ernstere Erkrankung sein. Die Magnetresonanztomographie (MRT) spielt eine wichtige Rolle bei der Abklärung von Kopfschmerzen, insbesondere bei Migräne.
Arten von Kopfschmerzen
Kopfschmerzen werden in zwei Hauptgruppen unterteilt: primäre und sekundäre Kopfschmerzen.
- Primäre Kopfschmerzen: Diese Kopfschmerzen gehen nicht auf eine erkennbare Ursache zurück. Beispiele hierfür sind Spannungskopfschmerzen, Migräne und Clusterkopfschmerzen. Bei Patient:innen mit primären Kopfschmerzen zeigen sich in neurologischer und neuroradiologischer Diagnostik unauffällige Befunde.
- Sekundäre Kopfschmerzen: Diese Kopfschmerzen treten als Warnsignal für eine andere Störung auf, z. B. nach Verletzungen des Kopfes, bei Infektionen, als Nebenwirkung von Medikamenten, bei Schädigungen der Halswirbelsäule, bei Gehirntumoren oder bei Erkrankungen von Hals, Augen, Ohren, Nase, Nasennebenhöhlen oder den Zähnen. Patient:innen mit sekundären Kopfschmerzen weisen eine zugrunde liegende, und in der Bildgebung meist darstellbare Pathologie, auf.
Die Rolle der MRT bei der Kopfschmerzabklärung
Die Magnetresonanztomographie (MRT) ist bei der Kopfschmerzabklärung das Verfahren der Wahl. Sie kann subtile Hirnstrukturen kontrastreich und ohne Röntgenstrahlen abbilden. In hochakuten Situationen und bei Gründen, die gegen eine MRT-Untersuchung sprechen (sogenannten Kontraindikationen) kommt die Computertomographie (CT) zum Einsatz. Die CT geht jedoch mit einer erhöhten Strahlenbelastung einher.
Die MRT-Technik ist besonders wertvoll, um detaillierte Bilder von Hirnstrukturen und Gefäßen im Kopfbereich zu erhalten. Sie wird häufig eingesetzt, um Hirnblutungen und Anomalien in den Blutgefäßen zu diagnostizieren. Diese hochauflösenden Bilder ermöglichen es Medizinern, selbst kleinste Veränderungen in den Gefäßen zu erkennen, die auf kritische Zustände wie Aneurysmen oder Gefäßverengungen hinweisen können.
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Ein weiterer wichtiger Aspekt der Schädel-MRT ist die Abklärung und Beurteilung der Nasennebenhöhlen und Hirnkammern. Diese Untersuchung ist besonders relevant, wenn die Fragestellung auf Entzündungen, Infektionen oder andere Anomalien in diesen Bereichen abzielt. Die MRT ermöglicht eine klare und präzise Darstellung der Nasennebenhöhlen und kann somit entscheidend zur Diagnose von Sinusitis oder anderen nasalen Problemen beitragen.
MRT-Befunde bei Migräne
Bei Patient:innen mit primären Kopfschmerzen zeigen sich unauffällige Befunde in neurologischer und neuroradiologischer Diagnostik. Die Diagnostik erfolgt primär klinisch anhand der typischen Symptome und der Krankengeschichte. Bildgebende Untersuchungen mittels MRT werden im Fall der Migräne nur in bestimmten Situationen durchgeführt, wie:
- atypischen Verläufen
- erstmaligem Auftreten im höheren Alter (über 50 Jahre)
- ungewöhnlichen Begleitsymptomen
- Vorliegen von Red-Flag-Symptomen
Dennoch können bei Migränepatienten in der MRT Veränderungen festgestellt werden. Eine Studie der University of Southern California hat auf den Bildern signifikante Veränderungen in den perivaskulären Räumen einer Gehirnregion entdeckt, die als Centrum semiovale bezeichnet wird. Perivaskuläre Räume sind flüssigkeitsgefüllte Blasen, die Blutgefäße im Gehirn umgeben. Sie befinden sich am häufigsten in den Basalganglien in der Tiefe der Großhirnhemisphäre und dem Zentrum des Großhirns sowie entlang des Sehtrakts. Perivaskuläre Räume können Anomalien an der Blut-Hirn-Schranke und Entzündungen verursachen.
Forscher vermuten, dass signifikante Unterschiede in den perivaskulären Räumen bei Patienten mit Migräne im Vergleich zu gesunden auf eine glymphatische Störung im Gehirn hindeuten. Das glymphatische System ist dafür zuständig, lösliche Proteine und Metaboliten, die Abfälle sind, aus dem zentralen Nervensystem zu eliminieren. Das könnte eine Ursache für Migräne sein, allerdings muss noch viel geforscht werden, um alle Zusammenhänge zu verstehen.
In der Kernspintomographie werden auch bei gesunden Menschen häufig kleinere hyperintense Läsionen in der weißen Hirnsubstanz gefunden. Allgemein wird vermutet, dass es sich um klinisch stumme Hirninfarkte handelt. Die „Cerebral Abnormalities in Migraine, an Epidemiological Risk Analysis“ oder CAMERA-1-Studie herausgefunden, dass diese Läsionen bei Migräne-Patienten häufiger als bei Gesunden sind. Betroffen waren häufig weibliche Patienten, bei denen die Migräne mit einer Aura einhergeht oder die mehr als eine Migräneattacke pro Monat haben. Andere Studien kamen zu ähnlichen Ergebnissen.
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Die CAMERA-2-Studie zeigt: Bei 77 Prozent der Frauen war es zu einer Ausdehnung der hyperintensen Läsionen gekommen. Eine derartige Progression wurde jedoch auch bei 60 Prozent der Gesunden in der Kontrollgruppe festgestellt. Dies ergibt zwar in der adjustierten Berechnung eine Verdopplung des Progressionsrisikos (Odds Ratio OR 2,1) die knapp signifikant ausfiel (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,0-4,1). Auffällig war auch eine tendenzielle Häufung von infratentoriellen Läsionen (15 versus 2 Prozent) und infarktverdächtigen Läsionen im Versorgungsgebiet der Arteria basilaris (5 versus 0 Prozent), die ebenfalls als ominöses Zeichen bewertet werden könnten.
Gegen eine Gefährdung der Patienten spricht jedoch, dass die absolute Ausdehnung der Läsionen bei den inzwischen 57 Jahre alten Patienten begrenzt blieb, und die Untersuchungen der Patienten keine Hinweise auf Schlaganfall-Symptome oder einen Abfall der kognitiven Leistungen ergeben haben. Die kernspintomographischen Befunde sind deshalb weiterhin ohne klinische Bedeutung für die Patienten.
Die Studie belegt auch nicht, dass die Läsionen durch die Migräne ausgelöst werden. Dagegen spricht beispielsweise, dass Progression der Läsionen nicht mit der Zahl der Migräneattacken assoziiert war, was auf eine „Dosis-Wirkungsbeziehung“ hingewiesen hätte. Ungewöhnlich war auch, dass Patienten mit einer Migräne mit Aura, die als die schwerere Verlaufsform eingeschätzt wird, weniger von der Progression betroffen waren als Patienten ohne Aura.
Differenzialdiagnosen
Die MRT kann helfen, andere Ursachen von Kopfschmerzen auszuschließen, wie z.B.:
- Hirntumore: Typische Begleitsymptome von Hirntumoren sind morgendliche Kopfschmerzen, die mit Übelkeit und Erbrechen einhergehen (durch erhöhten Hirndruck), neu auftretende epileptische Anfälle ohne vorherige Epilepsie, schleichende neurologische Ausfälle wie Sprachstörungen, Sehstörungen, Gangunsicherheit oder Koordinationsprobleme sowie Persönlichkeitsveränderungen, Konzentrationsstörungen oder Gedächtnisprobleme.
- Entzündliche Erkrankungen des Gehirns: Bei einer Meningitis (Hirnhautentzündung) reichert sich das Kontrastmittel in den entzündeten Hirnhäuten an, was als sogenanntes „meningeales Enhancement“ (Aufhellung der Hirnhäute) sichtbar wird. Die Hirnhäute erscheinen verdickt und zeigen eine vermehrte Kontrastmittelaufnahme. Begleitend können sich kortikale (die Hirnrinde betreffende) Ödeme oder umschriebene kontrastmittelanreichernde Knötchen zeigen, die auf eine granulomatöse Entzündung wie Tuberkulose hinweisen können. Die Enzephalitis (Entzündung des Gehirns) manifestiert sich anders: Hier zeigen sich in der MRT größere, umschriebene ödematöse Areale im Hirngewebe selbst, die in T2-gewichteten und FLAIR-Sequenzen hell erscheinen.
- Gefäßveränderungen und Durchblutungsstörungen: Aneurysmen (Aussackungen der Hirnarterien) sind in der MRT mittels spezieller Gefäßdarstellungen (MR-Angiographie) gut erkennbar. Ist ein Aneurysma bereits geplatzt, entsteht eine Subarachnoidalblutung (Blutung in den mit Hirnwasser gefüllten Raum zwischen Hirnhäuten und Gehirnoberfläche). Das Blut lässt sich in der Akutphase mit der CT besser darstellen, kann aber auch mit der MRT anhand spezifischer Signalmuster erkannt werden. Ein Schlaganfall (ischämischer Infarkt durch Durchblutungsstörungen) zeigt sich in speziellen diffusionsgewichteten MRT-Sequenzen bereits wenige Stunden nach dem Ereignis als helles Areal, während er in der CT und konventionellen MRT-Sequenzen in der Frühphase noch unauffällig sein kann. Sinusvenenthrombosen (Gerinnsel in den großen Hirnvenen) sind ebenfalls mit der MRT erkennbar: Die normalerweise signalarmen (dunklen) Venen erscheinen hell und zeigen nach der Kontrastmittelgabe charakteristische Füllungsdefektzeichen (das Gerinnsel nimmt kein Kontrastmittel auf, während die Venenwand aufleuchtet).
Ablauf einer Kopf-MRT
Die Kopf-MRT ist eine belastungsarme und schmerzfreie Untersuchung. Vor der Untersuchung wird der Patientenstatus hinsichtlich Metallimplantaten, Herzschrittmachern oder anderen elektronischen Implantaten erhoben, um Wechselwirkungen mit dem starken Magnetfeld zu verhindern. Die eigentliche Untersuchung findet im röhrenförmigen Gehäuse (Gantry) des MRT-Gerätes statt. Ein Kontrastmittel auf Gadoliniumbasis wird bei Bedarf über einen Venenzugang verabreicht, insbesondere wenn der Verdacht auf einen Tumor, eine Entzündung oder Gefäßveränderungen besteht.
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Die Kopf-MRT liefert hochaufgelöste Schnittbilder des Gehirns in verschiedenen Ebenen und ermöglicht die Beurteilung unterschiedlicher Strukturen und pathologischer Veränderungen. In den Aufnahmen heben sich die verschiedenen Gewebearten durch charakteristische Signalmuster in den unterschiedlichen MRT-Sequenzen (T1-gewichtete, T2-gewichtete und FLAIR-Sequenzen) ab, was eine präzise Differenzierung zwischen gesundem und auffällig verändertem Gewebe ermöglicht.
Nutzen und Risiken der MRT
Die MRT ist ein wertvolles diagnostisches Werkzeug, um die Ursache von Kopfschmerzen abzuklären und andere Erkrankungen auszuschließen. Sie ist ein sicheres Verfahren, da keine Strahlenbelastung besteht. Allerdings kann es in seltenen Fällen zu Nebenwirkungen durch das Kontrastmittel kommen.
Migräne verstehen
Migräne ist mehr als nur ein gewöhnlicher Kopfschmerz. Sie ist eine neurologische Erkrankung, die häufig mit intensiven, pochenden Schmerzen einhergeht, meist auf einer Seite des Kopfes. Dazu können Übelkeit, Erbrechen und eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Licht und Geräuschen kommen. Die Migräneattacken können Stunden oder sogar Tage dauern.
Migräne tritt typischerweise in vier Phasen auf: Prodrome, Aura, Kopfschmerz und Postdrome.
- Prodrome-Phase: Stunden bis Tage vor dem Kopfschmerz können bestimmte Anzeichen und Symptome auftreten.
- Aura-Phase: Aura bezieht sich auf sensorische Störungen, die vor oder während der Migräne auftreten können. Sie können visuelle Phänomene beinhalten, wie das Sehen von Lichtblitzen, Zickzacklinien oder das Verlieren des Sehfeldes.
- Kopfschmerz-Phase: Dies ist der eigentliche Migräneanfall. Der Schmerz kann von mäßig bis sehr stark sein und ist oft so intensiv, dass er Ihre täglichen Aktivitäten beeinträchtigt.
- Postdrome-Phase: Nach dem Kopfschmerz können Sie sich erschöpft, verwirrt oder gereizt fühlen.
Obwohl die genaue Ursache von Migräne noch nicht bekannt ist, scheinen genetische und Umweltfaktoren eine Rolle zu spielen. Eine Migräne kann durch eine Reihe von Auslösern ausgelöst werden.
Behandlung von Migräne
Die Behandlung einer Migräneattacke zielt darauf ab, die Symptome so schnell wie möglich zu lindern. Schmerzmittel, wie zum Beispiel Ibuprofen, können helfen, den Schmerz zu reduzieren. Antiemetika können gegen Übelkeit und Erbrechen helfen. Spezielle Migränemedikamente, wie Triptane oder Ergotamine, können ebenfalls eingesetzt werden. Allerdings sollten alle Medikamente unter Aufsicht eines Arztes eingenommen werden.
Migräne ist eine chronische Erkrankung, das bedeutet, sie ist langfristig und oft lebenslang. Während es keine Heilung für Migräne gibt, kann sie mit der richtigen Behandlung und Lebensstiländerungen effektiv gemanagt werden. Einige Menschen bemerken, dass ihre Migräne im Laufe der Zeit weniger intensiv oder weniger häufig wird. Bei Frauen können Migränen nach den Wechseljahren abnehmen.
Die Behandlung der Migräne zielt darauf ab, Symptome zu lindern und zukünftige Anfälle zu verhindern. Medikamente können entweder bei einem Migräneanfall eingenommen werden, um die Symptome zu lindern, oder regelmäßig, um Anfälle zu verhindern. Es gibt auch nicht-medikamentöse Ansätze zur Behandlung von Migräne, wie z.B. Entspannungstechniken, Akupunktur und Änderungen des Lebensstils.