Migräne ist eine weit verbreitete neurologische Erkrankung, die von heftigen Kopfschmerzen begleitet wird. Viele Betroffene berichten von einem Gefühl der Hitze im Kopf während einer Migräneattacke. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Migräne, insbesondere im Zusammenhang mit einem warmen Kopf, und bietet Lösungsansätze zur Vorbeugung und Behandlung.
Was ist Migräne?
Migräne ist eine nicht ansteckende Krankheit, die sich durch sehr starke Kopfschmerzen äußert. Diese Kopfschmerzen treten in Anfällen auf und betreffen meist nur eine Kopfseite oder den Hinterkopf. Betroffene beschreiben die Schmerzen als pulsierend, hämmernd oder bohrend. Körperliche Anstrengung verstärkt die Schmerzen. Oft werden die Migränekopfschmerzen von Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen oder Sehstörungen begleitet.
Im Akutfall beeinträchtigen die Beschwerden die Betroffenen erheblich im Alltag, besonders bei schweren Migräne-Anfällen. Eine einzelne Attacke dauert zwischen vier und 72 Stunden. Sowohl die Dauer als auch die Intensität der Beschwerden können von Attacke zu Attacke unterschiedlich sein. Auch die Häufigkeit der Migräne-Anfälle und die zeitlichen Abstände dazwischen können variieren.
Ursachen von Migräne
Die genauen Ursachen der Migräne und die zugrunde liegenden Krankheitsmechanismen sind noch nicht vollständig aufgeklärt. Es wird vermutet, dass eine genetische Veranlagung (Prädisposition) eine Rolle spielt. Migräne tritt nicht selten familiär gehäuft auf. Im Zusammenspiel mit verschiedenen inneren oder äußeren Faktoren (Triggern) kann es bei entsprechender genetischer Veranlagung zu Migräneattacken kommen.
Genetische Veranlagung
Migräne ist vererbbar und kann innerhalb einer Familie weitergegeben werden. Es kann sich um ähnliche Formen der Migräne handeln, aber nicht immer. Nach Expertenmeinung liegt Migräne eine polygenetische Veranlagung zugrunde, bei der Veränderungen (Mutationen) in mehreren Genen das Migränerisiko erhöhen. Einige dieser Gene sind an der Regulierung der neurologischen Schaltungen im Gehirn beteiligt, während andere mit oxidativem Stress in Verbindung gebracht werden.
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Auslöser (Trigger)
Verschiedene Trigger können bei entsprechender genetischer Veranlagung eine Migräneattacke auslösen. Welche Faktoren im Einzelfall einen Anfall „triggern“, ist individuell verschieden. Einige Beispiele sind:
- Stress: Stress im privaten oder beruflichen Umfeld ist ein häufiger Auslöser.
- Veränderungen im Schlaf-Wach-Rhythmus: Menschen, die im Schichtdienst arbeiten, sind oft betroffen.
- Reizüberflutung: Wenn das Gehirn zu viele Eindrücke gleichzeitig verarbeiten muss, entsteht ebenfalls Stress.
- Wetter/Wetterwechsel: Viele Betroffene reagieren empfindlich auf schwülwarme Gewitterluft, starken Sturm, Föhnwetter oder sehr helles Licht an einem wolkenlosen Tag. Bei manchen löst Kälte Migräneattacken aus.
- Ernährung: Einige Produkte wie Bananen oder bestimmte Käsesorten enthalten Tyramin, ein Abbauprodukt von Aminosäuren, das die Ausschüttung des Botenstoffes Noradrenalin anregt und gefäßverengend wirkt. Auch Unterzuckerung kann Migräne auslösen.
- Hormonelle Veränderungen: Geschlechtshormone haben einen starken Einfluss auf Migräne. Frauen leiden deutlich häufiger an Migräne als Männer, oft in Zusammenhang mit der Menstruation oder durch hormonelle Verhütungsmittel.
Migräne und Wetterfühligkeit
Viele Migränepatienten berichten, dass das Wetter ihre Migräne auslöst. Insbesondere abrupte Wetterwechsel können das „Gewitter im Kopf“ verursachen. Knapp 53 Prozent der Patienten gaben in einer Studie an, dass Umschwünge des Wetters ihre Migräne auslösen. Nach Stress, Hormonschwankungen und fehlenden Mahlzeiten liegt das Wetter auf dem vierten Platz der am häufigsten beobachteten, subjektiven Trigger.
Wetterfaktoren als Migräne-Trigger
Eine Reihe von Studien deutet auf einen Zusammenhang zwischen dem Wetter und der Migräne hin. Auslösende Bedingungen, die in einigen Studien nachgewiesen wurden, sind unter anderem:
- Luftdruckänderungen (Wechsel von Tief- auf Hochdruckwetter)
- Anstieg der Durchschnittstemperatur um 5 Grad Celsius (innerhalb eines Tages)
- Föhnwetterlagen
Allgemein lassen die Erkenntnisse vermuten, dass in erster Linie die Veränderungen von meteorologischen Parametern (zum Beispiel Luftdruck) eine Rolle spielen könnten.
Die Rolle der Erwartungshaltung
Experten vermuten, dass Betroffene mit der Erwartung „bei Gewitter bekomme ich Migräne“ eher dazu tendieren, das Wetter aufmerksamer zu beobachten und sich unter Umständen selbst so stark beeinflussen, dass es tatsächlich zu einer Attacke kommt. Bei Migräne spielen also oft mehrere auslösende Faktoren zusammen.
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Biowetter und Migräne
Der Deutsche Wetterdienst fasst unter dem Begriff Biowetter das Wetter zusammen, welches das Wohlbefinden, die Leistungsfähigkeit und Gesundheit des Menschen auf unterschiedliche Wege beeinflusst. Befindlichkeitsstörungen, aber auch Änderungen von Krankheitsbildern wie kardiovaskulärer-Probleme, sind oft auf Wettereinflüsse zurückzuführen. Um Betroffenen den Alltag leichter zu gestalten, gibt es bestimmte Vorhersagen vom Wetterdienst.
Migräne-Wetterkarten
Migräne-Wetterkarten zeigen, wann sich die nächste Migräne, ausgelöst durch das Wetter, bemerkbar machen könnte. Ziehen Gewitter auf, kann die Schwüle unter anderem ein Risikofaktor für Kopfschmerzwetter sein. Aber auch hohe Temperaturen, die mitunter zu Schlafmangel führen, sind mögliche Ursachen für Migräne. Die Wettervorhersagen stellen zwar nur einen Hinweis für Biowetter als Auslöser der speziellen Kopfschmerzen dar, helfen aber manchen Patienten, sich darauf vorzubereiten.
Was tun gegen wetterbedingte Migräne?
Um wetterbedingter Migräne entgegenzuwirken, sollten extreme Temperaturwechsel vermieden werden. Dazu zählen plötzliche Warm-Kalt-Wechsel, etwa durch Klimaanlagen im Auto, aber auch sehr kalte Getränke oder Speisen. Ein Temperaturwechsel-Training kann Abhilfe schaffen. Durch regelmäßige Bewegung im Freien, Sauna- und Kneippgänge sowie Wechselduschen kann der Körper an Temperaturschwankungen gewöhnt werden. Dies stärkt den Organismus und trainiert auch die Gefäße im Gehirn, sodass sie weniger empfindlich auf Temperaturreize reagieren.
Darüber hinaus ist eine ausgewogene Ernährung wichtig. Ein stabiler Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt kann Attacken vorbeugen.
Weitere Möglichkeiten der Migräneprävention
Neben einem gesunden Lebensstil spielen auch Schlaf und Entspannung eine große Rolle. Ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus stabilisiert den Biorhythmus und senkt das Risiko für Attacken. Studien zeigen, dass ein unregelmäßiger Schlaf die Ausschüttung von Signalstoffen im Gehirn beeinflusst und Migräne verstärken kann.
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Auch Entspannungstechniken wie Autogenes Training, Meditation oder progressive Muskelentspannung können hilfreich sein. Sie unterstützen dabei, Stress abzubauen und den Körper widerstandsfähiger gegen äußere Reize zu machen. Ergänzend wirkt regelmäßige Bewegung wie Joggen, Schwimmen oder Radfahren vorbeugend gegen Migräne.
Formen der Migräne
Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft (International Headache Society, IHS) unterscheidet verschiedene Arten von Migräne. Zu den Hauptformen gehören:
- Migräne ohne Aura: Die häufigste Form, typisch sind anfallsartig auftretende, einseitige, pulsierende Kopfschmerzen von mittlerer bis starker Intensität, begleitet von Übelkeit und/oder Licht- und Lärmempfindlichkeit.
- Migräne mit Aura: Seltener als Migräne ohne Aura. Die Aura bezeichnet neurologische Symptome, die der Kopfschmerzphase vorausgehen oder zusammen mit dieser auftreten können (z. B. Lichtblitze, Flimmern, Gesichtsfeldausfall, Sprachstörungen).
- Chronische Migräne: Kopfschmerzen an mindestens 15 Tagen pro Monat über mehr als drei Monate hinweg, wobei an mindestens acht Tagen die Kriterien von Migränekopfschmerzen erfüllt sind.
Diagnose und Behandlung
Die Diagnose von Migräne erfolgt in der Regel anhand der Anamnese und der Beschreibung der Symptome. In einigen Fällen können neurologische Untersuchungen oder bildgebende Verfahren (CT oder MRT) erforderlich sein, um andere Ursachen auszuschließen.
Die Behandlung der Migräne zielt darauf ab, akute Anfälle möglichst schnell zu lindern und künftigen Attacken zuverlässig und nachhaltig vorzubeugen. Dafür stehen sowohl medikamentöse als auch nicht-medikamentöse Verfahren zur Verfügung.
Medikamentöse Behandlung
- Akutbehandlung: Bei leichten bis mittelschweren Migräneattacken können Schmerzmittel (Analgetika) wie Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen oder Diclofenac helfen. Bei stärkeren Attacken werden Triptane eingesetzt, die speziell gegen Migräne wirken. Antiemetika können bei Übelkeit und Erbrechen helfen.
- Prophylaxe: Bei häufigen oder schweren Migräneattacken können Medikamente zur Vorbeugung eingesetzt werden, z. B. Betablocker, Antidepressiva oder Antiepileptika. Auch CGRP-Antikörper sind eine neue Option zur Migräneprophylaxe.
Nicht-medikamentöse Behandlung
- Verhaltensänderungen: Regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus, Stressmanagement (z. B. progressive Muskelentspannung, Yoga), ausreichend trinken, geregelte Mahlzeiten.
- Entspannungstechniken: Autogenes Training, Meditation, progressive Muskelentspannung.
- Ausdauersport: Regelmäßiges Joggen, Schwimmen oder Radfahren.
- Akupunktur: Kann bei manchen Patienten die Häufigkeit von Migräneattacken reduzieren.
- Biofeedback: Kann helfen, Muskelverspannungen zu reduzieren und Stress abzubauen.
Was tun im Akutfall?
Bei aufkommender Migräne ist es ratsam, sofort Maßnahmen zu ergreifen:
- Massieren Sie mit zwei Fingern entlang des Schmerzpunktes.
- Tragen Sie wenige Tropfen Pfefferminzöl auf Ihre Schläfen auf und kreisen Sie dort langsam in eine Richtung.
- Verdunkeln Sie Ihr Schlafzimmer und sorgen Sie für ausreichend Ruhe.
- Lagern Sie Ihren Kopf etwas höher im Bett und legen Sie ein Kühlakku (nur mäßige Kälte) auf Ihre Stirn.
- Versuchen Sie ruhig zu atmen.
- Ein frischer Ingwertee kann auch Abhilfe schaffen.
Migräne bei Kindern
Kinder können genauso von Migräne und Kopfschmerzen betroffen sein wie Erwachsene. Auslöser sind meist Lärm, schlechte Luft, grelles Licht oder Hitze. Auch zu wenig Schlaf, körperliche Überanstrengung sowie Stress können Kinder anfälliger machen.
Positiv ist, dass die Anfälle in den meisten Fällen deutlich milder ablaufen und die Kinder sich schneller erholen als Erwachsene. Es ist ratsam, zunächst auf eine nichtmedikamentöse Behandlung zurückzugreifen. Schaffen Sie eine ruhige und angenehme Umgebung für Ihr Kind, sodass der Körper die Möglichkeit hat, sich selbst zu regulieren. Sollten die Attacken öfter auftreten und eine medikamentöse Behandlung sinnvoll sein, sprechen Sie mit dem Kinderarzt oder der Kinderärztin.
Migräne und Hitzebedingte Kopfschmerzen
Hohe Temperaturen und Hitzebelastung können ebenfalls Kopfschmerzen verursachen oder Migräneattacken verstärken. Der Körper muss bei Hitze Schwerstarbeit leisten, um die Körpertemperatur konstant zu halten. Die Blutgefäße weiten sich, der Blutdruck sinkt, und Organe und Gehirn werden schlechter durchblutet, was zu Kreislaufproblemen, Schwindel und Kopfschmerz führen kann.
Tipps gegen Kopfschmerzen bei Hitze
- Trinken Sie ausreichend: Empfohlen werden etwa zwei bis drei Liter Flüssigkeit über den Tag verteilt.
- Vermeiden Sie direkte Sonneneinstrahlung: Tragen Sie eine Sonnenbrille mit UV-Schutz, lange, luftige Kleidung und eine Kopfbedeckung.
- Kühlen Sie sich ab: Halten Sie sich im Schatten auf, nehmen Sie lauwarme Duschen oder legen Sie kühle Kompressen auf Stirn und Nacken.
- Vermeiden Sie Anstrengung: Gehen Sie Dinge langsam an und überanstrengen Sie sich nicht.
Migräne ist mehr als nur Kopfschmerzen
Migräne ist eine komplexe neurologische Erkrankung, die nicht nur durch Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Sie kann das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen und zu Einschränkungen im Alltag führen. Es ist wichtig, die Erkrankung ernst zu nehmen und sich professionelle Hilfe zu suchen.