Multiple Sklerose: Ursachen, Symptome und Therapie

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die Gehirn und Rückenmark betrifft. In Deutschland sind schätzungsweise 280.000 Menschen an MS erkrankt. Jedes Jahr bekommen mehr als 15.000 Personen die Erstdiagnose Multiple Sklerose. Frauen sind von MS doppelt so häufig betroffen wie Männer.

Was ist Multiple Sklerose?

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS), also der Nervenstrukturen im Gehirn und Rückenmark. Chronisch bedeutet, dass sich die MS-Erkrankung über einen längeren Zeitraum entwickelt und nicht heilbar ist. Multiple Sklerose ist nicht ansteckend, nicht zwangsläufig tödlich, kein Muskelschwund und keine psychische Erkrankung. Auch die häufig verbreiteten Vorurteile, dass MS in jedem Fall zu einem Leben im Rollstuhl führt, sind so nicht richtig.

Bei MS werden die Nervenfasern beschädigt. Nervenfasern sind ähnlich wie Stromkabel von einer schützenden Hülle (Myelin) umgeben, die aus Proteinen und Fetten besteht. Durch Entzündungen wird diese Schutzschicht beschädigt und die Nerven können Informationen nicht mehr einwandfrei übertragen. Läsionen bei MS sind meistens sichtbar. Doch bleiben bei einer MS-Krankheit häufig Vernarbungen (Sklerosen/Läsionen) an den Nervenfasern zurück.

Ursachen der Multiplen Sklerose

Die genauen Ursachen von MS sind noch nicht vollständig geklärt. Mediziner sprechen deshalb von einem „multifaktoriellen“ Geschehen. Klar ist bisher nur der Krankheitsmechanismus: eine fehlerhafte Ausbildung bestimmter Immunzellen.

Eigentlich soll unser Immunsystem krankmachende Erreger abwehren. Doch bei Menschen mit einer sogenannten Autoimmunerkrankung liegt hier eine Fehlfunktion vor: Dabei greifen die Abwehrkräfte „unschuldiges“ Gewebe im Körper an, was zu Symptomen führen kann. Bei MS greift das Immunsystem die Myelinhüllen der Nervenfasern an und verursacht so diese Fülle an Symptomen.

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Es sind mehrere Faktoren, die zusammenkommen müssen, um eine MS auszulösen. Genetische Komponenten können eine Rolle spielen. Von einer direkten Vererbung einer MS kann also nicht die Rede sein.

Die wichtigsten Risikofaktoren für Multiple Sklerose:

  • Genetische Faktoren: Multiple Sklerose ist zwar keine erbliche Erkrankung - allerdings ist es wahrscheinlicher zu erkranken, wenn ein Familienmitglied MS hat.
  • Bestimmte Infektionen im Kindes- und Jugendalter: Das Epstein-Barr-Virus steht besonders im Verdacht, das Risiko für Multiple Sklerose zu erhöhen. Auch Masern und das humane Herpesvirus 6, das beispielsweise das Drei-Tage-Fieber auslöst, werden diskutiert.
  • Vitamin-D-Mangel: Zu wenig Vitamin D im Blut ist ebenfalls ein Risikofaktor für MS. Denn Vitamin D, das unser Körper mithilfe von Sonnenlicht bildet, unterstützt die optimale Funktion unseres Immunsystems.
  • Rauchen: Wer raucht, riskiert einen schnelleren und stärkeren Verlauf einer Multiplen Sklerose. Mit dem Rauchen aufzuhören, lohnt sich in jedem Fall und verlangsamt das Fortschreiten der Krankheit.
  • Übergewicht: Studien zeigen, dass Übergewicht im Kindes- und Jugendalter wie auch im jungen Erwachsenenalter das MS-Risiko erhöht.
  • Luftverschmutzung: Schadstoffe wie Stickoxide, Schwefeloxide und Mikrofeinstaub stehen im Verdacht, Multiple Sklerose zu begünstigen beziehungsweise zu verschlimmern.

Menschen, die die ersten Jahre ihres Lebens in Äquatornähe verbringen, haben nahezu eine Sicherheit, im späteren Leben nicht an Multipler Sklerose zu erkranken. Eine Ursache hierfür ist nach wie vor nicht bekannt. Es werden jedoch langsam wirkende Einflüsse nach durchgemachten Infektionen (z. B. Virusinfektionen) verantwortlich gemacht.

Da es keine fest umschriebenen Ursachen oder Risikoprofile für das Auftreten von Multipler Sklerose gibt, ist eine effektive Primärprophylaxe, d. h. Risikoreduktion durch z. B. Veränderung von Lebensstil-Faktoren nicht möglich.

Symptome der Multiplen Sklerose

MS-Symptome können an mehreren Stellen im Körper auftreten. Jede Multiple Sklerose verläuft individuell. MS-Symptome sind sehr vielfältig und zeigen sich bei jedem betroffenen Menschen anders. Denn je nachdem, an welchen Nerven des Gehirns oder Rückenmarks die Entzündungen an den Nerven sitzen, unterscheiden sich die Art und Schwere der Symptome, die sich zudem im Verlauf der Krankheit verändern können. Das ist ein Grund, weshalb MS die Krankheit der tausend Gesichter genannt wird.

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Es gibt eine Vielzahl von Symptomen, die das Vorliegen einer Multiplen Sklerose anzeigen können. Da es kein spezifisches Symptom gibt, dass das Vorliegen einer Multiplen Sklerose anzeigt, ist besonders Diagnosestellung im Anfangsstadium der Erkrankung oft schwierig und wird nicht im ersten Schritt gestellt.

Typische Symptome für Multiple Sklerose sind (einzeln oder in Kombination):

  • Sehstörungen mit Verschwommensehen und Augenbewegungsschmerz, Gesichtsfeldausfälle, Doppeltsehen
  • Kribbelmissempfindungen und andere Sensibilitätsstörungen
  • Koordinationsstörungen, Sprechstörungen
  • Blasen-Mastdarmstörungen
  • Lähmungen
  • Gangstörungen
  • Fatigue (chronische Erschöpfbarkeit)

Diese und weitere Symptome können die Selbstständigkeit im Alltag einer Person mit Multipler Sklerose beeinträchtigen. Wenn dies bei Ihnen der Fall ist, haben Sie eventuellen Anspruch auf einen Pflegegrad, mit dem Ihnen verschiedene Leistungen der Pflegeversicherung zustehen.

Besonders im Frühstadium der Erkrankung entzündet sich häufig der Sehnerv von MS-Erkrankten. Motorische Störungen sind bei der Multiplen Sklerose relativ oft zu beobachten. Viele Betroffene berichten zudem, dass sich ihre Arme oder Beine „pelzig“ anfühlen. Das Gehen fällt ihnen schwer, das Stehen wird anstrengend, weil „die Beine irgendwie nicht da sind“. Sind die Arme betroffen, wird oft das Greifen ungenau oder Gegenstände lassen sich nicht sicher festhalten.

Bei einer Multiplen Sklerose treten häufig Blasen- und Darmstörungen auf. Dabei werden die „Kommandos“ nicht mehr oder nur verlangsamt über die Nervenbahnen weitergeleitet. Verstopfungen können sehr schmerzhaft sein. Ungewollter Harnverhalt (Ischurie; Wasserlassen kaum bis nicht möglich). In diesen Fällen ist die Blase zwar voll, aber die betroffene Person kann sie nicht entleeren.

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Multiple Sklerose verursacht vor allem Schmerzen in den Armen und Beinen. Häufig kommen die Arm- oder Beinschmerzen morgens direkt nach dem Aufstehen. Fatigue (ausgesprochen: fatieg) - das Phänomen der Erschöpfung - haben viele Menschen mit Multipler Sklerose. Betroffene fühlen sich matt. Schon die kleinsten Anstrengungen fallen ihnen schwer. Ausruhen oder Schlaf wirken nicht erholsam. Viele Betroffene fühlen sich zusätzlich schuldig, weil sie nicht leistungsfähig sind.

Weil die Gesichts- und Halsmuskulatur nicht mehr jene exakten Nervenimpulse erhält, die sie für ein reibungsloses Funktionieren benötigt, gehen meist auch Sprech- und Schluckstörungen (Dysphagie) mit einer MS einher. Eine Wesensveränderung ist bei MS durchaus möglich. Gerade bei langjährigen Verläufen treten psychiatrische Symptome häufig auf. Wobei sich die Medizin jedoch einig ist: Die psychischen Beschwerden müssen bei jedem MS-Patienten professionell erfasst und ganzheitlich beleuchtet werden.

Diagnose der Multiplen Sklerose

Ist das Erscheinungsbild einer MS schon vielfältig, so ist es die Diagnose erst recht. Einen MS-Selbsttest gibt es nicht und einen Multiple Sklerose-Test online zu suchen, wird Betroffene nicht weiterbringen. Eine verlässliche MS-Diagnose kann nur ein Arzt stellen. Für die Diagnostik einer Multiplen Sklerose kommen verschiedene Methoden zum Einsatz.

Da es keine Einzel-Diagnose gibt, mit der sich Multiple Sklerose sicher feststellen lässt, haben Experten eine Reihe von Kriterien festgelegt, deren Auftreten die Diagnose MS zumindest nahelegen. Eine MS-Diagnose zu stellen, ist nicht einfach. Weil so viele unterschiedliche Symptome vorkommen können, gibt es nicht den einen „MS-Test“, der zweifelsfrei beweist, dass eine Multiple Sklerose vorliegt. Multiple Sklerose ist daher eine sogenannte Ausschlussdiagnose. Das bedeutet, dass verschiedenen Untersuchungen gemacht werden. Entscheidend ist, dass sich Entzündungsherde an mehreren Stellen im Gehirn oder Rückenmark nachweisen lassen.

Zu den Untersuchungsmethoden gehören in jedem Fall eine Kernspintomographie des Kopfes und meist auch eine Lumbalpunktion. Ergebnis dieser Untersuchungen kann aber auch sein, dass eine Multiple Sklerose als nicht wahrscheinlich anzunehmen ist und ggf. eine andere Ursache für die geklagten Beschwerden zu suchen ist (z.B. Neuroborreliose).

Für die Diagnostik einer Multiplen Sklerose kommen verschiedene Methoden kommt zum Einsatz:

  • Magnetresonanztomografie (MRT): Eine MRT-Untersuchung macht MS-typische Entzündungen in Gehirn und Rückenmark sichtbar. Auf den Bildern sind sie als helle oder dunkle Flecken zu sehen und werden Läsionen oder Herde genannt. Die MRT dient nicht nur der Diagnose, sondern auch der Verlaufsbeobachtung. Dabei handelt es sich um Arzneimittel, die den Kontrast zwischen Blutgefäßen und Gewebe verstärken. Sie können gesunde Blutgefäße nicht verlassen und gelangen normalerweise nicht ins Gewebe. An aktiven Entzündungsstellen werden Blutgefäße aber durchlässig, damit Abwehrzellen die Entzündung bekämpfen können. An diesen Stellen kann Kontrastmittel ins Gewebe gelangen und auf den MRT-Bildern dort gesehen werden.
  • Liquoruntersuchung: Eine kleine Menge des sogenannten Nervenwassers (Liquor) wird mithilfe einer Nadel aus dem Wirbelkanal entnommen (Lumbalpunktion). Oligoklonale Banden sind sogenannte Immunglobuline, das heißt: Antikörper. Sie liefern Hinweise auf entzündliche Prozesse im Körper. Bei rund 95 Prozent aller MS-Patienten liegen sie vor.(2) Weil sie aufgrund ihrer Größe die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden können, befinden sie sich nur in der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit (Liquor) und nicht im Blut. Dies spricht für eine Entzündung, die ihren Ausgangspunkt im Gehirn hat. Allerdings liegen die oligoklonalen Banden erst im späteren Verlauf einer MS-Erkrankung vor, selten schon zu Anfang. Die Untersuchungen sind nicht nur technisch aufwändig, sie dauern auch lange.
  • Blutuntersuchung: Manche Erkrankungen wie die durch Zecken übertragene Borreliose und die Autoimmunerkrankung Lupus verursachen ähnliche Symptome wie MS und auffällige Blutwerte. Mit einer Blutuntersuchung lassen sich solche Erkrankungen ausschließen.
  • Nervenvermessung: Bei Menschen mit Multipler Sklerose schädigt die Erkrankung nach und nach die isolierenden Hüllen von Nervenfasern. Die betroffenen Nervenzellen leiten Signale langsamer weiter als bei gesunden Menschen.

Für die meisten Neupatienten ist die MS-Diagnose im ersten Moment ein Schock. Doch geht für sie das Leben weiter - wenn auch anders als zuvor. MS-Patienten müssen Schritt für Schritt lernen, mit ihrer Krankheit umzugehen.

Therapie der Multiplen Sklerose

Eine Heilung, d. h. ein ursachenausschaltender Therapieansatz der Multiplen Sklerose ist bis heute nicht bekannt. MS ist eine chronische Erkrankung. Eine ursächliche Therapie, also ein Medikament, das Multiple Sklerose (MS) heilt, gibt es noch nicht. Aber: Mithilfe der zahlreichen Therapieoptionen und der aktiven Vermeidung von Risikofaktoren und Umstellung seines Lebensstils lässt sich die Erkrankung heute gut kontrollieren. Die allermeisten Menschen mit Multipler Sklerose (MS) können ein selbstständiges und selbstbestimmtes Leben führen und lange Zeit mobil bleiben.

Wichtig für eine effektive MS-Therapie ist ein aufgeklärter, informierter Patient. Die Multiple Sklerose ist eine komplexe Erkrankung mit vielen Erscheinungsbildern - und entsprechend individuell ist die Therapie. Sie setzt an verschiedenen Ebenen an.

Da die Symptome und Verläufe bei allen Betroffenen unterschiedlich sind, gibt es auch keine Multiple-Sklerose-Therapie, die für alle funktioniert. Die Behandlung setzt sich daher aus unterschiedlichen Therapieformen zusammen, die auf die Betroffenen abgestimmt werden.

Akuttherapie

Beim Erstschub bzw. einem akuten schweren Schub ist es wichtig, dass sofort eine hochdosierte Cortison-Puls-Therapie eingeleitet wird. Je nach Schweregrad und Betroffensein des Patienten, das sich auch in der Kernspintomographie des Gehirns widerspiegelt, ist zu einem frühen Zeitpunkt gemeinsam mit dem Patienten zu entscheiden, ob eine Schubprophylaxe einzuleiten ist.

Damit die Beschwerden bei einem Schub schneller abklingen, hilft zunächst Cortison als Infusion oder Tablette. Auch ist wichtig, wie gut Betroffene Cortison bei vorherigen Behandlungen vertragen haben und wie wirksam es war. Berücksichtigt werden zudem Begleiterkrankungen und ob es Gründe gibt, die im Einzelfall gegen den Einsatz von Cortison sprechen.

Seltener und unter bestimmten individuellen Voraussetzungen kann auch eine Blutwäsche zur Anwendung kommen. Dabei entfernt man jene körpereigenen Immunzellen, die die Entzündung verursachen.

Immuntherapie

Einfluss auf den Langzeitverlauf der Multiplen Sklerose nimmt man mit einer sogenannten Immuntherapie. Hier hat es in den vergangenen zehn Jahren große Fortschritte bei der Entwicklung von Medikamenten gegeben. Die Immuntherapie beeinflusst bei MS das fehlgesteuerte Immunsystem, indem sie dieses verändert (immunmodulierend) oder dämpft (immunsuppressiv).

Am wirksamsten sind speziell entwickelte Antikörper. Sie verhindern das Eindringen von bestimmten Immunzellen ins Gehirn oder reduzieren ihre Konzentration im Blut. Dadurch können diese Zellen keine Entzündungen mehr auslösen.

Mittlerweile gibt es gut 20 Immuntherapie-Mittel (Stand: April 2023), einige davon auch für die sekundär oder primär progrediente MS. Das ermöglicht weitgehend individuell zugeschnittene Behandlungspläne. Ob man eine Immuntherapie beginnt und mit welchem Medikament, hängt an einer Vielzahl von Faktoren. Dabei geht es um Aspekte wie Krankheitsverlauf, Familienplanung oder das individuelle Risikoprofil. Grundsätzlich wird empfohlen, bei allen Menschen mit MS eine Immuntherapie zu beginnen. Zu der Frage, wann der beste Zeitpunkt dafür ist, gibt es unterschiedliche Meinungen. Immuntherapien können die MS nicht heilen, aber ihren Verlauf stark verbessern. Manchmal werden daher auch die Begriffe „verlaufsmodifizierend“ oder „verlaufsverändernde“ Therapien verwendet.

Symptomatische Therapie

Ein weiterer Ansatz zur Entschleunigung des spontanen Krankheitsprozesses ist auch der konsequente, symptomorientierte Ansatz therapeutischer bzw. rehabilitativer Maßnahmen. Zusätzlich kann eine Symptom-orientierte Behandlung („symptomatische Therapie“) von MS-Folgen, wie z.B. Spastik, Koordinationsstörungen, Blasenstörungen, Schmerzen und Gangstörung erfolgen. Hierzu stehen mehrere medikamentöse Therapieoptionen zur Verfügung.

Viele Folgesymptome lassen sich medikamentös oder mit anderen Maßnahmen behandeln. Dazu gehören physiotherapeutische, logopädische und ergotherapeutische Therapien.

Verhaltensberatung

Auch eine ausführliche Verhaltensberatung ist erforderlich, um die Wahrscheinlichkeit weiterer Schübe zu mindern. Hierzu gehört die Information, dass langphasige Sonnenexpositionen, maximale körperliche Belastung über längere Zeiträume oder Baden in zu heißem Wasser sich krankheitsfördernd auswirken können.

Weitere wichtige Aspekte

Im täglichen Leben gibt es einiges, dass die Multiple Sklerose günstig beeinflussen kann.

  • Körperliche Aktivität: Ein wesentliches Element ist regelmäßige körperliche Aktivität. Ein Spaziergang oder eine Wanderung, eine Fahrradtour oder ähnliche Aktivitäten im Freien haben außerdem gleich mehrere positive Effekte: Man bewegt sich und kann schon durch kurzen, aber regelmäßigen Aufenthalt in der Sonne etwas gegen einen Vitamin-D-Mangel tun. Aber auch gezieltes Training ist wichtig. Die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) bietet weitergehende Informationen zu MS und Sport sowie ein spezielles MS-Funktionstraining an.
  • Gesunde Ernährung: Ein weiterer wichtiger Baustein, den jeder selbst in der Hand hat, ist die Umstellung auf eine gesunde Ernährung. Selbst zubereitete Mischkost mit viel Obst und Gemüse, Fisch und Vollkornprodukten, aber wenig Zucker und Salz, tierischen Fetten und Zusatzstoffen (wie in verarbeiteten Lebensmitteln) hat positive Effekte.
  • Nicht Rauchen: Zudem sollten Menschen mit Multipler Sklerose nicht rauchen. Rauchen ist ein Risikofaktor und die Betroffenen sollten alles daran setzen, die Nikotinsucht zu überwinden. Wer es allein nicht schafft, findet Unterstützung: Viele Krankenkassen haben Angebote zur Raucherentwöhnung, z.B. „Nichtrauchertrainings“.

Eine Patientenverfügung stellt sicher, dass Ihre medizinischen Wünsche auch in unerwarteten Situationen respektiert werden und bewahrt so Ihre Selbstbestimmung. Sie greift in Situationen, in denen Sie aufgrund von Krankheit oder Verletzung nicht in der Lage sind, sie selbst auszudrücken. Dieses Dokument entlastet zudem Ihre Angehörigen von schwierigen Entscheidungen, vermeidet Missverständnisse und schützt vor unerwünschter Über- oder Unterbehandlung.

Auch eine umfassende Aufklärung gerade junger Frauen, die ja im Verhältnis zu Männern doppelt so häufig betroffen sind, hinsichtlich einer möglichen Schwangerschaft und Familienplanung ist erforderlich. Während der Schwangerschaft nimmt die Wahrscheinlichkeit für einen Schub ab. In den ersten drei Monaten nach der Geburt nimmt sie zu. Stillen scheint vor Schüben zu schützen. MS-Medikamente können sich auf das ungeborene Kind auswirken, weswegen besondere Vorsicht geboten ist. Nicht jedes Medikament darf in der Schwangerschaft gegeben werden. Eine Schwangerschaft sollte daher möglichst in einer stabilen Phase der Erkrankung geplant und Medikamente eher abgesetzt werden - zumal sie, wie oben beschrieben, einen gewissen Schutz vor Schüben bietet. Die Therapie eines schweren Schubes mit Kortison ist in der Schwangerschaft ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel möglich. Wenn Kortison im ersten Schwangerschaftsdrittel gegeben wird, besteht ein erhöhtes Risiko, dass das Kind mit einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte geboren wird. Die meisten Immuntherapien werden allerdings über die Muttermilch an den Säugling weitergegeben, was die Entscheidung über einen Therapiebeginn verkompliziert.

Von unserer Seite kann auch der Kontakt zu einer regionalen MS-Selbsthilfegruppe hergestellt werden. Das Aufgefangenwerden und Mitwirken in einer solchen Selbsthilfegruppe ist für die Patienten, gerade auch im Anfangsstadium, oft sehr hilfreich.

Verlaufsformen der Multiplen Sklerose

Es gibt zwei grundlegend verschiedene Arten der Multiplen Sklerose.

  • Schubförmig verlaufende MS (RRMS): In der Mehrzahl der Betroffenen (ca. 80 %) handelt es sich um eine schubförmig verlaufende Multiple Sklerose, bei der sich nach einem stattgehabten Schub die Symptome entweder vollständig oder nahezu vollständig zurückbilden. Das Zeitintervall zwischen den Schüben kann nicht vorhergesagt werden, ist sehr variabel, die Schwere der Schübe ist z. T.
  • Primär chronisch fortschreitende MS (PPMS): Ca. 20 % der Betroffenen weisen eine primär chronisch fortschreitende Multiple Sklerose auf, d. h.

Es ist leicht nachzuvollziehen, dass die verschiedenen Formen der Multiple Sklerose verschiedene Therapien nach sich ziehen. Neben dem Verlaufscharakter ist jedoch auch entscheidend, welche Schwere die Symptome aufweisen und welche Regionen des zentralen Nervensystems jeweils betroffen sind. Grundsätzlich ist die schubförmig verlaufende Multiple Sklerose effektiver zu therapieren.

Rehabilitation und MS-Komplexbehandlung

Die AUGUST-BIER-KLINIK, Fachklinik für Neurologie, Neurotraumatologie und Rehabilitation in Bad Malente-Gremsmühlen, ist eine neurologische Facheinrichtung, die sowohl einen akut-neurologischen als auch einen rehabilitativen Bereich mit dem jeweiligen Leistungsangebot für ihre MS-Patienten bereithält.

Eine akute Cortison-Puls-Therapie wird unter engmaschiger stationärer Betreuung in der AUGUST-BIER-KLINIK angeboten und durchgeführt. Ebenso eine ausführliche und umfassende Aufklärung und Information der Patienten. Sowohl von Seiten der Ärzte als auch von Seiten der im Haus tätigen Neuropsychologinnen können gerade in der ersten Phase nach Diagnosestellung begleitende und stützende Gespräche mit den Betroffenen geführt werden.

Für MS-Kranke, die aufgrund ihrer Symptome ausgeprägte Beeinträchtigungen insbesondere der Mobilität und damit den Aktivitäten des täglichen Lebens zeigen, bietet der akut-neurologische Bereich der AUGUST-BIER-KLINIK eine sog. „MS-Komplex-Behandlung“ an. Dabei werden sowohl die im Vordergrund stehenden Symptome behandelt als auch die langfristig begleitend auftretenden Nebensymptome der Multiplen Sklerose. Diese bestehen oft in einer chronischen Schmerzsymptomatik, Schluckstörungen, Spastik, vegetativen Funktionsstörungen, Fatigue-Syndrom oder kognitiven Beeinträchtigungen.

Für die MS-Komplexbehandlung reicht eine Einweisung vom ambulant betreuenden Hausarzt oder Facharzt aus, um in den Genuss dieser Behandlung zu kommen. Die Behandlungsdauer der MS-Komplexbehandlung, auf die jeder schwer betroffene MS-Kranke ein Anrecht hat, beträgt ca. zwei Wochen.

Auch ist es möglich, dass Patienten nach Antragstellung des betreuenden Haus- oder Facharztes bei den Krankenkassen und einer entsprechenden Kostenübernahme durch den Kostenträger eine 3- bis 4-wöchige Rehabilitationsbehandlung in der AUGUST-BIER-KLINIK durchführen. Hier werden neben aktivierender Pflege Therapien sämtlicher Richtungen durchgeführt, die in ihrer Gesamtheit und in enger Kooperation des interdisziplinären Teams auf eine möglichst effiziente Steigerung der Teilhabe an den Aktivitäten des täglichen Lebens und der Aktivitäten abzielen.

In der AUGUST-BIER-KLINIK sind alle therapeutischen Fachrichtungen mit hoher Kompetenz aufgrund langjähriger Erfahrung und in ausreichender Personalstärke vorhanden. Die Therapeuten bieten folgende Therapierichtungen an:

  • Behandlung auf neurophysiologischer Grundlage nach Bobath, E-Technik, Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation (PNF), Spiegeltherapie, Nervenmobilisation nach Butler und manuelle Therapie
  • Wirbelsäulenbehandlungen mit den Techniken der manuellen Therapie, nach McKenzie und nach Brügger, mit dem Schlingentisch
  • Funktionelle Bewegungslehre nach Klein-Vogelbach (FBL)
  • Reflektorische Atemtherapie
  • Lymphdrainage
  • Massagen
  • Wärmetherapie
  • Elektrotherapie
  • Heiße Rolle
  • Ambulante Therapie
  • Kinesiologisches Taping
  • Computerisiertes Armeo-Trainingskonzept

Neuartig und erst seit kurzer Zeit werden im Bereich Physiotherapie zwei computergestützte Armtrainer der Fa. Die Abteilung Neuropsychologie mit den drei dort tätigen Neuropsychologinnen bieten ein differenziertes Spektrum neuropsychologischer Diagnostik und Therapie an.

Abschließend sei darauf hingewiesen, dass das Zusammenspiel der unterschiedlichen therapeutischen Abteilungen mit der Pflege, den Ärzten und dem Sozialdienst dadurch gewährleistet ist, dass in einer verbindlich stattfindenden wöchentlichen Teamsitzung jeder Patient aus Sicht der beteiligten Bereiche hinsichtlich des aktuellen Stands, der weiteren Behandlungsoptionen und der Prognose in einer multidisziplinären Teamsitzung besprochen wird.

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