Einführung
Die Alzheimer-Krankheit ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die durch Gedächtnisverlust, kognitive Beeinträchtigungen und Verhaltensänderungen gekennzeichnet ist. Obwohl es derzeit keine Heilung gibt, zielen verschiedene Medikamente darauf ab, die Symptome zu lindern und den Krankheitsverlauf zu verlangsamen. Diese Medikamente können jedoch auch Nebenwirkungen haben, die sich auf die allgemeine Gesundheit und insbesondere auf die Mundgesundheit auswirken können. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Alzheimer-Medikamente, ihre potenziellen Nebenwirkungen und die Auswirkungen auf Zähne und Mundgesundheit.
Pharmakologische Therapie der Alzheimer-Krankheit
Acetylcholinesterase-Inhibitoren
Acetylcholinesterase-Inhibitoren (AChE-Inhibitoren) sind eine der Hauptstützen der medikamentösen Behandlung der Alzheimer-Krankheit. Sie wirken, indem sie den Abbau von Acetylcholin im Gehirn hemmen, einem Neurotransmitter, der für Gedächtnis und Lernen wichtig ist. Durch die Erhöhung des Acetylcholinspiegels können diese Medikamente die Signalübertragung zwischen den Nervenzellen verbessern und die Symptome der Demenz lindern.
Zu den gängigen AChE-Inhibitoren gehören:
- Donepezil (Aricept®)
- Rivastigmin (Exelon®)
- Galantamin (Reminyl®)
Diese Medikamente sind für die Behandlung von leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz zugelassen. Obwohl sie sich in ihrer Wirksamkeit nicht wesentlich unterscheiden, können sie unterschiedliche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln haben. Die Wahl des geeigneten AChE-Inhibitors sollte daher in Absprache mit einem Arzt getroffen werden.
NMDA-Antagonisten
Memantin ist ein NMDA-Antagonist, der bei mittelschwerer bis schwerer Alzheimer-Demenz eingesetzt wird. Es wirkt, indem es die Nervenzellen vor einer Überstimulation durch den Neurotransmitter Glutamat schützt. Es wird vermutet, dass ein Überschuss an Glutamat im Gehirn von Alzheimer-Patienten zum Absterben von Nervenzellen beiträgt.
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Neue Therapieansätze
In den letzten Jahren wurden neue Therapieansätze zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit entwickelt, darunter Antikörper und Small Molecules.
- Antikörper: Lecanemab und Donanemab sind Antikörper, die gegen Amyloid-Plaques im Gehirn gerichtet sind. Diese Plaques sind Ablagerungen von Beta-Amyloid-Peptiden, die als eine der Hauptursachen der Alzheimer-Krankheit gelten. Die Antikörper sollen die Plaques entfernen und so den Krankheitsverlauf verlangsamen.
- Small Molecules: Blarcamesin ist ein Small Molecule, das die Autophagie anregen soll, eine Art zelluläre Müllabfuhr. Dadurch sollen nicht nur die Amyloid-Plaques, sondern auch die Tau-Fibrillen im Inneren der Nervenzellen abgebaut werden.
Diese neuen Therapieansätze sind vielversprechend, aber es ist wichtig zu beachten, dass sie die Alzheimer-Krankheit nicht heilen können und ihre Wirksamkeit begrenzt sein kann. Darüber hinaus können sie schwerwiegende Nebenwirkungen haben, wie Hirnschwellungen und Hirnblutungen.
Mögliche Nebenwirkungen von Alzheimer-Medikamenten
Alzheimer-Medikamente können verschiedene Nebenwirkungen haben, die sich auf unterschiedliche Bereiche des Körpers auswirken können. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören:
- Übelkeit und Erbrechen
- Durchfall
- Schwindel
- Schlaflosigkeit
- Muskelkrämpfe
- Müdigkeit
- Psychiatrische Symptome wie Halluzinationen, Erregungszustände, aggressives Verhalten, ungewöhnliche Träume und Albträume
Einige Alzheimer-Medikamente können auch spezifischere Nebenwirkungen haben, wie z. B.:
- QTc-Intervallverlängerung und Torsade-de-Pointes (Donepezil)
- Leberschädigung (Agomelatin)
- Hirnschwellungen und Hirnblutungen (Antikörper)
Es ist wichtig, alle Nebenwirkungen von Alzheimer-Medikamenten mit einem Arzt zu besprechen. In einigen Fällen kann es erforderlich sein, die Dosis des Medikaments zu reduzieren oder das Medikament abzusetzen.
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Albträume durch Donepezil
Eine spezifische Nebenwirkung, die bei der Einnahme von Donepezil auftreten kann, sind Albträume. Wenn Albträume auftreten, kann es hilfreich sein, Donepezil morgens einzunehmen, anstatt abends vor dem Schlafengehen.
Auswirkungen auf die Mundgesundheit
Alzheimer-Medikamente können sich auf verschiedene Weise auf die Mundgesundheit auswirken. Zu den häufigsten Auswirkungen gehören:
Mundtrockenheit (Xerostomie)
Mundtrockenheit ist eine häufige Nebenwirkung vieler Medikamente, einschließlich einiger Alzheimer-Medikamente. Speichel spielt eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung der Mundgesundheit. Er spült Nahrungsreste und Mikroorganismen weg, reduziert die Plaquebildung und das Kariesrisiko, normalisiert den pH-Wert im Mund nach dem Essen, versorgt den Zahnschmelz mit Mineralien und hat eine antibakterielle Wirkung. Mundtrockenheit kann daher das Risiko für Infektionen, Karies und Parodontitis erhöhen.
Um den Speichelfluss anzuregen, können zuckerfreie Kaugummis gekaut oder der Mund regelmäßig mit Wasser gespült werden.
Entzündungen und Infektionen im Mund
Entzündungen im Mundraum und der Schleimhaut können direkt durch Medikamente oder indirekt durch Mundtrockenheit entstehen. Insbesondere bei Asthmatikern, die Kortikosteroid-haltige Inhalatoren verwenden, können Reste des Medikaments im Mundraum verbleiben und zu einem Ungleichgewicht der Mundflora, einer Unterdrückung des Immunsystems im Mund und Mundtrockenheit führen. Dies kann das Wachstum von Hefepilzen wie Candida albicans fördern und zu Mundsoor führen.
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Um diese Nebenwirkung zu vermeiden, sollte nach der Verwendung von Inhalatoren der Mund mit Wasser ausgespült werden.
Zahnfleischwucherungen (Gingivahyperplasie)
Einige Medikamente, wie bestimmte Bluthochdruck-Medikamente, Immunsuppressiva und Antiepileptika, können zu Zahnfleischwucherungen führen. Bei der Gingivahyperplasie wächst das Zahnfleisch stellenweise unkontrolliert. Dies kann das Zähneputzen erschweren und das Risiko für Zahnfleischentzündungen erhöhen.
Knochenverlust im Kiefer (Kiefernekrose)
Bisphosphonate, die häufig zur Behandlung von Osteoporose verschrieben werden, können in seltenen Fällen zu Knochenverlust im Kiefer führen (Kiefernekrose). Dieses Risiko ist insbesondere dann erhöht, wenn zahnärztliche Eingriffe durchgeführt werden oder Bisphosphonate über einen längeren Zeitraum in hoher Dosis verabreicht werden.
Kariesrisiko durch zuckerhaltige Medikamente
Einige Medikamente, wie Hustensaft oder Halsbonbons, können Zucker enthalten und langfristig das Kariesrisiko erhöhen. Nach der Einnahme zuckerhaltiger Medikamente ist es ratsam, den Mund mit Wasser auszuspülen oder die Zähne zu putzen.
Zusammenhang zwischen Parodontitis und Demenz
Studien haben einen Zusammenhang zwischen Parodontitis (Zahnfleischentzündung) und einem erhöhten Risiko für Demenz, einschließlich der Alzheimer-Krankheit, festgestellt. Es wird vermutet, dass Entzündungsbotenstoffe, die bei Parodontitis freigesetzt werden, über den Blutkreislauf ins Gehirn gelangen und dort Entzündungen fördern können, die zur Entstehung von Demenz beitragen.
Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Mundgesundheit
Um die Mundgesundheit bei der Einnahme von Alzheimer-Medikamenten zu erhalten, sind folgende Maßnahmen wichtig:
- Regelmäßige zahnärztliche Untersuchungen: Regelmäßige zahnärztliche Untersuchungen sind unerlässlich, um Probleme frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
- Gute Mundhygiene: Eine gute Mundhygiene, einschließlich regelmäßigem Zähneputzen, Verwendung von Zahnseide und Mundspülungen, ist wichtig, um Plaquebildung und Zahnfleischentzündungen vorzubeugen.
- Anregung des Speichelflusses: Zuckerfreie Kaugummis kauen oder den Mund regelmäßig mit Wasser spülen, um den Speichelfluss anzuregen.
- Vermeidung zuckerhaltiger Medikamente: Wenn möglich, zuckerfreie Alternativen für Medikamente wählen.
- Information des Zahnarztes über eingenommene Medikamente: Der Zahnarzt sollte über alle eingenommenen Medikamente informiert werden, um mögliche Wechselwirkungen und Nebenwirkungen zu berücksichtigen.
- Individuell angepasste Prophylaxe und Behandlung: Patienten mit neurodegenerativen Erkrankungen benötigen eine intensive und individuell angepasste zahnmedizinische Prophylaxe und Behandlung.
- Ernährungsberatung: Ernährungsberatung und an die körperliche und kognitive Verfassung der Erkrankten angepasste Unterweisungen in Techniken der Zahnreinigung sollten sowohl den Patienten als auch den Pflegenden vermittelt werden.
Neue Forschungserkenntnisse
Alzheimer-Medikament zur Kariesbehandlung
Forscher haben entdeckt, dass ein Alzheimer-Medikament namens Tideglusib das Potenzial hat, Karies auf natürliche Weise zu behandeln. Tideglusib kann Stammzellen in der Zahnpulpa stimulieren und so die Produktion neuer Zahnmasse anregen, um Hohlräume zu füllen, die durch Karies entstanden sind.
Rolle von Beta-Amyloid-Peptiden
Neueste wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass die bisher als neurotoxisch eingestuften Beta-Amyloid-Peptide eine zentrale Funktion bei der Informationsverarbeitung im Gehirn haben und eine bestimmte Menge dieser Proteine unbedingt erforderlich ist.
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