Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch anfallsartige, starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Diese Kopfschmerzen sind oft einseitig, pulsierend und können von Übelkeit, Erbrechen sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit begleitet sein. Bei manchen Betroffenen kündigt sich die Migräne durch eine sogenannte Aura an, die mit visuellen oder sensorischen Störungen einhergehen kann. Migräne kann die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen und stellt für viele Betroffene eine große Belastung dar. Triptane, insbesondere Sumatriptan, sind eine wichtige Säule in der Akutbehandlung von Migräne. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Migräne, die Wirkungsweise von Sumatriptan und die damit verbundenen Aspekte wie Nebenwirkungen, Kontraindikationen und alternative Behandlungsmethoden.
Was sind Triptane?
Triptane sind eine Klasse von Medikamenten, die speziell zur Behandlung von Migräne und Cluster-Kopfschmerzen entwickelt wurden. Sie wirken, indem sie an Serotonin-Rezeptoren im Gehirn und in den Blutgefäßen binden. Diese Bindung führt zu einer Verengung der Blutgefäße im Gehirn und hemmt Entzündungsprozesse, die an der Entstehung von Migräne beteiligt sind. Professorin Gudrun Goßrau, Leiterin der Kopfschmerzambulanz am Uniklinikum Dresden, betont, dass Triptane Standardmedikamente und eine wichtige Säule im Behandlungskonzept von mittelschwerer und schwerer Migräne sind.
Die Wirkungsweise von Triptanen
Triptane wirken auf spezifische Moleküle, die sogenannten 5-HT1-Rezeptoren, die sich auf der Oberfläche von Zellen befinden, insbesondere im Gehirn. Dort lösen sie eine Kaskade von Reaktionen aus, die im Wesentlichen zwei Haupteffekte haben:
- Hemmung von Entzündungsvorgängen: Triptane hemmen Entzündungen im Bereich der Dura-Arterien, die das Gehirn versorgen.
- Verengung der Blutgefäße: Sie bewirken, dass sich die Blutgefäße im Gehirn leicht zusammenziehen.
Obwohl die genauen Ursachen für Migräne noch nicht vollständig geklärt sind, gehen Forscher davon aus, dass Entzündungen in der Gefäßumgebung und geweitete Blutgefäße eine Rolle spielen. Triptane wirken sehr effektiv gegen Kopfschmerzen, wie eine Studie aus dem Jahr 2023 zeigte, die Daten von Migräne-Apps analysierte. Dabei schnitten Triptane im Vergleich zu Ibuprofen deutlich besser ab.
Verschiedene Triptane im Überblick
Es gibt sieben verschiedene Triptane, die alle ähnlich wirken, sich aber in ihren Details unterscheiden. Einige wirken schnell, aber nicht lange, während andere langsamer wirken, aber eine längere Wirkdauer haben. Die meisten Triptane werden als Tabletten eingenommen, aber es gibt auch Varianten als Spritze oder Nasenspray. Die Behandlung sollte individuell auf den Patienten abgestimmt sein.
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In Deutschland sind folgende Triptane zugelassen:
- Almotriptan
- Eletriptan
- Frovatriptan
- Naratriptan
- Rizatriptan
- Sumatriptan
- Zolmitriptan
Eletriptan, Rizatriptan und Zolmitriptan sind verschreibungspflichtig, während Almotriptan, Naratriptan und Sumatriptan in bestimmten Dosierungen rezeptfrei erhältlich sind.
Sumatriptan im Fokus
Sumatriptan ist eines der am häufigsten verschriebenen Triptane und gilt als das älteste erhältliche Triptan. Es wird vor allem dann eingesetzt, wenn eine schnelle und starke Wirkung benötigt wird. Laut dem aktuellen Arzneiverordnungsreport ist Sumatriptan das am meisten verordnete Triptan.
Wann wird Sumatriptan eingesetzt?
Sumatriptan wird hauptsächlich bei mittelschwerer bis schwerer Migräne mit oder ohne Aura eingesetzt. Es ist besonders wirksam, wenn es frühzeitig während einer Migräneattacke eingenommen wird. Sumatriptan ist in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich, darunter Tabletten, Nasensprays, Zäpfchen und Injektionen.
Dosierung und Anwendung von Sumatriptan
Die Dosierung von Sumatriptan variiert je nach Darreichungsform:
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- Tabletten: 50-100 mg
- Nasenspray: 10-20 mg
- Zäpfchen: 25 mg
- Injektion: 6 mg
Die Geschwindigkeit, mit der die Wirkung eintritt, hängt von der Applikationsart ab. Injektionen wirken am schnellsten, oft innerhalb von 10 Minuten. Sumatriptan als Zäpfchen oder Nasenspray wird häufig bei Patienten eingesetzt, die während der Migräneattacke unter Übelkeit und Erbrechen leiden.
Wenn die Schmerzen nach der Einnahme der ersten Tablette wiederkehren, kann eine weitere Tablette nach frühestens zwei Stunden eingenommen werden. Wenn die erste Tablette keine Wirkung zeigt, sollte keine weitere eingenommen werden. Es ist wichtig, Sumatriptan nicht während einer Aura, sondern erst danach einzunehmen, da dies die Kopfschmerzen verschlimmern kann.
Die Maximalanzahl an Tabletten pro Tag beträgt drei, und Triptane sollten nicht an mehr als 10 Tagen im Monat eingenommen werden. Die maximale Dosis von Sumatriptan beträgt 300 mg innerhalb von 24 Stunden.
Nebenwirkungen von Sumatriptan
Wie alle Medikamente kann auch Sumatriptan Nebenwirkungen verursachen. Häufige Nebenwirkungen sind:
- Blutdruckanstieg
- Kribbelgefühle
- Kältegefühle in den Extremitäten
- Schwindel
- Müdigkeit
- Übelkeit
- Brennen in Nase oder Hals
- Nasenbluten
In seltenen Fällen kann es zu allergischen Reaktionen kommen. Es wurden auch Sehstörungen und Herz-Kreislauf-Probleme berichtet, aber diese sind selten.
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Kontraindikationen von Sumatriptan
Es gibt bestimmte Umstände, unter denen Sumatriptan nicht eingenommen werden sollte. Diese Kontraindikationen umfassen:
- Herzinfarkt oder Schlaganfall in der Vergangenheit
- Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)
- Schwere Leberfunktionsstörung
- Mittelschwerer bis schwerer Bluthochdruck
- Ischämische Herzkrankheit
- Koronare Vasospasmen (Prinzmetal-Angina)
- Leichter unkontrollierter Bluthochdruck
Diese Kontraindikationen zielen darauf ab, das Herz-Kreislauf-System nicht zusätzlich zu belasten, da Triptane die Gefäße verengen.
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Sumatriptan kann Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten eingehen, darunter:
- Ergotamine: Migränemedikamente, bei deren Einnahme mindestens 24 Stunden seit der letzten Einnahme von Sumatriptan vergangen sein sollten.
- SSRI oder SNRI: Antidepressiva, die bei gleichzeitiger Einnahme mit Sumatriptan zu Schwäche, Verwirrtheit, Unruhe, Zittern, Muskelkrämpfen und Koordinationsverlust führen können.
- Monoaminoxidase-Hemmer (MAO-Hemmer): Medikamente zur Behandlung von Depressionen oder Parkinson. Sumatriptan darf frühestens zwei Wochen nach dem Absetzen eines MAO-Hemmers eingenommen werden.
Sumatriptan in Schwangerschaft und Stillzeit
Die Datenlage zur Anwendung von Sumatriptan während der Schwangerschaft ist unzureichend. Es gibt jedoch bisher keinen Anlass zur Annahme, dass der Wirkstoff Fehlbildungen beim Ungeborenen verursacht. In der Stillzeit sollte der Säugling nicht gestillt werden, wenn die letzte Einnahme von Sumatriptan weniger als 12 Stunden zurückliegt.
Medikamenteninduzierter Kopfschmerz (MIKS)
Ein übermäßiger Gebrauch von Kopfschmerzmedikamenten, einschließlich Triptanen, kann zu medikamenteninduziertem Kopfschmerz (MIKS) führen. Dies tritt auf, wenn an mindestens 10 Tagen im Monat Schmerzmittel gegen Kopfschmerzen eingenommen werden. Um dies zu vermeiden, sollte die Einnahme von Triptanen auf maximal 10 Tage im Monat beschränkt werden.
Ursachen von Migräne
Die genauen Ursachen von Migräne sind noch nicht vollständig geklärt, aber es gibt mehrere Theorien und Faktoren, die eine Rolle spielen können:
- Genetische Veranlagung: Migräne tritt häufiger in Familien auf.
- Neurotransmitter: Ein Ungleichgewicht von Neurotransmittern wie Serotonin kann die Reizbarkeit der Nerven verändern und Migräne auslösen.
- Trigger: Bestimmte Reize oder Einflussfaktoren können Migräneattacken auslösen.
Häufige Migräne-Trigger
Zu den häufigsten Triggern gehören:
- Stress und starke Emotionen
- Hormonelle Veränderungen (z. B. Menstruationszyklus, hormonelle Verhütungsmittel)
- Unregelmäßiges Essen und Auslassen von Mahlzeiten
- Bestimmte Lebensmittel (z. B. Käse, Rotwein)
- Wetterveränderungen
- Unregelmäßiger Schlaf
- Äußere Reize (z. B. helles Licht, Lärm, Gerüche)
- Bestimmte Medikamente
Migräneformen
Es gibt verschiedene Formen von Migräne, darunter:
- Migräne ohne Aura: Die häufigste Form, gekennzeichnet durch einseitige, pulsierende Kopfschmerzen.
- Migräne mit Aura: Hier treten vor den Kopfschmerzen neurologische Symptome wie Sehstörungen, Empfindungsstörungen oder Sprachstörungen auf.
- Chronische Migräne: Migräne tritt an mehr als 15 Tagen im Monat über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten auf.
- Retinale Migräne: Sehstörungen treten auf einem Auge auf.
- Hormonelle Migräne: Tritt im Zusammenhang mit hormonellen Veränderungen auf, z. B. während der Menstruation.
- Hemiplegische Migräne: Geht mit zusätzlichen motorischen Störungen und Gleichgewichtsstörungen einher.
- Basilarismigräne: Symptome sind Tinnitus, Doppelbildsehen, Bewusstseinsstörungen, Schwindelgefühle und Sprachstörungen.
Diagnose von Migräne
Die Diagnose von Migräne wird in der Regel anhand der Anamnese und der neurologischen Untersuchung gestellt. Der Arzt wird nach den Symptomen, der Häufigkeit und Dauer der Kopfschmerzen sowie nach möglichen Auslösern fragen. In einigen Fällen können weitere Untersuchungen wie eine Bildgebung des Gehirns erforderlich sein, um andere Ursachen auszuschließen.
Behandlung von Migräne
Die Behandlung von Migräne umfasst sowohl die Akuttherapie zur Linderung der Symptome während einer Attacke als auch die Prophylaxe zur Vorbeugung von Attacken.
Akuttherapie
Die Akuttherapie zielt darauf ab, die Kopfschmerzen und Begleitsymptome während einer Migräneattacke zu lindern. Zu den häufig verwendeten Medikamenten gehören:
- Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR): Ibuprofen, Acetylsalicylsäure (ASS)
- Triptane: Sumatriptan, Almotriptan, Rizatriptan usw.
- Antiemetika: Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen
Migräneprophylaxe
Die Migräneprophylaxe zielt darauf ab, die Häufigkeit, Dauer und Intensität von Migräneattacken zu reduzieren. Zu den häufig verwendeten Medikamenten gehören:
- Betablocker: Propranolol, Metoprolol
- Antidepressiva: Amitriptylin
- Antiepileptika: Topiramat, Valproinsäure
- CGRP-Antikörper: Erenumab, Fremanezumab, Galcanezumab
Neben Medikamenten können auch nicht-medikamentöse Maßnahmen zur Prophylaxe eingesetzt werden:
- Entspannungsverfahren: Autogenes Training, progressive Muskelentspannung, Biofeedback
- Ausdauersport: Regelmäßiges Radfahren, Schwimmen, Laufen
- Vermeidung von Triggern: Identifizierung und Vermeidung von individuellen Auslösern
- Regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus: Ausreichend Schlaf und regelmäßige Schlafzeiten
- Ernährung: Ausgewogene Ernährung und Vermeidung von Trigger-Lebensmitteln
Alternative Behandlungsmethoden
Neben den konventionellen Behandlungsmethoden gibt es auch alternative Ansätze zur Behandlung von Migräne:
- Akupunktur: Kann bei einigen Patienten die Häufigkeit von Migräneattacken reduzieren.
- Migräne-Piercing (Daith-Piercing): Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft warnt vor den Gesundheitsrisiken und empfiehlt eine fachärztliche Behandlung.
- Pflanzliche Mittel: Einige pflanzliche Mittel wie Pestwurz können zur Migräneprophylaxe eingesetzt werden.
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