Epilepsie ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen weltweit. Sie betrifft etwa 0,5 % aller Kinder und Jugendlichen und kann Menschen aller Altersgruppen betreffen. Viele Epilepsieformen beginnen bereits in der Kindheit und halten bis ins Erwachsenenalter an. Leichtere Formen sind kaum einschränkend, während eine Epilepsie mit häufigen Anfällen ein Kind und seine Familie stark belasten kann. Epileptische Anfälle können sich ganz unterschiedlich zeigen. Manche dauern nur Sekunden und machen sich kaum bemerkbar, andere lösen starke Krämpfe aus, zum Teil am ganzen Körper. Bei Kindern werden die Symptome anfangs oft falsch gedeutet: zum Beispiel eine kurze „Abwesenheit“ als Tagtraum oder leichte Zuckungen als Schluckauf.
Was ist Absence-Epilepsie?
Absence-Epilepsie, auch bekannt als Pyknolepsie, ist eine Form der generalisierten Epilepsie, die hauptsächlich im Kindes- und Jugendalter auftritt. Dabei ist das Kind während eines Anfalls für wenige Sekunden abwesend. Es wird blass, hat einen starren Blick und reagiert nicht auf Ansprache. Zusätzlich kann es mit den Lidern zucken, die Augen verdrehen oder den Kopf nach hinten legen. Solche kurzen Abwesenheiten (Absencen) können bis zu hundert Mal am Tag auftreten. Nach wenigen Sekunden ist alles wieder normal - und doch ist das Leben stiller Epileptiker und Epileptikerinnen anders. Doch bei genauerer Beobachtung fällt auf, dass das Gesicht des Kindes ausdruckslos und starr wirkt. Bei manchen Kindern sind die Augen nach oben gerichtet, der Kopf leicht nach hinten geneigt und/oder sie blinzeln leicht.
Symptome der Absence-Epilepsie
Die typischen Symptome der Absence-Epilepsie sind:
- Kurze Bewusstseinsverluste (Sekunden bis maximal 10 Sekunden)
- Starren oder leerer Blick
- Unterbrechung der aktuellen Tätigkeit
- Fehlende Reaktion auf Ansprache
- Mögliche zusätzliche Symptome: Zucken der Augenlider, Augenrollen, Neigen des Kopfes
Betroffene können sich an den Anfall nicht erinnern und fahren mit ihrer Tätigkeit nach dem Anfall wieder fort. Obwohl diese Anzeichen typisch für Absencen sind, werden sie von Laien vielfach nicht als Symptome einer Epilepsie erkannt. Absencen sind eine häufige Epilepsie-Form des Kindesalters und werden zunächst meist als Unkonzentriertheit oder Träumerei missinterpretiert.
Ursachen der Absence-Epilepsie
Die genauen Ursachen der Absence-Epilepsie sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischer Veranlagung und Störungen der elektrischen Aktivität im Gehirn eine Rolle spielt. Bei Kindern wie bei Erwachsenen gilt: Manche Epilepsien haben keine erkennbare Ursache, andere sind durch eine Hirnschädigung, Stoffwechselkrankheiten oder genetische Faktoren bedingt.
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Diagnose der Absence-Epilepsie
Die Diagnose der Absence-Epilepsie erfolgt in der Regel durch eine neurologische Untersuchung und ein Elektroenzephalogramm (EEG). Bestätigt die Diagnostik zum Beispiel mit Hilfe der Elektroenzephalographie den Verdacht auf eine Absence-Epilepsie, kann sie erfolgreich medikamentös behandelt werden. Der Arzt oder die Ärztin verschreibt Antiepileptika.
Behandlung der Absence-Epilepsie
Die Absence-Epilepsie kann in der Regel erfolgreich mit Medikamenten, sogenannten Antiepileptika, behandelt werden. Diese Medikamente helfen, die übermäßige elektrische Aktivität im Gehirn zu kontrollieren und Anfälle zu verhindern. Einige Medikamente müssen ein Leben lang eingenommen werden.
Kopfschmerzen bei Epilepsie
Kopfschmerzen können bei Menschen mit Epilepsie häufiger auftreten als in der Allgemeinbevölkerung. Es gibt verschiedene Arten von Kopfschmerzen, die im Zusammenhang mit Epilepsie auftreten können:
- Präiktale Kopfschmerzen: Kopfschmerzen, die vor einem epileptischen Anfall auftreten.
- Iktale Kopfschmerzen: Kopfschmerzen, die während eines epileptischen Anfalls auftreten.
- Postiktale Kopfschmerzen: Kopfschmerzen, die nach einem epileptischen Anfall auftreten.
Ursachen von Kopfschmerzen bei Epilepsie
Die Ursachen von Kopfschmerzen bei Epilepsie sind vielfältig und nicht immer vollständig geklärt. Einige mögliche Ursachen sind:
- Übererregung von Nervenzellen im Gehirn: Epileptische Anfälle entstehen durch eine übermäßige elektrische Entladung von Nervenzellen im Gehirn. Diese Übererregung kann auch zu Kopfschmerzen führen.
- Muskelverspannungen: Während eines epileptischen Anfalls können sich die Muskeln im Kopf- und Nackenbereich verspannen, was zu Kopfschmerzen führen kann.
- Nebenwirkungen von Medikamenten: Einige Antiepileptika können als Nebenwirkung Kopfschmerzen verursachen.
- Migräne: Migräne und Epilepsie haben einige Berührungspunkte: Beide Erkrankungen entstehen im Kopf, haben ähnliche Symptome und treten anfallsweise auf. Sie können sich gegenseitig bedingen und sind für Mediziner manchmal schwierig zu unterscheiden.
Migräne und Epilepsie
Migräne und Epilepsie haben einige Gemeinsamkeiten und können sich gegenseitig beeinflussen. Als Migräne werden wiederkehrende, meist einseitige, Kopfschmerzen bezeichnet, die mit Beschwerden wie Übelkeit, Sensibilitätsstörungen und Sinnesstörungen, beispielsweise Lichtblitzen im Blickfeld (Auren), einhergehen.Unter Epilepsie werden Erkrankungen zusammengefasst, die sich in wiederkehrenden epileptischen Anfällen äußern. Bestimmte Migänearten wie beispielsweise die Basilarismigräne sind besonders schwer von einer Epilepsie zu trennen . Ein weiterer Zusammenhang zwischen Migräne und Epilepsie besteht darin, dass sich die beiden Erkrankungen gegenseitig auslösen können. Generell ist eine Migräne bei einer Epilepsie nichts Seltenes. Die seltene Migralepsie bezeichnet einen epileptischen Anfall, der innerhalb einer Stunde nach einer Migräne mit Aura auftritt.
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Behandlung von Kopfschmerzen bei Epilepsie
Die Behandlung von Kopfschmerzen bei Epilepsie richtet sich nach der Art und Ursache der Kopfschmerzen. Einige mögliche Behandlungsansätze sind:
- Anpassung der Medikation: Wenn Kopfschmerzen als Nebenwirkung von Antiepileptika auftreten, kann eine Anpassung der Dosierung oder ein Wechsel des Medikaments erforderlich sein.
- Schmerzmittel: Bei leichten bis mäßigen Kopfschmerzen können Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen helfen.
- Migränemedikamente: Wenn die Kopfschmerzen migräneartig sind, können spezielle Migränemedikamente wie Triptane eingesetzt werden.
- Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung oder autogenes Training können helfen, Muskelverspannungen zu lösen und Kopfschmerzen zu reduzieren.
Umgang mit Epilepsie im Alltag
Eine Epilepsie kann das tägliche Leben erheblich beeinflussen. Der Kontrollverlust und die mit der Krankheit einhergehenden Einschränkungen im Alltag stellen für Betroffene und Angehörige eine große Belastung dar. Es gibt jedoch verschiedene Möglichkeiten, um mit der Erkrankung umzugehen und die Lebensqualität zu verbessern:
- Regelmäßige Medikamenteneinnahme: Die regelmäßige Einnahme von Antiepileptika ist entscheidend, um Anfälle zu verhindern.
- Vermeidung von Auslösern: Einige Faktoren können epileptische Anfälle auslösen, wie z. B. Schlafmangel, Stress, Alkohol oder flackerndes Licht. Es ist wichtig, diese Auslöser zu identifizieren und zu vermeiden.
- Ausreichend Schlaf: Ausreichend Schlaf ist wichtig, um das Gehirn zu entlasten und Anfälle zu verhindern.
- Stressbewältigung: Stress kann epileptische Anfälle auslösen. Entspannungstechniken oder andere Stressbewältigungsstrategien können helfen, Stress abzubauen.
- Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung kann dazu beitragen, die allgemeine Gesundheit zu verbessern und Anfälle zu verhindern. Bei schwer behandelbaren Epilepsien empfehlen Ärztinnen und Ärzte manchmal eine bestimmte Ernährungsform - die ketogene Diät. Dabei werden nur wenig Kohlenhydrate und stattdessen vor allem Fette aufgenommen.
- Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen kann sehr hilfreich sein, um mit der Erkrankung umzugehen und Unterstützung zu finden.
- Information und Aufklärung: Eine gute Information über die Erkrankung und ihre Behandlungsmöglichkeiten kann helfen, Ängste abzubauen und die Kontrolle über das eigene Leben zu behalten.
Was tun bei einem epileptischen Anfall?
Wenn eine Person in Ihrem Umfeld einen epileptischen Anfall hat, ist es wichtig, Ruhe zu bewahren und folgende Schritte zu befolgen:
- Sichern Sie die Umgebung: Entfernen Sie gefährliche Gegenstände.
- Schützen Sie den Kopf: Legen Sie ein Kissen oder Ihre Hände unter den Kopf der betroffenen Person.
- Nicht festhalten: Versuchen Sie nicht, die Person während des Anfalls zu fixieren.
- Seitenlage: Drehen Sie die Person nach einem Anfall in die stabile Seitenlage, um die Atmung zu erleichtern.
- Zeit messen: Notieren Sie die Dauer des Anfalls. Ein Notruf ist erst dann erforderlich, wenn der Anfall länger als fünf Minuten dauert oder sofort ein zweiter Anfall folgt.
- Wenn der Betroffene bereits epileptische Anfälle hatte und ein Notfallmedikament besitzt, sollten Sie wie folgt vorgehen: Buccaltablette: in die Wange legen und darauf achten, dass die Atemwege frei bleiben. Creme: über die Tube in den After einführen.
Grundsätzlich sollten Sie jedoch die Notfallmedikation nur verabreichen, wenn Sie in der Anwendung geschult sind. Ansonsten sollten Sie auf professionelle Hilfe warten.
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