Aciclovir 800: Nebenwirkungen und Nervenschmerzen – Ein umfassender Überblick

Aciclovir ist ein weit verbreitetes antivirales Medikament, das zur Behandlung von Infektionen durch Herpesviren eingesetzt wird. Diese Viren können verschiedene Erkrankungen verursachen, darunter Lippenherpes, Genitalherpes, Windpocken, Gürtelrose und Augeninfektionen. Aciclovir wirkt, indem es die Vermehrung der Viren hemmt und somit die Infektion bekämpft.

Anwendungsgebiete von Aciclovir

Aciclovir wird zur Behandlung verschiedener durch Herpesviren verursachter Infektionen eingesetzt, darunter:

  • Lippenherpes (Herpes labialis)
  • Genitalherpes (Herpes genitalis)
  • Gürtelrose (Herpes Zoster)
  • Windpocken (Varizella-Zoster-Infektion)
  • Augeninfektionen durch Herpesviren (einschließlich Bindehautentzündungen)
  • Schwere Hautinfektionen
  • Herpes-simplex-Enzephalitis (Entzündung des Gehirns durch Herpes-simplex-Viren)

Zusätzlich kann Aciclovir zur Linderung von Juckreiz und leichten bis mäßigen Schmerzen bei Lippen- oder Genitalherpes eingesetzt werden. Bei immungeschwächten Erwachsenen kann es zur Vorbeugung von Infektionen mit Varicella-Zoster-Viren oder schweren Herpesinfektionen dienen. Auch zur Verhinderung des Wiederauftretens schwerer Herpesinfektionen im Genitalbereich kann Aciclovir eingesetzt werden.

Wirkungsweise von Aciclovir

Aciclovir gehört zur Gruppe der Nukleosid-Analoga mit antiviralen Eigenschaften. Herpesviren benötigen Wirtszellen, um sich zu vermehren. Sie schleusen ihr Erbgut in die Zellen ein und nutzen die zelleigene Maschinerie zur Vervielfältigung. Herpes-Viren tragen ein Enzym in sich, das eine schnelle Vermehrung ihres Erbgutes in der Wirtszelle sicherstellt.

Aciclovir dringt in die von Viren infizierten Zellen ein, wird durch ein virales Enzym aktiviert und in das Virus-Erbgut eingebaut. Dies führt zu einem Kettenabbruch, da aufgrund der chemischen Struktur von Aciclovir kein weiterer Baustein an das Virus-Erbgut angehängt werden kann. Dadurch wird die Vermehrung des Virus-Erbguts gestoppt und die Bildung neuer Viren verhindert. Aciclovir blockiert zudem das virale Enzym DNA-Polymerase, das für die Vermehrung des Virus-Erbguts wichtig ist.

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In nicht-infizierten Zellen wird Aciclovir nicht aktiviert, was schwere Nebenwirkungen selten macht.

Darreichungsformen und Dosierung

Aciclovir ist in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich, um den unterschiedlichen Anwendungsgebieten gerecht zu werden:

  • Creme: Zur äußerlichen Behandlung von Lippenherpes und Genitalherpes.
  • Augensalbe: Zur Behandlung von Augeninfektionen durch Herpesviren.
  • Tabletten: Zur systemischen Behandlung von Herpesinfektionen, insbesondere bei schwereren Verläufen oder zur Vorbeugung.
  • Suspension: Für Kinder oder Personen, die Schwierigkeiten beim Schlucken von Tabletten haben.
  • Infusionslösung: Für schwere Infektionen oder bei immungeschwächten Patienten, wenn eine orale Einnahme nicht möglich ist.

Die Dosierung von Aciclovir variiert je nach Art und Schwere der Infektion sowie der Darreichungsform. Die folgenden Dosierungsangaben gelten für Patienten mit normaler Nierenfunktion. Bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion muss die Dosis entsprechend angepasst werden.

Übliche Dosierungen:

  • Herpes-simplex-Infektionen (Erwachsene): 5-mal täglich 200 mg im Abstand von etwa 4 Stunden.
  • Herpes Zoster (Gürtelrose): 5-mal täglich 800 mg im Abstand von etwa 4 Stunden über 7-10 Tage.
  • Vorbeugung von Herpes-simplex-Infektionen (Erwachsene mit gesunder körpereigener Abwehr): 4-mal täglich 200 mg im Abstand von jeweils 6 Stunden oder 2-mal täglich 400 mg im Abstand von 12 Stunden.
  • Kinder: Die Dosis wird in der Regel anhand des Körpergewichts berechnet.

Es ist wichtig, Aciclovir so früh wie möglich nach Auftreten der ersten Anzeichen einer Infektion einzunehmen. Während der Behandlung sollte auf eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme geachtet werden, besonders bei älteren Patienten.

Gegenanzeigen und Warnhinweise

Aciclovir darf nicht angewendet werden bei:

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  • Überempfindlichkeit gegen Aciclovir oder Valaciclovir.
  • Schweren Störungen der körpereigenen Immunabwehr (bei äußerlicher Anwendung als Creme oder Salbe).
  • Anwendung auf Schleimhäuten wie Auge, Mundhöhle oder Scheide (bei äußerlicher Anwendung als Creme oder Salbe).
  • Eingeschränkter Nierenfunktion oder fehlender Harnabsonderung (Anurie) nur nach sorgfältiger ärztlicher Nutzen-Risiko-Abwägung (bei Einnahme oder Infusion).

Besondere Vorsicht ist geboten bei:

  • Nierenproblemen.
  • Alter über 65 Jahre.
  • Geschwächtem Immunsystem.

Während einer Schwangerschaft sollte Aciclovir nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt eingenommen werden. In der Stillzeit sollte das Medikament ebenfalls nur nach ärztlicher Anordnung angewendet werden, da Aciclovir in die Muttermilch übergeht.

Aciclovir 800 Nebenwirkungen

Wie alle Medikamente kann auch Aciclovir Nebenwirkungen verursachen, die jedoch nicht bei jedem auftreten müssen. Die Art und Häufigkeit der Nebenwirkungen können je nach Darreichungsform variieren.

Häufige Nebenwirkungen (können bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen):

  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Durchfall
  • Bauchschmerzen
  • Hautausschlag
  • Hautreaktion nach Lichteinwirkung (Photosensitivität)
  • Juckreiz
  • Müdigkeit
  • Unerklärliches Fieber (hohe Temperatur) und Ohnmacht, besonders beim Aufstehen

Gelegentliche Nebenwirkungen (können bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen):

  • Juckender, nesselartiger Ausschlag
  • Haarausfall

Seltene Nebenwirkungen (können bis zu 1 von 1.000 Behandelten betreffen):

  • Auswirkungen auf einige Blut- und Urintests
  • Erhöhung der Anzahl der Enzyme, die in der Leber wirken

Sehr seltene Nebenwirkungen (können bis zu 1 von 10.000 Behandelten betreffen):

  • Verminderte Anzahl von roten Blutkörperchen (Anämie)
  • Verminderte Anzahl an weißen Blutkörperchen (Leukopenie)
  • Verminderte Anzahl von Blutplättchen (Zellen, die dem Blut helfen zu gerinnen) (Thrombozytopenie)
  • Schwächegefühl
  • Gefühl der Unruhe oder Verwirrtheit
  • Schütteln oder Zittern
  • Halluzinationen (Dinge sehen oder hören, die nicht da sind)
  • Anfälle
  • Sich ungewöhnlich schläfrig oder benommen fühlen
  • Unsicherheit beim Gehen und mangelnde Koordination
  • Schwierigkeiten beim Sprechen
  • Unfähigkeit, klar zu denken oder etwas zu beurteilen
  • Bewusstlosigkeit (Koma)
  • Lähmung eines Körperteils oder des gesamten Körpers
  • Verhaltensstörungen
  • Sprachstörungen und ungewollte Augenbewegungen
  • Nackensteifigkeit und Lichtempfindlichkeit
  • Leberentzündung (Hepatitis)
  • Gelbfärbung der Haut und des weißen Bereichs in Ihren Augen (Gelbsucht)
  • Nierenprobleme, bei denen Sie wenig oder gar keinen Urin abgeben
  • Schmerzen in Ihrem unteren Rücken, im Nierenbereich Ihres Rückens oder knapp über Ihrer Hüfte (Nierenschmerzen)
  • Allergischer Schock

Besondere Vorsicht bei nervenbedingten Nebenwirkungen:

Nervenbedingte Nebenwirkungen werden durch eine eingeschränkte Nierentätigkeit oder andere schwere Erkrankungen begünstigt. Bei direkter Gabe von Aciclovir in den Blutkreislauf und komplizierten Krankheitsverläufen kann es zu Krampfanfällen und Psychosen kommen.

Aciclovir und Nervenschmerzen

Obwohl Nervenschmerzen nicht als häufige Nebenwirkung von Aciclovir gelistet sind, können in seltenen Fällen neurologische Nebenwirkungen auftreten, insbesondere bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion oder anderen schweren Erkrankungen. Diese Nebenwirkungen können sich als Unruhe, Verwirrtheit, Zittern, Halluzinationen, Krampfanfälle oder sogar Koma äußern.

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Es ist wichtig zu beachten, dass Nervenschmerzen auch eine Folge der Herpes Zoster-Infektion (Gürtelrose) selbst sein können. Postherpetische Neuralgie (PHN) ist eine häufige Komplikation der Gürtelrose, bei der auch nach Abheilen der Hautausschläge weiterhin starke Nervenschmerzen bestehen. Aciclovir kann zwar die akute Infektion behandeln und das Risiko für PHN verringern, die bereits bestehenden Nervenschmerzen werden jedoch nicht immer vollständig beseitigt.

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Bei der Einnahme von Aciclovir können Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten auftreten. Insbesondere sollte auf die gleichzeitige Einnahme folgender Arzneimittel geachtet werden:

  • Cimetidin (Magenmittel): Kann die Ausscheidung von Aciclovir verringern und somit das Risiko für Nebenwirkungen erhöhen.
  • Probenecid (Gichtmittel): Kann ebenfalls die Ausscheidung von Aciclovir verringern.
  • Mycophenolat-Mofetil (zur Vorbeugung der Abstoßung transplantierter Organe): Kann die Aciclovir-Konzentration im Blut beeinflussen.
  • Theophyllin (zur Behandlung von Atemwegserkrankungen): Aciclovir kann die Wirkung und Nebenwirkungen von Theophyllin verstärken.

Für die äußerliche Anwendung von Aciclovir sind keine Wechselwirkungen bekannt.

Wichtige Hinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Aciclovir ist verschreibungspflichtig, mit Ausnahme von Aciclovir-haltigen Lippencremes zur Behandlung von Lippenherpes.
  • Bei eingeschränkter Nierenfunktion ist eine Dosisanpassung erforderlich.
  • Während der Behandlung mit Aciclovir sollte auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden.
  • Bei Auftreten von allergischen Reaktionen oder schweren Nebenwirkungen sollte umgehend ein Arzt konsultiert werden.
  • Bei Anwendung von Aciclovir-Creme bei Lippenherpes sollte die Creme nicht auf Schleimhäute aufgetragen werden.
  • Bei Anwendung von Aciclovir-Augensalbe sollten keine Kontaktlinsen getragen werden.
  • Während der Behandlung von Genitalherpes sollte Safer Sex praktiziert werden, um eine Übertragung der Infektion zu verhindern.

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