Nervenlähmung nach Injektion: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Alltägliche Bewegungen wie das Treppensteigen oder das Greifen nach einer Tasse sind für die meisten Menschen selbstverständlich. Für Patienten mit Lähmungserscheinungen stellen sie jedoch eine große Herausforderung dar. Diese Lähmungen werden häufig durch geschädigte Nerven verursacht. Doch wie kommt es zu solchen Nervenschädigungen und deren Folgen?

Was sind Lähmungserscheinungen?

Wer an Lähmungserscheinungen leidet, ist nicht mehr in der Lage, einzelne oder gar mehrere Muskeln zu bewegen. Verliert ein Betroffener diese Fähigkeit vollständig, sprechen Mediziner von einer sogenannten Paralyse. Bei einer teilweisen Einschränkung ist dagegen von einer Parese oder Teillähmung die Rede.

Ursachen von Lähmungen

Allgemein geht solchen Lähmungserscheinungen eine Nervenschädigung oder Verletzung beziehungsweise Störung des Rückenmarks oder Gehirns voraus. Die Nervenschädigung kann ebenfalls durch Schäden des Rückenmarks oder des Gehirns (zentral) oder aber der Nerven außerhalb der Wirbelsäule (peripher) vorkommen. Diese Form der Lähmung betrifft den Bewegungsapparat, führt also beispielsweise zu Lähmungserscheinungen der Arme oder Beine.

Arten von Lähmungen

Man unterscheidet grundsätzlich zwischen zwei Arten von Lähmungen:

  • Periphere Lähmung: Hierbei ist der Nerv, der vom Rückenmark zu den Muskeln führt, geschädigt oder komplett durchtrennt - entweder direkt an der Austrittsstelle aus dem Rückenmark oder im Verlauf des Nervs. Tritt eine periphere Lähmung auf, sind die Muskeln permanent schlaff und können daher nicht angespannt oder bewegt werden.
  • Zentrale Lähmung: Die zentrale Lähmung kommt durch Schäden des Rückenmarks oder des Gehirns, also des zentralen Nervensystems (ZNS), zustande. Hierbei ist die Position der Verletzung entscheidend. Je höher die Schädigung in der Wirbelsäule liegt, desto mehr Muskeln können betroffen sein. Werden die Lähmungserscheinungen durch Nervenschädigungen im Gehirn ausgelöst, ist auch hier die Stelle der geschädigten Nerven bestimmend. Die Muskeln sind bei einer zentralen Lähmung dauerhaft angespannt; der sogenannte Muskeltonus, der den Spannungsgrad der Muskeln beschreibt, ist also erhöht. Dieser Zustand wird als sogenannte Spastik bezeichnet. Solche Spastiken können die Bewegungen von Betroffenen entweder kaum beeinflussen oder zu schweren Beeinträchtigungen führen. Abhängig ist dies davon, welcher Gehirn- oder Rückenmarksbereich wie stark in Mitleidenschaft gezogen ist.

Je nach Lage der Verletzung können Lähmungen der oberen oder unteren Extremitäten (Arme oder Beine), nur einer Extremität oder aller Extremitäten auftreten. Auch die Lähmung von nur einer Körperhälfte oder des kompletten Körpers kopfabwärts ist möglich.

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Querschnittslähmung

Die Querschnittslähmung ist eine der schwersten Formen der Lähmung. Sie wird meistens durch einen Unfall hervorgerufen, der dazu führt, dass das Rückenmark komplett durchtrennt oder stark geschädigt wird. In beiden Fällen ist keine Signalweiterleitung vom Gehirn zum Muskel mehr möglich. Auch hier ist die Schwere der Lähmung von der Lage der Verletzung in der Wirbelsäule abhängig. Geschädigtes Rückenmark oberhalb des vierten Halswirbels führt zu einem Verlust der eigenständigen Atmungsfähigkeit.

Empfindungslähmung

Diese Art der Lähmungserscheinung wird auch als Empfindungslähmung bezeichnet. Betroffene sind nicht mehr oder kaum noch in der Lage, Reize mit bestimmten Körperstellen wahrzunehmen. Folglich können häufig auch Kälte oder Wärme nicht mehr richtig gedeutet werden.

Häufige Ursachen für Nervenschädigungen und Lähmungen

Lähmungen entstehen durch Nervenschädigungen. Verschiedene Gründe als Auslöser solcher Schädigungen sind möglich:

  • Vitamin-B12-Mangel: Das Vitamin B12 ist beteiligt am Aufbau der Schutzhülle (Myelinscheide) unserer Nerven. Herrscht im Körper ein Mangel davon, kann diese Hülle beschädigt werden, was in erster Linie zu Empfindungsstörungen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühlen bis hin zu Lähmungserscheinungen führt. Die Ursachen eines Vitamin-B12-Mangels können unterschiedlich sein. Häufig wird er durch eine Ernährungsweise hervorgerufen, die auf viele oder alle tierischen Produkte verzichtet.
  • Bandscheibenvorfall: Die Bandscheiben liegen zwischen den Wirbeln und fungieren sozusagen als Stoßdämpfer unserer Wirbelsäule. Reißt die Ummantelung der Bandscheibe, wodurch der gallertartige Kern im Inneren heraustritt, kann es passieren, dass der Bandscheibenkern auf das Rückenmark drückt und verschiedene Beschwerden hervorruft. Auch hier können Lähmungen die Folge sein. Liegt ein kleiner Bandscheibenvorfall vor, kann der Körper die austretende Masse von alleine abbauen und die Nerven regenerieren sich von selbst. Bei schweren Vorfällen versucht der Arzt, durch konservative Therapien oder Operationen die Auswirkungen vollständig aufzuheben.
  • Poliomyelitis (Kinderlähmung): Diese Infektionskrankheit wird durch Polioviren ausgelöst und kommt in der heutigen Zeit, aufgrund der eingeführten Schutzimpfung, nur noch sehr selten vor. Die Beschwerden sind unterschiedlich: Neben Fieber, Übelkeit, Kopf- und Muskelschmerzen kommt es in manchen Fällen zu Lähmungen vor allem der Beine und des Rumpfes. Dies liegt daran, dass die Viren Entzündungsreaktionen an den Nerven auslösen können, wodurch möglicherweise Nervenschäden entstehen. Medikamente gegen Polioviren gibt es bislang nicht und eine vollständige Heilung der Poliomyelitis ist nicht möglich. Der Impfstoff gegen Polio hat in Europa bereits zum Erfolg geführt: Seit 2002 gilt der Erreger hier als offiziell ausgerottet.
  • Guillain-Barré-Syndrom (GBS): Hierbei sind die Nervenwurzeln, also die Austrittsstellen der peripheren Nerven an der Wirbelsäule, entzündet. Das Syndrom wird in den meisten Fällen durch eine vorangegangene Infektion ausgelöst. Anstatt den Erreger zu beseitigen, richtet sich unser eigenes Immunsystem gegen die Schutzhülle der Nerven, die Myelinscheide. Die Auswirkungen beginnen mit einer Muskelschwäche in den Beinen und später auch in den Armen bis hin zu Lähmungserscheinungen. Die Symptome bilden sich, abhängig vom Alter des Patienten, nach Wochen bis Monaten wieder zurück. Allerdings bleiben in manchen Fällen Restfolgen wie Taubheitsgefühle oder Muskelschmerzen bestehen. Die Prognose verschlechtert sich mit steigendem Lebensalter.
  • Schlaganfall: Bei einem Schlaganfall kommt es zu einer Durchblutungsstörung in unserem Gehirn, wodurch die Nervenzellen im dahinterliegenden Bereich absterben und folglich keine Signale mehr senden können. Die Auswirkungen hängen von der betroffenen Stelle im Gehirn ab. Häufig kommt es zu Lähmungen einer Körperhälfte oder zu Teillähmungen der Arme oder Beine. Auch der Gesichtsnerv kann betroffen sein, darum sollte man bei Verdacht auf einen Schlaganfall immer auf die Aussprache, im genaueren auf Sprachstörungen, und die Bewegungen der Mundwinkel achten. Je nach Schwere des Schlaganfalls können die Folgen häufig mit einer geeigneten Therapie, wie zum Beispiel Physiotherapie, rückgängig gemacht werden.

Fazialisparese nach zahnärztlicher Behandlung

Im Zusammenhang mit einer zahnärztlichen Behandlung kann es in seltenen Fällen zu einer Fazialisparese kommen. Die Ursache hierfür ist bisher nicht eindeutig geklärt. Setzt die Lähmung des Nervus facialis unmittelbar nach Applikation einer Lokalanästhesie ein, ist dies vermutlich durch eine unbeabsichtigte, akzidentelle Anästhesie von Ästen des Nervus facialis zu erklären. Nach Abbau des Anästhetikums verschwindet die Lähmung und ist vollkommen reversibel. Eine direkte Schädigung des Nervus facialis mittels Injektionskanüle scheint dabei unwahrscheinlich. Davon getrennt betrachtet werden muss die verzögert auftretende Fazialisparese, die erst Stunden oder Tage nach einer zahnärztlichen Behandlung einsetzt. Verschiede Ursachen wurden in der Vergangenheit in der Literatur hierzu diskutiert. Am wahrscheinlichsten wird heutzutage die Reaktivierung von Viren (Herpes-Simplex-Virus Typ 1 oder Varizella-Zoster-Virus) aus Nervenganglien des Nervus facialis durch die zahnärztliche Behandlung angesehen. Dies kann auch in Fällen vorkommen, in denen keine Lokalanästhesie erfolgte. Zudem muss es dabei nicht zu einer sonst für einen Herpes labialis oder Herpes zoster typischen Bläschenbildung an der Haut kommen (Zoster sine herpete). Zur Therapie einer verzögert einsetzenden Fazialisparese nach zahnärztlicher Behandlung wird aktuell eine medikamentöse Therapie mit Glukokortikoid (Prednisolon) und einem Virostatika (Acyclovir) empfohlen. Für eine erfolgreiche Therapie sollte die Medikamentengabe in weniger als 72 h nach Einsetzen der ersten Symptome erfolgen. Zahnärzte sollten daher eine unverzügliche Überweisung an einen Neurologen veranlassen und sich andernfalls einer potenziellen (irreversiblen) Schädigung des Nervus facialis durch die Viren bewusst sein.

Iatrogene Nervenschädigungen bei Hüft- und Knieendoprothetik

Iatrogene Nervenschädigungen sind seltene Komplikationen mit einer Inzidenz von ca. 0,2-3,7 %. In ca. 80 % der Fälle handelt es sich um Läsionen des N. ischiadicus. Neben dem N. ischiadicus können vor allem der N. femoralis, der N. cutaneus femoris lateralis und Äste des N. gluteus superior betroffen sein. Unterschieden werden direkte, wie z. B. scharfe Durchtrennung, Kompression oder Quetschung, von indirekten Nervenschädigungen, wie Ischämie durch Hyperthermie (ab ca. 70 C, z. B. durch Knochenzement) oder Traktion bei Verlängerung der Extremität. Die Folgen von direkten oder indirekten Nervenläsionen sind passagere oder bleibende Störungen mit Paresen und/oder Sensibilitätsstörungen im Ausbreitungsgebiet des betroffenen Nervs. Die dadurch erkennbaren Ausfälle lassen in der Regel die Zuordnung zu einem konkreten Nerven herstellen, dabei ist das Ausmaß der Schädigung jedoch nicht immer umgehend erkennbar. Patientenspezifische Risikofaktoren für eine Nervenläsion sind Dysplasiekoxarthrosen, vorbestehende Narbenbildungen und Subluxationsstellungen des Hüftgelenkes sowie Patienten mit präoperativ bestehenden degenerativen Erkrankungen der Wirbelsäule. Die Wahl des Operationszugangs, die Positionierung der Retraktoren und das intraoperativ verursachte Hämatom sind eingriffsspezifische Risikofaktoren. So ist die Wahrscheinlichkeit eines Nervenschadens von der Wahl des Zugangs abhängig. Bei der Positionierung der Retraktoren ist vor allem der N. femoralis durch Kompression am vorderen Pfannenrand gefährdet. Neben den Retraktoren kann auch austretender Knochenzement ins kleine Becken Kompressionsschäden der Nn. femoralis et obturatorius verursachen. Gerade bei Revisionen ist deshalb eine postoperative Bildwandlerbewertung bei zementierten Implantaten unabdingbar. Insgesamt ist bei Revisionsoperationen mit einer höheren Wahrscheinlichkeit von Nervenläsionen auszugehen. Schrauben zur Pfannenverankerung können den N. ischiadicus schädigen. Neben der Bildwandleruntersuchung ist hier oft die digitale Kontrolle ebenfalls möglich. Bei voroperierten Hüften mit Vernarbungswahrscheinlichkeit im Bereich des N. ischiadicus (vor allem hintere Zugänge) ist aus eigener Erfahrung die Präparation und gegebenenfalls Neurolyse des N. ischiadicus zu empfehlen. Traktionsschäden, vor allem des N. ischiadicus können ab einer Verlängerung des zu operierenden Beines von ≥4 cm auftreten. Auch im Langzeitverlauf (z. T. 20 Jahre!) nach Hüftgelenkersatz können noch Nervenläsionen auftreten. Hier sind vor allem Implantatdislokationen, Frakturen und/oder raumfordernde Prozesse, wie z. B.

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Spritzen gegen Rückenschmerzen (PRT)

Spritzen gegen Rückenschmerzen (PRT) sind umstritten. Die Erfolgsquoten sind je nach Ursache sehr unterschiedlich und die Infiltrationen an der Wirbelsäule können erhebliche Nebenwirkungen haben. Fast ein Drittel der Erwachsenen in Deutschland leidet an Rückenschmerzen und ist deshalb in ärztlicher Behandlung, zeigt die aktuelle Analyse einer großen deutschen Krankenkasse. Zur Therapie werden auch sogenannte Injektionsbehandlungen oder Infiltrationsbehandlungen angeboten - gezielt gesetzte Spritzen an Nervenwurzeln, an das Rückenmark, in Gelenke, Muskeln, Sehnen, Bänder oder die Bandscheiben. Damit sollen Schmerzen und Schwellungen gelindert werden. Viele Betroffene hoffen mithilfe von Spritzen auch eine OP hinauszögern oder vermeiden zu können. Für Patientinnen und Patienten mit Rückenschmerzen ist wichtig zu wissen: Zwischen einzelnen Formen der Spritzen-Therapien gibt es Unterschiede und es kann auch zu Nebenwirkungen kommen. Die wohl bekannteste Form von Spritzen gegen Rückenschmerzen ist die periradikuläre Therapie (PRT), vereinfacht auch "PRT-Spritzen" genannt. Periradikulär bedeutet „um die Wurzel herum“, denn die Medikamente werden direkt an eine definierte Nervenwurzel injiziert, die dort aus dem Rückenmark kommt und den Wirbelkanal verlässt. Als Medikamente werden dafür vor allem Lokalanästhetika wie Lidocain, Bipivacain oder Ropivacain, sowie Glucocorticoide (Cortison) gegen Schwellung und Entzündung eingesetzt. Relativ einig sind sich die internationalen Leitlinien, dass die periradikuläre Therapie (PRT) eher bei spezifischen Rückenschmerzen in Frage kommt. Das sind Rückenschmerzen, bei denen eine klare körperliche Ursache vorliegt. Insbesondere bei Bandscheibenvorfällen kann es zu einer Reizung oder Schädigung der Nervenwurzeln (Radices) an der Seite des Rückenmarks kommen. Betroffene merken das häufig durch sogenannte radikuläre Symptome, das heißt einseitige ausstrahlende Schmerzen oder Missempfindungen wie Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Brennen. Je nach Lokalisation der Schädigung können sie zum Beispiel bis in die Beine ziehen. Entscheidend für den Erfolg von PRT und Epiduraler Injektion ist auch der Zeitpunkt der Behandlung. Die Chancen sind besser, wenn die Schmerzen noch nicht chronisch sind. Bei chronischen Schmerzen spielt mit der Zeit der der eigentliche Auslöser im Gewebe nur noch eine untergeordnete Rolle. Die Schmerzwahrnehmung hat sich vielmehr im Gehirn verfestigt und muss mit anderen Methoden behandelt werden als akuter Schmerz. Auch der betroffene Teil der Wirbelsäule, ist entscheidend: Die Deutsche Wirbelsäulengesellschaft e.V. (DWG) schreibt in ihrer Leitlinie „Epidurale Injektionen bei degenerativen Erkrankungen“ dazu: Bei Beschwerden ausgehend von der Halswirbelsäule (HWS) "können" solche Injektionen erwogen werden. Bei radikulären Schmerzen durch einen Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule (LWS) "sollten" sie angeboten werden. Die meisten Rückenschmerzen sind nicht spezifisch, das heißt bei ihnen kann keine eindeutige körperliche Ursache (mehr) festgestellt werden. Häufig gibt es ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Studien zeigen, dass rund 85 Prozent der chronischen Rückenschmerzen nicht spezifisch sind. Sie erscheinen oft diffuser, auch beidseitig entlang des Rückens. Der Nutzen von Spritzenbei Rückenschmerzen wird insgesamt viel diskutiert: Im Februar 2025 veröffentlichte ein Team von Forschenden unter der Leitung des kanadischen Professors Jason W. Busse zum Beispiel eine systematische Übersichtsarbeit und klinische Empfehlung im British Medical Journal, mit der klaren Empfehlung gegen verschiedene Injektionen bei chronischen Rückenschmerzen, die nicht mit Krebserkrankungen oder entzündliche Gelenkerkrankungen in Zusammenhang stehen. Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (DGOU) und der Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (BVOU) widerspricht dem. In einer Pressemitteilung mit zugehöriger Stellungnahme schreiben die Fachverbände: Interventionelle Verfahren, wie epidurale Injektionen, seien ein "wichtiger Bestandteil des multimodalen Ansatzes zur Behandlung von spezifischen Wirbelsäulenschmerzen". Bei Rückenschmerzen ist es immens wichtig, frühzeitig Alltagsaktivitäten wieder aufzunehmen und die körperliche Aktivität aufrechtzuerhalten. Wenn die Beschwerden über sechs Wochen bestehen und keine spezifischen Ursachen vorliegen, empfiehlt die Nationale Versorgungsleitlinie Nicht-spezifischer Kreuzschmerz zunächst nicht-invasive Verfahren wie Schmerzmedikation, Wärmetherapie und Physiotherapie. Ist das nicht ausreichend, sollte eine sogenannte multimodale Therapie erfolgen. Neben der Infiltration rund um Nerven werden bei Rückenschmerzen auch Spritzen direkt in Bandscheiben, in Muskeln, Bänder und Gelenke der Wirbelsäule angeboten. Beispiele hierfür sind Spritzen in die Wirbelbogengelenke (Facettengelenke) oder in das Iliosakralgelenk, also zwischen Kreuzbein und Darmbein. Schmerzauslöser ist hier meist Gelenkverschleiß, der durch die Spritzen nicht beeinflusst werden kann. Daher ist ein nachhaltiger Erfolg eher unwahrscheinlich. Auch in die Muskeln rund um die Wirbelsäule können Injektionen erfolgen, zum Beispiel mit dem Nervengift Botulinum-Toxin, bekannter als Botox.

Nervenverödung (Neurolyse)

Die einzelnen Wirbelkörper sind im seitlichen und hinteren Abschnitt durch kleine Gelenke (Facettengelenke) miteinander verbunden. Weitere Gelenke befinden sich zwischen Wirbelsäule und Rippen (Costotransversal- und Costovertebralgelenke) und zwischen Kreuzbein und Darmbein (Ileosakralgelenk). Bei der Nervenverödung (Neurolyse) werden Teile dieser Gelenke und die schmerzführenden Nerven in diesem Bereich gezielt ausgeschaltet, wodurch die Schmerzen deutlich nachlassen. Bei dem Eingriff werden die Nerven ausgeschaltet, die das Rückenmark bereits verlassen haben und von außen für die Versorgung der Wirbelgelenke zuständig sind. Sie werden jeweils rechts und links von der Wirbelsäule an mehreren Stellen verödet bzw. Für den Eingriff werden Sie bäuchlings auf den Operationstisch gelagert. Zunächst wird unter computertomographischer oder Röntgen-Kontrolle eine 2 mm dünne Nadel vorsichtig an den Nerv herangeführt. Durch Einleitung eines leichten Reizstroms kann der Arzt prüfen, ob die Nadel an der richtigen Stelle platziert ist. Sitzt die Nadel richtig, merken Sie dann ein leichtes Zucken der Muskulatur bzw. Zur anschließenden Ausschaltung des Nerven stehen verschiedene Methoden zur Verfügung. Entweder der Nerv wird durch Zuführung von 96%igem Alkohol (Ethanol) abgetötet, mittels Laser durchtrennt, mit einer Thermosonde auf 75°C erhitzt oder mit einer Crysonde bei minus 60°C denerviert. Das zerstörte (verödete) Nerventeil ist dabei etwa so groß wie ein Fingernagel. Die Prozedur wird an mindestens sechs Wirbelgelenken wiederholt. Der gesamte Eingriff wird durch wiederholte Computertomogramm- bzw. Rückenschmerzen können sehr vielfältige Ursachen haben. Bevor eine Nervenverödung zur Schmerzausschaltung durchgeführt wird, muss sichergestellt werden, dass der Schmerz tatsächlich durch die Wirbelgelenke verursacht wird. Dies kann z.B. durch Einbringung eines örtlichen Betäubungsmittels (Lokalanästhetikums) an die entsprechenden Nerven erfolgen. Nach ein bis zwei Jahren erholen sich die verödeten Schmerznerven wieder und die Nervenenden wachsen erneut zusammen. Nicht für den Eingriff geeignet sind Patienten mit sogenannten unspezifischen Rückenschmerzen, bei denen das Problem nicht eindeutig den Wirbelgelenken zugeordnet werden kann. Die Schmerznervverödung ist ein sehr komplikationsarmer Eingriff, wobei das Risiko etwa im Bereich von anderen schmerztherapeutischen Injektionen in den Rücken liegt. Nehmen Sie wegen anderer Erkrankungen regelmäßig Medikamente, sollten Sie den Arzt rechtzeitig vorher darüber informieren, da einige Medikamente wie z.B. Auch bei der ambulanten Schmerznervverödung bleiben Sie nach dem Eingriff noch für einige Zeit unter Beobachtung - so lange bis Sie aufstehen können und sich fitt für den Heimweg fühlen. Sie sollten am Tag des Eingriffs nicht selbst Auto fahren und sich auch nicht alleine mit öffentlichen Verkehrsmitteln auf den Weg machen. Die Schmerzlinderung verspüren Sie in der Regel schon kurz nach dem Eingriff. Noch am Tag des Eingriffs, wird Ihr Arzt Ihnen mitteilen, wann Sie zur nächsten Kontrolluntersuchung wiederkommen sollten. Bekommen Sie zu Hause Fieber, starke Schmerzen, Lähmungserscheinungen oder stellen Sie an der Einstichstelle Rötungen und andere Entzündungszeichen fest, sollten Sie umgehend mit dem Arzt Kontakt aufnehmen.

Diagnose von Nervenschädigungen

Die Ursache der Lähmungen herauszufinden, kann sehr schwierig sein. Deswegen ist es bei auftretenden Symptomen wichtig, baldmöglichst einen Arzt aufzusuchen.

Besteht durch die Symptomatik der Verdacht auf das Guillain-Barré-Syndrom, wird zur Diagnostik zunächst eine Anamnese erhoben und eine körperliche Untersuchung durchgeführt. Bemerkt die Ärztin oder der Arzt abgeschwächte oder fehlende Reflexe, erhärtet sich der Verdacht auf das GBS. Die Flüssigkeit des Gehirns und Rückenmarks im Wirbelkanal nennt sich Liquor und wird im Rahmen einer Lumbalpunktion entnommen und im Labor untersucht. Eine weitere Möglichkeit zur Diagnostik des Guillain-Barré-Syndroms ist die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit. Bei einer Blutuntersuchung können die Autoantikörper unter Umständen nachgewiesen werden. Zudem lassen sich andere Erkrankungen ausschließen, die ähnliche Symptome aufweisen.

Bei unklarer Ätiologie der neurologischen Störung ist ein interdisziplinäres Konsil mit einem Neurologen und gegebenenfalls einem Neurochirurgen zu empfehlen.

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Die Ultraschalldiagnostik dient zur Detektion von komprimierenden Hämatomen und zur direkten Beurteilung des Nervens. Mittels Magnetresonanztomografie (MRT) lassen sich auch raumfordernde Prozesse wie Hämatome und Pseudotumore detektieren. Im Verlauf lässt die MRT Rückschlüsse auf das Ausmaß der Nervenschädigung durch die Denervierungszeichen der Muskulatur zu.

Behandlung von Lähmungen

Eine einheitliche Therapieform gibt es bei Lähmungen nicht. Da die Gründe der Bewegungseinschränkung unterschiedlich sind, muss die Behandlung immer individuell auf den Patienten abgestimmt werden. Ist zum Beispiel eine Infektion der Auslöser der Lähmungserscheinungen, wird der verursachende Erreger bekämpft. Die Lähmungen gehen dann, in den meisten Fällen, wieder zurück. Auch Tumoren, die Nerven abdrücken und Bewegungseinschränkungen hervorrufen, sind möglich. Hier führt die Entfernung des Tumors zu einer Besserung der Symptome. Eine Unterstützung durch Physiotherapie ist in allen Fällen sinnvoll. Dadurch soll die Mobilität verbessert und der Abbau der Muskulatur verhindert werden. Welche Methode beim Patienten am sinnvollsten ist, wird in Zusammenarbeit mit dem behandelnden Arzt und den Physiotherapeuten festgelegt.

Bei Verdacht auf eine scharfe Durchtrennung eines Nervens muss die Primärnaht (evtl. durch Hinzuziehung eines Neurochirurgen) innerhalb von 24 Stunden angestrebt werden. Neuropathische Schmerzen sollten zusätzlich zu den postoperativen Schmerzschemata mittels Antidepressiva (z. B. Amitriptylin) und/oder Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmeinhibitoren (z. B. Gabapentin) behandelt werden. Bei einer frustranen konservativen Therapie von 6-12 Wochen sollte eine Neurolyse diskutiert werden.

In schweren Fällen und zur Unterstützung der Heilung können beim Guillain-Barré-Syndrom Medikamente wie Immunglobuline verabreicht oder ein Plasmaaustausch mit mehr Lymphozyten durchgeführt werden. Da sich die Anzeichen und Beschwerden des Guillain-Barré-Syndroms schnell verschlimmern können und es in manchen Fällen lebensbedrohlich werden kann, sollten Betroffene umgehend eine Fachärztin bzw.

Behandlung der Spastik mit Botulinumtoxin

Unter einer Spastik versteht man die erhöhte Eigenspannung der Skelettmuskulatur infolge einer Schädigung des Gehirns oder des Rückenmarks. So vielfältig die Ursachen einer Spastik, so unterschiedlich sind die Auswirkungen. Sie reichen von minimalen Einschränkungen im Bewegungsablauf und der Feinkoordination bis hin zur Schwerbehinderung. Neben den akuten Beschwerden sind vor allem die langfristigen Folgeschäden, die durch die Spastik verursacht werden, zu beachten. Außerdem kann es zu einer seitlichen Krümmung der Wirbelsäule (Skoliose) kommen, die - bei starker Ausprägung - eine Fehlfunktion der Lunge verursachen kann. Da es sich um eine Schädigung des zentralen Nervensystems handelt, ist eine spastische Lähmung bis heute nicht heilbar. Daher zielt die Behandlung vor allem darauf, Beschwerden zu lindern, Folgeschäden zu reduzieren und die Bewegungsfähigkeit bestmöglich zu erhalten. Insbesonders bei stark ausgeprägter Spastizität werden zusätzlich zur Physiotherapie Medikamente eingesetzt, die die Muskelspannung senken und schmerzhafte Krampfzustände reduzieren sollen. Anders als Medikamente wirkt eine Botulinumtoxintherapie gezielt am Muskel. Botulinumtoxin A, oft kurz als „Botox“ bezeichnet, ist eines der stärksten Nervengifte der Welt - schon ein zehnmillionstel Gramm wirkt tödlich. Mit der Menge eines Salzkorns könnte man eine Stadt der Größe Nürnbergs vernichten. Dieses drastische Bild zeigt, welch ungeheure Wirkung Botox hat. Wird Botox in den Muskel gespritzt, verhindert es die Signalübertragung von Nerven auf den Muskel. Die Ausschüttung des Botenstoffs Acetylcholin wird gehemmt. Es kommt zu einer vorübergehenden Denervierung - der Muskel wird geschwächt. die Spastik der Hand bzw. Nachdem der betroffene Muskel durch eine genaue Untersuchung identifiziert wurde, legt der Arzt oder die Ärztin die Menge des zu injizierenden Botulinumtoxins fest. Diese ist unter anderem vom Gewicht der Patienten abhängig. Insbesondere wenn die Behandlung über einen längeren Zeitraum fortgesetzt werden soll, müssen ärztliche Fachleute abwägen, ob eine höhere Dosis verabreicht wird und dadurch möglicherweise eine schnellere Bildung von Resistenzen in Kauf nehmen. Trotz der enormen Giftigkeit schwächt Botox den Muskel nicht sofort. Die Wirkung tritt erst nach zwei bis zehn Tagen ein. Nach etwa 14 Tagen hat der Wirkstoff sein Wirkungsmaximum erreicht. Die Wirkungsdauer beträgt drei bis sechs Monate. Daher sollte die Injektion unter sonographischer Kontrolle (Ultraschall) vorgenommen werden. Obwohl mit Botulinumtoxin schon gute Ergebnisse bei der Behandlung der Spastik erzielt werden konnten, sehen Experten realistische und messbare Therapieziele als Voraussetzung für eine Behandlung. Wer eine Behandlung mit Botulinumtoxin in Erwägung zieht, sollte sich vorab genau informieren. Durch die enge Kooperation von Orthopäden und Neurologen wird die Vielschichtigkeit der Spastik bestmöglich berücksichtigt.

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