Kopfschmerzen und Migräne sind weit verbreitete Beschwerden, die das Leben vieler Menschen stark beeinträchtigen können. Während Schmerzmittel oft schnelle Linderung versprechen, suchen viele nach natürlichen Alternativen, um die Beschwerden ohne Nebenwirkungen zu lindern. Eine bewährte Methode ist die Akupressur. Diese traditionelle Technik der chinesischen Medizin kann gezielt eingesetzt werden, um Kopfschmerzen und Migräne auf natürliche Weise zu behandeln. Die Akupressurmatte, inspiriert von der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), erfreut sich wachsender Beliebtheit als eine solche natürliche Alternative. Dieser Artikel beleuchtet die Studienlage, die Wirkungsweise und die korrekte Anwendung von Akupressurmatten zur Linderung von Migräne.
Was ist Akupressur?
Akupressur ist eine Therapieform der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), die ähnlich wie Akupunktur funktioniert, jedoch ohne Nadeln auskommt. Stattdessen werden bestimmte Punkte auf den Meridianen des Körpers, den Energiebahnen, mit Druck stimuliert. Diese Stimulation soll den Energiefluss (Qi) im Körper ausbalancieren und so verschiedene Beschwerden lindern. Akupressur kann z.B. Spannungen abbauen: Viele Kopfschmerzen werden durch Verspannungen in den Muskeln, insbesondere im Nacken und den Schultern, ausgelöst. Den Energiefluss reguliert: Nach der Theorie der TCM entstehen Kopfschmerzen oft durch einen blockierten oder unregelmäßigen Energiefluss im Körper.
Die Akupressurmatte: Eine moderne Interpretation
Akupressurmatten sind Schaumstoffmatten mit spitzen Kunststoffnadeln, die an das Bett eines Fakirs erinnern. Ihre Wirkung erzielen die Matten durch den Druck, welchen die Kunststoffspitzen auf deinen Rücken oder Nacken ausüben. Die Durchblutung wird angeregt, der Körper produziert mehr Eigenwärme, die Muskeln werden besser mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Die Faszien entspannen sich und durch Aktivierung der Schmerzrezeptoren auf und unter der Haut werden Botenstoffe freigesetzt, die schmerzlindernd wirken.
Studienlage zur Akupressur bei Migräne
Mehrere Studien haben die Wirksamkeit von Akupressur bei der Behandlung von Kopfschmerzen und Migräne untersucht. Eine Studie aus dem Jahr 2010 zeigte, dass Akupressur die Häufigkeit und Intensität von Migräneanfällen signifikant reduzieren kann.
Der IGeL-Monitor, der Nutzen und Schaden von Gesundheitsleistungen bewertet, kommt zu dem Schluss, dass Akupunktur zur Migräneprophylaxe "tendenziell positiv" zu bewerten ist. Die Analyse internationaler Forschungsergebnisse zeigt, dass Akupunktur im Vergleich zu Medikamenten gleichwertige Ergebnisse erzielt, aber weniger Nebenwirkungen hat. Im Vergleich zu keiner vorbeugenden Behandlung schneidet sie besser ab.
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Es gilt als wissenschaftlich gesichert, dass Akupunktur einen Nutzen in der Prophylaxe der episodischen Migräne bringt. Dieser Erfolg stellt sich auch dann ein, wenn Migräne-Patienten gar nicht mit der traditionellen chinesischen Akupunktur behandelt werden, sondern mit einer Scheinakupunktur. Ob die Akupunktur auch bei chronischer Migräne hilft, ist wissenschaftlich noch nicht ausreichend untersucht. Auch gibt es Hinweise darauf, dass die Akupunktur nur Menschen hilft, die ihr grundsätzlich positiv gegenüberstehen.
Eine Studie der Berolina Klinik in Löhne ergab, dass Akupressur bei Migräne der lästigen Übelkeit entgegenwirken kann. Die 41 Teilnehmer litten innerhalb von drei Monaten im Mittel 33 Tage unter Migräne, die Intensität der begleitenden Übelkeit beurteilten sie mit 6,2 von 10 möglichen Punkten. Die Übelkeit ging damit bei 83 % der Patienten zurück.
Akupunktur als Kassenleistung
Seit 2007 ist die klassische Körperakupunktur mit Nadeln in zwei Fällen Kassenleistung: bei chronischen Rückenschmerzen der Lendenwirbelsäule und bei chronischen Schmerzen aufgrund einer Kniegelenksarthrose, die jeweils mindestens sechs Monate bestehen. Zur Vorbeugung von Migräne ist Akupunktur eine individuelle Gesundheitsleistung.
Wie funktioniert Akupressur bei Migräne?
Akupressur basiert auf dem Prinzip der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), die davon ausgeht, dass der Körper von Energiebahnen, den sogenannten Meridianen, durchzogen ist. Auf diesen Meridianen liegen Akupunkturpunkte, die durch Druck stimuliert werden können, um den Energiefluss (Qi) zu regulieren und Blockaden zu lösen.
Migräne und Kopfschmerzen können durch eine Vielzahl von Faktoren verursacht werden, darunter Stress, Muskelverspannungen, hormonelle Veränderungen, schlechte Durchblutung und ungesunde Ernährungsgewohnheiten. Akupressur kann helfen, diese Faktoren zu beeinflussen:
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- Spannungen abbauen: Viele Kopfschmerzen werden durch Verspannungen in den Muskeln, insbesondere im Nacken und den Schultern, ausgelöst. Akupressur kann helfen, diese Verspannungen zu lösen und die Muskulatur zu entspannen.
- Den Energiefluss regulieren: Nach der Theorie der TCM entstehen Kopfschmerzen oft durch einen blockierten oder unregelmäßigen Energiefluss im Körper. Akupressur soll helfen, diesen Energiefluss zu harmonisieren und Blockaden zu lösen.
- Schmerzlinderung: Durch die Stimulation bestimmter Akupunkturpunkte können schmerzlindernde Botenstoffe freigesetzt werden, die die Schmerzen reduzieren.
Wichtige Akupressurpunkte bei Kopfschmerzen und Migräne
Es gibt verschiedene Akupressurpunkte, die bei Kopfschmerzen und Migräne wirksam sein können. Hier sind einige der wichtigsten Punkte:
- He Gu (Dickdarm 4): Dieser Punkt liegt auf dem Handrücken zwischen Daumen und Zeigefinger. Um ihn zu finden, drücke den Daumen und den Zeigefinger zusammen, sodass sich ein Muskelwulst bildet. He Gu ist einer der am häufigsten genutzten Akupressurpunkte und besonders wirksam bei der Linderung von Spannungskopfschmerzen und Migräne.
- Taiyang (Extrapunkt): Dieser Punkt liegt an den Schläfen, etwa einen Daumen breit hinter dem äußeren Augenwinkel. Taiyang ist ein besonders hilfreicher Akupressurpunkt bei Kopfschmerzen, die durch Stress, Augenbelastung oder Migräne verursacht werden.
- Yintang (Extrapunkt): Dieser Punkt liegt zwischen den Augenbrauen, in der Mitte der Stirn. Yintang ist bekannt für seine beruhigende Wirkung und kann bei Kopfschmerzen und Migräne helfen, die durch Stress und Nervosität ausgelöst werden.
- Zu San Li (Magen 36): Dieser Punkt liegt etwa vier Fingerbreit unterhalb der Kniescheibe, an der Außenseite des Schienbeins. Zu San Li ist ein kraftvoller Akupressurpunkt bei Kopfschmerzen, der den Energiefluss im ganzen Körper unterstützt und das Immunsystem stärkt.
- GB20 (Gallenblase 20): Diese Punkte liegen an der Schädelbasis, in den Vertiefungen beidseitig der Wirbelsäule. GB20 ist besonders effektiv bei der Behandlung von Kopfschmerzen, die durch Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich verursacht werden.
Anwendung der Akupressurmatte
Für die Anwendung einer Akupressurmatte im Bezug auf Migräne, können Sie folgende Schritte beachten:
- Vorbereitung: Suche dir einen ruhigen Ort, an dem du dich entspannen kannst. Lege die Akupressurmatte auf eine ebene Fläche, z.B. auf den Boden oder auf dein Bett.
- Positionierung: Lege dich vorsichtig auf die Matte, sodass dein Rücken und Nacken auf den Kunststoffspitzen liegen. Wenn du empfindlich bist, kannst du anfangs ein dünnes T-Shirt tragen oder ein Handtuch über die Matte legen.
- Entspannung: Atme tief ein und aus und versuche, dich zu entspannen. Die ersten Minuten können etwas unangenehm sein, aber mit der Zeit gewöhnst du dich an den Druck.
- Dauer: Bleibe für 10-30 Minuten auf der Matte liegen. Du kannst die Anwendung täglich oder mehrmals pro Woche wiederholen.
- Variationen: Du kannst die Akupressurmatte auch für andere Körperbereiche verwenden, z.B. für die Beine, Füße oder den Bauch.
Zusätzliche Tipps für die Anwendung von Akupressur
- Ruhe und Entspannung: Führe die Akupressur bei Kopfschmerzen in einer ruhigen Umgebung durch, in der du dich entspannen kannst.
- Sanfter Druck: Beginne mit leichtem Druck und erhöhe ihn schrittweise, bis du ein angenehmes Gefühl verspürst.
- Regelmäßigkeit: Für beste Ergebnisse wende die Akupressur regelmäßig an.
- Atmung: Atme während der Akupressur langsam und tief.
Alternativen zur Akupressurmatte
Wer Akupressurmatten nicht mag, kann unter einer großen Auswahl anderer Hilfsmittel für die heimische Akupressur wählen. Der Igelball eignet sich gut zur Behandlung der Füße, um Gefühlsstörungen in den Füßen zu verhindern oder zu lindern. Der Nadel-Roller ist gut geeignet für die Massage der Beine, zum Beispiel beim Restless-Legs-Syndrom, oder zur gezielten Narbenbehandlung nach Operationen - aber erst, nachdem die Wunde gut verheilt ist.
Wann sollte man auf Akupressur verzichten?
Obwohl Akupressur eine sanfte und sichere Therapieform ist, gibt es einige Personengruppen, für die die traditionelle Heilkunst eher ungeeignet ist:
- Schwangere: Einige Akupressur-Punkte können Wehen auslösen und sollten während der Schwangerschaft vermieden werden.
- Menschen mit bestimmten gesundheitlichen Problemen: Leiden Sie zum Beispiel an einer schweren Herz-Kreislauf-Erkrankung, sprechen Sie vor der Anwendung mit Ihrem behandelten Arzt.
- Personen mit Hautproblemen: Bei offenen Wunden, Hautinfektionen oder entzündlichen Hauterkrankungen sollte eine Akupressur an den betroffenen Bereichen vermieden werden.
- Epileptiker:
- Menschen mit Blutgerinnungsstörungen:
Außerdem sollten folgende Personengruppen Akupressur nur nach ärztlicher Rücksprache anwenden:
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- Schmerzbetroffene mit akuten Organ-, Knochen- oder Muskelschäden (zum Beispiel Entzündungen oder Brüchen)
- Personen mit schweren psychischen Erkrankungen oder Psychosen
- Personen, die starke Medikamente erhalten
Akupunktur als Alternative
Die Akupunktur ist ein Teil der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Bei der Akupunktur werden kleine Nadeln in sogenannte Akupunkturpunkte gesetzt. Keine Sorge, mehr als einen leichten Piks wie eine Feder aus einem Kissen merkst du nicht. Die Akupunkturpunkte sind in deinem Körper mit Meridianen verbunden. Das sind laut TCM Leitbahnen, die durch deinen Körper laufen. Durch sie fließt laut der traditionell chinesischen Medizin die Lebensenergie, die auch Qi genannt wird. Bei der Akupunktur werden die Meridiane stimuliert und Blockaden gelöst.
Die wissenschaftliche Forschung zur Akupunktur ist umstritten und es gibt geteilte Meinungen darüber, wie gut sie funktioniert. Einige Studien deuten darauf hin, dass Akupunktur bei der Behandlung bestimmter Erkrankungen und Symptome wirksam sein kann.
Laut europäischen Studien wirkt Akupunktur aber bei circa 50 Prozent der betroffenen Patientinnen und Patienten. Die Experten des IGeL-Monitors bewerten die Behandlung zur Prophylaxe von Migräne-Attacken durch Akupunktur als tendenziell positiv. Allerdings zeigen Studien auch, dass es sich bei Akupunktur eventuell um einen Placebo-Effekt handelt. Bei diesen Studien wurden Behandlungen an unwirksamen Punkten statt Akupunkturpunkten durchgeführt. Und die Patientinnen und Patienten berichteten dennoch von einem lindernden Effekt. Ganz gleich, ob Placebo oder Einfluss auf die Energieströme: Studien haben gezeigt, dass Akupunktur im Vergleich zu bewährten medikamentösen Behandlungen eine ähnliche Linderung von Migräneschmerzen bietet.
Weitere Behandlungsansätze bei Migräne
Neben Akupressur und Akupunktur gibt es weitere nicht-medikamentöse und medikamentöse Behandlungsansätze bei Migräne:
- Entspannungstechniken: Progressive Muskelentspannung, autogenes Training, Yoga oder Meditation können helfen, Stress abzubauen und die Entspannung zu fördern.
- Biofeedback: Biofeedback ist eine Methode, bei der man lernt, Körperfunktionen wie Herzfrequenz, Muskelspannung oder Hauttemperatur bewusst zu beeinflussen. Dies kann helfen, Migräneanfälle zu reduzieren.
- Verhaltenstherapie: Eine Verhaltenstherapie kann helfen, ungünstige Verhaltensmuster zu erkennen und zu verändern, die Migräneanfälle auslösen oder verstärken können.
- Ausdauersport: Regelmäßiger Ausdauersport kann helfen, Stress abzubauen, die Durchblutung zu verbessern und das allgemeine Wohlbefinden zu steigern.
- Medikamentöse Prophylaxe: Bei häufigen oder schweren Migräneanfällen können vorbeugende Medikamente eingenommen werden, um die Häufigkeit und Intensität der Anfälle zu reduzieren.
- Akuttherapie: Während einer Migräneattacke können Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Triptane eingenommen werden, um die Schmerzen zu lindern.
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