Yamamoto Schädelakupunktur bei Parkinson: Eine umfassende Betrachtung

Einführung

Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die vor allem motorische Fähigkeiten beeinträchtigt. Neben konventionellen Behandlungsmethoden rücken komplementäre Therapieansätze wie die Akupunktur immer mehr in den Fokus. Eine spezielle Form der Akupunktur, die Schädelakupunktur nach Yamamoto (YNSA), wird zunehmend als vielversprechende Option zur Linderung von Parkinson-Symptomen diskutiert. Dieser Artikel beleuchtet die Grundlagen, Anwendung und potenziellen Vorteile der Yamamoto Schädelakupunktur bei der Behandlung von Parkinson.

Grundlagen der Yamamoto Schädelakupunktur (YNSA)

Die Yamamoto Neue Schädelakupunktur (YNSA) ist eine in den 1970er Jahren von dem japanischen Arzt Dr. Toshikatsu Yamamoto entwickelte Akupunkturform. Sie unterscheidet sich von der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) und anderen Akupunkturmethoden durch ihren Ansatz und die Lokalisation der Akupunkturpunkte.

Das Konzept der Somatotope

Die YNSA basiert auf der Vorstellung, dass sich auf dem Schädel des Menschen Somatotope befinden, also Repräsentationen des gesamten Körpers. Durch die Stimulation bestimmter Punkte auf dem Schädel sollen gezielt Organe und Körperregionen beeinflusst werden können. Dr. Yamamoto entdeckte spezielle Punkte auf der Stirn, die auf bestimmte Organe und Beschwerden hinweisen. Zwischenzeitlich hat Dr. Yamamoto weitere Somatotope entdeckt. Die Punkte verschiedener Somatotope ergänzen und verstärken sich gegenseitig.

Diagnostik und Therapie

Vor der Behandlung führt der Therapeut eine ausführliche Anamnese durch, um die Krankheitsgeschichte und den aktuellen Zustand des Patienten zu erfassen. Ein wichtiger Bestandteil der YNSA ist die von Dr. Yamamoto entwickelte Hals- oder Bauchdiagnostik. Durch Palpation (Abtasten) bestimmter Zonen am Hals bzw. der Bauchdecke erhält der Therapeut Hinweise auf gestörte Areale im Körper. Bestimmte Areale auf Schläfen und Schädeldecke werden im Tastbefund erst spürbar, wenn sich Störungen und Blockaden im Organismus bereits manifestiert haben. Hals- und Bauchdecken eignen sich somit sowohl zu diagnostischen Zwecken, als auch zur sofortigen Therapiekontrolle.

Die entsprechenden Korrespondenzpunkte am Schädel werden aufgesucht. Sind diese Punkte druckschmerzhaft oder fühlt sich das Gewebe verquollen an, werden dort feine Nadeln platziert. Gewebeverquellungen, die man mit dem Finger tasten kann, und nur in diese Verquellungen, wenn die bei diesem Patienten zu diesem Zeitpunkt tastbar sind, wird die Nadel ganz wenig nur einen Millimeter eingestochen. Die Nadeln verbleiben für eine bestimmte Zeit in der Haut, meist zwischen 5 und 20 Minuten. Die Nadelverweildauer beträgt 5 bis 20 Minuten, jeweils solange, wie es für die Durchführung der topometrischen Kontrolle erforderlich ist. Über die Faktoren, die Zahl der Nadeln und die Verweildauer der Nadeln in der Haut, lässt sich letztlich die Stärke der Behandlung regeln.

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Alle Patienten werden mit sterilen Einmalstahlnadeln (z.B. 0,25 x 25 mm) behandelt. Eine Behandlung kann täglich, 2x in der Woche oder regelmäßig z.B. einmal im Monat stattfinden.

Y-Punkte und Innere Erkrankungen

Innere Erkrankungen werden vornehmlich durch Nadelakupunktur der sog. Y-Punkte in der Schläfenregion behandelt. Welche Y-Punkte zur Anwendung kommen, entscheidet der Therapeut nach Palpation diagnostischer Zonen am Hals bzw. der Bauchdecke.

Zeise-Süss (ZS)-Punkt

Vor zehn Jahren hat die deutsche Ärztin dabei eine neue Stelle entdeckt, die seither ihren Namen trägt. Beim Zeise-Süss oder kurz ZS-Punkt ging es zunächst gar nicht um Parkinson, sondern darum, Hormonstörungen bei Frauen nach der Schwangerschaft zu behandeln. In einer Studie konnte Zeise-Süss nachweisen, dass die Methode hilft, das weibliche Hormon Prolactin zu senken. Hier kam Parkinson ins Spiel: Denn das bedeutete, dass die Akupunktur des ZS-Punkts die gleiche Wirkung hat, wie das Medikament Bromocriptin. Mit Erfolg. Im Ergebnis ging es den Patienten nach der Akupunktur deutlich besser und der Prolactinspiegel sank sogar etwas weiter als bei medikamentöser Behandlung, berichtet die Ärztin.

Anwendung der YNSA bei Parkinson

Die YNSA wird bei Parkinson vor allem zur Linderung von motorischen und nicht-motorischen Symptomen eingesetzt. Durch die Stimulation bestimmter Punkte am Schädel sollen folgende Effekte erzielt werden:

  • Verbesserung der Motorik: Reduktion von Tremor (Zittern), Rigor (Muskelsteifheit) und Bradykinese (verlangsamte Bewegungen)
  • Linderung von Schmerzen: Parkinson-Patienten leiden häufig unter Schmerzen, die durch Muskelverspannungen oder Nervenschädigungen verursacht werden.
  • Beeinflussung der Neurotransmitter: Im Gehirn gibt es eine Zone, durch deren Akupunktur die Hormone im Gehirn beeinflusst werden können, die sogenannten Neurotransmitter. Der wichtigste dieser Botenstoffe bei Morbus Parkinson ist das Dopamin.
  • Verbesserung des Allgemeinbefindens: Steigerung der Lebensqualität durch Reduktion von Müdigkeit, Schlafstörungen und Depressionen.

Ablauf einer YNSA-Behandlung bei Parkinson

  1. Anamnese: Bei der ersten Behandlung wird eine gründliche schulmedizinische und komplementärmedizinische Anamnese durchgeführt und der Medikamentenplan angeschaut. Im Vorfeld der Akupunkturbehandlung erfolgt eine eingehende Anamnese zur Abklärung der bestehenden Beschwerden, vorliegender Erkrankungen sowie des allgemeinen Gesundheitszustandes. Über die Anamnese des Patienten (Krankheitsgeschichte) sowie der von Dr. Yamamoto entwickelten Hals- oder Bauchdiagnostik erhält der Therapeut Hinweise, welche Areale gestört sein können. Diese Areale haben Korrepsondenzpunkte bzw.
  2. Palpation: Dann wird der Kopf auf die genannten Verquellungen abgetastet. Sind sie beim Tasten durch den Therapeuten druckschmerzhaft oder spürt er das Gewebe verquollen, wird an diesen Stellen mit feinen Nadeln akupunktiert.
  3. Nadelung: Der Therapeut sticht wenige, d. h. zwischen zehn und zwanzig Nadeln werden meist je nach körperlicher und seelischer Verfassung des Patienten gesetzt. Sie verbleiben zehn bis dreißig Minuten in der Haut. Die Nadeln - bei der ersten Behandlung maximal fünf - werden platziert.
  4. Ruhephase: Der Patient ruht bequem mit den Nadeln für 25 Minuten in ruhiger entspannter Atmosphäre. Mit dem Ziel einer größtmöglichen Entspannung während der Behandlung findet diese dann im Liegen statt.

Häufigkeit und Dauer der Behandlung

Eine Akupunkturbehandlung dauert zwischen 30 und 60 Minuten, wobei eine Reihe von Sitzungen stattfindet. Im Anschluss an die Anamnese wählt der Akupunkteur die Punkte aus und entscheidet, wie oft die Therapie durchgeführt werden soll - meist ein bis zwei Serien von je zehn bis zwölf Behandlungen in jeweils ein bis zwei Sitzungen wöchentlich.

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Wissenschaftliche Evidenz und Studienlage

Die wissenschaftliche Evidenz für die Wirksamkeit der YNSA bei Parkinson ist begrenzt, aber vielversprechend. In mehreren Studien u.a. der Universität Bonn konnte die Wirksamkeit der YNSA belegt werden. Einige Statistiken beziehen sich auf Patienten, die zur Schmerzlinderung und bei Hemiplegie mit YNSA-Basispunkten behandelt wurden.

Fallstudien und Beobachtungen

Es gibt zahlreiche Fallstudien und Beobachtungen, die positive Effekte der YNSA bei Parkinson-Patienten zeigen. So wird berichtet, dass sich durch die Behandlung die motorischen Fähigkeiten verbessern, Schmerzen reduziert werden und das allgemeine Wohlbefinden gesteigert wird.

Kontrollierte Studien

Kontrollierte Studien zur YNSA bei Parkinson sind rar. Einige Studien deuten darauf hin, dass die YNSA in Kombination mit konventionellen Therapien zu einer signifikanten Verbesserung der Symptome führen kann. Allerdings sind weitere, groß angelegte Studien erforderlich, um die Wirksamkeit der YNSA bei Parkinson abschließend zu beurteilen.

Mögliche Wirkmechanismen

Die genauen Wirkmechanismen der YNSA sind noch nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch verschiedene Theorien, die mögliche Erklärungen liefern:

  • Neuromodulation: Die Stimulation von Akupunkturpunkten am Schädel könnte die Aktivität bestimmter Hirnregionen beeinflussen und so die Neurotransmitter-Balance verbessern.
  • Schmerzlinderung: Die YNSA könnte die Freisetzung von Endorphinen und anderen schmerzlindernden Substanzen im Körper fördern.
  • Verbesserung der Durchblutung: Durch die Nadelung könnten die Durchblutung und der Stoffwechsel im Gehirn angeregt werden.
  • Einfluss auf das vegetative Nervensystem: Eine Nadelung reguliert ebenso die Muskelspannung, nimmt Einfluss auf das Immun- und das vegetative Nervensystem sowie die Hormonkreisläufe, fördert die Durchblutung und wirkt ausgleichend auf die Psyche.

Sicherheit und Nebenwirkungen

Die Schädelakupunktur nach Yamamoto hat keine Nebenwirkungen. Prinzipiell ist das Nadeln in jedem Alter möglich. Die YNSA gilt als sichere Behandlungsmethode, wenn sie von einem qualifizierten Therapeuten durchgeführt wird. Es werden sterile Einmalnadeln verwendet, um Infektionen zu vermeiden. In seltenen Fällen kann es zu leichten Blutungen oder Hämatomen an den Einstichstellen kommen.

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Kosten und Verfügbarkeit

Die Kosten müssen privat abgerechnet werden. Inwieweit eine Krankenkasse die Kosten trägt, ist im Vorfeld solch einer Therapie zu klären. Mittlerweile tragen auch viele private Krankenversicherer die Kosten einer Akupunktur-Behandlung. Die YNSA wird von speziell ausgebildeten Therapeuten angeboten. Eine Liste von qualifizierten Therapeuten findet sich meist auf den Webseiten der entsprechenden Fachgesellschaften. Auch die YNSA erfordert eine spezielle Ausbildung.

Ergänzende Behandlungsmethode

Ergänzend zu den im Deutschen Ärzteblatt Nr. 17/1999 dargestellten Therapieleitlinien wird die YNSA als sofortige therapeutische Maßnahme die Prognose des akuten Schlaganfalles entscheidend positiv beeinflussen. Durch die Schädelakupunktur werden sensomotorische Defizite behandelt und alle übrigen konventionellen Maßnahmen in ihrer Wirkung verstärkt und unterstützt.

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