Akupunktur bei Migräne: Linderung und Therapieansätze

Schon beim Aufwachen das Gefühl eines drückenden Kopfes zu haben, das sich im Laufe des Tages zu Schwindel, Übelkeit und Lichtempfindlichkeit steigert - viele Menschen kennen diese Symptome von Migräneattacken. Allein in Deutschland leiden rund 18 Millionen Menschen darunter. Wenn Sie zu diesen Betroffenen gehören und nach einer geeigneten Behandlung suchen, wird häufig die Akupunktur empfohlen. Doch hilft Akupunktur wirklich gegen Migräne? Und welche Kosten sind damit verbunden?

Was ist Akupunktur?

Die Akupunktur ist ein Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Dabei werden feine Nadeln in spezifische Akupunkturpunkte gesetzt. Diese Punkte stehen laut TCM über Meridiane in Verbindung, welche als Leitbahnen die Lebensenergie, das sogenannte Qi, durch den Körper leiten. Durch die Stimulation der Meridiane sollen Blockaden gelöst werden.

Die wissenschaftliche Forschung zur Akupunktur ist umstritten, und es gibt unterschiedliche Meinungen bezüglich ihrer Wirksamkeit. Einige Studien deuten darauf hin, dass Akupunktur bei der Behandlung bestimmter Erkrankungen und Symptome wirksam sein kann.

Akupunktur bei Migräne: Eine Übersicht

Migräne ist bis heute nicht heilbar. Europäische Studien zeigen jedoch, dass Akupunktur bei etwa 50 Prozent der betroffenen Patientinnen und Patienten eine Wirkung zeigt. Der IGeL-Monitor bewertet die Akupunktur zur Prophylaxe von Migräneattacken als tendenziell positiv. Es gibt aber auch Studien, die einen Placebo-Effekt nahelegen, da Patientinnen und Patienten auch bei Behandlungen an unwirksamen Punkten von einer Linderung berichteten. Unabhängig davon, ob es sich um einen Placebo-Effekt handelt oder ob die Akupunktur tatsächlich die Energieströme beeinflusst, haben Studien gezeigt, dass sie im Vergleich zu bewährten medikamentösen Behandlungen eine ähnliche Linderung von Migräneschmerzen bieten kann.

Akupunktur als ergänzende Therapie

Akupunktur kann oft als ergänzende Therapie zu anderen Migränebehandlungen wie Medikamenten eingesetzt werden. Viele Betroffene kämpfen mit eingeschränkter Bewegungsfreiheit, Schlafstörungen und depressiver Stimmung. Akupunktur kann hier einen Ausweg bieten und sich positiv auf Psyche und Körper auswirken.

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Akupunkturpunkte bei Migräne

Die Auswahl der Akupunkturpunkte bei Migräne ist individuell und hängt von der genauen Diagnose des Therapeuten ab. Er prüft, an welchen Energiebahnen Blockaden erkennbar sind, und setzt die Nadeln entsprechend. Häufig sind die Gallen- oder Leberleitbahnen betroffen. Die Akupunkturpunkte treten symmetrisch auf beiden Körperseiten auf.

In der TCM gibt es Funktionskreise, die verschiedenen Organen zugeordnet sind und den Körper durchziehen. Die Stimulation durch die Nadeln soll den Körper in einen harmonischen Zustand versetzen und das innere Gleichgewicht von Ying und Yang wiederherstellen. Gestaute Energie wird wieder ins Fließen gebracht, was Überschüsse und Mängel ausgleicht.

Akupressur als Alternative

Bevor Sie zu Schmerzmitteln greifen, sollten Sie Akupressur ausprobieren. Akupressur ist eine traditionelle chinesische Heilmethode, die seit Jahrtausenden angewendet wird. Sie basiert auf dem Prinzip, dass bestimmte Punkte auf dem Körper, wenn sie mit Druck stimuliert werden, den Energiefluss (Qi) beeinflussen und so Schmerzen und Beschwerden lindern können. Akupressur kann helfen, den Energiefluss im Körper zu harmonisieren und Blockaden zu lösen. Dies geschieht durch die Stimulation von Akupunkturpunkten entlang der Meridiane, die energetische Bahnen im Körper darstellen.

Wie Akupressur bei Kopfschmerzen wirkt

Kopfschmerzen entstehen häufig durch Verspannungen, Stress oder eine schlechte Durchblutung. Akupressur kann durch das Drücken spezifischer Punkte am Körper helfen, diese Spannung zu lösen und die Durchblutung zu verbessern. Bei Spannungskopfschmerzen beispielsweise, die oft durch muskuläre Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich verursacht werden, kann Akupressur gezielt diese verspannten Muskeln entspannen und den Schmerz lindern.

Wichtige Akupressurpunkte

  • LI4 (He Gu): Dieser Punkt befindet sich zwischen Daumen und Zeigefinger. Drücke ihn mit festem, kreisendem Druck für etwa 30 Sekunden. Wiederhole dies auf der anderen Hand.
  • GB20 (Feng Chi): Dieser Punkt liegt an der Basis des Schädels, in den Vertiefungen beidseits der Wirbelsäule. Übe Druck mit den Daumen aus und massiere sanft in kreisenden Bewegungen für etwa eine Minute.
  • EX-HN5 (Taiyang): Dieser Punkt befindet sich in den Vertiefungen der Schläfen. Massiere sanft mit den Fingerspitzen in kleinen, kreisenden Bewegungen.
  • ST36 (Zusanli): Dieser Punkt liegt etwa vier Fingerbreit unterhalb der Kniescheibe, an der Außenseite des Schienbeins. Drücke und massiere diesen Punkt für etwa eine Minute.
  • LV3 (Tai Chong): Dieser Punkt befindet sich auf dem Fuß, etwa zwei Fingerbreit oberhalb der Stelle, an der der große Zeh und der zweite Zeh zusammenkommen. Drücke und massiere diesen Punkt für etwa eine Minute.

Akupressurmatten als Hilfsmittel

Neben den manuellen Techniken können auch Akupressurmatten hilfreich sein. Akupressurmatten fördern die Entspannung und reduzieren Stress. Sie verbessern die Durchblutung im gesamten Körper und lindern Muskelverspannungen, die Kopfschmerzen verursachen können. Lege dich täglich für 10-20 Minuten auf die Akupressurmatte. Akupressurmatten bieten eine einfache und bequeme Möglichkeit, die Vorteile der Akupressur zu nutzen, ohne dass du spezielle Techniken erlernen musst. Die Matten können helfen, die Durchblutung zu verbessern, Verspannungen zu lösen und das allgemeine Wohlbefinden zu steigern.

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Um die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen, solltest du die Akupressurmatte regelmäßig verwenden. Lege dich für 10-20 Minuten auf die Matte, idealerweise in einer ruhigen Umgebung, in der du dich entspannen kannst. Du kannst die Matte auch auf einen Stuhl legen und dich darauf setzen oder sie um deinen Nacken wickeln, um gezielt Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich zu lösen.

Die OrthoMatte ist ein innovatives Hilfsmittel, das Akupressur und Vibration kombiniert, um die Wirkung zu maximieren. Vibration kann helfen, Muskelverspannungen zu lösen, die häufig Ursache für Kopfschmerzen sind. Durch die Vibration werden die Muskeln leicht stimuliert, was die Durchblutung verbessert und die Spannung in den Muskeln reduziert. Die OrthoMatte bietet eine Vielzahl von Vorteilen für Menschen, die unter Kopfschmerzen leiden. Durch die Kombination von Akupressur und Vibration kann sie helfen, die Durchblutung zu verbessern, Verspannungen zu lösen und den Energiefluss im Körper zu harmonisieren. Um die OrthoMatte optimal zu nutzen, lege dich für 10-20 Minuten darauf und schalte die Vibrationsfunktion ein. Du kannst die Intensität der Vibration an deine Bedürfnisse anpassen. Konzentriere dich auf Bereiche, die besonders verspannt sind, wie den Nacken und die Schultern.

Weitere Tipps zur Linderung von Kopfschmerzen

  • Lebensstiländerungen: Achte auf eine gute Haltung, besonders beim Arbeiten am Computer, und integriere regelmäßige Bewegung und Dehnübungen in deinen Alltag.
  • Ernährung und Hydration: Trinke ausreichend Wasser, um dehydrierungsbedingte Kopfschmerzen zu vermeiden, und vermeide übermäßigen Konsum von Koffein und Alkohol.
  • Entspannungstechniken: Praktiziere regelmäßig Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder Atemübungen.
  • Vermeidung von Auslösern: Identifiziere und vermeide mögliche Auslöser für deine Kopfschmerzen. Dazu können bestimmte Nahrungsmittel, Umwelteinflüsse wie grelles Licht oder laute Geräusche, und Stresssituationen gehören.

Kosten und Dauer der Akupunkturbehandlung

Laut Deutscher Ärzte­gesellschaft für Akupunktur kostet eine Akupunktur-Behandlung je nach Dauer circa 30 bis 70 Euro. Akupunktur ist in der Regel eine Selbstzahlerleistung, die nicht von gesetzlichen Krankenkassen übernommen wird. Viele Betroffene greifen daher oft auf kostengünstigere Alternativen zurück.

In der Regel wird bei der Akupunktur gegen Migräne zweimal in der Woche therapiert. Eine Sitzung dauert dabei 20 bis 30 Minuten. Häufig werden bis zu zehn Sitzungen durchgeführt, gefolgt von einer Pause von zwei bis drei Wochen. Anschließend kann eine neue Therapieserie begonnen werden. Die Dauer, bis erste Therapieerfolge zu verzeichnen sind, ist bei jedem Patienten jedoch unterschiedlich.

Einige gesetzliche Krankenkassen erkennen die Akupunktur als therapeutisch sinnvolle, alternative Behandlungsmethode an und beteiligen sich anteilig an den Kosten.

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Vor- und Nachteile der Akupunktur

Akupunktur kann eine wirksame Möglichkeit sein, Migräne vorzubeugen. Ein Vorteil ist, dass in der Regel keine Nebenwirkungen zu erwarten sind. Wenn die Behandlung nicht anschlägt, können Sie einfach etwas anderes ausprobieren. Der Nachteil der Akupunktur besteht darin, dass sie nicht bei jedem Patienten anschlägt. Zudem bezweifeln einige Experten, dass sie wirklich einen Effekt hat. Ein weiteres Manko der Akupunktur: Im Akutfall, also während einer Migräne-Attacke, kann sie nicht helfen.

Eine medikamentöse Prophylaxe birgt hingegen immer das Risiko für unerwünschte Nebenwirkungen, da Patienten über einen längeren Zeitraum Arzneimittel einnehmen müssen. Auch kann sie bei manchen wirkungslos bleiben.

Weitere Behandlungsmethoden

Neben der Akupunktur gibt es auch andere alternative Behandlungsmethoden für Migräne:

  • Migräne-Spritze mit CGRP-Antikörpern: CGRP ist ein Eiweißstoff, der während einer Migräne-Attacke vermehrt freigesetzt wird. Die Migräne-Spritze wirkt gegen CGRP und kann somit Linderung schaffen. Diese Spritze ist jedoch keine Krankenkassenleistung.
  • Botox: Wenn die Migräne durch Verspannungen in den Muskeln im Gesicht, Nacken oder in den Schultern verursacht wird, kann Botox helfen. Der Stoff blockiert die Reizübertragung zwischen Muskeln und Nerven, wodurch die Muskelaktivität vermindert wird.

Was ist nach der Akupunkturbehandlung zu beachten?

Sollten nach einem Behandlungszyklus kaum Verbesserungen eingetreten sein, kann ein weiterer Zyklus folgen. Bei erfolgreicher Akupunktur empfehlen Therapeuten, nach einigen Monaten mit wenigen Sitzungen aufzufrischen.

Akupunktur-Implantate als Langzeitstimulation

Eine besondere Form der traditionellen Punktstimulation ist die Implantat-Akupunktur. Dabei werden kurze Fäden aus auflösbarem chirurgischen Nahtmaterial an bekannte Akupunkturpunkte unter die Haut implantiert (Catgut-Akupunktur). So wird eine Langzeitstimulation erreicht.

Eine weitere Möglichkeit zur Prophylaxe von Migräne bietet die Akupunktur. Als alternative Heilmethode wird sie bereits seit langer Zeit bei vielen Formen von Migräne eingesetzt. Die Wirksamkeit wurde in zahlreichen Studien untersucht und diskutiert. Im Jahr 2009 wurde erstmals eine Meta-Studie veröffentlicht, in welcher die positive Wirkung der Akupunktur bei Migränepatienten eindeutig nachgewiesen werden konnte. Als Fazit wurde festgestellt, dass die Akupunktur zur Migräneprophylaxe bei einer geringeren Anzahl an Nebenwirkungen mindestens so wirksam ist wie die konventionelle medikamentöse Prophylaxe.

Als bedeutendster Vertreter der Mikrosystem-Akupunkturen gilt heute die Ohrakupunktur. In den 1950er Jahren legte der französische Arzt Paul Nogier den Grundstein für die moderne Ohrakupunktur. Seit den 1970er Jahren können zur Ohrakupunktur auch sogenannte »Dauernadeln« eingesetzt werden.

Die moderne europäische Implantat-Akupunktur ist eine Form der Ohrakupunktur. Anstatt der kurzfristigen Anwendung von klassischen Akupunkturnadeln oder Dauernadeln werden winzige Implantatnadeln an den bekannten Reflexpunkten gesetzt. Die Nadel wächst nach 1-2 Tagen völlig unsichtbar in der Ohrmuschel ein und muss nicht wieder entfernt werden. Die verwendeten Akupunktur-Implantate haben in etwa die Größe einer Stecknadelspitze. Sie bestehen aus medizinischem Reintitan und sind hochverträglich. Als Alternative zu Dauerimplantaten aus Titan können Templantate eingesetzt werden (»Jahresnadeln«). Diese Nadeln bestehen aus einem synthetischen organischen Hightech-Material auf Glucose-Milchsäurebasis und sind auflösbar. Sie verbleiben 15-20 Monate im Ohr und werden während dieser Zeit vom Körper vollständig abgebaut.

Seit der Entdeckung der noch relativ jungen Implantat-Akupunktur im Jahr 2001 werden diese speziellen Nadeln aufgrund ihrer Natur als Dauerimplantat vorzugsweise bei chronischen Krankheitsbildern angewendet. Die Behandlung erfolgt ambulant unter sterilen Bedingungen und ist unkompliziert.

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