Algen werden zunehmend als vielversprechende Quelle für funktionelle Inhaltsstoffe erkannt, die die Gesundheit des Gehirns fördern können. Sie enthalten bioaktive Substanzen, die nachweislich gesundheitsfördernde Eigenschaften besitzen und zur Prävention von Krankheiten wie neurodegenerativen Erkrankungen beitragen können.
Die Rolle der Ernährung für die Gehirngesundheit
Eine ungesunde Ernährung, insbesondere der Verzehr von stark verarbeiteten Lebensmitteln und Zucker, kann Gehirnstrukturen wie den Hippocampus verkleinern und Entzündungen auslösen, die mit neurodegenerativen Erkrankungen in Verbindung stehen. Im Gegensatz dazu unterstützt eine gesunde, vitalstoffreiche Ernährung die neuronale Gesundheit, wirkt entzündungshemmend und fördert die kognitiven Fähigkeiten.
Omega-3-Fettsäuren aus Algen
Die von Algen produzierten Omega-3-Fettsäuren dürften - direkt oder über die sie fressenden Fische oder Muscheln - auch für die Evolution der Spezies Mensch eine entscheidende Rolle gespielt haben. Algen bieten darüber hinaus weitere große Potenziale zur Förderung der Gehirngesundheit und zur Prävention sowie Behandlung von neurodegenerativen Erkrankungen. Sie enthalten eine Vielzahl bioaktiver Substanzen wie spezielle Algen-Polysaccharide, ungesättigte Fettsäuren, Antioxidantien und entzündungshemmende Verbindungen, die positive Effekte auf das Gehirn zeigen.
DHA und EPA: Essentielle Omega-3-Fettsäuren
Omega-3-Fettsäuren, insbesondere Docosahexaensäure (DHA), sind für die Entwicklung und Funktion des menschlichen Gehirns unerlässlich. DHA macht etwa 30-40 % der Fette im Gehirn aus und sorgt dafür, dass Nervenzellen optimal kommunizieren. Studien deuten darauf hin, dass niedrige DHA-Werte mit einem erhöhten Risiko für Demenz und Alzheimer verbunden sind. Eicosapentaensäure (EPA) hilft, Entzündungen im Gehirn zu regulieren, was Depressionen und Angstzuständen entgegenwirken kann.
Algenöl als vegane Omega-3-Quelle
Algenöl, gewonnen aus Mikroalgen wie Schizochytrium, ist eine ausgezeichnete vegane Quelle für DHA und EPA. Im Gegensatz zu pflanzlichen Omega-3-Quellen wie Leinsamen, Chiasamen und Walnüssen, die nur Alpha-Linolensäure (ALA) enthalten, können Algen direkt DHA und EPA liefern. Der Körper kann ALA nur in geringem Umfang in DHA und EPA umwandeln, daher ist Algenöl eine effektivere Option für Vegetarier, Veganer und Menschen, die keinen Fisch essen.
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Omega-3-Mangel: Mögliche Folgen
Ein dauerhaft niedriger Omega-3-Spiegel kann sich negativ auf die Gesundheit auswirken und zu Konzentrations- und Gedächtnisproblemen, einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronischen Entzündungen, trockener Haut, brüchigen Haaren, schlechter Wundheilung sowie einer höheren Anfälligkeit für Depressionen und Angststörungen führen.
Die Darm-Hirn-Achse und Algen
Die Darm-Hirn-Achse ist eine bidirektionale Kommunikationsverbindung zwischen dem Darm und dem Gehirn, die neuronale, endokrine, immunologische und humorale Signalwege umfasst. Die Darmmikrobiota, die Gesamtheit der Mikroorganismen im Darm, spielt eine entscheidende Rolle in dieser Kommunikation. Ein Ungleichgewicht der Darmmikrobiota kann Entzündungen im Körper fördern, die sich negativ auf das Gehirn auswirken und neurodegenerative Prozesse begünstigen können.
Es gibt zunehmend Hinweise darauf, dass Algen über die Modulation der Darmmikrobiota positive Auswirkungen auf das Gehirn haben könnten. Studien haben gezeigt, dass der Konsum von Algen oder Algenextrakten:
- Die Zusammensetzung der Darmmikrobiota positiv beeinflussen kann.
- Die Produktion von kurzkettigen Fettsäuren (SCFAs) fördern kann, die für die Gehirngesundheit wichtig sind.
- Entzündungen im Darm reduzieren kann.
Algeninhaltsstoffe mit neuroprotektiven Eigenschaften
Algen enthalten eine Vielzahl von bioaktiven Substanzen, die neuroprotektive Eigenschaften aufweisen können. Zu den interessantesten Kandidaten gehören:
- Fucoidan: Ein Algen-Polysaccharid, das in Studien neuroprotektive Eigenschaften gezeigt hat und möglicherweise den Abbau von β-Amyloid-Plaques fördern kann, die mit Alzheimer in Verbindung stehen.
- Astaxanthin: Ein Carotinoid, das in Algen vorkommt und zum Schutz vor oxidativem Stress und Entzündungen im Gehirn beitragen kann.
Kontroversen und Risiken
BMAA und neurodegenerative Erkrankungen
Es gibt Kontroversen darüber, ob Cyanobakterien-Toxine, insbesondere BMAA (β-Methylamino-L-Alanin), für neurodegenerative Erkrankungen verantwortlich sein könnten. Einige Forschungsergebnisse deuten auf einen Zusammenhang zwischen BMAA und der Bildung von Plaques und Ablagerungen im Gehirn hin, die denen von Alzheimer-Patienten ähneln. Allerdings ist der Nachweis von BMAA schwierig, und die gemessenen Konzentrationen schwanken stark. Es gibt Unsicherheiten bezüglich der tatsächlichen Exposition, der Aufnahme und der Anreicherung in der Nahrungskette.
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Jod- und Schwermetallgehalt
Der Verzehr von Algen kann auch mit Gesundheitsrisiken verbunden sein. Viele Algen haben einen hohen Gehalt an Jod, was für Menschen mit Schilddrüsenüberfunktion problematisch sein kann. Darüber hinaus können Algen, je nachdem wo sie wachsen, Schwermetalle wie Cadmium, Blei oder Quecksilber enthalten.
AFA-Algen: Nutzen und Risiken
AFA (Aphanizomenon flos-aquae) gehören zu den Cyanobakterien und werden als Nahrungsergänzungsmittel angeboten. Ein positiver Effekt von AFA als Nahrungsergänzungsmittel ist fraglich, da die zugeführte Menge an Nährstoffen sehr gering ist. Angebliche Wirkungen zur Linderung oder Heilung von Krankheiten sind wissenschaftlich nicht belegt. AFA-Produkte sollten unbedingt frei von giftigen Microcystinen und Schwermetallen sein.
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