Die Definition von "Aligatoah" im Kontext des Gehirns führt uns in eine Welt effektiver Lernstrategien und der Überwindung von Selbstsabotage. Oftmals vergeuden wir unzählige Stunden am Schreibtisch, nur um in Prüfungssituationen zu scheitern, weil unsere Lernmethoden ineffizient sind. Um dein Studium oder deine Weiterbildung erfolgreich zu meistern, ist es wichtig, nicht nur härter, sondern auch intelligenter zu lernen.
Das Kernproblem: Ineffiziente Lernstrategien
Warum investieren wir so viel Zeit in ineffiziente Lernstrategien? Es gibt mehrere Gründe:
- Vertrautheit vs. Verstehen: Das wiederholte Lesen von Notizen oder Texten erzeugt ein Gefühl der Vertrautheit. Dein Gehirn signalisiert: "Diesen Inhalt kenne ich schon!". Jedoch wirst du feststellen, dass du das Wissen nicht aktiv abrufen kannst, wenn du die Unterlagen weglegst. Wir verwechseln Vertrautheit mit echtem Verstehen. Du erkennst die Worte und verstehst sie, kannst sie aber nicht aktiv abrufen, anwenden oder jemand anderem erklären.
- Komfort vs. Anstrengung: Methoden wie Lesen, Abschreiben und farbiges Markieren fühlen sich angenehm und produktiv an, weil sie wenig kognitive Anstrengung erfordern. Wir bevorzugen sie intuitiv, aktivieren aber unser Gehirn kaum, da wir den Stoff nicht selbst wiedergeben müssen. Effektive Methoden sind anstrengender und zwingen das Gehirn zur Arbeit. Diesen psychologischen Selbstschutz gilt es zu überwinden.
- Widerlegte Lerntypen: Die Theorie der vier Lerntypen nach Vester (auditiv, visuell, etc.) ist empirisch widerlegt. Sich auf einen bestimmten Lerntyp festzulegen, schränkt unnötig ein.
Effektive Lernmethoden für das Gehirn
Wie bekommst du das Wissen wirklich in den Kopf? Hier sind einige bewährte Methoden:
1. Active Recall (Aktives Abrufen)
Active Recall ist der Kern erfolgreichen Lernens. Dabei versuchst du, Informationen aktiv aus deinem Gedächtnis abzurufen, ohne in die Lösung zu schauen. Dies basiert auf dem Prinzip der Desirable Difficulty (wünschenswerte Erschwernis).
- Neuronale Stärkung: Lernen funktioniert auf neuronaler Ebene am besten, wenn es eine gewisse Anstrengung erfordert. Wenn du stockst und dich anstrengen musst, um eine Information abzurufen, wird ein chemisches Signal an dein Gehirn gesendet. Dadurch wird signalisiert, dass diese Information gebraucht wird und die entsprechende neuronale Verbindung gestärkt werden soll.
- Praktische Anwendung:
- Formuliere Fragen zum Stoff (Karteikarten).
- Nimm ein leeres Blatt Papier und schreibe alles auf, woran du dich erinnerst, ohne nachzuschauen. Ergänze danach mit dem Buch.
- Rekapituliere nach jedem Sinnabschnitt kurz die Kernaussage im Kopf.
2. Spaced Repetition (Verteiltes Wiederholen)
Unser Gehirn vergisst gerne, was wir nicht ständig brauchen. Die Vergessenskurve von Hermann Ebbinghaus visualisiert diesen Prozess.
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- Vergessenskurve hinauszögern: Wiederhole den Stoff (z.B. in Form von Karteikarten) heute, dann in zwei Tagen, dann in einer Woche. Du zögerst so die Vergessenskurve hinaus und vergisst langsamer.
- Digitale Karteikarten-Apps: Tools wie Anki oder Remnote basieren auf einem Algorithmus, der dir automatisch die Karten anzeigt, die du kurz vor dem Vergessen bist. Durch KI ist es mittlerweile auch möglich, sich die Karteikarten erstellen zu lassen.
3. Feynman-Technik
Die Technik ist eine einfache Methode, um zu überprüfen, ob man ein Thema wirklich verstanden hat. Erkläre ein Konzept in einfachen Worten, als würdest du es jemandem erklären, der keine Vorkenntnisse hat.
4. Mindmaps
Mindmaps sind eine super Möglichkeit, die zu lernenden Informationen visuell darzustellen und zu strukturieren. Dadurch behältst du den Überblick und kannst die Themen in “das große Ganze” einordnen.
Individuelle Lernstrategien für verschiedene Disziplinen
Je nach Art der Lehrveranstaltung gibt es unterschiedliche optimale Herangehensweisen:
- Begriffsintensive Themen und Modelle: Hier geht es darum, Fakten zu behalten und Zusammenhänge zu verstehen. Lies die Literatur, die in den Skripten erwähnt oder zitiert wird. Nutze Active Recall, Spaced Repetition und Mindmaps.
- Logikbasierte Module (Informatik, Technik): Hier wird gefordert, die in der Vorlesung vorgestellten Methoden und Formeln an neuen Aufgabentypen praktisch anzuwenden. Berechne oder programmiere die konkreten Übungen aus der Vorlesung zuhause noch einmal selbst. Nimm Tutorien wahr.
- Praktische Arbeiten (Design, etc.): Hier ist Perfektionismus der Killer der Kreativität. Schaue Videos von anderen Creatives.
Weitere Tipps für effektives Lernen
- Vorwissen aktivieren: Bevor du den eigentlichen Stoff lernst, rufe bereits vorhandenes Wissen in Erinnerung.
- Realistische Ziele setzen: Nutze Techniken wie die Pomodoro-Technik oder die 60-60-30-Methode.
- Hilfe suchen: Wenn du bei einer Aufgabe hängen bleibst, schaue nach maximal 5 Minuten die Lösung nach oder frage jemanden.
- Kleine Schritte: Wenn du gar keine Lust hast, nimm dir vor: „Ich mache nur 10 Minuten.“
Kreativität und das Gehirn: Einblicke durch ein Hörspiel
Einblicke in die Funktionsweise des Gehirns und die Förderung von Kreativität bietet das Hörspiel "Die unsichtbare Dirigentin". Es vermittelt psychologisches Fachwissen rund um das Thema Kreativität auf unkonventionelle Weise. Fantastische Figuren erklären den Zusammenhang von Kreativität und Persönlichkeit, Intelligenz, Genetik, Kognitionswissenschaften sowie Hirnforschung.
- Reise durch die Stadt der Kreativen: Das Hörspiel entführt in eine Stadt der Kreativen, in der die Zuhörer die verschiedenen kreativen Domänen kennenlernen.
- Forschung im Zentrum für Kreativitätsforschung: Im Zentrum für Kreativitätsforschung werden die Biographien kreativer Menschen und ihre Persönlichkeitseigenschaften untersucht.
- Neurobibliothek und Neuronenorchester: Eine Neurobibliothek voller Hirnhologramme berühmter kreativer Menschen zeigt, wie kreative Ideen entstehen. Ein Neuronenorchester veranschaulicht die Sinfonie des divergenten Denkens.
- Führung durch das Gehirn: Eine geschrumpfte Reise durch das Gehirn eines besonders kreativen Menschen führt durch Hirnstamm, Neocortex und das Kreativitätszimmer (Default Mode Network).
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