Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die viele Menschen im Alltag stark einschränkt. Sie ist die zweithäufigste Kopfschmerzform und zeichnet sich durch chronisch wiederkehrende, meist halbseitig auftretende Kopfschmerzen aus. Die Häufigkeit, Dauer und Stärke der Anfälle können variieren. Es gibt zwei Hauptformen: Migräne mit Aura und Migräne ohne Aura. Bei der Migräne mit Aura treten vor dem Kopfschmerz neurologische Ausfallserscheinungen wie visuelle Störungen (Flimmern, Funkensehen, Sehschwäche), Sprachstörungen oder sensible Störungen (Parästhesien) auf.
Triptane sind eine Klasse von Medikamenten, die speziell zur Behandlung von Migräneattacken eingesetzt werden. Sie aktivieren Serotonin-Rezeptoren im Gehirn, was zu einer Verengung der Blutgefäße und einer Hemmung der Entzündung führt. Eines dieser Triptane ist Frovatriptan, das unter dem Handelsnamen Allegro® vertrieben wird.
Was ist Allegro® (Frovatriptan)?
Frovatriptan (Allegro) ist seit Herbst 2002 als Filmtablette zu 2,5 mg erhältlich. Es ist ein Triptan, das zur Behandlung von Migräneanfällen mit oder ohne Aura zugelassen ist.
Wirkmechanismus
Der Wirkstoff Frovatriptan tritt mit speziellen Bindungsstellen im Körper, den sogenannten 5HT-1-Rezeptoren, in Kontakt. Triptane sind "Aktivierer" (Agonisten) von spezifischen Serotonin-Rezeptoren. Serotonin ist ein wichtiges "Glückshormon", das für unser Wohlbefinden und unsere Stimmung zuständig ist. Bei einem Migräneanfall ist der Serotonin-Haushalt jedoch nicht im Gleichgewicht, was zu den typischen Anzeichen einer Migräneattacke führt. Durch die Einnahme von Triptanen können die erweiterten Blutgefäße wieder verengt (Vasokonstriktion) und Entzündungen entgegengewirkt werden.
Frovatriptan wirkt als Agonist an 5-HT1B- und 5-HT1D-Rezeptoren, was zur Vasokonstriktion der Hirngefäße beiträgt. Es besitzt auch eine hohe Affinität zu 5-HT1F-Rezeptoren, was ebenfalls zur Wirksamkeit beitragen könnte. Es hat keine signifikante Affinität zu Benzodiazepinbindungsstellen, Alpha-Adreno- oder Histaminrezeptoren.
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Pharmakokinetik
Frovatriptan wird langsam im Magen-Darmtrakt aufgenommen. Nach 2 Stunden zeigen sich 38% der maximalen Plasmakonzentration. Die absolute Bioverfügbarkeit beträgt bei Männern und Frauen etwa 50 Prozent. Die maximale Plasmakonzentration nach oraler Gabe wird nach 2 bis 4 Stunden erreicht. Die Zeit bis zum Erreichen der maximalen Plasmakonzentration (tmax) beträgt im Durchschnitt 1,5 Stunden. Die Einnahme zusammen mit Nahrung erhöht die Zeit bis zum Erreichen der maximalen Plasmakonzentration (tmax) auf 2,8 Stunden. Das Verteilungsvolumen beträgt 4,2 l/kg bei Männern und 3 l/kg bei Frauen. Die Bindung an Serumproteine ist mit 15 Prozent gering. Frovatriptan wird hauptsächlich über die Leber metabolisiert, wobei CYP1A2 eine Rolle spielt. Die Eliminationshalbwertszeit beträgt etwa 26 Stunden. Etwa 32 Prozent der Dosis werden über die Nieren und 62 Prozent über die Fäzes ausgeschieden.
Innerhalb eines Dosisbereichs von ein bis 40 mg zeigte Frovatriptan generell eine lineare Pharmakokinetik. Nach Mehrfachgabe von 2,5 mg blieben die pharmakokinetischen Parameter vergleichbar.
Die Pharmakokinetik von Frovatriptan wird durch Geschlecht und Alter beeinflusst. Bei Frauen sind die Plasmakonzentrationen höher und die Clearance geringer als bei Männern. Bei älteren Patienten ist die Halbwertszeit verlängert. Allerdings sind diese Unterschiede nicht so ausgeprägt, dass eine Dosisanpassung erforderlich wäre.
Dosierung und Anwendung
Die empfohlene Einzeldosis liegt bei 2,5 mg Frovatriptan. Falls die Migräne nach einer initialen Besserung in Form von Wiederkehrkopfschmerzen erneut auftritt, kann eine zweite Dosis eingenommen werden, vorausgesetzt, es sind mindestens 2 Stunden nach Einnahme der ersten Dosis vergangen. Die Gesamtdosis sollte nicht ohne Rücksprache mit einem Arzt oder Apotheker überschritten werden. Innerhalb von 24 Stunden darf nur bei Wiederauftreten der Symptome eine 2. Dosis frühestens nach 2 Stunden gegeben werden. Eine Dosis von 2 Tabletten pro Tag sollte nicht überschritten werden.
Es wird empfohlen, Frovatriptan früh nach Auftreten der Migräne einzunehmen, obwohl auch eine Einnahme zu einem späteren Zeitpunkt des Anfalls wirksam sein kann. Es sollte nicht prophylaktisch eingesetzt werden. Die Anwendung während der Auraphase kann einen Migränekopfschmerz nicht verhindern.
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Gegenanzeigen
Frovatriptan darf nicht eingenommen werden bei:
- Überempfindlichkeit gegen die Inhaltsstoffe
- Koronarer Herzkrankheit (Durchblutungsstörungen des Herzmuskels)
- Prinzmetal-Angina (spezielle Form der Angina pectoris)
- Herzinfarkt in der Vorgeschichte
- Durchblutungsstörungen in der Hirnregion, auch in der Vorgeschichte (transitorische ischämische Attacke)
- Schlaganfall in der Vorgeschichte
- Spezielle Formen der Migräne (ohne Kopfschmerz), wie:
- Basilaris-Migräne (starker Schwindel, Sprach- und Sehstörungen)
- Familiäre hemiplegische Migräne (lange Auraphase, während der es zu halbseitigen Lähmungen kommen kann)
- Ophthalmologische Migräne (Störung der Augenmuskulatur)
- Durchblutungsstörungen der Peripherie (z.B. Arme, Beine)
- Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren
Unter Umständen sollte Frovatriptan nur mit Vorsicht eingenommen werden, nach Rücksprache mit dem Arzt oder Apotheker, bei:
- Bluthochdruck
- Eingeschränkter Leberfunktion
- Mögliche Gefahr einer Gefäßverengung am Herzen, wie bei:
- Rauchen
- Nikotinersatztherapie
- Erhöhte Fettkonzentration im Blut (vor allem Cholesterin) bei Frauen in den Wechseljahren und Männern über 40 Jahren
- Übergewicht bei Frauen in den Wechseljahren und Männern über 40 Jahren
- Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) bei Frauen in den Wechseljahren und Männern über 40 Jahren
- Ältere Patienten ab 65 Jahren
In Schwangerschaft und Stillzeit sollte Frovatriptan nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt angewendet werden.
Nebenwirkungen
Als Nebenwirkungen können Magen-Darm-Beschwerden (Übelkeit, Durchfall, Blähungen, Verstopfung, Bauchschmerzen, Geschmacksstörungen, Mundtrockenheit), Kopfschmerzen, Schwindel, Schläfrigkeit, Schlaflosigkeit, Nervosität, Erregung, Delirium (Verwirrtheit), Konzentrationsstörungen, Stimmungsschwankungen (Depressionen, Euphorie, Angstzustände), Zittern, Missempfindungen, Kribbeln, Schwere-, Druck- und Engegefühl, vor allem in Hals und Brust, Tinnitus (Ohrgeräusche), Sehstörungen, Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut (Juckreiz), Bluthochdruck, Pulsbeschleunigung, Herzklopfen, Hitzewallungen, Schwitzen, Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen, nächtliches Wasserlassen, erhöhte Urinausscheidung, verstärkter Harndrang, allgemeine Schwäche und Fieber auftreten.
Wechselwirkungen
Bei gleichzeitiger Anwendung von Frovatriptan mit anderen Arzneimitteln kann es zu Wechselwirkungen kommen. Besondere Vorsicht ist geboten bei der Einnahme von selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) oder Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmern (SNRI), da dies das Risiko eines Serotonin-Syndroms erhöhen kann.
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Die gleichzeitige Anwendung von Ergotamin-haltigen Medikamenten ist kontraindiziert.
Überdosierung
Bei einer Überdosierung kann es unter anderem zu Übelkeit, Erbrechen, Schwindel und Müdigkeit kommen. Bei Verdacht auf eine Überdosierung sollte umgehend ein Arzt kontaktiert werden.
Studien zur Wirksamkeit und Verträglichkeit von Frovatriptan
Mehrere Studien haben die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Frovatriptan bei der Behandlung von Migräneattacken untersucht.
Vergleichsstudien mit anderen Triptanen
In einer Meta-Analyse von 53 Studien wurde die Wirksamkeit verschiedener Triptane verglichen. Frovatriptan zeigte eine geringere Wirksamkeit als Sumatriptan, Eletriptan und Rizatriptan, aber eine ähnliche Wirksamkeit wie Naratriptan.
Eine Studie verglich Eletriptan mit Sumatriptan und Placebo. Eletriptan war in der Schmerzlinderung nach 2 Stunden Sumatriptan überlegen.
Placebo-kontrollierte Studien
Mehrere Placebo-kontrollierte Studien haben die Wirksamkeit von Frovatriptan gezeigt. In diesen Studien war Frovatriptan signifikant wirksamer als Placebo bei der Schmerzlinderung und der Reduktion von Begleitsymptomen wie Übelkeit und Lichtempfindlichkeit.
In einer Studie konnten Patienten, die Frovatriptan 2,5 mg einnahmen, innerhalb einer 24-Stunden-Periode eine zweite Dosis einnehmen. Die Verträglichkeit wurde durch körperliche Untersuchungen und Blutlaboruntersuchungen kontrolliert. Es nahmen 841 Patienten Frovatriptan 2,5 mg und 838 Placebo ein. Nur wenige Patienten brachen die Therapie aufgrund von Unverträglichkeit ab. Die Häufigkeit von Nebenwirkungen war ähnlich in beiden Gruppen.
Langzeitstudien
Langzeitstudien haben gezeigt, dass Frovatriptan auch bei wiederholter Anwendung gut verträglich ist. Es gab keine Hinweise auf eine Zunahme der Häufigkeit von Nebenwirkungen oder eine Entwicklung von Medikamenten-induzierten Kopfschmerzen.
Anwendungsbeobachtung
Eine Anwendungsbeobachtung mit über 7.000 Patienten zeigte, dass Frovatriptan im klinischen Alltag wirksam und gut verträglich ist. Die Mehrheit der Patienten berichtete von einer deutlichen Verbesserung ihrer Migränesymptome.
Vorteile von Allegro® (Frovatriptan)
- Lange Wirkdauer: Im Vergleich zu anderen Triptanen hat Frovatriptan eine lange Halbwertszeit von etwa 26 Stunden. Dies kann das Wiederauftreten von Kopfschmerzen verhindern, insbesondere bei Migräneattacken, die länger andauern.
- Gute Verträglichkeit: Frovatriptan wird im Allgemeinen gut vertragen. Nebenwirkungen sind meist mild und vorübergehend.
- Lineare Pharmakokinetik: Innerhalb des Dosierungsbereichs von 1 bis 40 mg zeigt Frovatriptan eine lineare Pharmakokinetik, was bedeutet, dass die Plasmakonzentrationen proportional zur Dosis ansteigen.
Nachteile von Allegro® (Frovatriptan)
- Langsame Anflutung: Frovatriptan wird langsam im Magen-Darmtrakt aufgenommen, was zu einer verzögerten Wirkung führen kann.
- Wechselwirkungen: Bei gleichzeitiger Anwendung von Frovatriptan mit anderen Arzneimitteln kann es zu Wechselwirkungen kommen.
- Kontraindikationen: Frovatriptan darf nicht bei bestimmten Vorerkrankungen eingenommen werden.
Alternativen zu Allegro® (Frovatriptan)
Es gibt verschiedene Alternativen zur Behandlung von Migräne, sowohl medikamentöse als auch nicht-medikamentöse.
Medikamentöse Alternativen
- Andere Triptane: Es gibt verschiedene andere Triptane auf dem Markt, die sich in ihrer Wirksamkeit, Verträglichkeit und Pharmakokinetik unterscheiden. Beispiele sind Sumatriptan, Zolmitriptan, Rizatriptan und Eletriptan.
- Ergotaminderivate: Ergotaminderivate sind eine ältere Klasse von Medikamenten zur Behandlung von Migräne. Sie sind jedoch mit mehr Nebenwirkungen verbunden als Triptane und werden daher seltener eingesetzt.
- Schmerzmittel: Schmerzmittel wie Ibuprofen, ASS oder Diclofenac können bei leichten bis mittelschweren Migräneattacken helfen. Sie greifen jedoch nicht direkt in die Prozesse einer Migräneattacke ein und können bei häufiger Anwendung zu Nebenwirkungen führen.
- CGRP-Antikörper: CGRP-Antikörper sind eine neue Klasse von Medikamenten zur Migräneprophylaxe. Sie blockieren das Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP), einen Botenstoff, der bei der Entstehung von Migräne eine Rolle spielt.
Nicht-medikamentöse Alternativen
- Pfefferminzöl: Bei einem Migräneanfall kann Pfefferminzöl verwendet werden, indem es auf Schläfen und Stirn aufgetragen wird. Es wirkt entspannend auf Gefäße und Muskeln und lindert so den Kopfschmerz.
- Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung, autogenes Training oder Yoga können helfen, Stress abzubauen und Migräneanfällen vorzubeugen.
- Akupunktur: Akupunktur kann bei manchen Menschen mit Migräne die Häufigkeit und Intensität der Anfälle reduzieren.
- Biofeedback: Biofeedback ist eine Methode, bei der man lernt, Körperfunktionen wie Muskelspannung oder Herzfrequenz bewusst zu beeinflussen. Dies kann bei der Migräneprophylaxe helfen.
- Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Mahlzeiten können helfen, Migräneanfällen vorzubeugen. Bestimmte Nahrungsmittel wie Rotwein, Käse oder Schokolade können bei manchen Menschen Migräne auslösen.
- Pestwurz: Die im Frühjahr blühende Pestwurz hat zahlreiche Wirkungen, die seit mehreren Jahrhunderten geschätzt werden. Ein weiterer hier relevanter Einsatz ist der Einsatz bei Migräneprophylaxe.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Es ist ratsam, einen Arzt aufzusuchen, wenn:
- Die Migräneanfälle häufiger oder stärker werden.
- Neue Symptome auftreten.
- Die Medikamente nicht mehr wirken.
- Man unter starken Nebenwirkungen leidet.
- Man unsicher ist, welche Behandlung die richtige ist.
Die Neurologisch-verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel bietet eine spezielle Therapie von Migräne mit und ohne Aura, Migräne-Komplikationen und anderen Kopfschmerzen an. Zur Planung eines Aufnahmetermins sind folgende Schritte erforderlich:
- Der behandelnde Arzt stellt eine Verordnung von Krankenhausbehandlung aus.
- Der Arzt füllt die Aufnahme-Checkliste aus.
- Der Patient füllt den Schmerzkalender und den Schmerzfragebogen aus.
- Alle Unterlagen und Kopien relevanter Arztbriefe, Röntgenbilder etc. werden an die angegebene Anschrift gesendet.
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