Körperwelten Ausstellung: Eine Reise in den menschlichen Körper

Die "Körperwelten"-Ausstellungen von Gunther von Hagens haben seit ihrem Beginn im Jahr 1996 weltweit für Faszination und Kontroversen gesorgt. Diese Ausstellungen zeigen plastinierte menschliche Körper und Körperteile, die einen einzigartigen Einblick in die Anatomie und Physiologie des menschlichen Körpers ermöglichen. Die Ausstellung verfolgt das Ziel, anatomisches Wissen zu vermitteln und die Besucher anzuregen, bewusster zu leben, stärker auf die eigene Gesundheit zu achten, die Möglichkeiten und Grenzen des Körpers zu erkennen und über den Sinn des Lebens zu reflektieren.

Was ist die Körperwelten Ausstellung?

Die Körperwelten-Ausstellung nimmt den Besucher mit auf eine unvergessliche Reise in den menschlichen Körper. Während wir in einen fremden Körper schauen, entdecken wir unseren eigenen auf komplett neue Weise. Dabei geht es den Ausstellungsmachern nicht nur um anatomische Wissensvermittlung. Vielmehr wollen sie den Besucher anregen, bewusst zu leben, stärker auf die eigene Gesundheit zu achten, die Möglichkeiten und Grenzen des Körpers zu erkennen und über den Sinn des Lebens zu reflektieren.

Die Philosophie der Ausstellung

Die Ausstellung trägt die Philosophie der „Biologie statt Biografie“, sodass der menschliche Körper mit Distanz in seiner Beschaffenheit und Funktion bestaunt werden kann. Die Anonymität der Körperspender ist hier einer der wichtigsten Aspekte. Eine der grundlegenden Voraussetzungen dieser Ausstellungen ist, dass keine persönlichen Daten zu den Plastinaten preisgegeben werden. Hierin ist eine der Hauptaufgaben der Ausstellung begründet: So steht allein die biologische Aufklärung im Vordergrund und es können keine persönlichen Bezüge mehr hergestellt werden.

Die Plastinationstechnik

Die Plastination ist ein Verfahren, bei dem Körperflüssigkeiten und Fette durch Kunststoffe ersetzt werden, wodurch die Körper dauerhaft konserviert und für Ausstellungszwecke präpariert werden können. Nachdem der Verwesungsprozess gestoppt wurde, indem über Arterien Formalin in den Körper injiziert wird, und nach Freilegung der anatomischen Strukturen, beginnt der eigentliche Plastinationsprozess. In einem ersten Schritt werden das Körperwasser und die löslichen Fette durch Einlegen in ein Lösungsmittelbad herausgelöst. Der zweite Austauschprozess ist letztendlich der zentrale Schritt. Das Lösungsmittel wird gegen einen Reaktionskunststoff ausgetauscht, indem das Präparat in eine Kunststofflösung eingelegt und in eine Vakuumkammer gestellt wird.

Die Exponate

In den Ausstellungen werden circa 200 menschliche Präparate gezeigt. Darunter sind neben Organen und Körperteilen 20 Ganzkörperplastinate zu sehen. Von allen Plastinaten wurden Haut, Fett- und Bindegewebe entfernt und die einzelnen anatomischen Strukturen freigelegt, sodass Muskeln, Knochen und Nervenstränge gut zu erkennen sind. Die Plastinate werden in allen erdenkbaren Posen dargestellt: nachdenklich am Schachbrett sitzend, als Bogenschütze, als Feuerwehrmann, der gerade ein Brandopfer davon trägt, als Radfahrer oder gar als Mutter-Vater-Kind-Konstellation.

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Einblick in den menschlichen Körper

Die KÖRPERWELTEN Ausstellungen erklären leicht verständlich die einzelnen Körpersysteme und deren lebenswichtige Funktionen. Zu den dargestellten Systemen gehören:

  • Das Nervensystem: Vom Kopf bis zu den Zehen spannt sich ein feingliedriges Netzwerk von Nervenfasern, das alle Körperfunktionen überwacht und reguliert. Das Nervensystem steuert Hunderte von Aktivitäten gleichzeitig, zum Teil, ohne dass wir sie bewusst wahrnehmen. Es ist die Quelle unseres Bewusstseins, es lässt uns kommunizieren und Gefühle wahrnehmen.

  • Das Herz-Kreislauf-System: Das Herz-Kreislauf-System verteilt Nährstoffe, Sauerstoff und Hormone an die verschiedenen Körperregionen und sammelt gleichzeitig die Abfallprodukte des Stoffwechsels ein, um sie auszuscheiden.

  • Die Atmungsorgane: Unser Leben erfordert die ständige Versorgung mit Sauerstoff, den wir der Atemluft entnehmen. Ohne Sauerstoff könnten die meisten Körperzellen nur wenige Minuten überleben.

  • Das Verdauungssystem: Alle Prozesse in unserem Körper benötigen Energie, die wir aus der Nahrung gewinnen. Damit unser Körper sie in Energie umwandeln kann, muss die Nahrung zunächst in ihre Bestandteile zerlegt werden.

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  • Der Alterungsprozess: Unser Alterungsprozess beginnt bereits mit der Geburt und ist ein ganz natürlicher Vorgang, den wir aktiv mitgestalten können. Die Ausstellung beleuchtet die einzelnen Lebensphasen und lädt jeden Besucher ein, sich intensiv mit seinem Körper und den Auswirkungen seines Lebensstils zu beschäftigen.

Glück und Körper

Das Glück wohnt in uns. Der Körper ist gewissermaßen das Schaltzentrum unseres Glücks: Glücksgefühle entstehen in unserem Körper durch Ausschüttung bestimmter Neurotransmitter und Hormone. Gleichzeitig nehmen wir die Glücksgefühle mit unserem Körper wahr: Glück und Unglück wirken also unmittelbar auf unseren Körper zurück. Wer mit sich und seinem Leben zufrieden ist, wird seltener krank und lebt wahrscheinlich auch länger.

Bewegung und Gesundheit

Wer rastet, der rostet! Vital zeigt das Potential unseres Körpers in Bewegung. Der menschliche Körper ist ein Hochleistungsapparat mit fein ausgeklügelten Prozessen und Funktionen zur Erhaltung der Gesundheit. Der Motor des Lebens. Das verlässlich arbeitende Hochleistungsorgan ist durch die Dauerbelastung Funktionsstörungen und Verschleißerscheinungen ausgesetzt. Krankheiten des Blut-Kreislaufsystems sind heute die häufigste Todesursache; sie sind jedoch vermeidbar. Ohne mahnenden Zeigefinger erläutert die Ausstellung, wie bereits kleine Änderungen im täglichen Leben große Auswirkungen auf den Gesamtzustand unseres Herzens und Körpers haben.

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Bei diesen Plastinaten unterscheiden sich die angewandten Präparationen so stark wie die Pokerstrategien. Beim Pokerspieler rechts ist besonders das Nervensystem herausgearbeitet. Die Scheitelbeine des Schädeldachs sind angehoben und ermöglichen einen Blick auf das Gehirn von hinten. Bei dem Pokerspieler links sind oberflächliche und tiefere Muskelregionen dargestellt. Zudem ist die Bauchwand längs eröffnet und gibt den Blick auf die Bauchorgane frei.

Die expandierte Darstellung eines menschlichen Körpers

Die Plastination ermöglicht die expandierte Darstellung eines menschlichen Körpers. Dabei werden die anatomischen Räume geöffnet und auseinandergezogen wie in einer Explosionszeichnung. Dieses Plastinat zeigt das Zusammenspiel der oberflächlichen und mittleren Muskelschichten in der Bewegung. Die einzelnen Muskeln sind von sehr unterschiedlicher Form, Größe und Kontraktionskraft. Die kräftigsten Muskeln sind entlang der Wirbelsäule.

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Das Gemälde von Rembrandt „Die Anatomie des D. Tulp“

Dieses Exponat nimmt Bezug auf das berühmte Gemälde von Rembrandt „Die Anatomie des D. Tulp“. Es zeigt den niederländischen Chirurgen und Bürgermeister von Amsterdam Dr.

Kontroversen und Kritik

Die Körperwelten-Ausstellungen sind nicht unumstritten. Einige Kritiker werfen den Ausstellungsmachern vor, die Würde der Toten zu verletzen und Sensationslust zu befriedigen. Es gibt einen Turner an Ringen, eine Frau in Engelspose mit einer hinten offenen Rumpfwand und Blick in die inneren Organe, einen Mann in Denkerhaltung mit freigelegten Nervenfasern und ein Paar in inniger Umarmung. Für Cordula Machoni, Pfarrerin der Marienkirche sind das allesamt Leichen, die würdevoll bestattet werden müssen.

Ethische Bedenken

Einige Kritiker bemängeln die Darstellung der Körper in ästhetischen Posen und die Zurschaustellung von Organen, die durch Krankheiten verändert wurden. Detlef von Wengler, jetzt 61 Jahre alt, wird irgendwann auch Teil dieser Ausstellung sein. "Es ist besser so, als von Maden aufgefressen zu werden oder verbrannt zu werden. Ich sehe das als Kunst an. Dennoch wird es wohl über das, was gruselig ist und was nicht, geteilte Meinungen geben. Denn neben Körpern in ästhetischen Posen liegen auch in Vitrinen indirekt beleuchtet Schrumpf- und Fettlebern, Raucherlungen, krebsbefallene Nieren und missgebildete Föten.

Herkunft der Körper

In der Vergangenheit gab es auch Kontroversen um die Herkunft der Körper, insbesondere um die Verwendung von Leichen aus China und Russland, bei denen die Einwilligung der Verstorbenen nicht eindeutig nachgewiesen werden konnte. Am Institut für Anatomie und Zellbiologie der Uni Gießen meidet man jedoch die Produkte aus dem Hause von Hagens. „Das ist keine verlässliche, seriöse Quelle“, sagt der Direktor des Instituts, Wolfgang Kummer. Er erinnert daran, dass von Hagens vor Jahren eingestehen musste, Leichen von Menschen aus China und Russland plastiniert zu haben, die vor ihrem Tod ihr Einverständnis dazu nicht erklärt hatten.

Voyeurismus

Dass auch Voyeurismus eine gewisse Rolle beim Auswählen der Exponate spielt, gibt spielt, gibt Karen Schüssler-Leipold, Mitorganisatorin der Ausstellung, gerne zu. Allerdings sei das zum Beispiel beim medizinhistorischen Museum der Charite auch nicht anders. "Aus medizinischer Sicht das mal darzustellen, was es da für Probleme geben kann, finde ich nur legitim. Und ich finde, das ist in der Ausstellung auch sehr dezent und sehr vorsichtig gelöst, man kann sich auch entscheiden, ob man das sehen möchte oder nicht.

Pädagogischer Wert und Aufklärung

Trotz der Kontroversen betonen die Befürworter der Körperwelten-Ausstellungen den hohen pädagogischen Wert und die Möglichkeit zur Aufklärung über den menschlichen Körper. Deshalb gibt es auch Informationen über Ernährung, die Funktionsweise des Stoffwechsels, die Alterung von Zellen oder das Verdauungssystem.

Zielgruppen

"Wir wissen, dass Kinder einen sehr sehr unverkrampften Zugang zu unseren Plastinaten haben, dass alles sehr spannend finden, was unter der Haut ist. Dennoch will sich der Bezirk Mitte die Ausstellung auch unter dem Jugendschutzaspekt nochmal genauer anschauen. Die Ausstellungen richten sich an ein breites Publikum, darunter Schulklassen, Studierende und interessierte Laien.

Wissen vermitteln

Die Ausstellung vermittelt kompaktes Wissen rund um die menschliche Anatomie und zeigt anschaulich die Auswirkungen häufiger Zivilisationskrankheiten auf unseren Körper, wie z.B. Rückenschmerzen, Arthrose, Krebs, Fettleibigkeit, Herzinfarkt oder Demenz. Aktuelle Forschungsergebnisse und Tipps zur Vorsorge ergänzen die unterhaltsame und informative Ausstellung.

Rosemarie Baumeier als Körperspenderin

Rosemarie Baumeier lag im vergangenen Jahr fünf Wochen lang im Wachkoma. Danach beschloss sie, ihren Körper nach ihrem Tod zu spenden. Am liebsten würde Rosemarie Baumeier in ihren eigenen Kopf gucken. „Es würde mich interessieren, welche Teile bei mir ausgeschaltet waren“, sagt die 55 Jahre alte Angestellte. Die Ärzte hätten keine exakte Diagnose geben können, vielleicht seien Nervenbahnen in ihrem Gehirn beschädigt gewesen. Wer mit der Offenbacherin spricht, hat das Gefühl, sie sei sich seitdem selbst ein Rätsel. Dieses Rätsel, so hofft sie, kann vielleicht die Wissenschaft lösen. „Ich möchte meinen Körper der Wissenschaft spenden, wenn ich das Zeitliche segne“, sagt Frau Baumeier beinahe feierlich auf die Frage, warum sie sich als Körperspenderin eintragen ließ. Ihr Sohn sei damit einverstanden, ihre 80-jährige Mutter sei zwar nicht gerade begeistert, aber sie habe ihr gesagt: „Ich möchte der Wissenschaft etwas Gutes tun, es muss ja immer weiter gehen.“

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