Einführung
Die Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS), deren Ursachen noch nicht vollständig geklärt sind. Autoimmunreaktionen, genetische Disposition und Umweltfaktoren spielen eine Rolle. Die Ernährung, insbesondere die entzündungshemmende Ernährung, gewinnt zunehmend an Bedeutung bei der Behandlung von MS. In diesem Zusammenhang werden auch Allergien gegen Gewürze und andere Lebensmittel diskutiert.
Glutamat und seine Auswirkungen
Die Entdeckung von Umami und die Rolle von Glutamat
Anfang des 20. Jahrhunderts entdeckten japanische Forscher die Geschmacksrichtung „Umami“, die durch Glutamat hervorgerufen wird. Glutamat ist das Salz der Glutaminsäure, einer Aminosäure, die natürlicherweise in vielen Lebensmitteln vorkommt. Es gibt endogenes Glutamat, das vom Körper selbst hergestellt wird und eine wichtige Rolle für die Entwicklung des Nervensystems und die Energieversorgung des Darms spielt, und exogenes Glutamat, das wir über die Nahrung aufnehmen.
Künstliches Glutamat und seine Kontroversen
Künstliche Geschmacksverstärker enthalten meist Mononatriumglutamat, das chemisch mit dem körpereigenen Glutamat identisch ist. Es ist EU-weit als Zusatzstoff zugelassen und wird in vielen Fertiggerichten verwendet. Einige Experten warnen vor den neurologischen Auswirkungen von künstlichem Glutamat und sehen es als Auslöser für Migräne, Multiple Sklerose, Parkinson und Bluthochdruck. Andere, wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung und die WHO, halten es bei rationaler Verwendung für unbedenklich.
Natürliches Glutamat in Lebensmitteln
Glutamat kommt natürlicherweise in vielen Lebensmitteln vor, darunter Fleisch, Fisch, Erbsen, Tomaten, Käse und Algen. Der Gehalt an freiem Glutamat, der für den intensiven Geschmack verantwortlich ist, variiert je nach Lebensmittel. Klassische Gerichte wie Lasagne oder Bolognese-Soße, die mit viel Fleisch, Tomaten und Parmesan zubereitet werden, enthalten besonders viel natürliches Glutamat.
Glutamat und neurologische Erkrankungen
Es gibt Untersuchungen, die sich mit der Frage beschäftigen, ob Glutamat neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer, Multiple Sklerose und Parkinson auslösen kann. Nach aktuellem Forschungsstand kann das über die Nahrung aufgenommene Glutamat die Blut-Hirn-Schranke nicht passieren, es sei denn, es liegen bereits Erkrankungen des zentralen Nervensystems vor. Es besteht jedoch der Verdacht, dass künstliche Geschmacksverstärker Übergewicht, Übelkeit und Kopfschmerzen auslösen können.
Lesen Sie auch: Gehirnleistung steigern mit Gewürzen
Milchprodukte und Multiple Sklerose
Casein als potenzieller Auslöser von Autoimmunreaktionen
Milch enthält verschiedene Eiweiße, darunter Casein. Eine Studie im Mausmodell zeigte, dass Casein neurologische Symptome wie Schwäche und Desorientierung auslösen kann. Die Forscher fanden Antikörper gegen Casein, die sich fälschlicherweise gegen die Myelinscheiden richteten und so eine Autoimmunreaktion verursachten.
Ergebnisse bei MS-Betroffenen
Blutproben von Menschen mit MS zeigten im Vergleich zu anderen neurologischen Erkrankungen deutlich höhere Mengen an Antikörpern gegen Casein. Dies deutet darauf hin, dass MS-Betroffene durch den Verzehr von Milch im Laufe der Zeit eine Allergie gegen Casein entwickeln können. Es ist jedoch unklar, inwieweit der Verzehr von Milchprodukten das Risiko erhöht, an MS zu erkranken.
Multiple Sklerose: Ursachen, Symptome und Verlauf
Ursachen und Risikofaktoren
Die Ursachen der Multiplen Sklerose sind noch nicht vollständig geklärt. Neben einer genetischen Disposition spielen Umweltfaktoren wie Vitamin-D-Mangel oder Rauchen eine Rolle. Autoimmunreaktionen, bei denen das Immunsystem die Myelinscheiden angreift, sind von zentraler Bedeutung.
Symptome und Krankheitsverlauf
Die Symptome der MS sind vielfältig und können in unterschiedlicher Intensität auftreten. Häufige Erstsymptome sind Gefühlsstörungen, Sehstörungen, Koordinations- und Bewegungsstörungen. Der Krankheitsverlauf ist bei den meisten Betroffenen schubförmig, wobei sich die Symptome nach den Schüben wieder zurückbilden können. Bei einigen Patienten kommt es zu einer schleichenden Verschlechterung der Beschwerden.
Diagnose und Prognose
Die Diagnose der MS basiert auf den McDonald-Kriterien, die den Nachweis von Krankheitsschüben zu unterschiedlichen Zeitpunkten und/oder oligoklonalen Banden im Liquor erfordern. Die Magnetresonanztomographie (MRT) ist unverzichtbar, um MS-bedingte Veränderungen von Gehirn und Rückenmark nachzuweisen. Die optische Kohärenztomographie (OCT) könnte künftig zur Vorhersage des Krankheitsverlaufs herangezogen werden.
Lesen Sie auch: Gewürze als Migränemittel
Therapieansätze bei Multipler Sklerose
Schulmedizinische Therapie
Die schulmedizinische Therapie zielt darauf ab, MS-Schübe zu verhindern, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen und Behinderungen hinauszuzögern. Dazu gehören die Kortisonstoßtherapie zur Behandlung akuter Schübe und die Immuntherapie mit verschiedenen Wirkstoffen. Begleitend werden nicht-medikamentöse Maßnahmen wie Physio- und Ergotherapie eingesetzt.
Entzündungshemmende Ernährung
Eine entzündungshemmende Ernährung kann helfen, Entzündungsschübe zu reduzieren und die Gesundheit zu fördern. Sie basiert auf der Auswahl von Lebensmitteln, die entzündungshemmende Eigenschaften haben, und auf der Begrenzung von Lebensmitteln, die Entzündungen fördern können.
Antientzündliche Lebensmittel
- Reich an Omega-3-Fettsäuren: Fisch (Lachs, Makrele, Sardinen), Leinsamen, Walnüsse
- Viel frisches Obst und Gemüse
- Fettarme Proteine: Mageres Fleisch, Fisch, Hülsenfrüchte, pflanzliche Proteine
Proinflammatorische Lebensmittel
- Gesättigte Fette: Fleisch, Butter, Vollmilch
- Transfette: Verarbeitete Lebensmittel wie Pommes frites, Gebäck, Margarine, Fast Food
- Raffinierte Kohlenhydrate: Weißbrot, Reis, Nudeln aus weißem Mehl
- Lebensmittel mit einem hohen Omega-6-Fettsäuren-Gehalt
Der Einfluss der Darmflora
Die Bedeutung der Darmflora für die Gesundheit
Die Darmflora spielt eine wichtige Rolle für die Verdauung, die Produktion von Vitaminen und die Abwehr gegen Krankheitserreger. Sie beeinflusst auch das Immunsystem und kann Entzündungsreaktionen im Körper kontrollieren.
Ernährung und Darmflora
Die Ernährung hat einen großen Einfluss auf die Zusammensetzung der Darmflora. Eine ausgewogene Ernährung mit viel Ballaststoffen, Gemüse und fermentierten Lebensmitteln kann die Darmflora positiv beeinflussen. Probiotika und Präbiotika können ebenfalls zur Stärkung der Darmflora beitragen.
Allergien und Multiple Sklerose
Zusammenhang zwischen Lebensmittelallergien und MS-Schüben
Eine Studie aus Boston untersuchte den Zusammenhang zwischen Lebensmittelallergien und der Krankheitsaktivität bei Multipler Sklerose. Es wurde festgestellt, dass Patienten mit Lebensmittelallergien mehr MS-Schübe erlitten und eine im MRT sichtbare Aktivität aufwiesen als MS-Patienten ohne Allergien.
Lesen Sie auch: Umfassender Leitfaden zu Nervenschmerzen
Die Rolle des Immunsystems
Sowohl Lebensmittelallergien als auch MS können das Immunsystem aus dem Lot bringen. Bei Allergikern beginnt die Reaktion meist auf harmlose Substanzen, während sich das Immunsystem bei MS gegen den eigenen Körper richtet.
Ernährungsempfehlungen bei Multipler Sklerose
Allgemeine Empfehlungen
- Vorwiegend Gemüse, zuckerarmes Obst und hochwertige Öle
- Zwei- bis dreimal pro Woche Seefisch
- Verzicht auf Nudeln, Weißbrot, Reis und Kartoffeln
- Antientzündliche Gewürze wie Ingwer, Kurkuma, Pfeffer, Zimt oder Oregano
- Entzündungshemmende Omega-3-Fettsäuren aus Lein-, Walnuss- oder Hanföl
- Vermeidung von Säften, Fruchtjoghurts, Fertiggerichten und Lebensmitteln, die zu viel Zucker, Süßstoffe oder Emulgatoren enthalten
- Statt Snacks grüne Smoothies, Nüsse, zuckerarmes Obst und dunkle Schokolade
- Ballaststoffreiche Kohlenhydrate
- Stärkung der Darmflora mit Probiotika und Präbiotika
Individuelle Anpassung
Es ist wichtig zu beachten, dass die Ernährungsempfehlungen je nach den individuellen Bedürfnissen und Vorlieben variieren können. Einige Menschen können Nahrungsmittelintoleranzen oder Allergien haben, die berücksichtigt werden müssen. Eine professionelle Ernährungsberatung kann helfen, eine individuelle Ernährungsstrategie zu entwickeln.
tags: #allergisch #auf #gewurze #multiple #sklerose