Einführung
Alpha-Liponsäure (ALA), auch Thioctsäure genannt, ist eine natürlich vorkommende organische Verbindung, die in verschiedenen Lebensmitteln wie Brokkoli, Tomaten und Spinat enthalten ist. Sie spielt eine entscheidende Rolle im Energiestoffwechsel des Körpers, indem sie als Kofaktor für Enzyme fungiert, die an der Umwandlung von Glukose in Energie beteiligt sind. Darüber hinaus besitzt ALA starke antioxidative Eigenschaften, die zum Schutz der Zellen beitragen. Aufgrund dieser vielfältigen Wirkungen wird Alpha-Liponsäure in der Orthomolekularen Medizin häufig als Antioxidans für den Zellschutz und zur Behandlung neurodegenerativer Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson eingesetzt.
Was ist Alpha-Liponsäure?
Alpha-Liponsäure (ALA), oft abgekürzt, ist eine schwefelhaltige Fettsäure, die sowohl vom menschlichen Körper selbst hergestellt als auch über die Nahrung aufgenommen wird. Sie ist fett- und wasserlöslich, wodurch sie in jeder Zelle präsent ist, auch in den Gehirn- und Nervenzellen. ALA spielt eine zentrale Rolle in der zelleigenen Energieproduktion und neutralisiert als Antioxidans hocheffektiv freie Radikale.
Natürliche und synthetische Formen
Alpha-Liponsäure existiert in zwei Enantiomeren (Spiegelbildformen): der R- und der S-Form. Die R-Form ist die natürlich vorkommende Variante, die im menschlichen Körper produziert wird und in Nahrungsmitteln vorhanden ist. Sie ist biologisch aktiver und wird effektiver vom Körper genutzt. Im Gegensatz dazu ist die S-Form eine synthetische Variante, die in Laboratorien hergestellt wird und eine geringere oder keine biologische Aktivität aufweist. Die meisten auf dem Markt befindlichen Alpha-Liponsäure-Nahrungsergänzungsmittel enthalten ein Gemisch aus beiden Formen (Racemat). Für eine optimale Wirkungsweise und Stabilität ist jedoch die R-Alpha-Liponsäure (als Natrium-R-Lipoat) zu bevorzugen.
Die Rolle von Alpha-Liponsäure bei neurodegenerativen Erkrankungen
Neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson und Multiple Sklerose sind durch einen fortschreitenden Verlust von Nervenzellen im Gehirn und Nervensystem gekennzeichnet. In diesem Zusammenhang zeigt Alpha-Liponsäure vielversprechende Möglichkeiten auf.
Neuroprotektive Eigenschaften
Besonders wertvoll sind die neuroprotektiven Eigenschaften von Alpha-Liponsäure. Das Gehirn ist aufgrund seiner komplexen Vernetzung von Neuronen und Synapsen anfällig für Schäden durch freie Radikale. Da Alpha-Liponsäure die Blut-Hirn-Schranke überwinden und in fett- und wasserlöslichem Milieu wirken kann, ist sie ein hoch effektives Antioxidans. Es neutralisiert aber nicht nur freie Radikale, sondern fördert auch die Ausscheidung von Schadstoffen.
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Alpha-Liponsäure bei Parkinson
Das Parkinson-Syndrom gehört zu den häufigsten Erkrankungen des Nervensystems. Es handelt sich um eine neurodegenerative Erkrankung, bei der nach und nach immer mehr Gehirnzellen absterben. Neueste Forschungen deuten darauf hin, dass die Zerfallprozesse der Nervenzellen schon viel früher beginnen. Alpha-Liponsäure kann hier möglicherweise eine unterstützende Rolle spielen, indem sie die Nervenzellen vor oxidativem Stress schützt und die mitochondriale Funktion verbessert.
Eine Studie von Li YH et al. zeigte, dass Liponsäure dopaminerge Neuronen in einem LPS-induzierten Parkinson-Krankheitsmodell schützt.
Alpha-Liponsäure bei Alzheimer
Auch bei Alzheimer, einer weiteren häufigen neurodegenerativen Erkrankung, könnte Alpha-Liponsäure von Nutzen sein. Kaur D et al. untersuchten die potenzielle Rolle von α-Liponsäure bei der Alzheimer-Krankheit. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass ALA aufgrund seiner antioxidativen und entzündungshemmenden Eigenschaften möglicherweise eine schützende Wirkung auf die Gehirnzellen hat.
Alpha-Liponsäure bei Demenzvorsorge
Die Wirksamkeit von Alpha-Liponsäure erstreckt sich auch auf die Demenzvorsorge. Da Alpha-Liponsäure die Blut-Hirn-Schranke überwinden und in fett- und wasserlöslichem Milieu wirken kann, ist sie ein hoch effektives Antioxidans. Es neutralisiert aber nicht nur freie Radikale, sondern fördert auch die Ausscheidung von Schadstoffen.
Weitere Anwendungsgebiete von Alpha-Liponsäure
Neben ihrer potenziellen Rolle bei neurodegenerativen Erkrankungen wird Alpha-Liponsäure auch in anderen Bereichen der Medizin eingesetzt.
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Diabetes mellitus
Alpha-Liponsäure kann eine entscheidende Rolle in der Behandlung von Diabetes mellitus spielen, insbesondere bei Typ-1-Diabetes. Sie verbessert die Insulinempfindlichkeit und unterstützt die Glukoseaufnahme und -verwertung. Dies ist besonders relevant, da viele Menschen mit einer länger anhaltenden Diabetes-Erkrankung an autonomen Funktionsstörungen leiden. Alpha-Liponsäure kann auch bei diabetischer Polyneuropathie eingesetzt werden, einer Nervenerkrankung, die häufig als Folge von Diabetes mellitus auftritt. Studien zeigen, dass die Gabe von Alpha-Liponsäure sowohl in oraler als auch in intravenöser Form die Beschwerden lindern kann.
Entgiftung und Leberschutz
Alpha-Liponsäure unterstützt die Ausscheidung von Schadstoffen und hat eine schützende Wirkung auf die Leber. Sie kann sowohl wasser- als auch fettlösliche Gifte binden und ausleiten, einschließlich Schwermetalle wie Arsen, Blei, Cadmium, Kobalt, Kupfer, Nickel und Quecksilber. Studien deuten darauf hin, dass ALA Entzündungsprozesse in der Leber hemmen und die Regeneration fördern kann.
Energiestoffwechsel und Müdigkeit
Alpha-Liponsäure ist für den Energiestoffwechsel und die Arbeit der Mitochondrien unverzichtbar. Bei chronischer Erschöpfung, auch bekannt als Fatigue-Syndrom, kommt ein gestörter Energiestoffwechsel als mögliche Ursache in Frage. Alpha-Liponsäure verbessert die Fettsäureoxidation in den Mitochondrien und führt zu einer gesteigerten Produktion von ATP, dem Energieträger der Zellen.
Herz-Kreislauf-System
Alpha-Liponsäure schützt die Blutgefäße und das Herz-Kreislaufsystem. Durch ihre durchblutungsfördernden und entzündungshemmenden Eigenschaften senkt sie bei Diabetikern das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Einnahme und Dosierung von Alpha-Liponsäure
Die Einnahme von Alpha-Liponsäure bietet mehrere gesundheitliche Vorteile. Sie verbessert die Insulinempfindlichkeit und unterstützt die Glukoseverwertung, was besonders für Diabetiker relevant ist. Ihre antioxidative Wirkung schützt Zellen und Gewebe vor Schäden durch freie Radikale. Weiter fördert Alpha-Liponsäure die Entgiftung des Körpers, insbesondere durch die Bindung und Ausscheidung von Schwermetallen. Zudem verbessert sie die Nervenfunktion und kann bei der Behandlung von Nervenschädigungen helfen.
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Dosierungsempfehlungen
Die richtige Dosierung von Alpha-Liponsäure kann je nach dem spezifischen Gesundheitszustand und den individuellen Bedürfnissen variieren. Üblicherweise liegt die therapeutische Dosierung zwischen 600 und 1800 mg pro Tag, während für präventive Zwecke oder bei leichten Beschwerden 100 bis 300 mg täglich ausreichen können. Es wird empfohlen, Alpha-Liponsäure auf nüchternen Magen einzunehmen, idealerweise 30 Minuten vor einer Mahlzeit oder zwei Stunden danach, um die Aufnahme im Körper zu optimieren.
Darreichungsformen
Alpha-Liponsäure ist in verschiedenen Formulierungen erhältlich, darunter Tabletten, Kapseln und sogar Injektionen. In Deutschland sind verschiedene Präparate mit Alpha-Liponsäure erhältlich, darunter Thioctacid®, Berlithion®, Liponex® und Alpha-Lipon®. Diese Arzneimittel sind apothekenpflichtig und standardisiert in ihrer Dosierung. Darüber hinaus gibt es Nahrungsergänzungsmittel mit Alpha-Liponsäure, die frei verkäuflich sind, jedoch in Qualität und Wirksamkeit schwanken können.
Sicherheit und Nebenwirkungen von Alpha-Liponsäure
Im Allgemeinen gilt Alpha-Liponsäure als sicher, mit wenigen gemeldeten Nebenwirkungen. Einige Patienten berichten in den ersten Tagen über leichte Magenbeschwerden, Übelkeit oder Schwindel. Bei Diabetikern kann es zu einer Senkung des Blutzuckerspiegels kommen, weshalb auf Symptome einer Unterzuckerung wie Schwitzen, Zittern oder Heißhunger geachtet werden sollte. Schwere Nebenwirkungen sind äußerst selten. Sollten jedoch allergische Reaktionen wie Hautausschlag oder Atemnot auftreten, ist eine ärztliche Rücksprache erforderlich.
Vorsichtsmaßnahmen
Personen mit einer bekannten Unverträglichkeit gegen Alpha-Liponsäure oder Inhaltsstoffe des Präparats sollten die Einnahme vermeiden. Auch bei Schilddrüsenerkrankungen ist Vorsicht geboten, da ALA die Wirkung von Schilddrüsenhormonen wie Levothyroxin beeinflussen kann. Während Schwangerschaft und Stillzeit sollte die Anwendung nur erfolgen, wenn dies nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung als unbedenklich gilt.
Wechselwirkungen
Alpha-Liponsäure kann die Wirkung von Insulin und oralen Antidiabetika verstärken, was das Risiko einer Unterzuckerung erhöht. Gleichzeitig kann sie die Wirkung von Schilddrüsenhormonen abschwächen. Aus diesem Grund ist eine zeitversetzte Einnahme sinnvoll. Wechselwirkungen mit anderen Nahrungsergänzungsmitteln oder pflanzlichen Präparaten sind bisher nicht bekannt, dennoch sollte die Einnahme immer abgestimmt erfolgen.