Alzheimer, Buchenwald und die Notwendigkeit des Erinnerns

Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, insbesondere mit den dunkelsten Kapiteln der Geschichte, ist eine ständige Herausforderung für jede Gesellschaft. Deutschland bildet hier keine Ausnahme. Die Gräueltaten des Nationalsozialismus und die Verbrechen, die im Namen von Rassenideologie und politischem Fanatismus begangen wurden, werfen bis heute lange Schatten. Die Frage, wie man angemessen an diese Barbarei erinnern, das Andenken der Opfer ehren, die Gräuel der Täter aufzeigen und an die Verantwortung der nachfolgenden Generationen appellieren kann, ist von zentraler Bedeutung.

Gedenken an den Todesmarsch von Buchenwald in Jena

Ein besonders düsteres Kapitel der NS-Zeit stellt der Todesmarsch von Häftlingen des KZ Buchenwald dar. Am 11. April 1945, nur wenige Tage vor der Befreiung Jenas durch amerikanische Truppen, wurde ein Zug von etwa 4.000 geschundenen Menschen quer durch die Stadt getrieben. Bewacht von bewaffneten SS-Männern und Hundestaffeln, starben 14 Menschen auf diesem Weg, ermordet, weil sie nicht mehr konnten oder zu fliehen versuchten. Ihre letzte Ruhestätte fanden sie anonym auf dem Ostfriedhof.

Zum Gedenken an diesen dunklen Tag und die Opfer des Marsches versammelten sich Menschen an vier zentralen Gedenk-Stationen in Jena. Der Arbeitskreis „Sprechende Vergangenheit“ organisierte eine Fahrradexkursion und verlas eindrückliche Zitate der Häftlinge, die durch Jena getrieben wurden.

Die Stadt Jena hat in den letzten Jahren eine Vielzahl an Gedenkorten geschaffen, darunter Stelen, Denkmäler und Stolpersteine, die an die Opfer der Nationalsozialisten erinnern. Diese Orte sind wichtige Mahnmale, die dazu beitragen sollen, dass die Verbrechen nicht in Vergessenheit geraten.

Die Gedenkstätte am Inneren Nordbahnhof in Stuttgart

Auch in Stuttgart wird die Erinnerung an die NS-Zeit wachgehalten. Der Innere Nordbahnhof war in den Jahren 1941 bis 1945 Ausgangspunkt zahlreicher Deportationen. Von hier aus wurden mehr als 2.500 Juden aus Stuttgart und Umgebung in die Sammel- und Konzentrationslager deportiert. Nur wenige überlebten.

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Zum 60. Jahrestag der ersten Deportation initiierte die Stiftung Geißstraße 7 die Planung der Gedenkstätte „Zeichen der Erinnerung“. Die Gedenkstätte soll an die deportierten und ermordeten Juden erinnern. Im Rahmen des Projektes wurde auch die Reise „Zug nach Theresienstadt“ organisiert, auf der Zeitzeugen und Jugendliche die Strecke der Deportationszüge nachfuhren.

Gedenken ohne Wissen? Spannungen und Herausforderungen der Gedenkstättenarbeit

Die Gedenkstättenarbeit ist jedoch nicht ohne Spannungen und Herausforderungen. Im Westdeutschland der Nachkriegszeit waren die frühen KZ-Gedenkstätten oft Orte einer kulturellen Musealisierung ohne Personal und pädagogisches Programm. In der DDR hingegen waren die Gedenkstätten eher mit einer heroisierenden Tradition verbunden.

Die Geschichte des Konzentrationslagers Buchenwald begann im Sommer 1937, als die ersten Gefangenen auf den Ettersberg gebracht wurden. Insgesamt waren eine Viertelmillion Menschen in Buchenwald und seinen Außenlagern eingesperrt; mindestens 56.000 Menschen wurden dort ermordet oder starben an Hunger und Krankheiten.

Alzheimer und das Vergessen: Eine Parallele zur gesellschaftlichen Erinnerung?

Die Frage des Erinnerns und Vergessens stellt sich nicht nur im Kontext der NS-Zeit. Auch die Alzheimer-Krankheit, von der in Deutschland 1,8 Millionen Menschen betroffen sind, wirft Fragen nach der Bedeutung von Erinnerung und Identität auf. Wenn bei Demenz- oder Alzheimererkrankten Erinnerungen langsam verschwinden, wird deutlich, wie sehr unsere Erinnerungen uns als Person ausmachen.

Wo es für den einzelnen Menschen gut sein kann zu vergessen, ist es für Gesellschaften umso wichtiger sich zu erinnern. Die Forderung, dass Auschwitz nicht noch einmal sei, ist eine ständige Mahnung.

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Initiativen und Projekte für eine lebendige Erinnerungskultur

Es gibt zahlreiche Initiativen und Projekte, die sich für eine lebendige Erinnerungskultur einsetzen. Die Initiative München OEZ Erinnern! hat beispielsweise einen Laden in der Innenstadt von München eröffnet, um an den rassistischen Anschlag am Münchner OEZ zu erinnern.

Auch die Spendenkampagne „Echo hilft!” engagiert sich für gesellschaftliche Belange. Nach Schwerpunkten wie Demenz oder Projekten für Kinder und Jugendliche dreht sich die Kampagne um den Naturschutz. Fünf Projekte aus Südhessen, die hier überzeugende Ansätze verfolgen, stehen im Fokus der Berichterstattung.

Verantwortung übernehmen: Gegen Menschenfeindlichkeit und Menschenverachtung

Das Gedenken an die Verbrechen der Vergangenheit bedeutet, Verantwortung für die Gegenwart und Zukunft zu übernehmen. Menschenfeindlichkeit und Menschenverachtung gibt es auch heute noch, und dem müssen wir klar entgegentreten. Unser plurales demokratisches Regierungssystem ist der beste Garant dafür, die Würde des einzelnen Menschen zu achten.

Ubuntu: Ich bin, weil wir sind

Die Break Isolation Group (BIG) vom International Women* Space (IWS) dokumentiert die Stimmen von Frauen, die in Lagern* für Geflüchtete leben. Ein Zuhause, weit weg von zu Hause, bedeutet in deiner eigenen Sprache sprechen zu können, gemeinsam Essen zu kochen mit einer Community in einem geschützten Raum, um sich gegenseitig zu empowern oder auch einfach nur etwas miteinander zu teilen.

Wir wollen unser ‚Ubuntu‘ (Begriff der afrikanischen Bantusprachen; steht für ein geschwisterliches Band, das alle Menschen verbindet) als Erinnerung daran verbreiten, dass ich bin, weil wir sind. Wir kommen aus Gemeinschaften und Kulturen, die das gemeinsame Essen, das Erzählen von Geschichten und das gemeinsame Kochen schätzen. Wir versuchen, dies als Teil unseres täglichen Lebens zu praktizieren, als Bewältigungs- mechanismus, aber es ist auch die Wurzel unserer Stärke.

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