Parkinson: Unterschiedliche Formen und ihre Auswirkungen

Die Parkinson-Krankheit, auch bekannt als "Morbus Parkinson", wurde vor über 200 Jahren von J. Parkinson entdeckt. Es handelt sich um eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die das extrapyramidal-motorische System und die Basalganglien betrifft. Die Krankheit ist durch den Verlust von dopaminergen Neuronen in der Substantia nigra pars compacta im Mittelhirn gekennzeichnet, was zu einem Dopaminmangel führt.

Grundlagen der Parkinson-Krankheit

Im menschlichen Gehirn sind die Zellen durch Botenstoffe miteinander verbunden, die Impulse weiterleiten. Bei Parkinson sterben Gehirnzellen in der Substantia Nigra ab, die für die Dopaminproduktion und die Koordination zuständig sind. Dieser Prozess kann bis zu 12 Jahre dauern, bevor erste Symptome auftreten.

Ursachen und Risikofaktoren

Die genaue Ursache der Parkinson-Krankheit ist bis heute nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch verschiedene Theorien und Risikofaktoren, die eine Rolle spielen könnten:

  • Genetische Faktoren: Rein erbliche Formen machen nur etwa 5-10 % der Fälle aus. Es gibt jedoch genetische Faktoren, die zum Krankheitsausbruch beitragen können. Ein identifiziertes "Parkinson-Gen" (PARK1) ist für die Herstellung von Alpha-Synuclein verantwortlich.
  • Umweltfaktoren: Pestizide, Lösungsmittel und traumatische Hirnschädigungen können das Risiko erhöhen.
  • Darm-Hirn-Achse: Eine gestörte Darmflora und eine durchlässigere Darmschleimhaut könnten eine Rolle spielen.
  • Autoimmunreaktion: Das Immunsystem greift fälschlicherweise das Protein Alpha-Synuclein an.
  • Oxidativer Stress: Ein Ungleichgewicht zwischen Oxidantien und Antioxidantien kann zu Zellschäden führen.
  • Aszensionshypothese: Die Krankheit beginnt im Verdauungstrakt und breitet sich über Nervenbahnen ins Gehirn aus.

Formen von Parkinson-Syndromen

Parkinson-Syndrome werden in vier Gruppen unterteilt:

  1. Idiopathisches Parkinson-Syndrom (IPS)
  2. Genetische Formen des Parkinson-Syndroms
  3. Symptomatische Parkinson-Syndrome (SPS)
  4. Atypische Parkinson-Syndrome (APS)

Das idiopathische Parkinson-Syndrom (IPS)

Das idiopathische Parkinson-Syndrom (IPS), auch bekannt als Morbus Parkinson, ist die häufigste Form und betrifft bis zu 80 % der Patienten. Die Ursachen sind unklar, aber es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischen und Umweltfaktoren eine Rolle spielt.

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Symptome des IPS

Die Symptome des IPS beginnen schleichend und verschlimmern sich im Laufe der Zeit. Zu den Hauptsymptomen gehören:

  • Bradykinese: Verlangsamung der Bewegungsabläufe
  • Rigor: Muskelsteifheit
  • Tremor: Zittern, meist in Ruhe
  • Posturale Instabilität: Gleichgewichtsstörungen

Weitere Symptome können sein:

  • Veränderte Körperhaltung (nach vorne gebeugter Oberkörper)
  • Hypomimie (ausdrucksloses Gesicht)
  • Dysarthrophonie (undeutliche Sprache)
  • Schluckbeschwerden (Dysphagie)
  • Gastrointestinale Störungen (Verstopfung, gestörte Magenentleerung)
  • Schlafstörungen
  • Depressionen
  • Demenz
  • Blutdruckprobleme
  • Miktionsstörungen (Harndrang)
  • Störungen der Wärmeregulation
  • Hautprobleme
  • Schmerzen

Frühsymptome des IPS

Den motorischen Kardinalsymptomen geht oft eine jahrelange Prodromalphase mit unspezifischen Beschwerden voraus. Typische Frühsymptome sind:

  • REM-Schlaf-Verhaltensstörung (RBD)
  • Riechstörungen (Hyposmie)
  • Stimmungsschwankungen (Reizbarkeit, Angst, Depression)
  • Verstopfung (Obstipation)

Subtypen des IPS

Anhand der dominierenden Symptomatik wird häufig zwischen Tremor- und Rigor-Dominanz-Typ sowie Äquivalenztyp unterschieden. Seltener ist ein monosymptomatischer Ruhetremor vorhanden.

Symptomatische Parkinson-Syndrome (SPS)

Symptomatische Parkinson-Syndrome (SPS) werden durch andere Ereignisse, Erkrankungen oder Arzneimittel verursacht, die das Gehirn schädigen.

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Ursachen von SPS

Mögliche Ursachen für SPS sind:

  • Medikamente: Neuroleptika, Antiemetika, Kalziumkanalantagonisten
  • Neurotoxine: Kohlenmonoxid, Mangan, Blei, MPTP
  • Traumatische Hirnschädigung: Schwere Schädel-Hirn-Traumata
  • Hirntumore
  • Entzündungen: AIDS-Enzephalopathie, Enzephalitiden
  • Stoffwechselstörungen: Morbus Wilson, Hypoparathyreoidismus
  • Psychostimulanzien: Amphetamine

Medikamentös induziertes Parkinson-Syndrom

Das medikamentös induzierte Parkinson-Syndrom ist das häufigste sekundäre Parkinson-Syndrom. Es wird durch Medikamente verursacht, die die Dopaminrezeptoren im Gehirn blockieren. Nach Absetzen der Medikamente klingen die Symptome in der Regel vollständig ab.

Atypische Parkinson-Syndrome (APS)

Atypische Parkinson-Syndrome (APS) sind seltene neurodegenerative Erkrankungen, die sich vom IPS unterscheiden. Zu den APS gehören:

  • Multisystematrophie (MSA)
  • Progressive supranukleäre Blickparese (PSP)
  • Kortikobasales Syndrom (CBS)
  • Demenz mit Lewy-Körpern (LBD)

Unterschiede zum IPS

Die APS verlaufen in der Regel schwerer und schneller als das IPS und sprechen schlechter auf Parkinson-Medikamente an. Zudem treten bei APS häufig frühzeitig Störungen des vegetativen Nervensystems oder eine Demenz auf.

Multisystematrophie (MSA)

Die Multisystematrophie (MSA) ist durch Störungen des autonomen Nervensystems, Parkinson-Symptome und Kleinhirnfunktionsstörungen gekennzeichnet. Es werden zwei Typen unterschieden: MSA-P (Parkinson-Typ) und MSA-C (cerebellärer Typ).

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Progressive supranukleäre Blickparese (PSP)

Die progressive supranukleäre Blickparese (PSP) ist durch Augenbewegungsstörungen, posturale Instabilität, Akinesie und kognitive Störungen gekennzeichnet.

Kortikobasales Syndrom (CBS)

Das kortikobasale Syndrom (CBS) zeichnet sich durch eine Kombination von kortikalen und basalganglionären Symptomen aus, wie Apraxie, Sensibilitätsstörungen, Rigor, Dystonie und Myoklonus.

Demenz mit Lewy-Körpern (LBD)

Die Demenz mit Lewy-Körpern (LBD) ist durch motorische Parkinson-Symptome, REM-Schlaf-Verhaltensstörung, optische Halluzinationen und Schwankungen der Aufmerksamkeit gekennzeichnet.

Diagnose von Parkinson-Syndromen

Die Diagnose von Parkinson-Syndromen kann schwierig sein, insbesondere in den frühen Stadien. Es gibt keine einfachen Labortests, um die Krankheit zu diagnostizieren. Die Diagnose basiert hauptsächlich auf der klinischen Untersuchung und der Anamnese des Patienten.

Diagnostische Verfahren

Folgende Untersuchungen können bei der Diagnose helfen:

  • Neurologische Untersuchung: Beurteilung der motorischen Fähigkeiten, Reflexe und des Gleichgewichts
  • Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte und der eingenommenen Medikamente
  • Bildgebung des Gehirns: CT oder MRT, um andere Ursachen auszuschließen
  • Da-TSCAN: Nuklearmedizinische Untersuchung zur Bestimmung der Dopamintransporterdichte im Gehirn
  • 18F FDG PET: Positronenemissionstomographie zur Darstellung des Gehirnstoffwechsels
  • MIBG-Szintigraphie: Nuklearmedizinische Untersuchung zur Visualisierung der Aufnahme und Speicherung von Katecholaminen in kardialen Neuronen
  • Kardiovaskuläre Funktionstests: Kipptischuntersuchung zur Feststellung der orthostatischen Hypotonie

Behandlung von Parkinson-Syndromen

Die Behandlung von Parkinson-Syndromen zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Eine Heilung der Krankheit ist derzeit nicht möglich.

Medikamentöse Therapie

Die medikamentöse Therapie ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung von Parkinson-Syndromen. Es gibt verschiedene Medikamente, die zur Linderung der Symptome eingesetzt werden können:

  • Levodopa: Wird im Körper in Dopamin umgewandelt und gleicht den Dopaminmangel aus.
  • Dopaminagonisten: Imitieren die Wirkung von Dopamin im Gehirn.
  • MAO-B-Hemmer: Verhindern den Abbau von Dopamin im Gehirn.
  • COMT-Hemmer: Verlängern die Wirkung von Levodopa.
  • Amantadin: Kann bei Dyskinesien helfen.
  • Anticholinergika: Können Tremor reduzieren.

Nicht-medikamentöse Therapie

Neben der medikamentösen Therapie gibt es auch verschiedene nicht-medikamentöse Maßnahmen, die zur Linderung der Symptome beitragen können:

  • Physiotherapie: Verbesserung der Beweglichkeit, Kraft und Koordination
  • Ergotherapie: Anpassung des Wohnraums und der Alltagsaktivitäten
  • Logopädie: Verbesserung der Sprach- und Schluckfunktion
  • Psychotherapie: Unterstützung bei Depressionen und Angstzuständen
  • Ernährungstherapie: Anpassung der Ernährung bei Schluckbeschwerden und Verstopfung
  • Selbsthilfegruppen: Austausch mit anderen Betroffenen

Tiefe Hirnstimulation (THS)

Die tiefe Hirnstimulation (THS) ist ein chirurgischer Eingriff, bei dem Elektroden in bestimmte Bereiche des Gehirns implantiert werden. Die Elektroden senden elektrische Impulse aus, die die Gehirnaktivität modulieren und die Symptome lindern können. Die THS kommt vor allem bei Patienten in Frage, bei denen die medikamentöse Therapie nicht mehr ausreichend wirkt.

Pflege und Unterstützung

Die Pflege von Menschen mit Parkinson-Syndrom kann für Angehörige sehr belastend sein. Es ist wichtig, sich Unterstützung zu suchen und sich über die Krankheit zu informieren. Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Unterstützung, wie z.B.:

  • Pflegedienste: Unterstützung bei der Körperpflege, Ernährung und Mobilität
  • Tagespflege: Betreuung und Aktivitäten tagsüber
  • Kurzzeitpflege: Zeitweise Unterbringung in einer Pflegeeinrichtung
  • Selbsthilfegruppen: Austausch mit anderen Angehörigen
  • Beratungsstellen: Informationen und Unterstützung für Betroffene und Angehörige

Leben mit Parkinson

Parkinson ist eine chronische Erkrankung, die das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen stark beeinflussen kann. Es ist wichtig, sich mit der Krankheit auseinanderzusetzen und Strategien zu entwickeln, um mit den Symptomen umzugehen.

Tipps für den Alltag

  • Bewegung: Regelmäßige Bewegung kann helfen, die Beweglichkeit zu erhalten und die Symptome zu lindern.
  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung ist wichtig für die Gesundheit und das Wohlbefinden.
  • Soziale Kontakte: Pflegen Sie soziale Kontakte und nehmen Sie an Aktivitäten teil.
  • Hilfsmittel: Nutzen Sie Hilfsmittel, um den Alltag zu erleichtern.
  • Akzeptanz: Akzeptieren Sie die Krankheit und suchen Sie sich Unterstützung.

Forschung und Ausblick

Die Parkinson-Forschung ist sehr aktiv und es gibt viele vielversprechende Ansätze für neue Therapien. Ziel der Forschung ist es, die Ursachen der Krankheit besser zu verstehen, neue Medikamente zu entwickeln und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.

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