Die Lendenwirbelsäule (LWS) ist ein zentraler Abschnitt der menschlichen Wirbelsäule. Sie trägt einen Großteil des Körpergewichts und ermöglicht gleichzeitig vielfältige Bewegungen. Die komplexe Anatomie der LWS, insbesondere die der zugehörigen Nerven, ist entscheidend für das Verständnis von Schmerzen und Funktionsstörungen in diesem Bereich.
Aufbau und Topographie der Spinalnerven
Das periphere Nervensystem besteht aus 31 Spinalnervenpaaren, die dem Rückenmark entspringen: 8 Zervikalnerven, 12 Thorakalnerven, 5 Lumbalnerven, 5 Sakralnerven und 1 Nervus coccygeus. Die dorsalen und ventralen Wurzeln jedes Spinalnervs treten mit 5-10 Fila radicularia aus dem entsprechenden Rückenmarksegment aus. Mit Ausnahme der oberen Zervikalsegmente verlaufen sie entlang der Rückenmarkoberfläche abwärts, da die Austrittsstelle tiefer liegt. Nach Erreichen des zugehörigen Zwischenwirbelkanals biegen sie stumpfwinklig ab und vereinigen sich innerhalb des Kanals zum Spinalnerv. Dieser kurze Nerv teilt sich bereits beim Austritt aus dem Foramen intervertebrale in zwei Äste auf:
- Ramus dorsalis: Versorgt die Haut und Muskulatur von Nacken und Rücken.
- Ramus ventralis: Versorgt die Haut und Muskulatur der übrigen Rumpfabschnitte und der Gliedmaßen.
Im medizinischen Alltag wird häufig der Begriff "Nervenwurzel" als Synonym für den Spinalnerv verwendet, da dieser nichts anderes als die Vereinigung der Vorder- und Hinterwurzeln darstellt. Eine ventrale Wurzel enthält etwa 200.000 Nervenfasern, die zum größten Teil Fortsätze der großen und kleinen motorischen Vorderhornzellen (α- und γ-Motoneurone) sind. Die ventralen Wurzeln C8-L2 besitzen zusätzlich efferente sympathische Fasern aus dem Seitenhorn, die Wurzeln S2-S4 efferente parasympathische Axone. Die dorsalen Wurzeln enthalten das 1,5- bis 3-Fache des Faserbestandes der ventralen Wurzeln und stellen die zentralen Fortsätze der Spinalganglienzellen dar. Das jeder Hinterwurzel zugehörige Spinalganglion befindet sich knapp proximal des Zusammentritts von Hinter- und Vorderwurzel zum Spinalnerv und liegt somit extradural im Foramen intervertebrale.
Topische Beziehungen zwischen Wirbelsäule und Nervenwurzeln
Die Höhenverschiebung zwischen Rückenmark und Wirbelsäule führt zu einer von zervikal nach lumbosakral zunehmenden Länge der Nervenwurzeln. In den zervikothorakalen Abschnitten treten die Nervenwurzeln nach kurzem intraspinalem Verlauf in der Nähe ihres Ursprungsortes durch das entsprechende Foramen intervertebrale. Im lumbalen und sakralen Spinalkanal - unterhalb des Rückenmark-Endes bei LWK1/2 - ziehen die Wurzeln L2-S5 als Cauda equina abwärts.
Der Lumbale Wirbelkanal
Der lumbale Wirbelkanal wird ventral von Wirbelkörper und Bandscheibe, dorsal vom Ligamentum flavum und von den Wirbelbögen begrenzt. Lateral finden sich die Bogenwurzeln und die Foramina intervertebralia. Der Hohlraum stellt einen Zylinder dar, der mit jeder Rumpfbewegung Form- und Volumenschwankungen zeigt. Kyphosierung (Rumpfvorneigung) bedeutet Volumenvermehrung, Reklination (Rumpfaufrichtung) Volumenverminderung.
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Den Inhalt des lumbalen Wirbelkanals bilden Duralsack, Nervenwurzeln und das peridurale Gewebe. Dieses besteht aus Venen und Fettgewebe, welche die Nervenwurzel umhüllen, so dass sie von den knöchernen Begrenzungen des Wirbelkanals, auch bei extremen Bewegungseinschlägen der LWS, geschont werden. Die Verschiebung zwischen dem Rückenmarksegment und dem entsprechenden Bewegungssegment an der Wirbelsäule ist im Lendenabschnitt am größten. Dadurch, dass sich das untere Ende des Rückenmarks mit seiner Spitze nur bis zum 1. bis 2. Lendenwirbelkörper streckt, die Spinalnerven aber weiter kaudal in ihrem zugehörigen Foramen intervertebrale aus dem Wirbelkanal austreten, verlaufen sie eine längere Strecke im Subarachnoidalraum. Paramediane Protrusionen und Prolapse können zu einer intrathekalen Kompression von Spinalnerven führen und tiefergelegene Wurzelsyndrome hervorrufen. Die Gesamtheit der langen kaudalen Spinalnerven, zusammen mit dem Filum terminale, dem Endfaden des Rückenmarks, der bis zum 2. Sakralwirbelkörper zieht, wird als Cauda equina bezeichnet.
Verlaufsrichtung der Nervenwurzeln
Die Verlaufsrichtung der Nervenwurzel nach Verlassen des Duralsackes richtet sich nach der Höhe des Segmentes. Je weiter die Wurzel nach kaudal ziehen, um so spitzwinkliger ist ihr Abgang aus dem Duralsack. Dadurch finden sich in den lumbalen Bewegungssegmenten jeweils andere topografische Beziehungen zwischen Nervenwurzeln und Bandscheibe. Die Abgangsstelle der Wurzel L4 befindet sich in Höhe des Wirbelkörpers L3. Die Wurzel L5 verlässt den Durasack in Höhe der Unterkante des 4. Lendenwirbels und die Wurzel S1 an der Unterkante des 5. Lendenwirbels. Ein Prolaps der Bandscheibe L4/L5 bedrängt in erster Linie die Wurzel L5. Die Wurzel L4 ist nur dann betroffen, wenn der Prolaps sehr massiv ist und sich nach lateral bzw. kranial verschiebt, denn die Wurzel L4 verläuft oberhalb der Zwischenwirbelscheibe L4/L5. Im Zwischenwirbelabschnitt L5/S1 können die Wurzeln S1 und L5 auch bei einem kleineren lateralen Prolaps gleichzeitig betroffen sein. Die Spinalnervenwurzel L5 liegt im oberen Abschnitt des Foramen intervertebrale, direkt den äußeren Lamellen der Zwischenwirbelscheibe auf. Der Spielraum der Wurzel L5 im Foramen intervertebrale L5/S1 ist sehr klein. Die lumbalen Nervenwurzeln werden nur in den beiden unteren Segmenten durch Bandscheiben tangiert.
Foramino-artikuläre Region
Von besonderem Interesse ist die foramino-artikuläre Region mit dem Austritt des Nervus spinalis aus dem Foramen intervertebrale und Aufzweigung in seine Endäste. Gleich nach seinem Austritt aus dem Foramen intervertebrale teilt sich der Nervus spinalis in einen kräftigen Ramus ventralis, einen etwas dünneren Ramus posterior (dorsalis) und in einen winzigen Ramus sinu-vertebralis. In der foramino-artikulären Region der unteren lumbalen Bewegungssegmente liegen die Spinalnerven mit ihren Abzweigungen, Muskeln und Gelenken sowie mit ihren Verbindungen dicht über den Ramus communicans zum Truncus sympathicus zusammen. Nozizeptoren der Gelenkkapseln des hinteren Längsbandes und des Wirbelkörperperiosts liegen dicht neben afferenten Fasern verschiedener Nerven. Form- und Funktionsstörungen des muskulo-skelettalen Systems gegeben durch Bandscheibendegeneration, reaktiven Veränderungen der Gelenkkapsel und Wirbelkörperrandkanten, führen gleichzeitig zur Irritation der dort befindlichen Nozizeptoren und nach längerer Reizung der afferenten Fasern zu Neuralgien. Der foramino-artikulären Region der unteren lumbalen Bewegungssegmente kommt eine besondere Bedeutung bei der Entstehung und Behandlung chronischer Kreuz- und Ischiasschmerzen zu. Es liegt nahe, die dicht beieinanderliegenden nozizeptiven neuralgischen Strukturen auch lokal zu behandeln.
Klinische Relevanz: Radikulopathien
Läsionen der spinalen Nervenwurzeln können durch verschiedene Pathomechanismen verursacht werden. Mechanische Ursachen, insbesondere degenerative Wirbelsäulen- und Bandscheibenveränderungen oder Traumata, überwiegen aufgrund der anatomischen Beziehung zur Wirbelsäule. Multisegmentale Schädigungen sind häufig auf entzündliche und metabolisch bedingte Radikulopathien zurückzuführen.
Symptome und Diagnostik
Die Schädigung einer Nervenwurzel kann je nach Intensität zu Reiz- und/oder Ausfallserscheinungen führen. Sensible Reizerscheinungen, die durch eine Läsion der kutanen Hinterwurzelafferenzen hervorgerufen werden, werden in das Dermatom der betroffenen Wurzel projiziert. Unter einem Dermatom versteht man jenen Teil der Hautoberfläche, der seine sensible Versorgung von einer bestimmten Nervenwurzel erhält. Die sorgfältige Analyse der Lokalisation von Schmerzen und/oder Parästhesien erlaubt meist die korrekte Identifizierung der betroffenen Wurzel.
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Sofern radikuläre Schmerzen zum Zeitpunkt der Untersuchung fehlen, lassen sich diese, besonders bei den häufigen vertebragenen Wurzelläsionen, öfter provozieren, und zwar einerseits durch Husten, Pressen oder Niesen, andererseits durch aktive und passive Bewegungen in dem erkrankten Wirbelsäulenabschnitt (z. B. Kopfneigung zur Seite, Drehung des Oberkörpers bzw. Rumpfbeugung oder -streckung). Allerdings können durch passive Kopfbewegungen auch Reizungen sensibler Bahnen im Halsmark ausgelöst werden, die nicht immer - wie z. B. das Lhermitte-Zeichen - bilateral und über ausgedehnten Hautbezirken auftreten, sondern auch streifenförmig nur einen Arm betreffen können. In den Nervenwurzeln verlaufen auch von inneren Organen bzw. von Muskeln, Knochen und Gelenken kommende Tiefenafferenzen, deren Affektion öfter „atypische“ Schmerzprojektionen hervorruft, so z. B. in das Hüftgelenk und die Leistenregion bei Irritation der Wurzel L5 oder in die Herzgegend bei einer Läsion der Wurzel C7.
Es ist wichtig zu beachten, dass im Zusammenhang mit Wirbelsäulenerkrankungen auch nichtradikuläre Schmerzausbreitungen (sog. pseudoradikuläre Schmerzen) auftreten können. Diese beschränken sich in der Regel auf den Schultergürtel-Oberarm- bzw. den Beckengürtel-Oberschenkel-Bereich, lassen sich keinem Dermatom exakt zuordnen und sind häufig auf begleitende Myogelosen und Tendomyosen zurückzuführen. Muskelerkrankungen mit axialem Schwerpunkt wie die myotone Dystrophie Typ 2 oder die fazioskapulohumerale Muskeldystrophie können zu therapierefraktären Lumbalgien führen und ein Bandscheibenleiden vortäuschen.
Nervenwurzelschädigungen, die nicht zu einer Irritation, sondern zu einem Funktionsverlust dort verlaufender Hautafferenzen führen, bedingen eine Beeinträchtigung der Oberflächensensibilität. Wegen der starken Überlappung der Dermatome findet sich meist nur ein schmaler hypästhetischer bzw. anästhetischer Bezirk.
Motorische Ausfälle
Der Funktionsausfall der in einer Nervenwurzel verlaufenden motorischen Nervenfasern führt zu Lähmungen im betreffenden Myotom. Dabei zählen zum Myotom alle Muskeln, die von dieser Wurzel einen funktionell bedeutsamen Teil ihrer motorischen Innervation erhalten. Von besonderer diagnostischer Bedeutung sind dabei diejenigen Muskeln, die den überwiegenden Teil ihrer motorischen Versorgung über eine Wurzel bekommen und deshalb als Kennmuskeln bezeichnet werden. So erhalten die Fuß- und Zehenheber den größten Teil ihrer motorischen Innervation von der Wurzel L5, sodass ein Funktionsausfall dieser Wurzel eine meist ausgeprägte Fuß- und Zehenheberschwäche zur Folge hat.
Bei der differenzialdiagnostischen Abgrenzung von Wurzel- gegenüber Nervenläsionen ist die Tatsache wichtig, dass kein Muskel ausschließlich von einer einzigen Nervenwurzel innerviert wird, sodass auch bei deren komplettem Ausfall keine Paralyse, sondern nur eine mehr oder weniger schwere Parese resultiert. Wegen dieser plurisegmentalen Versorgung ist der Verteilungstyp der Lähmungen für die Annahme einer Wurzelschädigung aufschlussreich, der dabei ein radikuläres - und kein nervales - Muster aufweist. Dieser Verteilungstyp muss durch eine motorische Funktionsprüfung aller in Betracht kommenden Muskelgruppen herausgearbeitet werden. Dabei ist auf durch Schmerzschonung bedingte Pseudoparesen zu achten, die eine echte Lähmung imitieren und das Ausfallsmuster verwirren können. Darüber hinaus müssen nicht alle einem Myotom zugehörigen Muskeln in gleichem Ausmaß betroffen sein: meist sind die paraspinalen, die distalen bzw. die Kennmuskeln stärker betroffen als die übrigen Muskeln des Myotoms. Muskelatrophien sind ein Spätsyndrom und daher diagnostisch von untergeordneter Bedeutung. Sie betreffen wie die Paresen alle zu dem betroffenen Myotom gehörigen Muskeln und sind am ausgeprägtesten in den jeweiligen Kennmuskeln zu sehen.
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Reflexe
Ein Ausfall oder eine Abschwächung von Muskeleigenreflexen resultiert bei partieller oder totaler Leitungsunterbrechung im afferenten oder efferenten Schenkel des Reflexbogens.
Elektromyographie und Neurographie
Ergeben sich aufgrund von Anamnese und klinischem Befund Unsicherheiten, ist eine ergänzende elektromyografische Diagnostik indiziert. Das Vorgehen ist hierbei ähnlich wie bei der motorischen Funktionsprüfung, d. h., man versucht durch Analyse verschiedener Muskeln einen radikulären Verteilungstyp herauszuarbeiten. Eine große Hilfe bei der Differenzierung radikulärer gegenüber nervalen Läsionen stellt die Ableitung von der autochthonen Nacken- bzw. Rückenmuskulatur dar; der etwaige elektromyografische Nachweis von Denervierungszeichen in dieser vom Ramus dorsalis des Spinalnervs versorgten Muskulatur belegt den proximalen Sitz der Läsion und schließt eine im Plexus- bzw. Nervenbereich gelegene Schädigung aus. Im Bedarfsfall kann die Nadelelektromyografie durch verschiedene neurografische Techniken ergänzt werden (F-Antworten, H-Reflex, SEP-Ableitungen nach Nerven- oder Dermatomstimulation, Magnetstimulation).
Von großer differenzialdiagnostischer Bedeutung ist schließlich die sensible Neurografie. Selbst eine ausgeprägte Nervenwurzelschädigung mit Sensibilitätsverlust im entsprechenden Dermatom führt zu keiner Amplitudenreduktion des sensiblen Nervenaktionspotenzials, während Läsionen im Spinalganglion oder distal davon eine Amplitudenabnahme bis hin zum Potenzialverlust bewirken.
Radiologische Untersuchungen
Radiologische Untersuchungen sind nicht in der Lage, eine Nervenwurzelschädigung direkt nachzuweisen. Um Fehldiagnosen und -behandlungen zu vermeiden, sollte die radiologische Diagnostik daher erst dann eingesetzt werden, wenn aufgrund von Exploration, neurologischer und elektromyografischer Untersuchung die Diagnose einer Radikulopathie (z. B. eines C7- oder S1-Syndroms) zweifelsfrei gestellt werden konnte. Danach sollten die verschiedenen Verfahren (CT, MRT, Myelografie) je nach der vermutlichen Ursache differenziert und gezielt eingesetzt werden. Nur wenn dabei festgestellte morphologische Veränderungen mit der klinischen Diagnose übereinstimmen, können diese als Ursache der klinischen Symptomatik akzeptiert werden. Selbst hochgradige radiologische Veränderungen können klinisch stumm bleiben, sodass man deren kausale Beziehung zu einer bestimmten Symptomatik in jedem Einzelfall kritisch überprüfen muss, v. a. dann, wenn ein operatives Vorgehen erwogen wird. Auch ohne Beschwerden finden sich lumbale Bandscheibenvorfälle bis zum 60. Lebensjahr kernspintomografisch bei 20-30 % der Bevölkerung und bei mehr als 60 % aller über 60 Jahre alten Menschen.
Spezifische Wurzelsyndrome
- Obere Zervikalwurzeln (C1-C4): Schädigungen lassen sich meist durch die Lokalisierung von Parästhesien oder Schmerzen in das betreffende Dermatom nachweisen.
- Nervenwurzelläsionen C5-C8: Sensible Reizerscheinungen wie Schmerzen und Parästhesien werden meist im gesamten Dermatom verspürt, während sich etwaige Sensibilitätsausfälle in der Regel auf das Zentrum des Dermatoms beschränken. Die Paresen sind bevorzugt in den jeweiligen Kennmuskeln klinisch und ggf. elektromyografisch nachweisbar. Zur Abgrenzung z. B. eines C5-Syndroms gegenüber einer N.-axillaris-Parese oder eines C8-Syndroms gegenüber einer N.-ulnaris-Parese oder auch einer unteren Armplexuslähmung sind die bereits erwähnten Methoden der paravertebralen EMG-Ableitung und der im Seitenvergleich durchgeführten sensiblen Neurografie von Bedeutung.
- Thorakalwurzeln (Th1-Th12): Schädigungen einzelner Thorakalwurzeln finden sich selten im Zusammenhang mit traumatischen, entzündlichen und v. a. tumorösen Prozessen im Bereich der BWS sowie bei dort lokalisierten operativen Eingriffen. Die Symptomatik besteht in gürtelförmigen Schmerzen oder Parästhesien, die dem Verlauf des jeweiligen Dermatoms folgen. Motorische Ausfälle finden sich bei einer Schädigung der thorakalen Spinalnerven 1-6 nicht. Wenn aber die kaudalen Spinalnerven Th7-12 betroffen sind, kann sich eine Bauchwandparese („paralytische Bauchwandhernie“) manifestieren. Eine thorakale Radikulopathie mit Betroffensein meist mehrerer Nervenwurzeln (uni- oder bilateral) findet sich nicht selten im Rahmen einer diabetischen Schwerpunktneuropathie und bei der Neuroborreliose, z. T. als einzige Manifestation der Erkrankung. Neben gürtelförmigen Schmerzen, die vielfach zu einer ergebnislosen abdominellen Diagnostik führen, sind die Bauchwandparesen das führende Symptom. Die Differenzierung einer thorakalen Spinalnerven-(„Nervenwurzel-“)Läsion von einer weiter peripher, z. B. im Bereich der Interkostalnerven gelegenen Schädigung ist klinisch oft schwierig.
- Lumbalwurzeln (L1-L3): Die seltenen Schädigungen der Wurzeln L1-L3 lassen sich durch die in das entsprechende Dermatom projizierten Schmerzen oder Parästhesien in Kombination mit einer Hüftbeugerschwäche diagnostizieren. Bei einer L3-Wurzelkompression kann die Schmerzausstrahlung eine Kniegelenkerkrankung vortäuschen.
- Lumbalwurzeln (L4-S1): Beim L5-Syndrom besteht außer der Fuß- und Zehenheberschwäche oft auch eine Parese der seitlichen Glutealmuskulatur mit positivem Trendelenburg-Zeichen. Beim S1-Syndrom sind neben den Fuß- und Zehensenkern auch die ischiokrurale Muskulatur und der M. glutaeus maximus betroffen (klinisch und/oder elektromyografisch). Der gleichzeitige Ausfall von zwei oder mehr Wurzeln kommt im Lumbosakralbereich durch den parallelen Verlauf mehrerer Wurzeln nicht selten vor, wobei kombinierte Schädigungen der Wurzeln L4 und L5 oder L5 und S1 vorkommen.
Das LWS-Syndrom
Das LWS-Syndrom ist ein Sammelbegriff für verschiedene Beschwerdebilder im Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS). Es handelt sich dabei nicht um eine eigenständige Krankheit, sondern um einen Komplex von Schmerzen und Funktionsstörungen, die in diesem Bereich auftreten. Die Lendenwirbelsäule (LWS) besteht aus fünf Wirbeln (L1 bis L5) im unteren Rückenbereich. Sie trägt einen Großteil des Körpergewichts und ist gleichzeitig für Beweglichkeit und Stabilität verantwortlich. Zwischen den Wirbeln befinden sich die Bandscheiben, die als Stoßdämpfer fungieren.
Ursachen: Die Gründe für ein LWS-Syndrom sind vielfältig, darunter:
- Bandscheibenvorfälle
- Abnutzungserscheinungen
- Fehlhaltungen
- Muskelverspannungen
- Psychische Belastung
Diagnose und Behandlung: Eine fachliche Diagnose ist wichtig, um eine passende Behandlung einzuleiten. Die Diagnose erfolgt in der Regel durch einen Orthopäden, Hausarzt oder Facharzt für Schmerztherapie. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und Schwere der Beschwerden und kann Folgendes umfassen:
- Bewegungstherapie
- Physiotherapie
- Schmerzmittel
- Minimalinvasive Eingriffe
- Operation (in seltenen Fällen)
- Anpassung des Lebensstils
Bandscheibenvorfall
Ein Bandscheibenvorfall ist eine häufige Ursache für Rückenschmerzen und kann die Nervenwurzeln in der LWS beeinträchtigen. Dabei reißt der Faserknorpel der Bandscheibe, und der Gallertkern tritt in den Wirbelkanal aus. Drückt der Gallertkern auf eine Nervenwurzel, kann dies zu starken Schmerzen, Lähmungen und Ausfällen führen.
Ursachen: Die Ursachen eines Bandscheibenvorfalls liegen meist in verschleißbedingten (degenerativen) Prozessen. Nur selten ist ein Unfall (Trauma) für einen Bandscheibenvorfall verantwortlich.
Symptome: Die Symptome eines Bandscheibenvorfalls können je nach betroffenem Segment der Wirbelsäule variieren. Typische Symptome sind:
- Stechende Schmerzen im Rücken, die bis in die Beine und Füße ausstrahlen können
- Schonhaltungen
- Vermeidung von starkem Pressen oder Husten
- Kribbeln, Taubheitsgefühle und Muskelschwächen bis hin zu Lähmungserscheinungen in den Beinen (bei Beteiligung des Rückenmarks)
- Beeinträchtigung der Schließmuskulatur von Blase und Darm (in seltenen Fällen)
Das Rückenmark
Das Rückenmark ist ein wichtiger Teil des zentralen Nervensystems, das Informationen zwischen Gehirn und Körper überträgt. Es liegt geschützt im Wirbelkanal und erstreckt sich vom Gehirn bis etwa zum ersten oder zweiten Lendenwirbel.
Aufbau des Rückenmarks
Das Rückenmark besteht aus grauer und weißer Substanz. Die graue Substanz enthält Nervenzellkörper, während die weiße Substanz die Nervenfaserbahnen enthält, die Informationen zum und vom Gehirn leiten.
Funktion des Rückenmarks
Das Rückenmark hat zwei Hauptfunktionen:
- Leitung von Nervenimpulsen: Das Rückenmark leitet sensorische Informationen vom Körper zum Gehirn und motorische Informationen vom Gehirn zu den Muskeln.
- Reflexe: Das Rückenmark ist auch für die Auslösung von Reflexen verantwortlich, die schnelle, unwillkürliche Reaktionen auf bestimmte Reize sind.
Wirbelsäule als Ganzes
Die Wirbelsäule ist eine komplexe Struktur, die aus 33 Wirbeln besteht, die durch Bandscheiben und Gelenke miteinander verbunden sind. Sie bietet Schutz für das Rückenmark und ermöglicht gleichzeitig Bewegung und Flexibilität.
Abschnitte der Wirbelsäule
Die Wirbelsäule ist in fünf Abschnitte unterteilt:
- Halswirbelsäule (HWS): Besteht aus sieben Wirbeln und trägt das Gewicht des Kopfes.
- Brustwirbelsäule (BWS): Besteht aus zwölf Wirbeln, an denen die Rippen befestigt sind.
- Lendenwirbelsäule (LWS): Besteht aus fünf Wirbeln und trägt einen Großteil des Körpergewichts.
- Kreuzbein (Os sacrum): Besteht aus fünf verschmolzenen Wirbeln und verbindet die Wirbelsäule mit dem Becken.
- Steißbein (Os coccygis): Besteht aus drei bis fünf verschmolzenen Wirbeln und bildet das Ende der Wirbelsäule.
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