Parkinson-Erkrankungen stellen eine besondere Herausforderung in der Altenpflege dar. Die Symptome sind vielfältig und individuell, und die Pflegekräfte müssen in der Lage sein, die Betroffenen bestmöglich zu unterstützen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Parkinson-Syndrome, ihre Symptome und vor allem über spezifische Übungen, die Altenpflegeschüler erlernen und anwenden können, um die Mobilität und Lebensqualität der Patienten zu verbessern.
Einführung in das Parkinson-Syndrom
In der Medizin wird ein Syndrom als eine Kombination von Symptomen definiert, die typischerweise gleichzeitig auftreten. Bei Parkinson ist der Verlauf und die Symptomatik bei jedem Patienten unterschiedlich. Die Symptome nehmen kontinuierlich zu, da im Laufe der Zeit immer mehr Nervenzellen absterben. Viele Betroffene erleben auch tägliche Schwankungen der Symptome.
Motorische Symptome und ihre Bedeutung
Die motorischen Symptome sind besonders charakteristisch für Parkinson und dienen als wichtige Orientierungshilfe bei der Diagnose. Dazu gehören:
- Bradykinese: Die Verlangsamung der Bewegungen fällt oft zuerst Angehörigen auf. Betroffene können Bewegungen nicht mehr flüssig ausführen, sie wirken stockend und gehemmt.
- Ruhetremor: Zittern tritt auf, wenn die Muskulatur vollkommen entspannt ist, beispielsweise wenn die Hand im Schoß liegt.
- Muskelsteifheit (Rigor): Schmerzhafte Verspannungen, besonders in den Oberarmen oder der Schulter, werden oft fehldiagnostiziert. Schmerzmittel zeigen hier keine Wirkung.
- Gangbild: Im späteren Stadium haben Betroffene das Gefühl, ihre Beine versagen und die Füße am Boden festkleben. Dies führt zu einem unsicheren Gang, Gleichgewichtsproblemen und erhöhter Sturzgefahr. Treppen und unebenes Gelände stellen große Herausforderungen dar.
Nicht-motorische Symptome
Neben den motorischen Symptomen können auch nicht-motorische Symptome auftreten, die oft schambesetzt und belastend sind. Es ist wichtig, dass sich Patienten ihrem Arzt anvertrauen, da viele dieser Symptome gelindert werden können.
Frühe Warnzeichen können unspezifisch sein:
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- REM-Schlaf-Verhaltensstörung: Lebhaftes Träumen im REM-Schlaf mit Sprechen, Treten oder Schlagen.
- Weitere mögliche Frühsymptome: Schlafstörungen, Blasen- und Darmstörungen, Riechstörungen und Stimmungsänderungen.
Diagnose und Weiteres Vorgehen
Die Diagnose von Parkinson ist oft schwierig, da die Erkrankung in vielen Fällen schon fortgeschritten ist, bevor eindeutige Symptome auftreten. Nebensymptome wie Schlafstörungen, Muskelverspannungen oder Schmerzen werden oft einzeln diagnostiziert.
Ein Parkinson-Selbsttest kann erste Hinweise geben, ersetzt aber niemals den Arztbesuch. Fachärzte für Neurologie mit Spezialwissen im Bereich Bewegungsstörungen sind die richtige Anlaufstelle.
Die Parkinson-Diagnostik umfasst verschiedene Untersuchungen und Tests:
- Anamnese: Detaillierte Fragen zur medizinischen Vorgeschichte und den Symptomen.
- Körperliche Untersuchung: Erkennung typischer Parkinson-Symptome.
- L-Dopa-Test: Verbesserung der Symptome nach Gabe von L-Dopa deutet auf ein idiopathisches Parkinson-Syndrom hin.
- Ausschluss anderer Ursachen: Schlaganfall, Medikamentennebenwirkungen oder andere neurodegenerative Erkrankungen.
- DAT-Scan: Bildgebende Untersuchung zur Bestätigung der Diagnose.
Nach der Diagnose ist es wichtig, sich über Hilfen und Angebote zu informieren.
Parkinsonoid: Parkinson-Symptome, aber kein Parkinson
Der Begriff „Parkinsonoid“ bezieht sich auf Symptome, die denen der Parkinson-Krankheit ähneln, aber andere Ursachen haben.
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Bewegungsübungen als Therapieunterstützung
Bewegungsübungen können einzelne Parkinson-Symptome lindern und die Therapie unterstützen. Ergotherapeutin Susann Stübe-Völlger bietet im Kursana Domizil Buchholz eine spezielle Therapiegruppe für an Morbus Parkinson erkrankte Bewohner an. Die Rückmeldungen sind durchweg positiv.
Im Mittelpunkt der Therapiegruppe stehen Übungen für Mobilisierung und Gleichgewicht. Ziel ist es, den eingeschränkten Bewegungsradius der Erkrankten zu erweitern und fließende Bewegungen einzuüben.
Beispiele für Übungen:
- Kreise zeichnen: Senioren zeichnen auf einem Blatt Papier große Kreise, um ihre Schulterpartie zu lockern.
- Sitzgymnastik: Fokus auf großen, weichen Bewegungen für die Arme.
- Übungen im Stehen: Gezielte Übungen gegen die Loslaufschwäche und das Symptom der „klebenden Füße“. Dabei wird entspannt das Gewicht von einem Fuß auf den anderen verlagert und die Füße werden angehoben.
Nach jeder Therapieeinheit werden die Teilnehmer dazu eingeladen, bewusst nachzuspüren und so Stück für Stück ein besseres Körpergefühl zu entwickeln.
Allgemeine Bewegungsübungen für Senioren
Bewegungsübungen sind ein wesentlicher Bestandteil der Gesundheitsförderung im Alter. Sie tragen zur Erhaltung der körperlichen Fitness bei, können der Entstehung von Krankheiten vorbeugen und das allgemeine Wohlbefinden fördern.
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- Mobilisation: Übungen zur Erhaltung oder Wiederherstellung der allgemeinen Beweglichkeit. Auch bettlägerige Senioren können angepasste Bewegungsübungen durchführen.
- Bridging-Übung: Anheben des Gesäßes aus der Rückenlage mit aufgestellten Beinen zur Erlernung der Gewichtsverlagerung des Rumpfes.
- Sitzen an der Bettkante: Ermöglicht mehr Bewegungs- und Kommunikationsmöglichkeiten als das Liegen.
- Gehübungen: Nach einem Schlaganfall ist das (Wieder-)Erlernen des Gehens eines der Hauptziele der Rehabilitation.
Spezifische Übungen für Altenpflegeschüler
Altenpflegeschüler können folgende Übungen mit den Senioren durchführen:
- Knieheben: Aufrechtes Sitzen auf einem Stuhl, abwechselndes Anheben der Knie zur Stärkung der Oberschenkelmuskulatur und Förderung der Durchblutung.
- Schulterkreisen: Sanfte Kreisbewegungen mit den Schultern zur Verbesserung der Beweglichkeit und Lockerung der Schultermuskulatur.
- Fußwippen: Abwechselndes Anheben der Fersen zur Stärkung der Wadenmuskulatur und Förderung der Durchblutung.
- Bein strecken: Ausstrecken eines Beins im Sitzen zur Stärkung der Beinmuskulatur.
Fantasiereisen
- Tierische Bewegungen: Die Senioren ahmen die Bewegungen verschiedener Tiere nach, um Bewegung, Koordination und Vorstellungskraft zu fördern.
- Tanzparty: Nachahmung verschiedener Tanzstile zur Förderung der Bewegung, Koordination und des Rhythmusgefühls.
- Weltreise: Nachahmung von Bewegungen verschiedener Orte und Aktivitäten zur Förderung der Bewegung, der Vorstellungskraft und des interkulturellen Verständnisses.
- Gartenarbeit: Nachahmung von Bewegungen verschiedener Gartenaktivitäten zur Förderung der Bewegung, Feinmotorik und des Naturbewusstseins.
Therapieball-Übungen
- Ballwurf: Verbesserung der Armkraft und der Hand-Auge-Koordination.
- Fußmassage: Förderung der Durchblutung und Entspannung der Fußmuskulatur.
- Finger- und Handübungen: Verbesserung der Fingerkraft und der Geschicklichkeit.
- Beinheben: Stärkung der Beinmuskulatur und Verbesserung des Gleichgewichts.
- Rückenmassage: Förderung der Entspannung und Lockerung der Rückenmuskulatur.
Hilfsmittel bei Gehblockaden
Gehblockaden (sog. "Freezing" oder "Einfrieren") treten meist auf, wenn der Medikamentenspiegel zu gering ist. Sie können durch Verhaltensschulung und Maßnahmen zur Deblockierung reduziert werden.
Mögliche Hilfsmittel:
- MP3-Player mit geeigneter Musik: Musik im 2/4- oder 4/4-Takt (z.B. Marschmusik) kann helfen, Gehblockaden zu überwinden.
- Laserpointer: Der Bewohner kann den Laserpointer selbstständig nutzen, um einen Lichtpunkt auf den Boden zu projizieren und darauf zuzugehen.
- "Anti-Freezing-Gehstock": Ein Gehstock, der einen Strich auf den Boden zeichnet.
- Gewichtsverlagerung: Entspannt das Gewicht von einem Fuß auf den anderen verlagern und die Füße anheben.
Medikamentöse Therapie bei Parkinson
Die medikamentöse Therapie zielt darauf ab, den Dopamin-Mangel im Gehirn auszugleichen oder die Wirkung von Dopamin zu verstärken.
- L-Dopa: Wird im Gehirn in Dopamin umgewandelt und gilt als „Goldstandard“ in der Parkinson-Behandlung.
- Dopamin-Agonisten: Ahmen die Funktion des Dopamins im Gehirn nach.
- Glutamat-Antagonisten (z.B. Amantadin): Reduzieren die Wirkung des Glutamats im Gehirn.
- COMT-Hemmer: Hemmen den Abbau von L-Dopa, sodass mehr L-Dopa das Gehirn erreicht.
- Anticholinergika: Eine seit Langem bekannte Wirkstoffgruppe.
- MAO-B-Hemmer: Verlängern die Wirkung von L-Dopa.
Wirkungsschwankungen und Nebenwirkungen
Im fortgeschrittenen Stadium können Wirkungsschwankungen (ON-OFF-Phasen) auftreten. Eine eiweißarme Diät kann helfen, da Eiweiß die Aufnahme von Dopamin-Präparaten im Darm beeinträchtigen kann.
Nebenwirkungen der Medikamente können gesteigerte, unkontrollierte Bewegungen (Hyperkinesien) und Fehlbewegungen (Dyskinesien) sein. Unruhezustände, Halluzinationen und Wahnvorstellungen können ebenfalls auftreten.
Logopädie bei Parkinson
Da die Parkinson-Erkrankung die Beweglichkeit beeinträchtigt, kann auch das Sprechen betroffen sein. Logopädische Übungen umfassen:
- Lösen von Verspannungen: Im Nacken-, Schulterbereich und Kontrolle der Körperhaltung.
- Förderung der Mundbeweglichkeit: Übungen für Kiefer, Lippen, Zunge und Gaumensegel.
- Stimme verbessernde Übungen: Steigerung der Lautstärke und Stabilität der Stimme.
Hilfsmittel für den Alltag
Es gibt verschiedene Hilfsmittel, die den Alltag von Parkinson-Patienten erleichtern können:
- Rutschfester Teller: Mit erhöhtem Tellerrand zur einhändigen Nahrungsaufnahme.
- Schnabelbecher: Zum Trinken im Liegen.
- Tisch-Schere: Für Menschen mit eingeschränkter Fingerbeweglichkeit.
- Haushaltszange: Zum feinen Zugreifen.
- Grip-it Flaschen- und Glasöffner: Aus weichem, nicht rutschendem Kunststoff.
- Sitzmatte: Verhindert das Abrutschen vom Stuhl.
- Antirutsch Streifen: Erhöhen die Haftung an Griffen.
- Schuhanziehhilfe: Mit langem Band zum Herablassen des Schuhs.
- Einhand-Dosenöffner: Zum leichten Öffnen von Dosen.
Soziale Unterstützung und finanzielle Hilfen
Die Deutsche Parkinson Vereinigung Bundesverband e. V. bietet Unterstützung und Beratung. Die soziale Krankenversicherung schützt bei Krankheit und Mutterschaft. Es gibt Regel- und Mehrleistungen. Leistungen nach dem SGB XI können Personen in Anspruch nehmen, die wegen einer Krankheit oder Behinderung auf Dauer Hilfe benötigen. Die gesetzliche Rentenversicherung schützt vor dem Risiko eines vorzeitigen Verlustes der Erwerbsfähigkeit und sichert ein Einkommen im Alter. Es gibt verschiedene Formen der Frührente, wie z.B. die EM-Rente.
Bedeutung von Bewegung für Senioren
Bewegungsmangel kann bei Senioren drastische Folgen haben. Körperliche Aktivität trägt zur Aufrechterhaltung der Gesundheit bei, reduziert das Risiko chronischer Erkrankungen, stärkt das Immunsystem und senkt das Risiko von osteoporosebedingten Knochenbrüchen. Regelmäßige Bewegung fördert die Mobilität, reduziert das Sturzrisiko und verbessert die kognitiven Funktionen. Sie setzt Endorphine frei, was sich positiv auf die Stimmung und die mentale Gesundheit auswirkt. Körperliche Aktivität in der Gruppe fördert die soziale Interaktion und die Lebensqualität.
Jede Bewegung zählt, und es wird empfohlen, langes Sitzen immer wieder von Bewegungseinheiten zu unterbrechen. Senioren sollten sich nur so bewegen, wie es ihre körperliche Verfassung zulässt. Auch wer eine Vorerkrankung hat, sollte mit dem Arzt sprechen, welche Bewegungen sinnvoll sind.
Bewegungsförderung sollte in Pflegeeinrichtungen einen hohen Stellenwert haben. Eine ansprechende und barrierefreie Ausstattung von Außen- und Innenbereichen ist wichtig.
Expertenstandard Mobilität in der Pflege
Der Expertenstandard „Erhaltung und Förderung der Mobilität in der Pflege“ befasst sich mit der Frage, wie Mobilität pflegebedürftiger Menschen erhalten oder verbessert werden kann. Er richtet sich vor allem an professionelle Pflegekräfte und ist für die Mobilisation in der Altenpflege wertvoll.
Mobilisationstechniken und Konzepte
- Kinästhetik: Die Lehre von Bewegung und der Bewegungsempfindung. Das Konzept stellt die Nutzung der eigenen Körperbewegung und der des Gegenübers in den Mittelpunkt.
- Bobath-Konzept: Richtet sich speziell an Patienten mit neurologischen Erkrankungen.
Kinästhetik ermöglicht Selbstkontrolle, erhöht das Körperbewusstsein und fördert so auch eine gewisse Unabhängigkeit des Pflegebedürftigen.
Mobilisation im Bett
Bettlägerige Pflegebedürftige müssen regelmäßig mobilisiert beziehungsweise positioniert werden, zum Beispiel, um Wundliegen vorzubeugen (Dekubitusprophylaxe).
Herausforderungen bei der Mobilisation
Je nachdem, wie mobil oder bewegungseingeschränkt der pflegebedürftige Angehörige ist, treten bei der Mobilisation verschiedene Herausforderungen auf. Zum Beispiel können Schmerzen empfunden oder Ängste entwickelt werden.
Schulungen für pflegende Angehörige
In einer fachgerechten Schulung werden kinästhetische Mobilisationstechniken für den Pflegealltag vermittelt. Es gibt auch Einrichtungen, die Gruppenschulungen zu diesen Themen anbieten und wo gegenseitig miteinander geübt werden kann.
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