Das Universitätsklinikum Jena (UKJ) hat in den letzten Jahren bedeutende Fortschritte in der Lehre der Neurologie und der medizinischen Ausbildung im Allgemeinen erzielt. Durch innovative Lehrkonzepte, die Integration von Forschung und Praxis sowie die Förderung digitaler Lernmethoden hat sich Jena als ein attraktiver Standort für Medizinstudierende etabliert. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Neurologie Lehre und des Studiums in Jena, von der Reform des Curriculums bis hin zu Auszeichnungen für exzellente Lehre.
Reformiertes Curriculum „Jenos“
Ein Meilenstein in der Entwicklung der medizinischen Ausbildung in Jena war die Einführung des reformierten Curriculums „Jenos“. Der erste Jahrgang, der dieses neigungsorientierte Studium vollständig durchlaufen hat, absolvierte erfolgreich die entsprechenden Prüfungen. Das Kernstück von „Jenos“ ist die Wahl einer von drei Linien im zweiten Studienabschnitt: Klinik-, Ambulant- oder Forschung-orientierte Medizin. Diese Spezialisierung ermöglicht es den Studierenden, sich frühzeitig auf ihre Interessengebiete zu konzentrieren und ihre Fähigkeiten entsprechend zu vertiefen. Die neuen Lehrveranstaltungen begannen im Wintersemester 2014/15.
Praktischer Prüfungsparcours
Ein wesentlicher Bestandteil des reformierten Curriculums ist der umfangreiche praktische Prüfungsparcours. Die Studierenden mussten in 17 Stationen mit 52 Fallvarianten ihr ärztliches Können unter Beweis stellen. Insgesamt wurden 2.100 Einzelprüfungen abgenommen. Urte Mille, die Leiterin des Skills-Labs im UKJ, betonte, dass in dieser praktischen Prüfung gezielt das ärztliche Können abgefragt wurde, das den Studierenden in den Pflichtveranstaltungen vermittelt wurde und das sie in den Linien vertiefen konnten.
Zu den Prüfungsthemen gehörten grundlegende Fertigkeiten wie das Anlegen eines Venenzugangs und die Händedesinfektion, aber auch anspruchsvollere Aufgaben wie allgemeine und spezielle körperliche Untersuchungstechniken, zum Beispiel die Leber abtasten oder einfache Therapiemaßnahmen durchführen. Orlando Guntinas-Lichius, Studiendekan an der medizinischen Fakultät, hob hervor, dass diese praktischen Übungen eine wichtige Ergänzung zur theoretischen Ausbildung darstellen.
Beteiligung und Vorbereitung
An der Auswahl und Konzipierung der Prüfungsfälle waren 16 Einrichtungen des UKJ beteiligt. 48 Prüfer wurden im Vorfeld speziell geschult, ebenso wie 13 Schauspielpatienten, die realitätsnahe Szenarien simulierten. Bei der unmittelbaren Vorbereitung und an den Prüfungstagen selbst waren 16 Helfer im Einsatz, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten.
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Innovationen in der Lehre
Die Universität Jena und das Universitätsklinikum Jena legen großen Wert auf Innovationen in der Lehre. Dies zeigt sich unter anderem in der Förderung von Projekten, die neue Lehr- und Lernmethoden entwickeln und erproben.
„Freiraum 2022“
Zwei Projekte der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Universitätsklinikums Jena werden im Programm „Freiraum 2022“ von der Stiftung Innovation in der Hochschullehre gefördert. Im Mittelpunkt eines Projekts aus den Digital Humanities steht die Entwicklung und Erprobung eines Lehr-Lern-Labors, das sich insbesondere an Lehramtsstudierende im Fach Geschichte richtet.
E-Learning in der Neurologie
Ein weiteres Beispiel für innovative Lehre ist das E-Learning-Projekt der Neurologin Dr. Denise Schaller. Dieses Projekt wird mit einem Fellowship für Innovationen in der digitalen Hochschullehre gefördert. Ziel ist es, die akademischen Lehrkrankenhäuser des Universitätsklinikums Jena früher in die praktische Ausbildung der Medizinstudierenden einzubeziehen. Bisher ist dies erst im praktischen Jahr üblich.
„Mit einem medizindidaktischen E-Learning-Angebot wollen wir die Fachpartnerinnen und -partner in den Krankenhäusern auf die Lehrtätigkeit vorbereiten. Gemeinsam mit ihnen entwickeln wir dann das Konzept für ein insgesamt sechsstündiges Lehrmodul in der Neurologie mit Schwerpunkt auf Unterricht am Patienten“, so Denise Schaller.
Zur Evaluation des neuen Neurologie-Moduls beinhaltet das Projekt auch eine kontrollierte Studie. Denise Schaller: „Wir werden im nächsten Wintersemester das Studienjahr teilen: Eine Gruppe lernt ausschließlich bei uns am UKJ, die andere auch in den Lehrkrankenhäusern.“
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Insgesamt wurden acht Projekte im Rahmen des Programms Fellowships für Innovationen in der digitalen Hochschullehre gefördert. Die vom Thüringer Wissenschaftsministerium und dem Stifterverband vergebenen Fellowships umfassen je maximal 50.000 Euro und sollen Anreize für gute digitale Lehrkonzepte setzen und bei deren Umsetzung unterstützen.
Akademisches Atelier
Prof. Dr. Sefan Flörchinger aus der Physikalisch-Astronomischen Fakultät entwickelt ein Akademisches Atelier.
Auszeichnungen für exzellente Lehre
Die Bedeutung guter Lehre wird an der Universität Jena durch verschiedene Auszeichnungen und Preise unterstrichen. Diese Anerkennungen würdigen das Engagement und die Kreativität der Lehrenden und tragen dazu bei, die Qualität der Lehre kontinuierlich zu verbessern.
Lehrpreis der Fachschaft Medizin
Die Studierenden der Medizinischen Fakultät haben PD Dr. Gregor Hayn-Leichsenring für den seit 2010 jährlich vergebenen Lehrpreis der Fachschaft Medizin ausgewählt.
Ars legendi-Fakultätenpreis Medizin
Caroline Klingner und Jobst-Hendrik Schultz wurden mit dem Ars legendi-Fakultätenpreis Medizin ausgezeichnet. Jobst-Hendrik Schultz verfügt als Lehrkoordinator für Innere Medizin an der Medizinischen Fakultät Heidelberg über langjährige Erfahrungen in der medizinischen Lehre. Seine äußerst engagierte Tätigkeit zeichnet sich durch kontinuierlich neue Ideen aus. Dabei stellen die Vermittlung klinisch-praktischer Fertigkeiten sowie der Patient-Arzt-Kommunikation für Medizinstudierende und Studierende der interprofessionellen Gesundheitswissenschaften einen roten Faden dar. Dieser zieht sich durch seine Tätigkeit als Leiter des Kommunikations- und Interaktionstrainings in der Medizin (Medikit) und eines Ausbildungsprogramms für studentische Tutoren sowie als Mitgestalter der Dozentenausbildung. Ein besonderes Anliegen von Jobst-Hendrik Schulz ist die Evaluierung der Lehre und deren Einbettung in forschungspraktische Fragen. Maßgeblich beteiligt ist er ferner am Aufbau von Lehr- und Prüfungsformaten im nationalen und internationalen Kontext.
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Martina Kadmon, MFT-Vizepräsidentin und Vorsitzende der Jury, kommentierte die Entscheidung: "Wir ehren mit Caroline Klingner und Jobst-Hendrik Schultz zwei äußerst engagierte und innovative Lehrende und Wissenschaftler. Bei beiden Preisträgern wird deutlich, wie vielfältig und kreativ die Beschäftigung mit exzellenter Lehre sein kann, wenn sie kontinuierlich vom Studium bis weit in die berufliche Karriere verfolgt wird. Und sie zeigen, dass exzellente Lehre honoriert wird."
Volker Meyer-Guckel, stellvertretender Generalsekretär des Stifterverbandes, sagte: "Mit dem Ars legendi-Fakultätenpreis Medizin suchen wir großartige Lehransätze, um sie zu fördern und sichtbar zu machen."
Neurologie im Studium der Humanmedizin
Im Rahmen des Studiums der Humanmedizin an der Friedrich-Schiller-Universität werden Studierende im 7. Fachsemester im Querschnittsbereich Nervensystem und Psyche ausgebildet. Die Klinik für Neurologie bietet die Möglichkeit an, sowohl ambulante als auch klinische Famulaturen zu absolvieren.
Forschungsorientierung
Das UKJ unterstützt forschungsinteressierte und -erfahrene Ärztinnen und Ärzte auf dem Weg zu einer Karriere in der universitären Medizinforschung im Rahmen von Clinician Scientist-Programmen und Advanced Clinician Scientist-Programmen des IZKF Jena.
Im Jahr 2023 konnte das UKJ 59,3 Mio. € Drittmittel für Forschungsprojekte aufwenden. Es starteten neun vom Freistaat Thüringen geförderte Forschungsvorhaben, 27 DFG-Projekte, acht europäische Forschungsverbünde, 31 vom Bund unterstützte Projekte und 31 Vorhaben, die von Stiftungen gefördert werden. 2023 veröffentlichten die UKJ-Wissenschaftler 1134 Originalarbeiten. Am UKJ werden über 900 Doktoranden betreut. 2023 wurde 150-mal der Titel Dr. med., 22 Dr. med. dent. und 22 Dr. rer. nat. vergeben.
Akademie für Lehrentwicklung
Die Akademie für Lehrentwicklung unterstreicht die Bedeutung der Lehre für die Universität, indem sie regelmäßig Förderlinien ausschreibt, die einen Beitrag zur Weiterentwicklung und Verbesserung der Lehre leisten.
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