Alzheimer im höheren Alter: Symptome, Diagnose und Behandlungsansätze

Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Ursache für Demenz, einer fortschreitenden neurodegenerativen Erkrankung des Gehirns. Mit dem Anstieg der Lebenserwartung steigt auch die Zahl der Alzheimer-Patienten weltweit rasant an. Dieser Artikel beleuchtet die Symptome von Alzheimer im höheren Alter, die diagnostischen Herausforderungen und die aktuellen Behandlungsansätze, einschließlich neuer Medikamente, die den Krankheitsverlauf möglicherweise verlangsamen können.

Was ist Alzheimer?

Alzheimer ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung des Gehirns. Die Alzheimer-Demenz ist ein klinisches Syndrom, dem eine primär degenerative zerebrale Krankheit mit charakteristischen neuropathologischen und neurochemischen Merkmalen zugrunde liegt. Im Laufe der Erkrankung bilden sich Plaques und Tangles (Eiweißablagerungen) im Gehirngewebe. Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Ursache für Demenz.

Demenz vs. Alzheimer

Es ist wichtig, zwischen Demenz und Alzheimer zu unterscheiden. Demenz ist ein Oberbegriff für eine Reihe von Symptomen, die das Gedächtnis, die Denkfähigkeit und das Verhalten einer Person beeinträchtigen. Alzheimer hingegen ist eine spezifische Erkrankung, die die häufigste Ursache für Demenz darstellt.

Symptome von Alzheimer im höheren Alter

Die Symptome von Alzheimer können je nach Stadium der Erkrankung variieren. Nicht jeder Betroffene zeigt alle Symptome, und die Krankheit durchläuft im Allgemeinen progressive Stadien. Die Symptome werden im Laufe der Zeit immer ausgeprägter. Einige dieser Symptome können auch bei normalen Alterungsprozessen auftreten. Bei Alzheimer nehmen sie jedoch im Laufe der Zeit zu.

Frühstadium

Im Frühstadium zeigen sich manchmal leichte Gedächtnisstörungen und gelegentliche Herausforderungen bei alltäglichen Aufgaben. Die Betroffenen könnten Schwierigkeiten haben, sich an neue Informationen zu erinnern, vergessen Termine oder haben das Gefühl, dass ihnen die passenden Worte fehlen. Gleichzeitig können diese Symptome in dieser Phase oft gut von außen ausgeglichen werden.

Lesen Sie auch: Informationen für Alzheimer-Patienten und Angehörige

  • Gedächtnisstörungen: Betroffene vergessen kürzlich zurückliegende Ereignisse, während sie sich an ältere Erfahrungen mitunter noch gut erinnern. Mit der Zeit verschlechtert sich auch das Langzeitgedächtnis.
  • Konzentrationsschwierigkeiten: Es fällt zunehmend schwerer, sich zu konzentrieren und kompliziertere Alltagsaufgaben zu bewältigen.
  • Verhaltens- und Persönlichkeitsänderungen: Die Betroffenen zeigen möglicherweise Stimmungsschwankungen, Agitation, Reizbarkeit oder soziale Rückzüge.

Mittelstadium

Im Mittelstadium nehmen die kognitiven Beeinträchtigungen deutlich zu. Das Gedächtnis und die Denkfähigkeit verschlechtern sich weiter. Die Betroffenen haben Schwierigkeiten, sich an bekannte Orte zu erinnern, ihre Angehörigen zu erkennen oder sich selbst zu versorgen. Alltägliche Aktivitäten werden immer anspruchsvoller. Die Person kann zunehmend desorientiert und verwirrt wirken. Menschen im mittleren Stadium (mittelschwere Alzheimer-Demenz) müssen in der Regel ihr selbstständiges Leben aufgeben.

  • Zunehmende Vergesslichkeit: Betroffene vergessen nicht nur Namen und Termine, sondern auch wichtige persönliche Informationen und Ereignisse.
  • Orientierungsprobleme: Es fällt schwer, sich in vertrauten Umgebungen zurechtzufinden oder sich an den aktuellen Tag oder die Jahreszeit zu erinnern.
  • Sprachschwierigkeiten: Betroffene haben Schwierigkeiten, die richtigen Worte zu finden oder Gespräche zu führen.
  • Verhaltensauffälligkeiten: Es können Verhaltensweisen wie unruhiges Umherlaufen, Aggressivität oder Misstrauen auftreten.

Spätstadium

Im Spätstadium sind die kognitiven Beeinträchtigungen äußerst ausgeprägt. Die Betroffenen verlieren zunehmend die Fähigkeit, mit ihrer Umgebung zu interagieren, die Kommunikation wird zunehmend erschwert. Sie können Schwierigkeiten haben, zu sprechen, zu schlucken oder selbst grundlegende körperliche Funktionen zu steuern. Die Pflegebedürftigkeit steigt stark an, sodass die Patienten auf umfassende Betreuung und Unterstützung angewiesen sind. Im fortgeschrittenen Stadium (schwere Alzheimer-Demenz) sind die Menschen rund um die Uhr auf die Unterstützung anderer angewiesen.

  • Verlust der Kommunikationsfähigkeit: Gespräche sind kaum noch möglich, und die Betroffenen können sich nur noch schwer verständlich machen.
  • Verlust der motorischen Fähigkeiten: Es treten Schwierigkeiten beim Gehen, Stehen und Schlucken auf.
  • Inkontinenz: Die Kontrolle über Blase und Darm geht verloren.
  • Vollständige Pflegebedürftigkeit: Die Betroffenen sind auf umfassende Hilfe bei allen alltäglichen Aktivitäten angewiesen.

Ursachen und Risikofaktoren

Alzheimer ist eine komplexe Erkrankung, bei der vermutet wird, dass mehrere Faktoren interagieren und zusammenwirken, um die Krankheit auszulösen und voranzutreiben.

  • Alter: Das Risiko steigt deutlich ab dem 65. Lebensjahr an, ab dem 85. Lebensjahr ist es besonders hoch.
  • Genetische Veranlagung: Das APOE-Gen trägt dazu bei, das Risiko für Alzheimer zu beeinflussen. Bestimmte Varianten dieses Gens, insbesondere das APOE ε4-Allel, sind mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung der Krankheit verbunden. Menschen mit einer erblichen Veranlagung für Alzheimer haben bereits etwa 11 Jahre vor dem erwarteten Ausbruch von Demenzsymptomen auffällige Blutwerte, die auf beschädigte Nervenzellkontakte hinweisen. Maßstab ist die Konzentration des Proteins „Beta-Synuclein“.
  • Lebensstilfaktoren: Eine ungesunde Ernährung, mangelnde körperliche Aktivität, Rauchen, Alkoholkonsum und soziale Isolation können das Risiko für Alzheimer beeinflussen. Sogar ein niedriger Bildungsstand und eine geringe geistige Aktivität im Laufe des Lebens können das Alzheimer-Risiko erhöhen.
  • Weitere Faktoren: Diabetes mellitus („Zuckerkrankheit“), erhöhter Cholesterinspiegel, Depressionen, Bluthochdruck, Übergewicht, wenig soziale Kontakte, Schwerhörigkeit und geringe Bildung.

Diagnose von Alzheimer

Die Diagnose von Alzheimer kann eine Herausforderung sein, da es keine spezifischen Tests gibt, die die Erkrankung eindeutig bestätigen können. Die Diagnose von Alzheimer wird oft als Ausschlussdiagnose gestellt. Das bedeutet, dass andere mögliche Ursachen für die Symptome ausgeschlossen werden, um sicherzustellen, dass die Anzeichen und Befunde mit Alzheimer übereinstimmen. Je früher die Diagnose gestellt ist, umso besser. Eine frühzeitige Diagnose hilft den Patienten und ihren Angehörigen, geeignete Unterstützung und Behandlungsmöglichkeiten zu erhalten, die die Lebensqualität verbessern können.

Diagnostische Verfahren

  • Anamnese und körperliche Untersuchung: Erhebung der Krankengeschichte und Beurteilung des allgemeinen Gesundheitszustands.
  • Neuropsychologische Tests: Beurteilung der kognitiven Funktionen wie Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Sprache und Problemlösungsfähigkeit. Der Mini-Mental-Status-Test (MMST), der DemTect oder der Monteal Cognitive Assessment Test (MoCA) dienen zur orientierenden Einschätzung kognitiver Störungen.
  • Bildgebende Verfahren: Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) des Gehirns, um andere Ursachen für die Symptome auszuschließen und Veränderungen im Gehirn zu beurteilen.
  • Liquoruntersuchung: Analyse der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit, um Entzündungen oder andere Erkrankungen auszuschließen und Biomarker für Alzheimer zu bestimmen. Im Liquor können Korrelate der neuropathologischen Veränderungen einer Alzheimer-Erkrankung gefunden werden. Es empfiehlt sich daher die Bestimmung der Parameter ß-Amyloid-1-42 und Gesamt-Tau oder Phospho-Tau.
  • Bluttests: Bestimmung von Biomarkern im Blut, die auf Alzheimer hinweisen können. Ein internationales Forschungsteam berichtet, dass Menschen mit einer erblichen Veranlagung für Alzheimer bereits etwa 11 Jahre vor dem erwarteten Ausbruch von Demenzsymptomen auffällige Blutwerte haben, die auf beschädigte Nervenzellkontakte hinweisen. Maßstab ist die Konzentration des Proteins „Beta-Synuclein“.

Früherkennung durch Beta-Synuclein

Ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung des DZNE, des Universitätsklinikums Ulm sowie der Universitätsmedizin Halle berichtet im Fachjournal „Alzheimer‘s & Dementia“ über die Bedeutung des Proteins „Beta-Synuclein“ für die Früherkennung von Alzheimer. Die Konzentration dieses Proteins im Blut spiegelt Nervenschäden wider und lässt sich relativ einfach bestimmen. Untersuchungen zeigen, dass die Schädigung der Synapsen sehr früh einsetzt, bevor kognitive Beeinträchtigungen auftreten. Somit ist Beta-Synuclein ein Marker, der präsymptomatisch anschlägt.

Lesen Sie auch: Kinder-Alzheimer: Ein umfassender Überblick

Behandlung von Alzheimer

Derzeit gibt es keine Heilung für Alzheimer. Es gibt jedoch Behandlungen und Ansätze, die darauf abzielen, die Symptome zu lindern, das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Die Behandlung von Alzheimer umfasst in der Regel eine Kombination aus medikamentösen sowie nicht-medikamentösen Therapien.

Medikamentöse Therapie

  • Cholinesterasehemmer: Diese Medikamente (Donepezil, Galantamin, Rivastigmin) erhöhen den Acetylcholinspiegel im Gehirn und können die kognitiven Funktionen verbessern. Eine wichtige Nebenwirkung von Donezepil sind kardiale Veränderungen wie eine QTc-Zeit-Verlängerung und ggf. ventrikuläre Tachykardien incl. Torsade de Pointes. Es wird daher eine EKG-Überwachung empfohlen. Generelle Nebenwirkungen von Acetylcholinesterasehemmern sind bradykarde Herzrhythmusstörungen, Synkopen, Übelkeit, Erbrechen und Appetitlosigkeit.
  • NMDA-Antagonisten: Memantin blockiert Glutamat-Rezeptoren und kann die Kognition, Alltagsfunktion und den klinischen Gesamteindruck verbessern. Mögliche Nebenwirkungen sind QTc-Zeit-Verlängerungen, Übelkeit, Hypotonie, Unruhe und Verwirrtheit.
  • Amyloid-Antikörper: Diese neuen Medikamente (z.B. Lecanemab) führen zur Beseitigung winziger Ablagerungen aus dem Gehirn und können den Krankheitsverlauf verzögern. Lecanemab kann die Alzheimer-Krankheit weder heilen noch den Krankheitsverlauf stoppen. Ziel ist eine Verzögerung der kognitiven Einbußen bei Erkrankten im frühen Alzheimer-Stadium.

Nicht-medikamentöse Therapie

  • Kognitive Stimulation: Gedächtnis- und Orientierungsübungen, um die geistigen Fähigkeiten zu erhalten und zu verbessern.
  • Ergotherapie: Training von Alltagsfähigkeiten, um die Selbstständigkeit im Alltag zu fördern.
  • Physiotherapie: Körperliche Aktivität und Bewegung, um die motorischen Fähigkeiten und die allgemeine Gesundheit zu verbessern.
  • Musiktherapie, Kunsttherapie, Aromatherapie: Einsatz von kreativen und sensorischen Angeboten, um das Wohlbefinden und die Lebensqualität zu steigern.
  • Soziale Aktivitäten: Teilnahme an Gruppenaktivitäten und sozialen Kontakten, um Isolation und Depressionen vorzubeugen.

Neue Medikamente und Therapieansätze

Aktuell werden mehrere neue Medikamente zur Behandlung von Alzheimer getestet. Eines davon ist der Wirkstoff Lecanemab, früher als BAN2401 bekannt. Ende 2022 wurden positive Ergebnisse aus einer Phase-3-Studie für Lecanemab gemeldet, was zur vorläufigen Zulassung durch die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA im Januar 2023 führte. Im Juli 2023 erhielt das Medikament die vollständige US-Zulassung unter dem Namen Leqembi. Am 14. November 2024 wurde das Medikament für eine Zulassung durch die EMA (Europäische Arzneimittelagentur) empfohlen, eine Entscheidung steht jedoch noch aus.

Leben mit Alzheimer

Alzheimer kann erhebliche Auswirkungen auf den Alltag haben, sowohl für die Person mit der Erkrankung als auch für ihre Angehörigen und Pflegepersonen. Die Symptome der Krankheit, insbesondere im fortgeschrittenen Stadium, können die Fähigkeit der Betroffenen beeinträchtigen, alltägliche Aktivitäten zu bewältigen und selbstständig zu leben.

Unterstützung und Anpassung

  • Angepasste Umgebung: Klare Beschriftungen, strukturierte Tagesabläufe und sichere Zugänge können die Selbstständigkeit erhalten und die Sicherheit erhöhen.
  • Unterstützung für Angehörige: Beratung, Schulungen und Selbsthilfegruppen können Angehörigen helfen, mit den Herausforderungen der Pflege umzugehen.
  • Finanzielle Absicherung: Private Pflegeversicherungen können helfen, die finanziellen Belastungen und Sorgen zu reduzieren, die mit der Pflegebedürftigkeit bei Alzheimer verbunden sind.

Prävention von Alzheimer

Obwohl es keine Garantie dafür gibt, Alzheimer zu verhindern, gibt es einige Maßnahmen, die das Risiko möglicherweise verringern können:

  • Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und gesunden Fetten kann die Gehirngesundheit fördern.
  • Körperliche Aktivität: Regelmäßige Bewegung kann die Durchblutung des Gehirns verbessern und das Risiko für Alzheimer senken.
  • Geistige Aktivität: Kognitives Training und lebenslanges Lernen können die geistigen Fähigkeiten erhalten und das Gehirn aktiv halten.
  • Soziale Kontakte: Aktive Teilnahme am sozialen Leben und Pflege von Beziehungen können das Risiko für Alzheimer verringern.
  • Vermeidung von Risikofaktoren: Kontrolle von Bluthochdruck, Cholesterinspiegel und Diabetes sowie Verzicht auf Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum.

Lesen Sie auch: Alzheimer und Demenz im Vergleich

tags: #alzheimer #bei #hoherem #alter