Staatliche Förderung der Alzheimer-Forschung in Deutschland: Ein Überblick

Die Alzheimer-Krankheit und andere Demenzerkrankungen stellen eine wachsende Herausforderung für die Gesellschaft dar. Angesichts der steigenden Zahl von Betroffenen und der damit verbundenen Belastungen für Familien und das Gesundheitssystem ist die Förderung der Alzheimer-Forschung von entscheidender Bedeutung. In Deutschland engagieren sich sowohl staatliche als auch private Institutionen, um innovative Forschungsansätze zu unterstützen und die Lebensqualität von Menschen mit Demenz zu verbessern. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die staatliche Förderung der Alzheimer-Forschung in Deutschland und beleuchtet die verschiedenen Initiativen und Programme, die in diesem Bereich aktiv sind.

Bedeutung der Alzheimer-Forschung

Jährlich erkranken in Deutschland etwa 440.000 Menschen neu an der Alzheimer-Krankheit. Eine zeitgerechte Diagnostik und der frühe Beginn einer Therapie sind entscheidend für den Verlauf der Krankheit - insbesondere im Hinblick auf die erwartete Zulassung kausaler Therapien für die Alzheimer-Krankheit, welche eine biomarkerbasierte Diagnose im Stadium der frühen Alzheimer-Krankheit erfordern. Die DAK-Umfrage zeigt auch 2025: Nach Krebs bleibt Alzheimer/Demenz mit 54 % eine der am stärksten gefürchteten Erkrankungen. Seit Beginn der Erhebung 2010 bewegen sich die Werte nahezu konstant im Bereich von rund 50 %, was die anhaltend hohe gesellschaftliche Relevanz des Themas bestätigt.

Nationale Demenzstrategie

Die Nationale Demenzstrategie, herausgegeben vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG), definiert Konzepte, Strategien und Maßnahmen, die das Leben von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen verbessern sollen. Ein wichtiges Ziel der Nationalen Demenzstrategie betrifft den Bereich der Demenzprävention. Zahlreiche Studien konnten schützende Faktoren nachweisen, die den Erhalt geistiger Fähigkeiten fördern und das Risiko, an einer Demenz zu erkranken, verringern. Nachdem die WHO bereits im Mai 2019 Empfehlungen zur Reduktion von Risiken für eine kognitive Verschlechterung und Demenz im Alter veröffentlicht und auf das große Potenzial der Prävention hingewiesen hat, sieht nun auch die Nationale Demenzstrategie weitere Fördermaßnahmen vor. Dazu gehört vor allem eine verständliche Aufbereitung und die Erstellung von barrierefreiem Informationsmaterial, welches für alle Menschen leicht zugänglich sein soll. Ein weiterer Fokus liegt außerdem auf der Förderung von Forschungsvorhaben zu Ursachen der Demenz und Faktoren, die das Risiko einer Demenzerkrankung verringern können. Die Umsetzung der Nationalen Demenzleitlinie ist bis zum Jahresende 2026 geplant.

Förderprogramme und Initiativen

Innovationsfonds

Das Projekt „VERF-AK - Verbesserung der Früherkennung der Alzheimer-Krankheit durch gestufte Diagnostik“ erhält vom Innovationsfonds eine Förderung von 3,4 Millionen Euro für die nächsten drei Jahre. Ziel ist die Optimierung der Diagnostik der frühen Alzheimer-Krankheit durch einen gestuften Prozess zwischen Hausarztpraxen und Gedächtnisambulanz. Die Projektleitung liegt bei Frank Jessen, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Uniklinik Köln.

DZNE-Stiftung

Staatliche Fördermittel werden zurückgefahren, für viele erfolgversprechende Forschungsprojekte fehlt das Geld. Einen Ausweg bietet die private Forschungsförderung, der eine immer größere Bedeutung zukommt. Um sicherzustellen, dass Spendengelder dort ankommen, wo sie die größte Wirkung entfalten, vergibt die DZNE-Stiftung ihre Fördermittel in einem transparenten, wettbewerbsorientierten Verfahren. Jedes Jahr veröffentlicht die Stiftung mehrere themenbezogene Ausschreibungen, auf die sich Forschende aller DZNE-Standorte bewerben können. Namhafte nationale und internationale Gutachterinnen und Gutachter bewerten die eingegangenen Projektanträge und empfehlen dem Stiftungskuratorium nach klar definierten Kriterien die besten zur Förderung. Dank privater Spenden aus der Bevölkerung sind neun zusätzliche Forschungsvorhaben am DZNE in diesem Jahr ermöglicht worden.

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Bayerischer Demenzfonds

Seit dem 1. Oktober 2025 gilt die aktualisierte Förderrichtlinie Demenz und Teilhabe (DEMTeil) in Bayern. Sie integriert die bisherige Richtlinie für den Bayerischen Demenzpreis und erhöht die Preisgelder. Der Bayerische Demenzfonds unterstützt Angebote, die Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen - von kulturellen Aktivitäten bis zu generationenübergreifenden Projekten. Auch Kommunen können die Förderung erhalten, wenn sie demenzsensible Strukturen vor Ort auf- oder ausbauen. Die Projekte werden bis zu 18 Monate mit Fördermitteln zwischen 2.000 und 20.000 Euro unterstützt. Zudem verleiht der Fonds jährlich einen Preis für wissenschaftliche Abschlussarbeiten (1.000 Euro), die praxisnah zur Verbesserung der Lebenssituation von Menschen mit Demenz beitragen. Bewerbungen sind jeweils bis 31. Dezember beim Landesamt für Pflege einzureichen.

Landeskompetenzzentrum Demenz Sachsen-Anhalt

Am 21. November 2025 stellte das Landeskompetenzzentrum Demenz Sachsen-Anhalt gemeinsam mit Partner*innen die Demenzstrategie Sachsen-Anhalt vor. Die Konferenz im Stadthaus Halle (Saale) bot Einblicke in Ziele und Handlungsfelder der Strategie, Praxisbeispiele aus Sachsen-Anhalt und anderen Regionen sowie Raum für Austausch über Umsetzungsmöglichkeiten. Das Bundesland hat die zunehmende Bedeutung von Demenz im aktuellen Koalitionsvertrag verankert und in Umsetzung der Nationalen Demenzstrategie auf Bundesebene die Etablierung eines Landeskompetenzzentrums für Demenz festgeschrieben. Eine zentrale Aufgabe dabei war die Entwicklung der Demenzstrategie.

Forschungsschwerpunkte

Die staatliche Förderung der Alzheimer-Forschung konzentriert sich auf verschiedene Schwerpunkte, um ein umfassendes Verständnis der Krankheit zu erlangen und innovative Therapieansätze zu entwickeln.

Früherkennung und Diagnostik

Ein wichtiger Forschungsschwerpunkt liegt auf der Entwicklung und Verbesserung von Methoden zur Früherkennung und Diagnostik der Alzheimer-Krankheit. Dies umfasst die Erforschung von Biomarkern, die eine frühe Diagnose ermöglichen, sowie die Entwicklung von bildgebenden Verfahren, die Veränderungen im Gehirn sichtbar machen können. Das Projekt VERF-AK zielt darauf ab, die Versorgungsprobleme durch eine gestufte Diagnostik zwischen Hausarztpraxen und spezialisierten Diagnostikzentren standardisiert anzugehen. Das Forschungsteam will dies in Köln und Göttingen evaluieren.

Ursachenforschung

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Erforschung der Ursachen der Alzheimer-Krankheit. Dies umfasst die Untersuchung genetischer Faktoren, die das Risiko für die Erkrankung erhöhen, sowie die Erforschung von Umweltfaktoren, die eine Rolle spielen könnten. Forschende der Charité Berlin haben das Protein CLIC1 in den Mikroglia, den Immunzellen des Gehirns, entdeckt. Die Studie zeigt, dass CLIC1 sowohl die "Aufräumfunktion" der Mikroglia als auch ihre Entzündungsreaktionen steuert. Es steuert, wie beweglich die Zellen sind und wie viele Entzündungsstoffe sie freisetzen. In frühen Stadien könnte man somit die Mikroglia stärken, damit sie schädliches β-Amyloid besser abbauen können. In späteren Stadien könnte eine gezielte Blockade von CLIC1 übermäßige Entzündungen bremsen.

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Therapieentwicklung

Die Entwicklung neuer Therapieansätze ist ein zentraler Bestandteil der Alzheimer-Forschung. Dies umfasst die Erforschung von Medikamenten, die den Krankheitsverlauf verlangsamen oder aufhalten können, sowie die Entwicklung von nicht-medikamentösen Therapien, die die Lebensqualität von Menschen mit Demenz verbessern können. Dr. David Brenner und Prof. Dr. Jochen Weishaupt vom DZNE Ulm erhalten 100.000 Euro für die Prüfung bereits zugelassener Wirkstoffe als mögliche neue Therapieoptionen für ALS. Im Mittelpunkt steht das Schlüsselgen TBK1, dessen verringerte Aktivität Autophagie-Prozesse stört - ein zentraler Krankheitsmechanismus bei ALS. Das Team testet Substanzen, die TBK1 aktivieren und dadurch die zelluläre Reinigung verbessern.

Versorgungsforschung

Neben der Grundlagenforschung ist auch die Versorgungsforschung von großer Bedeutung. Diese umfasst die Entwicklung und Evaluation von Versorgungsmodellen, die eine bedarfsgerechte und wohnortnahe Versorgung von Menschen mit Demenz gewährleisten. Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW) präsentiert das Konzept "Sozialstation 2.0" als zukunftsweisendes Modell für eine wohnortnahe, bedarfsgerechte und koordinierte ambulante Pflege. Die Sozialstation 2.0 fungiert als erste Anlaufstelle für ältere und pflegebedürftige Menschen, erkennt frühzeitig Versorgungslücken und koordiniert Unterstützungsangebote. Mit erweiterten Aufgaben in Prävention, Beratung, Vernetzung und Koordination stärkt sie die Pflege als zentrale Säule des Gesundheitssystems, entlastet Pflegedienste und fördert die Selbstständigkeit im Alter.

Herausforderungen und Perspektiven

Trotz der vielfältigen Initiativen und Fortschritte in der Alzheimer-Forschung gibt es weiterhin große Herausforderungen. Die Komplexität der Erkrankung und die Vielfalt der individuellen Krankheitsverläufe erschweren die Entwicklung wirksamer Therapien. Zudem ist die Finanzierung der Forschung weiterhin eine Herausforderung, insbesondere angesichts der steigenden Kosten im Gesundheitswesen. Die Nationale Institutes of Health (NIH), die wichtigste US-Forschungsförderung, haben 2025 ihre Unterstützung für ausländische Forschungspartner stark eingeschränkt - auch bei Projekten, die für das Verständnis neurodegenerativer Erkrankungen entscheidend sind. Die Mittel für das Projekt von Prof. Dr. Martin Reuter vom DZNE Bonn fielen abrupt weg.

Um die Alzheimer-Forschung in Deutschland weiter voranzubringen, ist eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen staatlichen und privaten Institutionen erforderlich. Zudem ist es wichtig, die Öffentlichkeit für die Bedeutung der Forschung zu sensibilisieren und Spenden für die Alzheimer-Forschung zu mobilisieren. Die Alzheimer Forschung Initiative finanziert ihre Aufklärungsarbeit und die Forschungsförderung ausschließlich aus privaten Zuwendungen. Unterstützung von staatlichen Stellen oder von der Pharmaindustrie erhalten wir nicht.

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