Der Welttag des Gehirns, ein jährlich am 22. Juli begangener internationaler Aktionstag, etabliert von der World Federation of Neurology in 2014, rückt die Bedeutung der Hirngesundheit in den Fokus. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. Selbsthilfe Demenz (DAlzG) betont an diesem Tag, dass präventive Maßnahmen wesentlich dazu beitragen können, das Risiko für Demenzerkrankungen zu senken.
Prävention im Fokus: Ein aktiver Lebensstil für ein gesundes Gehirn
Swen Staack, der 1. Vorsitzende der DAlzG, hebt hervor, dass jeder Einzelne durch einen gesunden und aktiven Lebensstil viel für die Reduzierung des Demenzrisikos tun kann. Dazu gehört das Vermeiden von schädlichem Verhalten wie Rauchen und übermäßigem Alkoholkonsum sowie die Behandlung von Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes. Auch der Ausgleich von Schwerhörigkeit und Sehbeeinträchtigungen im Alter spielt eine wichtige Rolle beim Schutz vor Demenz.
Da Demenzerkrankungen in der Regel nicht heilbar sind, könnte die konsequente Vermeidung von Risikofaktoren die Anzahl der Demenzen wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge um bis zu 45 Prozent reduzieren. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft hat in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) in 2024 das Informationsangebot „Geistig fit bleiben - mit 10 Maßnahmen Demenz vorbeugen“ für Fachkräfte entwickelt, um Menschen mittleren und höheren Alters über Möglichkeiten zur Reduzierung ihres persönlichen Demenzrisikos zu informieren.
Forschung in Deutschland: Neue Strategien für Prävention, Therapie und Patientenversorgung
An bundesweit zehn Standorten werden neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson und ALS erforscht. Ziel ist es, neue Strategien der Prävention, Therapie und Patientenversorgung zu entwickeln. Regelmäßig werden Probanden für wissenschaftliche Studien gesucht.
Ein wichtiger Standort ist das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in Magdeburg, dessen Forschungsschwerpunkt auf Demenzerkrankungen liegt. Dort werden mithilfe verschiedener Bildgebungsverfahren Veränderungen des Gehirns und dessen Funktion im Alter und bei neurodegenerativen Erkrankungen untersucht, wobei ein Fokus auf Faktoren für gesundes kognitives Altern liegt.
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Aufruf zur Teilnahme an Studien: Ein Beitrag zur Hirn- und Demenzforschung
Personen ab 60 Jahren sind aufgerufen, durch ihre Teilnahme einen wichtigen Beitrag zur Hirn- und Demenzforschung zu leisten. Besonders interessant sind sogenannte Super-Ager, also Menschen ab 80 Jahren, die geistig fit sind und locker mit jüngeren Bekannten mithalten können.
Die Teilnahme an den Studien ist sicher, da jede Studie von einer unabhängigen Ethik-Kommission geprüft und freigegeben wird. Es wird ausschließlich mit freiwilligen Probanden gearbeitet, und oft sind die Forschenden selbst Testpersonen. Für die Teilnahme wird eine finanzielle Aufwandsentschädigung gezahlt, und die Teilnehmenden werden umfassend über Ziele, Risiken und Hintergründe der Studien informiert.
Die Vielfalt der Demenz-Symptome
Die Symptome einer Demenz sind vielfältig und können je nach Form und Grad unterschiedlich ausgeprägt sein.
Kognitive Beeinträchtigungen
Für einen gesunden Menschen ist die Fähigkeit, Zusammenhänge zu begreifen, Dinge zu verstehen und zu benennen sowie Planungen vorzunehmen, selbstverständlich. Schon im Frühstadium eines Demenz-Syndroms kann es zu auffallenden Wortfindungsstörungen kommen. Betroffene versuchen oft, durch Umschreibungen der Worte die Kommunikation aufrechtzuerhalten. Gelingt dies nicht mehr, kann dies bis zu einer vollkommenen Verstummung führen.
Innerhalb des Demenz-Syndroms kann es zu Einschränkungen der Auffassungsgabe kommen. Betroffene finden beispielsweise den sonst bekannten Weg vom Supermarkt oder Arzt nicht mehr nach Hause. Lebenssituationen werden falsch eingeschätzt, was häufig zu Gefühlen von Angst und Unsicherheit führen kann. Der Betroffene weiß, dass etwas nicht stimmt, kann aber die Gründe nur im Außen vermuten und nicht bei sich selbst.
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Veränderungen des Sozialverhaltens
Veränderungen des Sozialverhaltens und üblichen Verhaltensweisen können sich entwickeln und individuell ausgeprägt sein. Ein Beispiel könnte sein, dass immer gleichzeitig mit dem Essen begonnen wurde, und ein Betroffener sein Verhalten auf einmal ändert und im Vorhinein mit dem Essen beginnt. Es kann sein, dass sich die Motivation und der Antrieb für Dinge, die das Leben lang Freude machten, verändert. Auch die Stimmung kann sich verändern oder stark schwanken.
Die Veränderungen können alle Areale des menschlichen Gehirns betreffen. In Abhängigkeit der Region im Gehirn, die betroffen ist, kommt es zu entsprechenden Ausfällen und Symptomen.
Aktuelle Forschungsergebnisse und Entwicklungen
Antikörper Solanezumab kann kognitiven Abbau nicht verhindern (03/2023)
Der Pharmakonzern Lilly verkündete im März 2023, dass der Amyloid-Antikörper Solanezumab den kognitiven Abbau von Personen in einem Demenzvorstadium nicht verhindern kann. Der Arzneistoff wurde über 4,5 Jahre an mehr als 1100 Personen zwischen 65 und 85 Jahren getestet, bei denen Amyloid-Plaques im Gehirn nachgewiesen werden konnten, die jedoch noch keine Alzheimer-typischen Symptome aufwiesen. Es zeigte sich jedoch kein Unterschied hinsichtlich der kognitiven Funktionen der Studienteilnehmenden, die Solanezumab erhielten, und denen, die das Placebo-Medikament erhielten. Insgesamt verschlechterten sich im Laufe der Studie 36,1 % der Studienteilnehmenden auf einer Demenzskala - die Anteile in der Placebo- und in der Solanezumab-Gruppe waren vergleichbar hoch. Ebenfalls konnte die Anreicherung von Amyloid-Plaques nicht aufgehalten werden.
Antikörper, die gegen das Alzheimer-typische Protein Amyloid gerichtet sind, stellen einen wichtigen Baustein in der Therapie- und Präventionsforschung der Alzheimer-Krankheit dar. Man verspricht sich davon, dass Antikörper Amyloid binden und somit das Zusammenklumpen zu sogenannten Plaques verhindern bzw. diese sogar abbauen können. Dadurch erhofft man sich eine Reduktion der kognitiven Symptome.
Brain Health Services: Spezialisierte Zentren für Hirngesundheit
In Anbetracht der steigenden Zahl an Demenzerkrankungen und der damit wachsenden Notwendigkeit für frühzeitige Präventions- und Interventionsmöglichkeiten sieht ein europäisches Expertengremium den Bedarf an spezialisierten Hirngesundheitszentren (Brain Health Services (BHS)). Diese richten sich an Personen, die ein ungünstiges Risikoprofil aufweisen oder sich über ihre Hirngesundheit und Gedächtnisfähigkeiten sorgen, ohne jedoch bereits erkrankt zu sein.
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Die Brain Health Services sollen sich auf vier Säulen stützen:
- Erfassung des Demenzrisikos
- Risikokommunikation
- Personalisierte Präventionsangebote
- Kognitives Training
Die Angebote der BHS sollen evidenzbasiert, an aktueller Forschung orientiert, personalisiert und an ethischen und kommunikativen Richtlinien ausgerichtet sein. Erste Zentren dieser Art sind als Pilotprojekte in Schottland eingerichtet worden, um die Effektivität der Angebote sowie die Kosten und Nutzen zu evaluieren.
INSPIRATION-Studie: Erste Schritte in Richtung personalisierter Demenzprävention (03/2022)
Seit dem Studienbeginn der INSPIRATION-Studie am 21.09.2020 wurden erste Schritte in Richtung personalisierter Demenzprävention unternommen. Ziel war es, die Häufigkeit und Verteilung von Risikofaktoren für die Entwicklung von Demenzerkrankungen systematisch zu erfassen. Anhand ausgewählter Fragebogen, einer neuropsychologischen Testung und Blutanalysen erhielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Studie ein persönliches Risikoprofil und auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basierende Empfehlungen zur Risikominimierung.
Im Januar wurde die Datenerhebung für die INSPIRATION-Studie beendet. Insgesamt konnten 163 Probandinnen und Probanden in die Studie eingeschlossen werden. Derzeit werden die Daten ausgewertet. Weiterführend sollen aus den gewonnenen Erkenntnissen der INSPIRATION-Studie Präventionsmaßnahmen entwickelt und eine Studie konzipiert werden, die den Einfluss von personalisierter Prävention auf das Demenzrisiko untersucht.
Nationale Demenzstrategie und Prävention (02/2022)
Ein wichtiges Ziel der Nationalen Demenzstrategie betrifft den Bereich der Demenzprävention. Zahlreiche Studien konnten schützende Faktoren nachweisen, die den Erhalt geistiger Fähigkeiten fördern und das Risiko, an einer Demenz zu erkranken, verringern. Nachdem die WHO bereits im Mai 2019 Empfehlungen zur Reduktion von Risiken für eine kognitive Verschlechterung und Demenz im Alter veröffentlicht und auf das große Potenzial der Prävention hingewiesen hat, sieht nun auch die Nationale Demenzstrategie weitere Fördermaßnahmen vor. Dazu gehört vor allem eine verständliche Aufbereitung und die Erstellung von barrierefreiem Informationsmaterial, welches für alle Menschen leicht zugänglich sein soll. Ein weiterer Fokus liegt außerdem auf der Förderung von Forschungsvorhaben zu Ursachen der Demenz und Faktoren, die das Risiko einer Demenzerkrankung verringern können. Die Umsetzung der Nationalen Demenzleitlinie ist bis zum Jahresende 2026 geplant.
Achtsamkeitstraining und Lebensstilberatung reduzieren Ängste bei Menschen mit subjektiven Gedächtnisbeschwerden (04/2021)
Viele Menschen machen sich Sorgen um eine verspürte Verschlechterung ihres Gedächtnisses und suchen deshalb eine Gedächtnisambulanz auf. Oftmals stellt sich in der ausführlichen Untersuchung heraus, dass keine objektivierbare Beeinträchtigung vorliegt. In diesem Fall spricht man von einer subjektiven kognitiven Störung. Aus Studien der letzten Jahre ist bekannt, dass Patientinnen und Patienten mit rein subjektiven kognitiven Störungen ein Risiko haben, sich zukünftig weiter zu verschlechtern.
In einer großen EU-geförderten Studie wurde untersucht, inwiefern Mindfulness Based Stressreduction (MBSR), eine Achtsamkeitsübung, die zu den Entspannungsverfahren zählt, oder auch eine intensive Lebensstilberatung die Sorgen und Ängste von Patientinnen und Patienten mit subjektiven kognitiven Störungen reduzieren kann. An dieser Studie waren auch das Team des KAPs und das Zentrum für Gedächtnisstörungen der Uniklinik Köln federführend beteiligt. In der Analyse von 147 Teilnehmenden wurden in beiden Behandlungsgruppen eine signifikante Reduktion der Ängstlichkeit nachgewiesen. Die Überlegenheit einer der beiden Behandlungen wurde nicht gezeigt.
Konferenz Think Brain Health - Act Early (02/2021)
Im November 2020 fand eine zweitägige Online-Konferenz der Think Brain Health-Initiative statt. Diese Initiative wird von internationalen Expertinnen und Experten für die Alzheimer- und Parkinson-Krankheit geleitet und hat das Ziel, die Politik und die Allgemeinbevölkerung über die Wichtigkeit von Präventionsmaßnahmen zu informieren und Prävention zu fördern, um die Hirngesundheit zu schützen. Im Rahmen der Konferenz wurde unter anderem der vor Kurzem erschienene Artikel über zwölf potentiell veränderbare Risikofaktoren für Demenz besprochen.
WHO-Leitlinie zur Demenz-Prävention (08/2019)
Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat erstmals eine Leitlinie mit konkreten Empfehlungen zur Demenz-Prävention vorgestellt. Diese Leitlinie richtet sich vorrangig an das öffentliche Gesundheitswesen, kann aber von jedem Einzelnen als Orientierungshilfe genutzt werden, um das eigene Risiko für den Abbau der Gedächtnisleitung zu verringern. Der Fokus der Leitlinie liegt hierbei auf veränderbaren Risikofaktoren wie Bewegungsmangel, ungesunder Ernährung und Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck.
Bildung und mentale Aktivität können den Ausbruch der Alzheimer-Krankheit hinauszögern
Die mit einem Gedächtnisverlust einhergehende Alzheimer-Erkrankung entwickelt sich über einen Zeitraum von bis zu zwanzig Jahren. Bildung und mentale Aktivität können den Ausbruch der Krankheit hinauszögern. Dies sind Ergebnisse von zwei neuen Studien, die auf Positronen-Emissions-Tomographie-Untersuchungen basieren. Aufgrund der Forschungsergebnisse und aus Anlass des Welt-Alzheimer-Tages empfiehlt der Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner e. V. (BDN), sich frühzeitig und bis ins hohe Alter etwa mit Zeitungslektüre, Gesprächen und Denkspielen geistig fit zu halten. Das sei momentan die beste Methode, um Morbus Alzheimer vorzubeugen.
Morbus Alzheimer ist die Folge von Eiweißablagerungen im Gehirn. Sogenannte Beta-Amyloide zerstören nach und nach Nervenzellen und Gedächtnis. Beta-Amyloide können mit einer nuklearmedizinischen Untersuchung nachgewiesen werden, der Positronen-Emissions-Tomographie (PET). Dafür erhalten die Patienten eine schwach radioaktiv markierte Substanz - die „Pittburgh compound B“ - in die Armvene injiziert. Über den Blutkreislauf gelangt dieser Radiotracer ins Gehirn, wo er sich an die Alzheimer-Proteine anlagert. „So können wir Ort und Ausmaß der Ablagerungen erkennen“, erklärt Professor Dr. med. Detlef Moka, Vorsitzender des Berufsverbandes Deutscher Nuklearmediziner e. V.
Australische Nuklearmediziner haben diese Untersuchung bei einer Gruppe von 200 älteren Menschen im Abstand von 18 Monaten mehrfach durchgeführt, über einen Zeitraum von durchschnittlich vier Jahren. Resultat der Studie, die in „Lancet Neurology“ veröffentlicht wurde: Die Forscher errechneten, dass die Eiweißablagerungen bereits zwanzig Jahre vor Ausbruch der Krankheit einsetzen.
Den Beleg hierfür liefern erneut Nuklearmediziner in einer PET-Studie, die kürzlich in „Neurology“ veröffentlicht wurde. Das Forscherteam hatte eine Gruppe von geistig gesunden Senioren untersucht, die Eiweißablagerungen im Gehirn hatten und sich damit in einem frühen Alzheimer-Stadium befanden. Mit dem Radiotracer Fluorodeoxyglucose (FDG) wiesen die Wissenschaftler nach, wie stark die Ablagerungen das Gehirn bereits geschädigt hatten. „FDG wird wie Zucker von den Hirnzellen aufgenommen und ist deshalb ein Maß für die Stoffwechselaktivität“, erläutert Detlef Moka. Einige Senioren hatten jedoch trotz deutlicher Ausfälle im FDG-PET noch normale Ergebnisse in den Demenztests und waren geistig voll auf der Höhe. Diese Studienteilnehmer konnten eine gute Ausbildung vorweisen, wie die Forscher herausfanden. Damit belegt die Studie, dass Bildung einen günstigen Effekt auf die Demenzentwicklung hat. „Bildung und geistige Aktivitäten wie Schachspielen, Lesen oder sozialer Austausch erweitern die kognitiven Reserven im Gehirn, die offenbar den Beginn der alzheimertypischen Hirnleistungsstörung hinauszögern“, erläutert Professor Moka die Studienergebnisse. Experten gehen davon aus, dass kognitive Reserven helfen, Abbauvorgängen im Gehirn entgegenzuwirken, indem sie Kompensationsstrategien ermöglichen. Man könne deshalb allen Menschen nur raten, sich früh und bis ins hohe Alter geistig fit zu halten.
Ein Blick ins Gehirn: Die betroffenen Regionen
Jahre bevor erste Symptome einer Alzheimer-Erkrankung auftreten, verändert sich das Gehirn und Nervenzellen werden langsam abgebaut.
Hirnlappen und ihre Funktionen
Die linke Abbildung zeigt das seitliche äußere Gehirn mit den wichtigen Hirnlappen:
- Frontallappen: Unterstützt die Kontrolle der Feinmotorik, Gemüt, Zukunftsplanung, Ziel- und Prioritätensetzung.
- Scheitellappen: Empfängt und verarbeitet Informationen über Temperatur, Geschmack, Berührung und Bewegung, die vom Rest des Körpers kommen.
- Schläfenlappen: Verarbeitung von auditorischen Informationen, Gedächtnis, Sprache.
- Hinterhauptslappen: Verarbeitung visueller Informationen.
Das limbische System
Die rechte Abbildung zeigt in Seitenansicht die Lage des limbischen Systems im Hirninneren. Das limbische System besteht aus einer Vielzahl von Strukturen inklusive Fornix, Hippocampus, Gyrus cinguli, Amygdala, dem parahippokampalen Gyrus sowie Teilen des Thalamus. Der Hippocampus ist einer der ersten Areale, die von der Alzheimer-Krankheit befallen werden. Wenn die Krankheit fortschreitet, weitet sich die Zerstörung auf die Hirnlappen aus.
- Amygdala: Limbische Struktur, die an vielen Hirnfunktionen beteiligt ist, darunter Emotion, Lernen und Gedächtnis.
- Hippocampus: Spielt eine wichtige Rolle bei der Bildung des Langzeitgedächtnisses.
- Gyrus cinguli: Spielt eine Rolle bei der Entwicklung des bewussten emotionalen Erlebens.
- Fornix: Eine arche-typische Struktur, die den Hippokampus mit anderen Teilen des limbischen Systems verbindet.
- Parahippokampaler Gyrus: Ein wichtiger verbindender Weg im limbischen System.
- Thalamus: Eine wichtige Verbindungsstation zwischen Sinnen und Hirnrinde (die äußere Schicht des Gehirns besteht aus Scheitel-, Hinterhaupts-, Frontal- und Schläfenlappen).
Weitere wichtige Hirnstrukturen:
- Cerebellum (Kleinhirn): Bewegungssteuerung
- Pons (Brücke): Beinhaltet Zentren zur Kontrolle lebenswichtiger Funktionen wie Atmung und Herz-Kreislauf-System. Sie ist auch an der Koordination der Augenbewegung und dem Gleichgewicht beteiligt.
- Medulla oblongata (verlängertes Mark): Beinhaltet die Zentren für lebenswichtige Funktionen wie Herzschlag, Atmung, Blutdruck und Schlucken.
Bluttest zur Verfolgung des Krankheitsverlaufs
Wissenschaftler am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), dem Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH) und des Universitätsklinikums Tübingen zeigen, dass sich anhand eines im Blut vorkommenden Eiweißstoffes der Krankheitsverlauf lange vor dem Auftreten der ersten klinischen Anzeichen genau verfolgen lässt. Dieser Bluttest bietet neue Möglichkeiten in der Therapieforschung.
Der Ansatz: Neurodegeneration statt Amyloid
Der Bluttest misst nicht das Amyloid, sondern das, was es im Gehirn anrichtet, nämlich Neurodegeneration, also den Tod von Nervenzellen. Wenn Hirnzellen absterben, lassen sich ihre Überreste im Blut nachweisen. Eine Ausnahme bildet jedoch ein kleines Stückchen eines sogenannten Neurofilaments, das gegen diesen Abbau erstaunlich resistent ist. Auf diesem Eiweißstoff basiert der Bluttest.
Ergebnisse der Studie
Die Wissenschaftler zeigen, dass sich das Filament schon lange vor dem Auftreten klinischer Symptome im Blut anreichert, dass es sehr empfindlich den Verlauf der Krankheit widerspiegelt und Vorhersagen über künftige Entwicklungen ermöglicht. Bis zu 16 Jahre vor dem errechneten Eintreten von Demenzsymptomen gab es im Blut auffällige Veränderungen. Es ist nicht der absolute Wert der Filament-Konzentration, sondern deren zeitliche Entwicklung, die wirklich aussagekräftig ist und Vorhersagen über den weiteren Krankheitsverlauf erlaubt. Die Veränderung der Neurofilament-Konzentration spiegelt den neuronalen Abbau sehr exakt wider und erlaubt gute Prognosen darüber, wie sich das Gehirn in den nächsten Jahren entwickeln wird.
Bedeutung für die Therapieforschung
Der Test eignet sich zwar nur bedingt zur Diagnose von Alzheimer, zeigt aber sehr genau den Krankheitsverlauf an und ist damit ein ausgezeichnetes Werkzeug, um in klinischen Studien neue Alzheimer-Therapien zu erforschen.