Alzheimer Geschichte Tagebuch: Eine Reise des Vergessens

Die Alzheimer-Krankheit ist eine der häufigsten Formen der Demenz und stellt Betroffene und ihre Angehörigen vor immense Herausforderungen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Facetten der Alzheimer-Krankheit anhand von persönlichen Geschichten, Erfahrungen und wissenschaftlichen Erkenntnissen. Dabei werden sowohl die emotionalen Aspekte als auch praktische Ratschläge für den Umgang mit der Krankheit thematisiert.

Was ist Alzheimer?

Alzheimer ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die vor allem ältere Menschen betrifft. Sie ist durch den Abbau von Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet, was zu einem kontinuierlichen Verlust von kognitiven Fähigkeiten wie Gedächtnis, Denkvermögen, Sprache und Orientierung führt. Alois Alzheimer entdeckte 1906 die Ursache des pathologischen Vergessens, indem er bei der Untersuchung des Gehirns einer verstorbenen Patientin den Abbau von Nervenzellen und Eiweißablagerungen feststellte.

Symptome und Verlauf

Der Verlauf der Alzheimer-Krankheit ist schleichend und kann sich über viele Jahre erstrecken. Die Symptome sind vielfältig und können von Person zu Person unterschiedlich sein. Zu den häufigsten Anzeichen gehören:

  • Gedächtnisverlust: Schwierigkeiten, sich an neue Informationen zu erinnern oder sich an Ereignisse aus der Vergangenheit zu erinnern.
  • Sprachprobleme: Schwierigkeiten, die richtigen Worte zu finden oder Gespräche zu führen.
  • Orientierungslosigkeit: Schwierigkeiten, sich in vertrauter Umgebung zurechtzufinden oder sich an Zeit und Datum zu erinnern.
  • Veränderungen im Verhalten und der Persönlichkeit: Reizbarkeit, Aggressivität, Angstzustände oder Depressionen.
  • Schwierigkeiten bei der Ausführung von alltäglichen Aufgaben: Probleme beim Kochen, Anziehen oder Waschen.

Experten und Expertinnen beschreiben den schleichenden Prozess von Alzheimer in sieben Stufen:

  1. Normale Funktion: Keine Beeinträchtigungen.
  2. Sehr leicht gemindertes Wahrnehmungsvermögen: Subjektive Gedächtnisprobleme, die aber nicht von anderen bemerkt werden.
  3. Leicht gemindertes Wahrnehmungsvermögen: Leichte Gedächtnisprobleme, die von Angehörigen oder Freunden bemerkt werden.
  4. Mäßig gemindertes Wahrnehmungsvermögen: Deutliche Gedächtnisprobleme, Schwierigkeiten bei der Planung und Organisation.
  5. Mittelschwer gemindertes Wahrnehmungsvermögen: Deutliche Gedächtnisprobleme, die den Alltag beeinträchtigen, Schwierigkeiten bei der Ausführung von alltäglichen Aufgaben.
  6. Schwerwiegend gemindertes Wahrnehmungsvermögen: Schwerwiegende Gedächtnisprobleme, die eine umfassende Betreuung erfordern, Verlust der Sprachfähigkeit.
  7. Sehr schwerwiegend gemindertes Wahrnehmungsvermögen: Vollständiger Verlust der kognitiven Fähigkeiten, Unfähigkeit zur Kommunikation und Selbstversorgung.

Ursachen und Risikofaktoren

Die genauen Ursachen der Alzheimer-Krankheit sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass eine Kombination aus genetischen, umweltbedingten und Lebensstilfaktoren eine Rolle spielt. Zu den bekannten Risikofaktoren gehören:

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  • Alter: Das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, steigt mit zunehmendem Alter.
  • Genetische Veranlagung: Menschen, deren Eltern oder Geschwister an Alzheimer erkrankt sind, haben ein höheres Risiko, selbst zu erkranken.
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Bluthochdruck, hohe Cholesterinwerte und Diabetes können das Risiko für Alzheimer erhöhen.
  • Kopfverletzungen: Schwere Kopfverletzungen können das Risiko für Alzheimer erhöhen.
  • Lebensstilfaktoren: Bewegungsmangel, Rauchen und eine ungesunde Ernährung können das Risiko für Alzheimer erhöhen.

Diagnose

Die Diagnose der Alzheimer-Krankheit kann schwierig sein, da die Symptome oft unspezifisch sind und auch durch andere Erkrankungen verursacht werden können. In der Regel werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt, um die Diagnose zu sichern:

  • Kognitive Tests: Tests zur Überprüfung des Gedächtnisses, des Denkvermögens, der Sprache und der Orientierung.
  • Neurologische Untersuchung: Untersuchung des Nervensystems, um andere Ursachen für die Symptome auszuschließen.
  • Bildgebende Verfahren: Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) des Gehirns, um Veränderungen im Gehirn zu erkennen.
  • Liquoruntersuchung: Untersuchung der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit, um bestimmte Biomarker für Alzheimer zu bestimmen.

Behandlung

Die Alzheimer-Krankheit ist derzeit nicht heilbar. Es gibt jedoch verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die dazu beitragen können, die Symptome zu lindern und den Krankheitsverlauf zu verlangsamen:

  • Medikamente: Cholinesterasehemmer und NMDA-Antagonisten können die Symptome verbessern und das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen.
  • Nicht-medikamentöse Therapien: Ergotherapie, Physiotherapie, Logopädie und Psychotherapie können dazu beitragen, die kognitiven und körperlichen Fähigkeiten zu erhalten und die Lebensqualität zu verbessern.
  • Unterstützende Maßnahmen: Beratung und Unterstützung für Betroffene und Angehörige, um den Umgang mit der Krankheit zu erleichtern.

Leben mit Alzheimer: Persönliche Erfahrungen

Viele Angehörige demenzkranker Menschen berichten von einschneidenden Veränderungen im Alltag und der Notwendigkeit, sich auf die neue Situation einzustellen. Margot Unbescheid beschreibt in ihrem Buch die Herausforderungen, ein Elternteil davon abzuhalten, die Sessel im Wohnzimmer oder das Wäschefach im Schrank als Toilette zu benutzen. Sie bietet eine erste Hilfe für alle, die die niederschmetternde Diagnose erhalten haben und sich fragen, wie es nun weitergehen soll.

Veränderungen im Familienleben

Die Diagnose Alzheimer betrifft nicht nur die Erkrankten selbst, sondern auch ihre Familien und Freunde. Angehörige übernehmen oft die Rolle der Pflegenden und Betreuenden, was mit einer enormen Belastung verbunden sein kann. Es ist wichtig, sich von überall Hilfe zu holen und ein Unterstützungsnetzwerk aufzubauen, um die eigenen Kräfte zu schonen.

Volker Kitz erzählt in seinem literarischen Essay die Geschichte seines Vaters und erkundet an ihr exemplarisch, wie sich familiäre Verantwortung verschiebt, wenn Eltern alt werden. Er begleitet seinen Vater von den übersehenen Anfängen bis zu dem Tag, an dem der Vater vergisst, wie man schluckt.

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Umgang mit den Herausforderungen

Der Umgang mit einem demenzkranken Menschen erfordert viel Geduld, Einfühlungsvermögen und Flexibilität. Es ist wichtig, die Bedürfnisse und Gefühle des Betroffenen zu respektieren und ihm so viel Selbstständigkeit wie möglich zu erhalten. Gleichzeitig ist es wichtig, auf die eigenen Bedürfnisse zu achten und sich nicht zu überfordern.

Bettina Friedel beschreibt in ihrem Buch ihre Arbeit in einer Berliner Wohngemeinschaft für an Demenz erkrankte Menschen. Sie schildert voller Empathie einzelne Begebenheiten aus ihrem Alltag, von komischen Episoden bis hin zu Momenten voller Aggression, Hilf- und Sprachlosigkeit.

Humor als Bewältigungsstrategie

Humor kann eine wertvolle Ressource im Umgang mit Demenz sein. Gemeinsames Lachen kann die Stimmung aufhellen, Stress reduzieren und die Kommunikation erleichtern. Es ist wichtig, den Humor an die Situation und die Bedürfnisse des Betroffenen anzupassen und darauf zu achten, dass er nicht verletzend oder abwertend ist.

Erinnerungen bewahren

Erinnerungen spielen eine wichtige Rolle für die Identität und das Wohlbefinden von Menschen mit Demenz. Es ist wichtig, Erinnerungen zu bewahren und zu fördern, indem man Fotos anschaut, Musik hört, Geschichten erzählt oder vertraute Gegenstände betrachtet.

Angehörigenberichte: Einblick in den Alltag

Peggy Elfmann hat als Angehörige einen Blog ins Leben gerufen, um ihre Erfahrungen mit der Alzheimer-Erkrankung ihrer Mutter zu verarbeiten. Sie möchte zeigen, dass Demenz ein Prozess ist und mit der Diagnose nicht alles sofort vorbei ist. Es ist okay, Dinge nicht zu wissen, traurig oder genervt zu sein und bisweilen überfordert zu sein.

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Die Diagnose und ihre Folgen

Als Peggy Elfmanns Mutter die Diagnose Alzheimer erhielt, war sie erst 55 Jahre alt. Dies war ein Schock für die ganze Familie, da sie die Krankheit eher mit älteren Menschen assoziierten. Peggy beschreibt die ersten Anzeichen der Krankheit, wie Vergesslichkeit, Konzentrationsprobleme und Orientierungsschwierigkeiten.

Veränderungen im Umgang mit der Krankheit

Im Laufe der Zeit hat sich der Umgang mit der Krankheit verändert. Anfangs waren alle weinend, hilflos und ängstlich. Heute gibt es zwar immer noch Probleme und schwierige Themen, aber die Angst ist nicht mehr so präsent. Peggy erkennt die Freude in den Augen ihrer Mutter, wenn sie sie besucht, auch wenn ihre Mutter seit etwa zwei Jahren nicht mehr wirklich spricht.

Umgang der Kinder mit der Oma

Peggy Elfmann ist Mutter von drei Kindern, die die Oma kaum anders kennen, da die älteste fast 13 Jahre alt ist. Jedes Kind geht anders auf die Oma zu, aber alle drei versuchen ihr immer etwas Gutes zu tun, indem sie ihr den Nacken streicheln oder etwas vorsingen.

Der Blog als Aufarbeitung und Hilfestellung

Peggy Elfmann schreibt einen Blog, um ihre Erfahrungen als Angehörige zu teilen und anderen Angehörigen eine Hilfestellung zu geben. Sie möchte zeigen, wie sich das Leben in der Familie trotz Alzheimer weiterdreht und dass es auch viele schöne Momente gibt, die man genießen sollte.

Humor und Demenz: Eine ungewöhnliche Perspektive

Humor kann im Umgang mit Demenz eine wichtige Rolle spielen. Er kann helfen, schwierige Situationen zu entspannen, die Stimmung aufzuhellen und die Lebensqualität zu verbessern. Es ist wichtig, den Humor an die Bedürfnisse und Fähigkeiten des Betroffenen anzupassen und darauf zu achten, dass er nicht verletzend oder abwertend ist.

Geschichten und Anekdoten

Es gibt viele Geschichten und Anekdoten, die zeigen, wie Humor im Alltag mit Demenz eingesetzt werden kann. Eine Geschichte erzählt von einem Enkel, der seiner dementen Oma erlaubte, in ihrem teuren Auto "Probe zu sitzen", ohne dass sie tatsächlich fahren musste. Eine andere Geschichte erzählt von einem Pflegedienstleiter, der immer wieder den gleichen Witz machte, wenn eine Bewohnerin Geburtstag hatte.

Humorvolle Momente im Alltag

Auch im Alltag mit Demenz gibt es immer wieder humorvolle Momente, die man genießen kann. Eine Angehörige erzählte, dass ihre demente Mutter das Foto ihres verstorbenen Mannes betrachtete und sagte: "O lala. Was für ein Mann!"

Tipps für den Einsatz von Humor

  • Seien Sie sensibel: Achten Sie auf die Reaktionen des Betroffenen und passen Sie Ihren Humor entsprechend an.
  • Vermeiden Sie Sarkasmus und Ironie: Menschen mit Demenz verstehen diese oft nicht.
  • Lachen Sie gemeinsam: Lachen verbindet und schafft positive Emotionen.
  • Nutzen Sie Humor, um schwierige Situationen zu entschärfen: Humor kann helfen, Spannungen abzubauen und Konflikte zu vermeiden.
  • Seien Sie kreativ: Finden Sie Ihren eigenen Humor und nutzen Sie ihn, um den Alltag mit Demenz zu bereichern.

Forschung und Prävention

Die Forschung zur Alzheimer-Krankheit ist intensiv und zielt darauf ab, die Ursachen der Krankheit besser zu verstehen, neue Behandlungsmöglichkeiten zu entwickeln und Möglichkeiten zur Prävention zu finden.

Aktuelle Forschungsergebnisse

  • Früherkennung: Es werden neue Biomarker und bildgebende Verfahren entwickelt, um die Alzheimer-Krankheit frühzeitig zu erkennen, bevor irreversible Schäden im Gehirn entstanden sind.
  • Medikamentenentwicklung: Es werden neue Medikamente entwickelt, die auf die Ursachen der Alzheimer-Krankheit abzielen, wie die Amyloid-Plaques und Tau-Fibrillen.
  • Präventionsstrategien: Es werden Lebensstilinterventionen untersucht, die das Risiko für Alzheimer reduzieren können, wie körperliche Aktivität, gesunde Ernährung und kognitives Training.

Präventionsmaßnahmen

Obwohl es keine Garantie dafür gibt, dass man nicht an Alzheimer erkrankt, gibt es einige Maßnahmen, die man ergreifen kann, um das Risiko zu reduzieren:

  • Körperliche Aktivität: Regelmäßige Bewegung fördert die Durchblutung des Gehirns und kann das Risiko für Alzheimer reduzieren.
  • Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und gesunden Fetten kann das Gehirn schützen.
  • Kognitives Training: Regelmäßiges Gehirntraining kann die kognitiven Fähigkeiten erhalten und das Risiko für Alzheimer reduzieren.
  • Soziale Kontakte: Aktive soziale Kontakte können das Gehirn stimulieren und das Risiko für Alzheimer reduzieren.
  • Vermeidung von Risikofaktoren: Die Vermeidung von Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht, Bluthochdruck und Diabetes kann das Risiko für Alzheimer reduzieren.

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