Die TV-Show "Die Höhle der Löwen" ist bekannt für innovative Geschäftsideen und spannende Pitches. Doch manchmal berühren die vorgestellten Produkte und Geschichten die Investoren auf einer tieferen, persönlichen Ebene. Ein solches Beispiel ist der Auftritt von ichó Systems mit ihrem Therapieball für Demenzkranke, der in der Sendung für hochemotionale Momente sorgte.
Der Auftritt von ichó Systems
Im Jahr 2022 präsentierten die Gründer von ichó Systems - Steffen Preuß, Alkje Stuhlmann und Mario Kascholke - ihr Therapiesystem in "Die Höhle der Löwen". Die Vorbereitungsphase war intensiv und erforderte eine präzise Abstimmung. Der Auftritt selbst war ein Moment der Wahrheit. In einer ausgedehnten Fragerunde stellten Carsten Maschmeyer, Dr. Georg Kofler und Nils Glagau die Gründer auf den Prüfstand.
Das Produkt: Ein Therapieball für Demenzkranke
Der "ichó"-Therapieball wurde für demenzkranke Menschen entwickelt und soll das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen. Im Inneren des Balls befinden sich fünf Sensoren, die erkennen, ob er geschüttelt, geworfen, gestreichelt oder gefangen wird. Mehrere Programme sorgen für ein Training der Feinmotorik und kognitiven Leistung. Die Gründer wünschten sich für eine Beteiligung von 15 % eine Summe von 1,5 Millionen Euro.
Emotionale Reaktionen der Investoren
Ein Einspielfilm, der zeigte, wie demenzkranke Menschen den Therapieball ausprobierten, nahm Investorin Dagmar Wöhrl sichtlich mit. Sie konnte ihre Tränen nicht mehr zurückhalten, sprang von ihrem Stuhl und verließ das Studio, um sich zu beruhigen. Kurz darauf erklärte sie unter Tränen, dass sie ihre Mutter erst an Demenz verloren habe.
Auch Judith Williams war von ihren Gefühlen überwältigt, da sie bereits zuvor über ihre Erfahrungen mit Alzheimer in ihrer Familie berichtet hatte. Sie hatte sich an verschiedene Institute weltweit gewandt, um Angehörigen zu helfen, und war ernüchtert: "Ich habe nichts, nichts gefunden!" Den Therapieball sah sie dementsprechend skeptisch: "Woher weiß ich, dass das hilft in irgendeiner Form?"
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Kein Deal trotz Betroffenheit
Obwohl Dagmar Wöhrl und Judith Williams persönlich betroffen waren, mussten auch sie den Gründern die Hoffnung auf einen Deal nehmen. Wöhrl gab zu: "Ich glaube, sie müssen noch sehr, sehr viel Geld hineinstecken. Das ist mir einfach zu vage." Auch die anderen Löwen wollten bei diesen Hürden nicht investieren. Georg Kofler bemängelte die mangelnde Berechenbarkeit, Carsten Maschmeyer und Nils Glagau fehlten Studien zur Wirksamkeit des Therapieballs.
Martin Rütter als Unterstützer
Hundetrainer Martin Rütter, der die Gründer bei "Die Höhle der Löwen" unterstützte, möchte als strategischer Investor für "ichó" trotzdem nicht aufgeben: "Für mich ändert der Tag heute gar nichts. Das zeigt sich auch an den Momenten, wenn Judith Williams weint, wenn Dagmar Wörl bereits nach zwei Minuten den Raum verlässt, weil sie traurig wird. Das zeigt, wie relevant das Thema ist." Rütter hatte sich aus einem persönlichen Grund für das Produkt engagiert: Seine Mutter war vor zehn Jahren an Demenz erkrankt.
Die Bedeutung des Themas Demenz
Der Auftritt von ichó Systems machte deutlich, wie wichtig das Thema Demenz in der Gesellschaft ist. Alle drei Sekunden erkrankt weltweit ein Mensch an Demenz. Die Krankheit betrifft nicht nur die Erkrankten selbst, sondern auch ihre Familien und Angehörigen.
Was ist Demenz?
Demenz beginnt häufig mit einer Störung im Kurzzeitgedächtnis und der Merkfähigkeit. Im weiteren Verlauf der Krankheit vergessen Betroffene auch Inhalte des Langzeitgedächtnisses. Nach und nach verlieren sie Fähigkeiten, die sie im Laufe ihres Lebens erlernt haben. Beeinträchtigt sind Aufmerksamkeit, Sprache, Auffassungs- und Denkvermögen und Orientierungssinn. Eine Demenzerkrankung greift das Sein des Menschen an, wie man ihn einst kannte. 90 Prozent der Demenzerkrankungen sind irreversibel.
Persönliche Erfahrungen der Investoren
Judith Williams schilderte in eindrücklichen Worten ihre Suche nach einem Heilmittel gegen die Krankheit ihres Vaters. Sie reiste um die ganze Welt, um Hilfe zu finden, war aber erfolglos. Auch Dagmar Wöhrl verlor ihre Mutter an Demenz und war daher besonders berührt von dem Thema.
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Die Entwicklung von ichó Systems nach "Die Höhle der Löwen"
Auch wenn es in der "Höhle der Löwen" nicht zu einem Deal kam, war der Auftritt für ichó Systems ein wichtiger Schritt. Er hat dem Unternehmen eine breite Öffentlichkeit verschafft und die Gelegenheit gegeben, das Geschäftsmodell und Produkt unter realen Bedingungen zu testen. Die seitdem erreichten Meilensteine und laufenden Projekte mit großen stationären Leistungsträgern belegen die Solidität des Start-Ups.
Judith Williams' Rückkehr zu "Die Höhle der Löwen"
Nach einer Auszeit im Jahr 2023, in der sie sich um ihre Familie kümmerte, kehrte Judith Williams im Herbst 2024 zu "Die Höhle der Löwen" zurück. Ihr Vater Daniel Lewis Williams war im Januar 2023 an Alzheimer gestorben, und ihre Mutter Carol erkrankte an Lungenkrebs. Williams entschied sich, ihren Investoren-Job auszusetzen, um für ihre Mutter da zu sein. Mittlerweile geht es Carol Williams glücklicherweise besser.
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