Alzheimer Vorbeugen: Gesund Leben, Gesund Altern

Demenz stellt eine der größten gesundheitlichen Herausforderungen unserer Zeit dar. Die Alzheimer Forschung Initiative e.V. (AFI) betont, dass, obwohl Demenz nicht vollständig verhindert werden kann, ein gesunder Lebensstil das Risiko deutlich senken kann. Da die Erkrankung bislang nicht heilbar ist, ist die Vorbeugung der wirksamste Weg, das Erkrankungsrisiko zu senken. Wissenschaftler schätzen, dass mindestens ein Drittel aller Fälle durch die richtige Prävention verhindert werden könnte.

Was ist Demenz und wie entsteht sie?

Demenz ist ein Überbegriff für verschiedene Erkrankungen des Gehirns, die mit einem Verlust der kognitiven Fähigkeiten einhergehen. Alzheimer ist die häufigste Form der Demenz, gefolgt von vaskulärer Demenz, Parkinson-Demenz, frontotemporaler Demenz (FTD) und Lewy-Body-Demenz.

Bei der Alzheimer-Demenz verändern sich die Nervenzellen im Gehirn. Im Inneren bilden sich Faserbündel, die sogenannten Tau-Fibrillen. Außerhalb der Zellen entstehen sogenannte Plaques, Ablagerungen im Gehirn, die aus einem bestimmten Eiweiß, dem Amyloid, bestehen. Dieser Prozess führt zur Zerstörung der Nervenzellen und letztendlich zur Schrumpfung des Gehirns. Die genauen Ursachen für diese Veränderungen sind noch unklar.

Die vaskuläre Demenz entsteht durch Durchblutungsstörungen im Gehirn, oft als Folge von Bluthochdruck, Schlaganfällen oder anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Parkinson-Demenz tritt häufig in einem späteren Stadium der Parkinson-Krankheit auf und geht mit Gedächtnisproblemen, verlangsamtem Denken und Konzentrationsschwierigkeiten einher. Die frontotemporale Demenz (FTD) betrifft vor allem Bereiche des Gehirns, die für Verhalten, Sprache und Persönlichkeit verantwortlich sind. Im Unterschied zur Alzheimer- oder vaskulären Demenz spielen bei der FTD genetische Faktoren eine größere Rolle. Die Lewy-Body-Demenz entsteht durch Eiweißablagerungen (Lewy-Körperchen) in den Nervenzellen des Gehirns.

Beeinflussbare Risikofaktoren: Was Sie tun können

Eine interdisziplinäre und internationale Expertengruppe hat im Auftrag der renommierten Wissenschaftszeitschrift „The Lancet“ 14 beeinflussbare Risikofaktoren für die Entwicklung einer Demenz identifiziert. Würden alle diese Risikofaktoren ausgeräumt, könnten bis zu 45 Prozent aller Demenzerkrankungen verhindert oder zumindest deutlich hinausgezögert werden.

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Zu den beeinflussbaren Risikofaktoren gehören:

  • Erhöhte Cholesterinwerte: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung, um Ihre Cholesterinwerte im gesunden Bereich zu halten.
  • Übergewicht: Eine gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung helfen, Übergewicht zu vermeiden oder zu reduzieren.
  • Zu hoher Blutdruck: Regelmäßige Kontrollen und eine gesunde Lebensweise tragen dazu bei, den Blutdruck zu normalisieren.
  • Rauchen: Raucherinnen und Raucher sind mehr gefährdet als Nichtraucher. Ein Rauchstopp ist daher eine wichtige Maßnahme zur Demenzprävention.
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Achten Sie auf Symptome für Herz- und Gefäßerkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes, Herzrhythmusstörungen und erhöhte Cholesterinwerte und lassen Sie sich regelmäßig vom Arzt untersuchen.
  • Schwerhörigkeit und Verlust der Sehkraft: Dem kann man durch das frühzeitige Tragen von Hörgeräten und Sehhilfen entgegenwirken.
  • Kopfverletzungen: Tragen Sie beim Radfahren, Skaten usw. einen Helm und verzichten Sie vor allem bei Kindern auf intensives Kopfballtraining.
  • Erhöhter Alkoholkonsum: Ein begrenzter Alkoholkonsum wird empfohlen.
  • Luftverschmutzung: Versuchen Sie, sich möglichst wenig in Gebieten mit hoher Luftverschmutzung aufzuhalten.
  • Vitamin- und Hormonmangelzustände: Hier sind regelmäßige Kontrollen sinnvoll.

Die Bedeutung eines gesunden Lebensstils

Ein gesunder Lebensstil spielt eine entscheidende Rolle bei der Vorbeugung von Demenz. Dazu gehören:

Richtige Ernährung für Körper und Gehirn

Eine ausgewogene Ernährung ist wichtig für die Gesundheit des Gehirns. Die mediterrane Ernährung, die reich an Obst, Gemüse, Fisch, Olivenöl und Vollkornbrot ist, scheint vor Alzheimer und anderen Formen der Demenz zu schützen. Schweinefleisch und Milchprodukte wie fetter Käse und Butter sollten dagegen nur in Maßen konsumiert werden. Eine Kombination aus mediterraner und DASH-Diät - die sogenannte MIND-Diät - kann das Risiko für Demenz deutlich senken. Dabei kommt es vor allem auf frische, unverarbeitete Lebensmittel an. Was Sie essen, hat Einfluss auf Ihre geistige Fitness - oft mehr, als man denkt.

Studien haben gezeigt, dass eine gesunde, eher mediterrane Ernährung vor Gedächtnisverlust und Alzheimer-Demenz schützen kann. Ungesunde Fette, Fleisch und jede Menge Weißbrot erhöhen dagegen das Risiko für Alzheimer-Demenz. Tierisches Fett enthält große Mengen an gesättigten Fettsäuren, die in der Ernährungsphysiologie relativ ungünstig bewertet werden, weil sie dazu führen, dass es eher zu Veränderungen von Gefäßen kommt. Olivenöl ist reich an Ölsäure, einer einfach ungesättigten Fettsäure, die nicht so schnell oxidiert.

Wer so auf seine Ernährung achtet, kann in der Regel auf zusätzliche Vitamin-, Folsäure- und Fischölpräparate verzichten. Ergänzungen wie Vitaminpräparate sollten jedoch nur nach Rücksprache mit Ärzten oder Ernährungsberatern erfolgen. Curcuma scheint sich positiv auf die geistige Leistungsfähigkeit älterer Menschen auszuwirken, kann aber in Studien nicht den Verlauf einer Alzheimer-Demenz beeinflussen.

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Eine ausgewogene, gesunde Ernährung in Kombination mit ausreichender Bewegung trägt dazu bei, das Risiko von Übergewicht zu reduzieren. Studien zeigen, dass Übergewicht, insbesondere in der mittleren Lebensphase (zwischen 40 und 60 Jahren), das Risiko für kognitive Beeinträchtigungen und Demenz im späteren Lebensalter erhöht.

In Bewegung bleiben

Regelmäßige Bewegung fördert das körperliche Wohlbefinden und bringt das Gehirn auf Touren. Das gilt nicht nur für junge Menschen. Auch Seniorinnen und Senioren sollten Sport treiben, selbst wenn sie bisher keinen Wert daraufgelegt haben. Das hilft nicht nur dem Gehirn, sondern dem gesamten Körper. Schon 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche können das Risiko einer Demenzerkrankung deutlich reduzieren.

Bewegung hält nicht nur den Körper fit, sondern auch das Gehirn. Mindestens zwanzig Minuten pro Tag sind ideal. Dabei geht es nicht um Höchstleistungen, sondern darum, mit Spaß in Bewegung zu bleiben. Gehen Sie spazieren, tanzen oder schwimmen und nehmen Sie das Fahrrad statt des Autos. Auch Professor Eschweiler geht davon aus, dass im Trainingsprozess beim Sport Substanzen etwa aus den Muskeln freigesetzt werden, die auch die Nerven stabilisieren. "Von daher ist selbst bei beginnender Demenz die Bewegung und das körperliche Training sehr hilfreich." Es ist also nie zu spät, mit der Prävention zu beginnen.

Altersgerechte Angebote gibt es in fast jeder Gemeinde. Für Menschen mit Demenz gibt es bei vielen regionalen Alzheimer Gesellschaften Bewegungsangebote. Ältere Menschen können sich zum Beispiel an die kommunalen Seniorenbeauftragten wenden, um zu erfahren, welche Angebote es vor Ort gibt. Wichtig ist es aber auch, die Bewegung in den Alltag zu integrieren. Zum Briefkasten muss niemand mit dem Auto fahren.

Wenn Sie Ihre persönliche Kraft und das eigene Gleichgewicht testen möchten, können Sie die kostenfreie App „Up & Go“ der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie nutzen. Der Test kann selbstständig oder mit Unterstützung von Angehörigen zuhause durchgeführt werden. Die App wertet die Ergebnisse aus und weist zusätzlich auf mögliche Probleme hin, wie die Gefahr eines Sturzes. Die „Up & Go“-App ist im Google Playstore abrufbar. Auch viele Kranken- und Pflegekassen bieten eigene Apps und Programme an, die gezielt Bewegung fördern.

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Geistige Fitness für das Gehirn

Wer in Beruf und Freizeit geistig rege ist, hat ein geringeres Risiko, später mit einer Demenz zu leben. Geistige Fitness ist genauso wichtig wie körperliche Fitness. Wer rastet, der rostet - das gilt auch für die grauen Zellen. Wer sich geistig auf Trab hält, hat ein geringeres Risiko, an Alzheimer zu erkranken. Ob Musizieren, Reisen, Karten spielen, seinen Hobbies nachgehen oder eine neue Sprache lernen - bleiben Sie aktiv und neugierig. Bis weit ins Rentenalter tragen kulturelle Aktivitäten, mathematische Knobeleien oder kreative Hobbys dazu bei, ein gutes Gedächtnis zu bewahren. Aber auch bei alltäglichen Verrichtungen können wir unser Gehirn trainieren. Je früher wir damit anfangen, desto besser.

Soziale Aktivitäten pflegen

Soziale Aktivitäten tragen nachweislich dazu bei, das Demenz-Risiko zu senken. Wer sich regelmäßig mit anderen Menschen austauscht, der fordert das Gehirn auf besonders vielfältige Weise und hält es in Schwung. Die Forschung weiß heute: Je mehr wir unter Leute gehen und uns gemeinschaftlich einbringen, desto größer ist unsere Chance, auch im Alter geistig fit zu sein. Geselligkeit hält uns geistig fit. Wer viel allein ist, hat ein doppelt so großes Alzheimer-Risiko, als jemand mit viel sozialem Austausch. Bleiben Sie mit der Familie in Kontakt, treffen Sie sich regelmäßig mit Freunden und Bekannten und bleiben Sie offen für neue Begegnungen. Gerade die Kommunikation und die Lebensfreude in der Gemeinschaft sei zentral wichtig, um mental fit und aktiv zu bleiben.

Medizinische Vorsorge

Sorgen Sie für Ihre Gesundheit und lassen Sie sich regelmäßig vom Arzt untersuchen. Achten Sie besonders auf Symptome für Herz- und Gefäßerkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes, Herzrhythmusstörungen und erhöhte Cholesterinwerte. Wer unter Risikoerkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder Rheuma leidet, sollte besonders wachsam sein. Die Behandlung von Risikoerkrankungen ist ein wichtiger Baustein für die Prävention von Demenz. Werden diese Erkrankungen gut behandelt, tut man gleichzeitig auch etwas gegen Demenz.

Schlaf

Im Schlaf regeneriert sich das Gehirn und baut schädliche Stoffe ab.

Hormonhaushalt bei Frauen

Bei Frauen deuten Studien darauf hin, dass eine frühzeitige Hormonersatztherapie in den Wechseljahren das Alzheimer-Risiko senken kann. Ob und wann eine Hormonbehandlung sinnvoll ist, sollte aber immer ärztlich geprüft werden. Studien deuten darauf hin, dass ein sinkender Estradiolspiegel in den Wechseljahren das Alzheimer-Risiko erhöhen könnte. Eine frühzeitig begonnene Hormonersatztherapie (HRT) könnte präventiv wirken, muss aber individuell und ärztlich abgestimmt werden.

Was wir nicht beeinflussen können

Nicht beeinflussen lassen sich das Alter und die Gene. Je älter ein Mensch wird, desto höher ist sein Alzheimer-Risiko. Von den 70- bis 75-Jährigen sind nur drei bis vier Prozent betroffen, während es bei den über 90-Jährigen mehr als ein Drittel sind. Auch Genmutationen können für den Ausbruch der Krankheit ursächlich sein. Das betrifft aber weniger als ein Prozent aller Alzheimer-Fälle. Darüber hinaus gibt es aber auch Genvarianten, die das Alzheimer-Risiko etwas erhöhen.

Frühzeitige Erkennung und individuelle Risikoprofile

Je früher eine Demenz erkannt wird, desto besser können Betroffene und Angehörige reagieren. Wenn Sie unsicher sind, ob Sie ein erhöhtes Demenzrisiko haben, ist es ratsam, sich mit einer Ärztin oder einem Arzt Ihres Vertrauens über das weitere Vorgehen zu verständigen. Mittlerweile existieren einzelne spezialisierte Forschungszentren, deren Ziel es ist, zukünftig immer detailliertere individuelle Risikoprofile zu erstellen und einen maßgeschneiderten Plan mit Handlungsempfehlungen zur Demenzvorbeugung anzubieten. Dieser basiert auf ausführlichen Gesprächen zu Ihrer Vor­ge­schichte, Tests zur Bestimmung der körperlichen Funktionsfähigkeit und der geistigen Leistungsfähigkeit (z. B. Denk­ver­mögen, Sprachvermögen, Aufmerksamkeit und Verhalten) sowie Blutuntersuchungen.

Professor Gerhard Eschweiler forscht in einer Langzeitstudie zur kognitiven Leistungsfähigkeit und dem Demenz-Risiko. Das primäre Ziel der Trend-Studie sei, frühzeitig Muster von Veränderungen zu erkennen, die Risikofaktoren für eine Parkinson-Erkrankung oder für Demenz sein können. Professor Georg Adler bietet ein Präventionsprogramm ab dem 50sten Lebensjahr an, bei dem die geistige Leistungsfähigkeit, genetische Veranlagung, vor allem aber die körperlichen Risikofaktoren der Patienten ermittelt werden.

Tipps für die Umsetzung im Alltag

Es lohnt sich, die eigenen Lebensumstände auf die oben aufgeführten beeinflussbaren Risikofaktoren hin zu überprüfen. Einige Veränderungen der Lebensweise lassen sich einfacher umsetzen als andere. Damit Sie am Ball bleiben und Ände­rungen dauerhaft in den Alltag integrieren, ist es wichtig, dass Ihnen die neuen Elemente Freude bereiten. Probieren Sie also ruhig verschiedene Dinge aus, bevor Sie sich festlegen. Bei der Suche nach passenden Bewegungsangeboten, Methoden zum Rauch­stopp und zum Alkoholverzicht sowie Präventionsangeboten können Ihre Hausärztin oder Ihr Hausarzt sowie Ihre Kranken­kasse Sie unterstützen und beraten.

Angebote zur Unterstützung

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) hat in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) ein Angebot entwickelt, um Multiplikatorinnen und Multiplikatoren bei der Aufklärung über Risikofaktoren von Demenz und deren Vermeidung zu unterstützen. Im Rahmen des Projekts wurden Vortragsfolien und ein Manual für eine 90-minütige Informationsveranstaltung zur Demenz-Prävention entwickelt. Die Materialien können von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, die über fundiertes Wissen zu Demenz verfügen, kostenlos angefordert werden.

Die Broschüren aus der Medienreihe „kompakt. - Demenz“ bieten wertvolle Informationen und praktische Unterstützung für alle, die mit Demenz konfrontiert sind. Sie enthalten umfassende Hinweise zur Diagnose, zu Untersuchungs- und Behandlungsmöglichkeiten sowie zu wichtigen Anlaufstellen. Zusätzlich erfahren Sie, wie Sie Demenzerkrankungen vorbeugen und das Risiko minimieren können. Die Broschüren informieren zudem über Anzeichen und die Früherkennung von Demenz.

Fazit

Alzheimer und andere Demenzerkrankungen stellen eine große Herausforderung dar. Obwohl eine vollständige Verhinderung nicht möglich ist, können Sie durch einen gesunden Lebensstil und die Beeinflussung modifizierbarer Risikofaktoren das Risiko deutlich senken. Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung, geistige Fitness, soziale Kontakte und medizinische Vorsorge. Es ist nie zu spät, mit der Prävention zu beginnen.

Wo Sie weitere Informationen finden

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