Amalgamfüllungen: Ursachen und Kontroversen um Migräne und Gesundheit

Füllungen sind notwendig, wenn Zahnhartsubstanz verloren gegangen ist, beispielsweise durch Karies. Die Füllung soll den Defekt verschließen und möglichst lange dem Kaudruck standhalten. Jahrzehntelang war Amalgam dafür der Werkstoff der Wahl. Amalgam ist lange kaudruckstabil, besteht jedoch zum Großteil aus Pulver von verschiedenen Metallen wie Silber und vor allem Quecksilber. Das Umweltbundesamt sagt, dass Quecksilber für alle Lebewesen giftig ist, wenn eine bestimmte Konzentration überschritten wird.

Ob Amalgam als Zahnfüllung schädlich ist und beispielsweise Kopfschmerzen, Migräne, Schwindel und andere Krankheiten auslösen kann, wird immer wieder kontrovers diskutiert. Die Giftigkeit von Amalgamlegierungen zeigt sich darin, dass Zahnärzte herausgebohrte Amalgamfüllungen als giftigen Sondermüll entsorgen müssen. Im März 2017 wurde im Europäischen Parlament eine Verordnung beschlossen, die die Verwendung von Amalgam deutlich einschränkt.

Die Kontroverse um Amalgam und seine potenziellen gesundheitlichen Auswirkungen

Die Debatte über die angebliche Gesundheitsgefahr durch Amalgam-Zahnfüllungen ist seit Jahren ein Thema unter Medizinern und Laien. Es gibt Befürchtungen, dass das von den Plomben freigesetzte Quecksilber Kopfschmerzen, Migräne, Müdigkeit und Konzentrationsschwäche auslösen kann.

Eine Studie hat ergeben, dass es keinen Hinweis darauf gibt, dass die quecksilberhaltigen Füllungen gesundheitsschädlich sind. Es wurde festgestellt, dass es keinen Zusammenhang zwischen viel Amalgam im Mund und hohen Beschwerden gibt. Die anorganischen Quecksilberwerte im Blut von Patienten mit Amalgamfüllungen waren zwar höher als bei Menschen ohne diese Füllungen, lagen aber weit unterhalb der kritischen Belastungsgrenze.

Es gibt unterschiedliche Meinungen über den Zusammenhang zwischen Amalgamfüllungen und gesundheitlichen Problemen. Einige Experten sehen einen Zusammenhang zwischen dem Einsetzen der Plomben und dem Auftreten von Beschwerden, während andere diesen Zusammenhang kritisch sehen.

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Mögliche Symptome und Anzeichen einer Amalgambelastung

Amalgambedingte Belastungsstörungen können sich in unspezifischen Symptomen äußern, die nicht direkt mit dem Füllungsmaterial in Verbindung gebracht werden. Mögliche Indizien für eine amalgambedingte Belastungsstörung sind:

  • Kopfschmerzen
  • Migräne
  • Chronische Müdigkeit
  • Schwindel
  • Depressionen
  • Allergien
  • Konzentrationsschwäche
  • Erhöhte Infektanfälligkeit
  • Vegetative Dystonie

Es ist wichtig zu beachten, dass diese Symptome auch andere Ursachen haben können und nicht zwangsläufig auf eine Amalgambelastung zurückzuführen sind.

Alternativen zu Amalgamfüllungen

Es gibt verschiedene Alternativen zu Amalgamfüllungen, die in der modernen Zahnmedizin eingesetzt werden:

  • Komposit-Füllungen: Komposit ist ein Kombinationsmaterial mit einem hohen Anteil feiner Keramikpartikel. Es besitzt die gute Modellierbarkeit von Kunststoff und die Abriebfestigkeit von Keramik. Komposit-Restaurationen haben eine natürliche und dauerhafte Ästhetik.
  • Gold-Füllungen (Inlays): Ein im Dentallabor angefertigtes Inlay kann präzise für unterschiedlichste Zahnformen und in verschiedenen Größen hergestellt werden. Gold ist ein körperverträgliches und langlebiges Material.
  • Keramik-Füllungen (Inlays): Inlays aus Vollkeramik gelten im Seitenzahnbereich als die ästhetisch schönste Alternative zum Amalgam. Vollkeramik ist ein sehr verträgliches und hochwertiges Material.
  • Kunststoff-Inlays: Kunststoff-Inlays werden aus ähnlichen Kunststoffmassen (Hybridkomposite) hergestellt wie bei der Füllungstechnik von plastischen Zahnfüllungen, allerdings außerhalb des Mundes mit besseren technischen Möglichkeiten der Verarbeitung.
  • Glasionomerzement-Füllungen: Diese Füllungen sind nur begrenzt haltbar und werden hauptsächlich als zeitlich begrenzte Übergangsfüllung oder bei der Versorgung kariöser Milchzähne verwendet.

Die Wahl des geeigneten Füllungsmaterials hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie der Größe des Defekts, der Lage des Zahnes, den ästhetischen Ansprüchen des Patienten und den Kosten.

Amalgamsanierung: Entfernung von Amalgamfüllungen

Wenn der Verdacht auf eine Amalgambelastung besteht oder eine Allergie gegen Amalgam vorliegt, kann eine Amalgamsanierung in Erwägung gezogen werden. Dabei werden die Amalgamfüllungen unter bestimmten Schutzmaßnahmen entfernt, um eine zusätzliche Belastung des Körpers zu vermeiden.

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Schutzmaßnahmen bei der Amalgamentfernung

  • Kofferdam: Ein hochelastisches Gummituch wird über den gesamten Mundraum gespannt, um das Verschlucken von Amalgamresten zu verhindern.
  • Spezielle Absaugtechnik: Es werden spezielle Sauger eingesetzt, um die freigesetzten Späne professionell abzusaugen.
  • Hartmetall-Fräsen: Anstelle von herkömmlichen Bohrern werden Hartmetall-Fräsen verwendet, um die Füllungen in möglichst großen Stücken herauszuschneiden und weniger Amalgamstaub zu erzeugen.
  • Sauerstoffinsufflation: Während der Entfernung wird Sauerstoff zum Schutz vor Quecksilberdämpfen in die Nase insuffliert.
  • Schutzmasken: Zahnarzt und zahnmedizinische Fachangestellte tragen spezielle Schutzmasken.

Vorgehensweise bei der Amalgamsanierung

  1. Vorbereitung: Der Patient kann vor der Entfernung Medizinalkohlepulver einnehmen, um die Schleimhäute und den Magen-Darm-Trakt zu schützen.
  2. Entfernung der Amalgamfüllung: Die Amalgamfüllung wird unter den genannten Schutzmaßnahmen entfernt.
  3. Reinigung des Zahnes: Der Zahn wird gründlich von eventuell unter der Füllung befindlichen Kariesresten gereinigt.
  4. Medizinische Füllung: Es wird eine medizinische Füllung mit einem speziellen Medikament vorgenommen, die auch Amalgamreste in den feinsten Kanälchen der Zähne aufnimmt.
  5. Endgültige Füllung: Nach der Entfernung der Amalgamfüllungen und der Detoxifikation der Zähne kann eine endgültige Füllung mit einem körperverträglichen Material erfolgen.

Ausleitung von Quecksilber nach der Amalgamsanierung

Nach einer Amalgamentfernung kann eine Ausleitung des Quecksilbers im Körper sinnvoll sein. Es gibt verschiedene Methoden der Quecksilberausleitung, sowohl allopathische als auch naturheilkundliche.

  • Allopathische Ausleitung: Diese Form der Ausleitung erfolgt mit DMPS oder DMSA und basiert auf einer Laboranalytik zur bestehenden Belastung.
  • Naturheilkundliche Ausleitung: Diese Form der Ausleitung beinhaltet die Stärkung und Stabilisierung des Organismus mit orthomolekularer Begleittherapie, Ernährungsberatung und basischen Medikamenten.

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