Amalgamfüllungen waren lange Zeit ein Standard in der Zahnmedizin. Da sie jedoch Quecksilber enthalten, rückt die Frage nach einer Amalgamausleitung, insbesondere im Hinblick auf das Gehirn, immer stärker in den Fokus. Dieser Artikel beleuchtet die Thematik umfassend, von der Amalgamsanierung über die potenziellen Risiken bis hin zu den verschiedenen Ausleitungsmethoden.
Was ist eine Amalgamsanierung?
Unter einer Amalgamsanierung versteht man die Entfernung alter Amalgamfüllungen, die möglicherweise schädliche Auswirkungen auf den Körper haben können. Dabei ist es entscheidend, dass kein Quecksilber in den Körper gelangt. Moderne Zahnarztpraxen verwenden daher einen sogenannten Kofferdam, einen Schutzgummi, der den Mund von dem zu behandelnden Zahn abdeckt, um das Verschlucken von Amalgamteilen während der Behandlung zu verhindern. Nach der Entfernung werden die Zähne mit sicheren, modernen Füllmaterialien mit langer Lebensdauer versorgt, wie beispielsweise Komposits oder Keramik-Inlays.
Gründe für eine Amalgamentfernung
Durch Kauen oder Kontakt mit sauren oder heißen Lebensmitteln kann hochgiftiges Quecksilber aus Amalgamfüllungen austreten und sich in Leber, Nieren und Darm ablagern. Es kann auch über den Zahn in den Organismus gelangen und dort Beschwerden wie Kopfschmerzen, Herzflimmern oder Störungen der Nieren- und Leberfunktion verursachen. Immer mehr Menschen sind sich der möglichen gesundheitlichen Gefährdung durch Amalgam bewusst und wollen es deshalb möglichst sicher entfernen lassen.
Ablauf einer Amalgamsanierung
- Beratung: Vor der Sanierung erfolgt ein ausführliches Gespräch über Ablauf, Kosten und Risiken. Gemeinsam mit dem Zahnarzt wird das geeignete Ersatzmaterial festgelegt.
- Amalgam-Entfernung: Um die Sicherheit zu gewährleisten, werden Sicherheitsmaßnahmen getroffen, um zu vermeiden, dass giftige Metallpartikel in den Organismus gelangen. Dazu gehören spezielle Instrumente wie ein leistungsstarker Bohrer und eine starke Wasserkühlung.
- Amalgam-Ausleitung: Nach der Entfernung der letzten Füllung sollte das im Körper eingelagerte Amalgam ausgeleitet werden, um den Körper zu entgiften.
Die Bedeutung der Amalgamausleitung
Amalgam enthält Quecksilber, das zur chronischen Vergiftung des Körpers führen kann. Es löst sich aus den Füllungen und gelangt in Organe und Gewebe, auch noch Jahre nach dem Legen der Füllungen. Besonders betroffen sind das zentrale Nervensystem (Gehirn sowie Nerven), die Nieren und die Fortpflanzungsorgane. Eine Quecksilberbelastung kann sich in vielfältigen Symptomen äußern.
Quecksilber und das Gehirn
Quecksilber-Ionen können die Blut-Hirn-Schranke passieren und im Gehirn vielfältige Wirkungen entfalten. Es greift vor allem das zentrale Nervensystem an und kann langfristig das Gehirn schädigen. Dabei sind vor allem Zerstörungen in der grauen Hirnsubstanz, im Kerngebiet des Hirnstamms, in der Hypophyse und im Kleinhirn zu beobachten.
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Mögliche Symptome einer Quecksilberbelastung
Eine chronische Amalgamvergiftung kann sich durch eine Vielzahl von Symptomen äußern, darunter:
- Kopfschmerzen
- Konzentrationsprobleme
- Müdigkeit
- Schwindel
- Schlafstörungen
- Metallischer Geschmack im Mund
- Allergische Reaktionen
- Chronische Entzündungen
- Gliederschmerzen
- Bauchschmerzen
- Nachlassende physische Fähigkeiten
- Chemikalienunverträglichkeit
Langfristige Folgen
Längerfristig kann eine Quecksilberbelastung zur Entstehung von Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose, Demenz und Krebs führen. Auch die Rate der Kinder mit angeborenen Hirnschäden kann erhöht sein, da Methylquecksilber leicht die Plazentaschranke überwinden kann.
Schutzmaßnahmen bei der Amalgamentfernung
Eine unsachgemäße Entfernung von Amalgam kann zu einer erheblichen Belastung durch freigesetzte Amalgampartikel und Quecksilberdämpfe führen. Daher sind umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen unerlässlich:
- Kofferdamm: Ein Gummischutztuch schirmt die restliche Mundhöhle vom zu behandelnden Zahn ab.
- Sauerstoffzufuhr: Eine Nasensonde verhindert das Einatmen von Amalgamdämpfen.
- Natriumthiosulfat-Spülung: Dieser Stoff bindet verbleibendes Amalgam und wird anschließend ausgespült.
- Spezielle Schleifkörper: Hartmetallschleifkörper entfernen die Füllung bei niedrigen Umdrehungen schonend.
- Chlorella-Einlage: Eine Algenpaste bindet verbliebenes Quecksilber und wird nach wenigen Minuten ausgespült.
- Professionelle Absaugtechnik: Zwei Sauger sowie eine Kofferdam-Abschirmung entfernen Amalgamspäne sicher.
Methoden der Amalgamausleitung
Nach der Amalgamentfernung können sich über die Jahre Schwermetalle im Körper ansammeln. Daher wird eine gezielte medizinische Ausleitung des Quecksilbers empfohlen. Es gibt verschiedene Methoden zur Schwermetallausleitung:
- Chelat-Therapie: Medikamente wie DMPS (Dimercaptopropansulfonsäure) oder DMSA (Dimercaptobernsteinsäure) binden Schwermetalle im Körper und leiten sie über den Urin aus. Die EDTA-Therapie wird bei hohen Schwermetallbelastungen intravenös verabreicht.
- Natürliche Entgiftungsmethoden:
- Chlorella-Algen: Binden Quecksilber im Darm und verhindern die Rückresorption.
- Bärlauch & Koriander: Unterstützen die Mobilisation im Gewebe.
- Glutathion & Alpha-Liponsäure: Fördern die körpereigene Entgiftung.
- Leber- & Nierenunterstützung: Bitterstoffe, Mariendistel & Löwenzahn helfen bei der Giftstoffausscheidung.
Wichtige Hinweise zur Ausleitung
- Viel Trinken: Während der Ausleitung sollte ausreichend getrunken werden.
- Mineralstoffhaushalt stabilisieren: Auf eine ausreichende Versorgung mit Mineralstoffen achten.
- Stress reduzieren: Extreme Stressbelastungen sollten vermieden werden.
- Darmgesundheit: Der Darm ist ein wichtiges Entgiftungsorgan. Eine gestörte Darmflora kann zu einer Rückvergiftung führen.
Diagnostik zur Feststellung einer Quecksilberbelastung
Um die individuelle Quecksilberbelastung im Körper festzustellen, können verschiedene Tests durchgeführt werden:
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- Blutanalyse: Zeigt die akute Quecksilberbelastung sowie den Zustand der Entgiftungsorgane.
- Urin- oder Haaranalyse: Gibt Aufschluss über die längerfristige Quecksilberbelastung.
- DMPS-Test (Chelat-Test): Ein Medikament mobilisiert eingelagerte Schwermetalle, die dann im Urin gemessen werden.
- Speicheltest: Der Quecksilbergehalt im Speichel wird vor und nach dem Kauen von Kaugummi ermittelt.
- Epikutantest: Prüft eine mögliche Allergie auf Amalgam oder Quecksilberverbindungen.
Die Rolle der biologischen Zahnmedizin
In der biologischen Zahnmedizin spielt der ganze Organismus eine wichtige Rolle. Der Mundraum steht dabei in direkter Wechselwirkung mit dem gesamten Körper. Metalle, die in Füllungen, Kronen oder Implantaten verarbeitet werden, können den Organismus belasten und vielfältige Symptome verursachen.
Metalle und ihre Auswirkungen
- Amalgam: Besteht zu über 50 % aus Quecksilber, einem stark giftigen Schwermetall.
- Andere Metalle: Auch Gold, Titan oder Aluminium können zu chronischen Entzündungen führen.
- Batterieeffekt: Die Kombination verschiedener Metalle im Mund kann zu elektrischen Spannungen führen.
Mikronährstoffprotokolle
Mikronährstoffprotokolle nach Dr. Klinghardt und Dr. Cutler unterstützen die Leber, Nieren und das Lymphsystem bei der Entgiftung und fördern die Regeneration.
Alternativen zu Amalgam
Nach der Ausleitung sollten metallfreie Materialien verwendet werden. Diese Materialien sind stabil, ästhetisch und frei von allergieauslösenden Metallen. Typische Alternativen sind:
- Keramische Füllungen: Ästhetisch ansprechend und der natürlichen Zahnsubstanz sehr ähnlich.
- Composite-Füllungen: Geeignet für kleinere Defekte.
Amalgamverbot in der EU
Ab dem 1. Januar 2025 ist der Einsatz von Zahn-Amalgam in der Europäischen Union nicht mehr erlaubt. Dies unterstreicht die Bedenken hinsichtlich der gesundheitlichen Auswirkungen von Amalgam.
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