Amblyopie und ihre Verbindung zum Sehnerv: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Die Amblyopie, auch bekannt als Schwachsichtigkeit, ist eine Sehstörung, bei der ein Auge eine verminderte Sehschärfe aufweist, obwohl keine offensichtlichen organischen oder neuronalen Ursachen vorliegen. Diese entwicklungsbedingte Störung tritt typischerweise im Kindesalter auf und kann, wenn sie unbehandelt bleibt, zu dauerhaften Seheinschränkungen führen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Amblyopie, einschliesslich ihrer Ursachen, Diagnosemethoden und Behandlungsansätze, wobei der Fokus auf dem Zusammenhang zum Sehnerv liegt.

Was ist Schielen (Strabismus)?

Schielen, auch Strabismus genannt, ist eine Fehlstellung der Augen, bei der die Augen nicht in die gleiche Richtung schauen. Dies kann dazu führen, dass unterschiedliche Bilder an das Gehirn gesendet werden, was zu Doppelbildern oder zur Unterdrückung des Bildes eines Auges führt. In Deutschland sind etwa vier Millionen Menschen von Schielen betroffen. Es ist wichtig zu beachten, dass Schielen nicht nur ein kosmetisches Problem ist, sondern auch zu erheblichen Sehbehinderungen führen kann.

Die Bedeutung der frühzeitigen Behandlung von Schielen

Je früher Schielen im Leben eines Kindes auftritt und je später es augenärztlich behandelt wird, desto schwerwiegender kann die Sehbehinderung sein und desto geringer sind die Erfolgsaussichten für die Behandlung der Schiel-Sehschwäche. Nach Beginn der Schulzeit lassen sich bei einer schielbedingten Sehschwäche trotz Behandlung oft keine normale Sehschärfe mehr erreichen. Daher ist eine frühzeitige Behandlung von schielenden Babys und Kleinkindern von entscheidender Bedeutung. Je früher die Therapie einsetzt, desto wirkungsvoller und weniger belastend ist sie für das Kind.

Wie das Gehirn mit unterschiedlichen Seheindrücken umgeht

Unsere Augen senden geringfügig unterschiedliche Bilder an das Gehirn, das daraus ein einziges, dreidimensionales Bild errechnet. Wenn jedoch aufgrund einer Fehlstellung eines Auges zwei zu unterschiedliche Seheindrücke ankommen, wird der Seheindruck des abweichenden Auges unterdrückt, um Sehstörungen wie Doppelbilder zu vermeiden. Ist immer dasselbe Auge von der Fehlstellung betroffen (einseitiges Schielen), dann unterdrückt das Gehirn diesen Seheindruck andauernd.

Die Entwicklung einer Sehschwäche (Amblyopie)

Wenn das Gehirn aufgrund einer Fehlstellung eines Auges zwei zu unterschiedliche Seheindrücke erhält, wird der Seheindruck des abweichenden Auges unterdrückt, um Sehstörungen wie Doppelbilder zu vermeiden. Wenn immer dasselbe Auge von der Fehlstellung betroffen ist (einseitiges Schielen), unterdrückt das Gehirn diesen Seheindruck andauernd. Dies kann dazu führen, dass sich die Sehschärfe dieses Auges nicht normal entwickelt, es wird sehschwach (amblyop) und kann das Sehen ab dem 6. Lebensjahr auch nicht mehr erlernen.

Lesen Sie auch: Sehnerv: Funktion und Erkrankungen

Ursachen der Amblyopie

Eine Amblyopie kann verschiedene Ursachen haben, darunter:

  • Schielen (Strabismus): Die häufigste Ursache, bei der die Augen nicht richtig ausgerichtet sind und unterschiedliche Bilder an das Gehirn senden.
  • Fehlsichtigkeiten (Refraktionsfehler): Ungleichmässige Brechkraft der Augen, wie Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit oder Astigmatismus.
  • Organische Ursachen: Seltenere Ursachen wie angeborener Grauer Star oder Lidfehlstellungen, die die Sehachse blockieren.

Schielamblyopie

Schielamblyopie entsteht, wenn die Augen eines Kindes nicht richtig ausgerichtet sind (Schielen). Um Doppelbilder zu vermeiden, unterdrückt das Gehirn das Bild des schielenden Auges, was zu einer verminderten Entwicklung des Sehvermögens in diesem Auge führt.

Refraktionsamblyopie

Refraktionsamblyopie entsteht, wenn ein Auge eine signifikante unbehandelte Refraktionsfehler aufweist, wie z. B. Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit oder Astigmatismus. Das Gehirn bevorzugt das Auge mit dem klareren Bild, was zu einer verminderten Entwicklung des Sehvermögens im anderen Auge führt. Ungleichheit der Dioptrien beider Augen (Anisometropie) ist der häufigste Anlass für die Ausbildung einer einseitigen Schwachsichtigkeit.

Deprivationsamblyopie

Deprivationsamblyopie entsteht, wenn das Sehvermögen eines Auges durch eine Blockade wie z. B. einen Katarakt oder ein herabhängendes Augenlid (Ptosis) behindert wird. Dies verhindert, dass das Auge klare Bilder empfängt, was zu einer verminderten Entwicklung des Sehvermögens führt.

Symptome der Amblyopie

Die Symptome einer Amblyopie können variieren, aber einige häufige Anzeichen sind:

Lesen Sie auch: Methoden zur Untersuchung des Sehnervs

  • Schielen: Ein Auge weicht von der normalen Ausrichtung ab.
  • Verminderte Sehschärfe: Schwierigkeiten, mit einem Auge klar zu sehen.
  • Schlechtes räumliches Sehen: Schwierigkeiten, Entfernungen und Tiefen einzuschätzen.
  • Kopfneigung oder Augenzwinkern: Um zu versuchen, die Sicht zu verbessern.
  • Ungeschicklichkeit: Häufiges Stolpern oder Anstossen an Gegenständen.

Weil das Kind mit dem einen Auge den Ausfall des anderen Auges kompensiert, wird eine Amblyopie oft recht spät oder gar nicht erkannt. Manchmal fällt ein Defizit im räumlichen Sehen auf, beispielsweise durch eine Ungeschicklichkeit beim Ballspielen oder durch häufiges Umstoßen des Trinkglases.

Diagnose der Amblyopie

Eine frühzeitige Diagnose ist entscheidend für eine erfolgreiche Behandlung der Amblyopie. Augenärzte verwenden verschiedene Tests, um eine Amblyopie zu diagnostizieren, darunter:

  • Sehschärfetest: Messung der Sehschärfe jedes Auges mit Sehtafeln.
  • Untersuchung der Augenmotilität: Beurteilung der Fähigkeit der Augen, sich zusammen zu bewegen.
  • Refraktionsuntersuchung: Bestimmung von Brechungsfehlern mit speziellen Instrumenten.
  • Untersuchung des Augenhintergrunds: Untersuchung der Netzhaut und des Sehnervs auf Anomalien.
  • Brückner-Test: Ein Durchleuchtungstest, um den Pupillenreflex zu bewerten.
  • Hirschberg-Test: Bewertung der Lage der Hornhautreflexe bei manifestem Strabismus.
  • Stereotest nach Lang: Beurteilung der räumlichen Wahrnehmung.
  • Fotorefraktometrie: Messung der Refraktion mit einer Infrarotkamera.

Um gute Ergebnisse bei der Behandlung von Sehschwächen zu erreichen, müssen Sehschwächen möglichst frühzeitig erkannt werden! Die Früherkennung von Sehschwächen bei Kindern ist daher enorm wichtig. Der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. Seit 2008 gibt es eine zusätzliche Früherkennungsuntersuchung für gesetzlich krankenversicherte Kinder im Vorschulalter, die U7a. Diese ergänzt die weiteren Vorsorgeuntersuchungen („U-Untersuchungen“) im Kindesalter und richtet sich an knapp dreijährige Kleinkinder (34. bis 36. Lebensmonat). Bereits bei kleinen Babys können bestimmte Risikofaktoren für eine Amblyopie ausgeschlossen werden. Des Weiteren gibt es ein sogenanntes „Amblyopie-Screening“ für Babys ab dem 6. Lebensmonat, das bereits von einigen Krankenkassen übernommen wird.

Behandlung der Amblyopie

Die Behandlung der Amblyopie zielt darauf ab, das schwächere Auge zu stimulieren und die Zusammenarbeit beider Augen zu fördern. Zu den gängigen Behandlungsmethoden gehören:

  • Korrektive Brillen: Ausgleich von Brechungsfehlern, um ein scharfes Bild auf der Netzhaut zu erzeugen.
  • Okklusionstherapie (Abkleben): Abdecken des stärkeren Auges mit einem Pflaster, um das schwächere Auge zum Sehen zu zwingen.
  • Augentropfen: Verwendung von Atropin-Augentropfen, um das stärkere Auge vorübergehend zu verschwimmen und das schwächere Auge zu stimulieren.
  • Sehschule: Spezielle Übungen und Aktivitäten, um die Sehschärfe und die Zusammenarbeit beider Augen zu verbessern.
  • Operation: In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um Schielen zu korrigieren oder andere organische Ursachen zu beseitigen.

Das Abkleben - Sehen kann wieder erlernt werden. Wenn ein Auge erst einmal eine Sehschwäche ausgebildet hat, kann sich das räumliche Sehen kaum noch entwickeln, das Sehen an sich lässt sich jedoch noch schulen. Bis zu einem Alter von 6 Jahren können wir die Unterdrückung eines Auges noch gut behandeln. Hierzu ist zunächst keine Operation notwendig. In manchen Fällen genügt schon die Anpassung einer Brille, um eine Fehlsichtigkeit auszugleichen. Meistens hilft das zusätzliche Abkleben (Okklusion) des besseren Auges dafür, dass das schwächere (amblyope) Auge das Sehen wieder erlernen kann.

Lesen Sie auch: Umgang mit Makroprolaktinomen

Die Rolle des Sehnervs bei Amblyopie

Der Sehnerv spielt eine entscheidende Rolle bei der Amblyopie, da er die visuellen Informationen vom Auge zum Gehirn überträgt. Bei einer Amblyopie kann die Entwicklung des Sehnervs und der zugehörigen neuronalen Bahnen beeinträchtigt sein, insbesondere wenn die Amblyopie nicht frühzeitig behandelt wird. Das Gehirn bevorzugt die Informationen des stärkeren Auges, wodurch die neuronalen Verbindungen zum schwächeren Auge weniger stimuliert werden und sich nicht vollständig entwickeln.

Die Bedeutung der frühzeitigen Intervention

Je früher eine Amblyopie erkannt und behandelt wird, desto besser sind die Chancen auf eine vollständige oder teilweise Wiederherstellung des Sehvermögens. Die sensible Phase der Sehentwicklung erstreckt sich bis etwa zum 10. Lebensjahr, danach sind die Behandlungsergebnisse oft weniger erfolgreich. Daher ist es wichtig, dass Eltern und Betreuer auf Anzeichen einer Amblyopie achten und regelmässige Augenuntersuchungen für Kinder vereinbaren.

Auswirkungen einer unbehandelten Amblyopie

Wenn eine Amblyopie unbehandelt bleibt, kann dies zu dauerhaften Seheinschränkungen führen, darunter:

  • Verminderte Sehschärfe: Das betroffene Auge erreicht möglicherweise nie eine normale Sehschärfe.
  • Verlust des räumlichen Sehens: Schwierigkeiten, Entfernungen und Tiefen einzuschätzen.
  • Erhöhtes Risiko für Sehverlust: Wenn das stärkere Auge erkrankt oder verletzt wird, kann das schwächere Auge möglicherweise nicht kompensieren.
  • Einschränkungen im Alltag: Schwierigkeiten bei Aktivitäten wie Autofahren, Sport und Lesen.

Ist die Sehentwicklung erst abgeschlossen, kann eine Amblyopie nicht mehr behandelt werden. Ihr Kind hat in dem Fall ein Leben lang unter den Folgen der Sehminderung zu leiden. Das Risiko für eine hochgradige Sehschwäche steigt, es können sich Fehlentwicklungen in der Motorik zeigen. Viele Berufe können nur mit einer guten beidäugigen Sehstärke ausgeübt werden. Des Weiteren kann es zu Beeinträchtigungen beim Erwerb eines Führerscheins kommen. Aus diesem Grund sind eine regelmäßige Augenvorsorge, Sehtests und eine konsequente Therapie (wie eine Okklusionstherapie) für Ihr Kind in jedem Fall notwendig.

tags: #amblyopie #und #sehnerv