Die ambulante neurologische Rehabilitation ist ein wichtiger Baustein in der Versorgung von Menschen mit neurologischen Erkrankungen. Sie ermöglicht es, die Therapie in den Alltag zu integrieren und gleichzeitig die Vorteile einer intensiven, spezialisierten Behandlung zu nutzen. Dieser Artikel beleuchtet die ambulante neurologische Reha, insbesondere im Kontext der Erfahrungen mit der Reha Godeshöhe und des Angebots der Misch - Hedon Klinik, und gibt einen umfassenden Überblick über ihre Möglichkeiten und Grenzen.
Einführung in die ambulante neurologische Rehabilitation
Die ambulante neurologische Rehabilitation zielt darauf ab, Menschen mit neurologischen Erkrankungen dabei zu unterstützen, ihre Selbstständigkeit und Lebensqualität wiederzuerlangen oder zu verbessern. Im Gegensatz zur stationären Reha, bei der die Patienten während der gesamten Therapie in der Klinik untergebracht sind, kehren die Patienten bei der ambulanten Reha nach den Therapiesitzungen nach Hause zurück. Dies ermöglicht es ihnen, ihr gewohntes Umfeld beizubehalten und die erlernten Fähigkeiten direkt in ihrem Alltag anzuwenden.
Die Misch - Hedon Klinik bietet beispielsweise eine ganztägige ambulante Reha an, bei der Menschen mit sämtlichen neurologischen Erkrankungen behandelt werden. Die Therapiepläne werden individuell auf die Bedürfnisse der Patienten abgestimmt, und die Patienten kehren nach der Therapie nach Hause zurück, wodurch ihr gewohntes Umfeld erhalten bleibt.
Zielgruppe und Voraussetzungen
Eine ganztägige ambulante Rehabilitation eignet sich besonders für Menschen, die in einem Umkreis von 50 km bzw. 45 Fahrminuten von der Klinik entfernt wohnen und die Klinik entweder mit dem Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln allein oder in Begleitung täglich erreichen können. Die Patienten müssen in den motorischen und kognitiven Aktivitäten des alltäglichen Lebens so weit selbstständig sein, dass sie ihre Therapien eigenständig aufsuchen können. Die Funktionsfähigkeit wird in der Regel anhand des Barthel- oder des FIM-Index überprüft, die die Alltagsfähigkeit eines Menschen erfassen und Rückschlüsse darauf zulassen, wie selbstständig ein Mensch sein Leben gestalten kann.
Behandlungsspektrum
Die ambulante neurologische Reha behandelt ein breites Spektrum an neurologischen Erkrankungen, darunter:
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- Teillähmungen des Armes oder Beines
- Sensibilitätsstörungen
- Feinmotorikstörungen
- Gleichgewichtsstörungen
- Kognitive Funktionseinschränkungen
- Gesichtsfeldeinschränkungen
- Alzheimer
- Anoxische Hirnschädigung
- Hydrozephalus
- Hypoxische Hirnschädigung
- Parkinson-Syndrome
- Polyneuropathie-Syndrome
- Bewegungsstörungen, wie Morbus Parkinson
- Critical-illness-Polyneuropathie (CIP)
- Entzündliche Erkrankung des Nervensystems
- Entzündliche Erkrankungen, z. B. Multiple Sklerose
- Enzephalitis
- Enzephalopathien
- Epilepsie
- Epileptische Syndrome
- Erkrankung oder Verletzung des Rückenmarks
- Erkrankungen des Rückenmarks und seiner Wurzeln, z. B. nach Bandscheibenoperationen
- Folgen nach Schlaganfall wie Hirninfarkt oder Hirnblutung (insbesondere auch Subarachnoidalblutung)
- Guillain-Barré-Syndrom
- Hirnblutung
- Hirnerkrankungen
- Intrazerebrale Blutung
- Ischämischer Schlaganfall
- Krankheiten des autonomen Nervensystems
- Lähmungen
- Meningitis
- Mitochondropathien
- Motoneuronerkrankungen
- Multiple Sklerose (MS)
- Multisystemerkrankung/Multisystematrophie (MSA)
- Muskelerkrankungen
- Muskelkrankheiten
- Neurodegenerative Erkrankungen
- Neurodegenerative Systemerkrankung
- Neurogene/neuropathische Schmerzsyndrome
- Polyneuropathien
- Polyradikulitiden
- Schädel-Hirn-Trauma mit oder ohne Polytrauma
- Schlaganfall
- Schluckstörungen
- Spinalkanalstenose
- Spinozerebelläre Ataxien (SCA)
- Tumorerkrankung des zentralen und/oder peripheren Nervensystems
- Tumorerkrankungen des zentralen Nervensystems
- Verengung des Wirbelkanals
- Zerebrale und sonstige Lähmungssyndrome
- Zerebrales Anfallsleiden
- Zustand nach Schädel-Hirn-Trauma mit und ohne Hirnblutung
Therapieansätze
Die Therapie in der ambulanten neurologischen Reha ist vielfältig und umfasst sowohl Einzel- als auch Gruppentherapien. Der Therapieplan wird individuell an die Bedürfnisse des Patienten angepasst und kann folgende Elemente enthalten:
- Klassische Krankengymnastik: zur Verbesserung der Beweglichkeit, Kraft und Koordination
- Sportwissenschaftlich begleitete Therapien: für die körperliche Ausdauer und Belastbarkeit
- Ergotherapie: umfasst motorisch-funktionelles Training, Sensibilitäts- und kognitives Training und Training der Aktivitäten des täglichen Lebens, z. B. Essen und Trinken, Bewegen
- Logopädie: Sprech- und Sprachtherapien, Stimm- und Schlucktherapien
- Neuropsychologie: kognitives Funktionstraining, Stressbewältigung, Entspannungstherapien, Gesichtsfeldtraining oder Gespräche zur Krankheitsbewältigung
- Physikalische Therapie: einschließlich klassischer Massagen, Lymphdrainage, verschiedene Teilbäder und Elektrotherapie. Elektrotherapie wird sowohl zur Schmerztherapie eingesetzt als auch um die Funktion gelähmter Muskeln bei peripheren Nervenschädigungen wiederherzustellen.
- Ernährungsberatungen und Angebote in der Lehrküche
- Armlabor und virtuelle Rehabilitation: Patient*innen trainieren im robotergestützten Armlabor gezielt Arm-, Hand- und Fingerfunktionen. Therapie mit Virtual Reality (VR) unterstützt die Rehabilitation im Armlabor nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen.
- Computergestützte Rehabilitation: Patientinnen mit leichten bis mittelschweren kognitiven Funktionseinschränkungen erhalten ein neuropsychologisch speziell geführtes und computergestütztes Hirnleistungstraining. Bei Patientinnen mit Gesichtsfeldeinschränkungen oder Gesichtsfeldausfall wird ein spezielles PC-gestütztes sogenanntes Hemianopsietraining genutzt.
Diagnostik
Zu Beginn der ambulanten Rehabilitation stehen körperliche, allgemeinmedizinische und spezielle neurologische Untersuchungen an. Das ärztliche Team wendet u. a. folgende Diagnosemethoden in der Klinik an:
- Elektromyografie (EMG): Messung der natürlichen elektrischen Aktivität eines Muskels
- Elektroneurographie (ENG): Messung der elektrischen Aktivität der Nerven
- Motorisch Evozierte Potentiale (MEP): Diese Methode lässt Rückschlüsse über den Zustand der motorischen Bahnen zu, die Muskulatur und Gehirn verbinden.
- Ultraschall (Sonografie): einschließlich extra- und transcranielle Doppler- und Duplexsonographie: Im Ultraschall werden u. a. die Strömungsrichtung des Blutes und der Zustand der Arterien untersucht.
- Laborchemische Untersuchungen
- Elektrokardiogramm (EKG): Aufzeichnung der elektrischen Aktivität des Herzens
- Langzeit-Blutdruckmessung
- Radiologische Untersuchungen
- Neuropsychologische Tests: einschließlich Fahreignungsuntersuchungen und Gesichtsfelduntersuchungen sowie unterschiedliche sprachliche Tests bei Kommunikationsstörungen
- Radiologische und endoskopische Untersuchungen bei Schluckstörungen
Für Computertomografie des Kopfes (cCT) und kernspintomographische Untersuchungen arbeiten die Kliniken mit externen Partnereinrichtungen zusammen.
Erfahrungen mit der Reha Godeshöhe
Die Erfahrungen mit der Reha Godeshöhe sind gemischt. Einige Patienten berichten von positiven Erfahrungen, insbesondere in Bezug auf die Therapien und die Betreuung durch die Therapeuten. Andere berichten von negativen Erfahrungen, insbesondere in Bezug auf die Pflege, die ärztliche Betreuung und die Unterbringung.
Positive Erfahrungen
Einige Patienten loben das gut durchdachte System aus Beratung, Untersuchungen, Therapien und Informationen. Sie fühlen sich gut beraten und unterstützt, auch bei Fragen, von denen sie nicht wussten, dass sie sie haben werden. Besonders die Hilfe beim Papierkram wird positiv hervorgehoben. Die Therapeuten werden als ansprechbar und hilfsbereit beschrieben, die wertvolle und individuelle Tipps bei den Übungen geben. Auch die Mitarbeiter, die den ganzen Betrieb organisatorisch am Laufen halten, werden positiv erwähnt.
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Ein Patient, der nach einem Schlaganfall teilstationär (ambulant) in der Reha war, beschreibt die Reha als perfekt für seine Bedürfnisse mit wenig Einschränkungen im körperlichen Bereich, aber Ausfallerscheinungen im Blickfeld und Gedächtnis.
Ein anderer Patient berichtet, dass er während seines Aufenthalts in der Godeshöhe fit geworden ist und gesund nach Hause gegangen ist. Er lobt die herzliche Begrüßung, die Therapeuten, Schwestern, Ärzte, das Team vom Empfang, vom Speisesaal und vom Mitsingkonzert. Das Essen wird als großartig beschrieben, die Mitarbeiter als geduldig. Er berichtet von Mitpatienten, die im Rollstuhl kamen, auf den Rollator wechselten und plötzlich wieder alleine liefen. Er hat viele tolle Menschen kennengelernt und hofft, dass die Reha-Freundschaften erhalten bleiben.
Negative Erfahrungen
Einige Patienten berichten von Überforderung des Pflegepersonals, langen Wartezeiten auf Hilfsmittel und mangelnder Kompetenz der Ärzte. Ein Patient berichtet, dass er trotz eines toxikologischen Gutachtens weiterhin mit Medikamenten für Parkinson vollgestopft wurde, obwohl er an Manganismus leidet.
Andere Patienten kritisieren die pflegerischen Leistungen, die nicht einem Mindeststandard entsprechen. Ein Patient berichtet von einem intravenösen Zugang, der zur Nahrungsaufnahme diente, der freundlicherweise abgeklemmt wurde, damit er sich alleine waschen konnte. Dabei hatte die Pflegekraft erhebliche Probleme mit einem Dreiwegeventil, so dass sehr viel Blut auf den Zimmerboden gelangte. Der Boden wurde nur unzureichend vom Blut entfernt bevor die Pflegekraft den Raum kommentarlos verließ. Die ärztliche Notfallversorgung am Wochenende wird als Katastrophe beschrieben, da ein Arzt für 400 Patienten zuständig war.
Einige Patienten bemängeln die lieblosen, knastähnlichen, ungemütlichen Krankenhauszimmer, insbesondere für Patienten, die noch „mobil“ sind. Die Zimmer sind mit alten Möbeln ausgestattet, das Bad ist klein und unpraktisch für Schwerbehinderte mit motorischen Einschränkungen. Die Atmosphäre wird als fürchterlich beschrieben.
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Einige Patienten berichten von mangelnder Hygiene, überfordertem Personal und mangelnden Deutschkenntnissen des Personals. Ein Patient berichtet, dass seine Mutter 4 Wochen in der Klinik lag und nicht einmal geduscht wurde. Es wurden Tabletts mit Essen und Tabletten vertauscht. Es wurden Vorbereitungen für eine Darmspiegelung getroffen, die eigentlich für eine andere Patientin gedacht war.
Ein Patient berichtet, dass er am ersten Tag 3 Stunden in Kot gelegen hat, danach nochmals 4,5 Stunden im Urin, weil der Katheder undicht war. Es war nur eine Pflegekraft für die Patienten vorhanden. Morgens war er nicht fertig für die Therapie, weil er nicht gewaschen oder zur Toilette war. Er bekam weder den Umgang mit dem Rollstuhl, weder Transfers zum Bett und ins Auto noch sonstiges beigebracht.
Ein Patient berichtet, dass er als Querschnittsgelähmter nach einem Unfall die Rehaklinik Godeshöhe wärmstens empfohlen bekommen hat, aber mittlerweile seit acht Wochen in der Klinik ist und zu einem Großteil sehr enttäuscht ist. Insbesondere die Pflege ist sehr verbesserungswürdig. Es gibt nur eine geringe Anzahl von festen Pflegerinnen und Pflegern, der Rest wechselt täglich und kommt aus anderen nicht querschnittsabteilungen. Dies ist dem hohen Krankenstand innerhalb der Abteilungen geschuldet, die Personaldecke ist eindeutig zu dünn, was zu einem Unmut innerhalb des Personals führt. Das Personal ist dadurch sehr unmotiviert und ist den Aufgaben nicht gewachsen. Etwa dreimal die Woche schafft er es nicht die morgendlichen Therapiestunden zu erreichen da das Personal mit der Morgenwäsche überfordert ist. Die ständigen Erklärungen führen bei ihm ebenfalls zur Frustration. Hinzu kommt, dass durch das pflegehopping das Personal sehr gereizt und zickig auf Anweisungen reagiert.
Reaktion der Klinik auf Kritik
Das Neurologische Rehazentrum "Godeshöhe" e.V. reagiert auf die negativen Bewertungen auf Jameda und bedauert, dass die Erwartungen der Patienten nicht erfüllt werden konnten. Es wird auf Umbau- und Sanierungsmaßnahmen hingewiesen, um für die Patienten die bestmögliche Umgebung zu schaffen. Das Wohlergehen der Patienten hat für die Klinik die höchste Priorität. Die Anmerkungen der Patienten werden intern geprüft und in den interdisziplinären Teams besprochen. Für Gespräche steht das Beschwerdemanagement gerne zur Verfügung.
Ambulante vs. stationäre Reha
Die Frage, ob eine ambulante oder stationäre Reha effektiver ist, ist nicht pauschal zu beantworten. Es gibt Studien, die zeigen, dass die ambulante Reha bei bestimmten Erkrankungen (z. B. Sucht, koronare Erkrankungen, geriatrische Erkrankungen) kostengünstiger bei gleicher Effektivität wie die stationäre Reha ist, gemessen an Lebensqualität, Rückkehr in den Beruf u.ä..
Die Entscheidung für eine ambulante oder stationäre Reha hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter:
- Art und Schwere der Erkrankung: Bei komplexen neurologischen Erkrankungen oder bei Patienten mit erheblichen funktionellen Einschränkungen kann eine stationäre Reha sinnvoller sein, da sie eine intensivere Betreuung und Überwachung ermöglicht.
- Selbstständigkeit des Patienten: Patienten, die in den meisten Aktivitäten des täglichen Lebens (ADL) selbstständig sind und keine pflegerische Hilfe benötigen, können von einer ambulanten Reha profitieren.
- Soziales Umfeld des Patienten: Patienten, die ein stabiles soziales Umfeld haben und von ihren Angehörigen unterstützt werden, können eher von einer ambulanten Reha profitieren, da sie die Möglichkeit haben, die erlernten Fähigkeiten direkt in ihrem Alltag anzuwenden.
- Wünsche des Patienten: Die Wünsche des Patienten sollten bei der Entscheidung berücksichtigt werden. Wenn der Patient eine ambulante Reha bevorzugt, weil er sein soziales Umfeld vermisst oder schnell wieder in sein häusliches Umfeld zurückkehren möchte, kann dies den Therapieerfolg positiv beeinflussen.
Es ist auch möglich, von einer ambulanten Reha auf eine stationäre Reha zu wechseln, wenn die ambulante Reha nicht den gewünschten Effekt bringt. Ob die Krankenkasse dies bewilligt, muss im Einzelfall geprüft werden.
Bonner Zentrum für Ambulante Rehabilitation (BZfAR)
Das Bonner Zentrum für Ambulante Rehabilitation (BZfAR) ist eine weitere Einrichtung in Bonn, die ambulante Rehabilitation anbietet. Seit der Gründung im Jahr 1995 hat sich das BZfAR auf Physiotherapie und vorbeugende Gesundheitskonzepte spezialisiert. Das BZfAR bietet ein breites Leistungsspektrum, darunter klassische und innovative Therapien in der Krankengymnastik und der physikalischen bzw. medizinischen Trainingstherapie.
Das BZfAR verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz, der individuell auf jede Person zugeschnitten ist, interdisziplinär gedacht wird und sich nah an der Lebensrealität orientiert. Das Leistungsangebot reicht von aktivierender Physiotherapie und alltagsorientierter Ergotherapie über gezieltes Gerätetraining in der medizinischen Trainingstherapie bis hin zu individueller Ernährungsberatung. Ergänzt wird dieses Spektrum durch eine strukturierte Reha-Nachsorge und eine Vielzahl präventiver Maßnahmen.
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