Funktionelle Neurologische Störungen (FNS) stellen eine Herausforderung in der neurologischen Versorgung dar. Sie manifestieren sich durch neurologische Symptome wie Lähmungen, Bewegungsstörungen, Taubheitsgefühle und Bewusstseinsstörungen, ohne dass eine strukturelle Schädigung des Gehirns vorliegt. Diese Störungen beruhen auf einer Funktionsstörung des Gehirns und erfordern einen umfassenden diagnostischen und therapeutischen Ansatz. Die Ambulanz für funktionelle neurologische Störungen bietet eine spezialisierte Anlaufstelle für Betroffene.
Einführung in funktionelle neurologische Störungen
Funktionelle Neurologische Störungen (FNS) sind durch neurologische Symptome wie Lähmungen, Bewegungsstörungen, Taubheitsgefühle, Bewusstseinsstörungen sowie Konzentrations- oder Gedächtnisstörungen gekennzeichnet. Im Gegensatz zu anderen neurologischen Erkrankungen liegt bei FNS keine Schädigung der Gehirnstruktur vor. Stattdessen handelt es sich um eine Funktionsstörung des Gehirns. Die Diagnose einer FNS wird oft spät oder gar nicht gestellt, obwohl sie zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen zählen.
Was sind funktionelle neurologische Störungen?
Funktionelle neurologische Störungen können verschiedene Symptome hervorrufen, wie z. B. Anfälle, Schwindel, Schwäche und Kribbeln, ohne dass eine Schädigung des Nervensystems vorliegt. Vielmehr handelt es sich um Fehlanpassungen und "Programmfehler" der Informationsverarbeitung im Gehirn, die nicht bewusst korrigiert werden können. Etwa 10 % der Patienten in neurologischen Kliniken leiden unter funktionellen neurologischen Störungen.
Symptome und Ursachen
Die Beschwerden können vielfältig sein, z. B. Schmerzen, Schwindel, Bewegungseinschränkungen, und jedes Organ- oder Funktionssystem betreffen oder sich auf eine konkrete Körperregion beziehen, wie etwa den Magen-Darmtrakt, das Herz-Kreislaufsystem oder das Nervensystem. Dann spricht man von einer „somatoformen“ oder „funktionellen“ Störung. Obwohl keine schlüssige körperliche Erklärung für die Beschwerden gefunden wird, besteht dennoch kein Zweifel daran, dass die Symptome echt sind und nicht eingebildet, und dass sie bei den Betroffenen zu erheblichen Einschränkungen und Leiden führen können. Dies untermauern aktuelle neurowissenschaftliche Befunde. Man weiß inzwischen, dass seelische Vorgänge eine wichtige Rolle spielen. Ausgelöst werden funktionelle neurologische Störungen häufig durch akute Krankheitszustände oder chronische Belastungen, es können jedoch eine Vielzahl von körperlichen und psychischen Einflussfaktoren mitwirken.
Bis zu 60 Prozent der Bevölkerung sind in verschiedenem Ausmaß von somatoformen Störungen betroffen. Bei vielen Menschen sind diese Beschwerden so stark, dass sie ständig ärztliche Hilfe benötigen. Allerdings sind z. B. medikamentöse Therapieansätze häufig nicht erfolgreich, so dass die Beschwerden chronisch werden.
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Diagnostik
Die Diagnostik erfolgt interdisziplinär. Für die ambulante Vorstellung ist ein Überweisungsschein von einem niedergelassenen Neurologen erforderlich. Es sollten alle vorhandenen Arztbriefe sowie CT-/ MRT-Bilder mitgebracht werden.
Die Aufgaben der Ambulanz umfassen:
- Sicherung der Diagnose einer FNS bzw. einer korrekten anderen Diagnose
- Aufklärung über das Krankheitsbild und wie es entsteht
- Beratung zur Therapie
- Unterstützung bei der Therapieplanung
Spezialisierte Ambulanzen und Behandlungsangebote
Epilepsie-Ambulanz
In der Epilepsie-Ambulanz werden häufig sogenannte dissoziative Anfälle diagnostiziert. Die Behandlung derartiger Störungen basiert auf einer ausführlichen Diagnostik und der Kombination verschiedener Therapieformen wie Bewegungstherapie, Verhaltenstherapie und gelegentlich Medikamente. Die Diagnostik besteht aus einer ausführlichen Anamnese, Bestimmung differenzierter Laborwerte, der Aufzeichnung eines EEG und Bewertung sowie Empfehlung zur Bildgebung. Therapeutisch werden Antiepileptika in Einzel- und Kombinationsmedikation angewendet. In der Sprechstunde wird die Neueinstellung und Beratung zu bestehenden Medikationen angeboten.
Ambulanz für Bewegungsstörungen
In der Ambulanz für Bewegungsstörungen werden verschiedene Erkrankungen behandelt, die die Körperhaltung und die präzise Ausführung von willkürlichen, aber auch von automatischen, unbewussten Bewegungen beeinträchtigen. Die Ursachen der meisten Störungen liegen in den sogenannten Basalganglien. Das sind Zentren, die im Inneren des Gehirns unterhalb der Hirnrinde lokalisiert sind. Auch Erkrankungen des Kleinhirns oder des Rückenmarks führen zu Bewegungsstörungen. Die Möglichkeiten der Behandlung vieler Bewegungsstörungen haben sich in den letzten Jahren durch die Entwicklung wirksamer Medikamente und auch operativer Verfahren deutlich verbessert.
Das gesamte Spektrum von Bewegungsstörungen wird behandelt. Diese zeichnen sich in der Regel durch eine unwillkürliche Verarmung (Hypokinese), ein Übermaß (Hyperkinese) an Bewegungen oder eine fehlerhafte Bewegungsausführung aus. Hierzu zählen z.B.:
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- Hemispasmus facialis
- fokale Spastik
Es erfolgt eine umfassende Diagnosestellung (inkl. moderner bildgebender Verfahren und u.U. genetischer Diagnostik).
Botulinumtoxin-Therapie
Durch die Botulinumtoxin-Injektion können die Symptome von Dystonie und Spastik wie Verkrampfungen, Schmerzen und Fehlstellungen gebessert werden. Unter den typischen Krankheitsbildern die behandelt werden finden sich fokale Dystonie wie zum Beispiel Lidkrämpfe (Blepharospasmus), der Schiefhals (Torticollis spasmodicus) oder die Funktionseinschränkungen beim Schreibkrampf (Graphospasmus). Zudem segmentale und sekundäre Dystonien wie bei einem Spasmus hemifacilais. Weiterhin wird der Spasmus Hemifacialis und eine fokale Spastik (z.B. nach Schlaganfall, posttraumatisch/ posthypoxisch, bei Multipler Sklerose) mit Botulinumtoxin behandelt.
Spezialsprechstunde für neuroimmunologische Erkrankungen
Hier werden Patientinnen und Patienten beraten und behandelt, die an einer neurologischen Autoimmunerkrankung leiden. Sämtliche diagnostische Methoden zur Abklärung und Verlaufskontrolle neuroimmunologischer Erkrankungen stehen zur Verfügung; dabei wird insbesondere mit der Abteilung für Neuroradiologie eng zusammengearbeitet. Ziel ist es, eine individuell maßgeschneiderte Therapie zu ermöglichen - das betrifft sowohl die Auswahl und Einleitung einer geeigneten immunmodulatorischen Therapie als auch die Begleitung während der Therapie. In der Ambulanz stehen alle Infusionstherapien zur Verfügung.
Zentrum für Neuromuskuläre Erkrankungen
Diese reichen von Erkrankungen des Rückenmarks, über die peripheren Nerven, den Übergang zwischen Nerven und Muskeln, sowie letztlich den Muskeln selbst. Die Ursachen können Gendefekte, Entzündungen, Stoffwechselstörungen oder degenerative Prozesse sein. Die Vielzahl der einzelnen Erkrankungen die zum Teil sehr selten auftreten machen eine ausführliche Diagnostik unter Zuhilfenahme technischer Verfahren, wie z.B. der Elektrophysiologie erforderlich. Viele dieser Erkrankungen sind als Multisystemerkrankung zu verstehen, sodass ebenso eine enge Zusammenarbeit mit anderen medizinischen Disziplinen erforderlich ist. Das Zentrum bietet das hierfür volle Spektrum der Diagnostik und erforderlichen Therapien an.
Schmerzmedizin
Die Universitäre Schmerzmedizin bündelt und koordiniert die Expertise aller Kliniken, Institute und Fachzentren, die sich der Behandlung akuter und chronischer Schmerzen widmen. Es wird ein ganzheitliches Konzept geboten: Diagnostik und Therapie erfolgen interdisziplinär mit mehreren Expertinnen und Experten unterschiedlicher Fachrichtungen im Team. In den angegliederten Fachzentren wird gemeinsam mit Ärztinnen, Ärzten, Physio- und Psychotherapeutinnen und -therapeuten eine genau auf Sie abgestimmte Therapiestrategie erarbeitet.
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Gedächtnissprechstunde und Zentrum für Gehirngesundheit und Prävention (ZGP-E)
Die Diagnostik und Versorgung von Patienten mit Demenz und kognitiven Störungen stellt als Gedächtnissprechstunde einen Schwerpunkt dar. Hierfür stehen alle Untersuchungen der Neurologie zur Verfügung, um eine ambulante Abklärung einer Gedächtnisstörung (leichtes oder mildes kognitives Defizit) oder einer Demenz (z.B. Alzheimer-Demenz, Lewy-Body-Demenz, Frontotemporale Demenz (FTD)) zu ermöglichen. Dazu gehören neben einer medizinisch-neurologischen Abklärung eine ausführliche neuropsychologische Demenz Diagnostik sowie eine Lumbalpunktion zur Bestimmung von Demenzbiomarkern und weiteren Parametern im Liquor. Alle diese Leistungen können ambulant zeitnah durchgeführt werden. Für erblich bedingte Alzheimer- oder FTD-Demenzerkrankungen wird eine spezielle genetische Beratung wie auch eine molekulargenetische Abklärung angeboten.
Im Zentrum für Gehirngesundheit und Prävention (ZGP-E) können Menschen, die ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Demenz haben, präventiv untersucht werden um dann Betroffenen frühzeitig neue Therapien anbieten zu können. Demenz ist ein Überbegriff für Erkrankungen, die zu einem allmählichen Verlust geistiger Fähigkeiten (sogenannter kognitiver Funktionen) wie beispielsweise Erinnerungsvermögen, Erlernen neuer Inhalte, Orientierung und/oder Persönlichkeitsveränderungen führen, die die Alltagsaktivitäten zunehmend erschweren.
Ambulanz für erbliche neurologische Erkrankungen
Erbliche Erkrankungen gewinnen in der Neurologie zunehmend an Bedeutung. Dies betrifft insbesondere Muskelerkrankungen, Motoneuronerkrankungen, Polyneuropathien und Bewegungsstörungen wie z.B. Ataxien, aber auch bei Schlaganfällen gibt es manchmal erbliche Ursachen. Daher arbeitet die Ambulanz eng mit den anderen Spezialambulanzen der Klinik zusammen. Sowohl die diagnostischen Möglichkeiten („Next-Generation-Sequencing“) als auch die kausalen Therapieoptionen (z.B. Antisense-Oligonukleotid-Therapie und Genersatztherapie) befinden sich in einer rasanten Entwicklung.
Ambulanz für Musikermedizin
Professionelle Musikerinnen und Musiker sind durch jahrelanges intensives Training sowie hohem Leistungs- und Konkurrenzdruck ganz besonderen körperlichen Belastungen ausgesetzt. Dies kann zu sehr speziellen körperlichen aber auch psychischen Problemen führen. In der Ambulanz arbeitet ein erfahrenes Team aus Ärzten und Ärztinnen verschiedener Fachrichtungen zusammen und bietet Musiker*innen ein spezialisiertes Präventions-, Diagnose- und Therapieangebot. Spiel- bzw. gesangsbedingte Beschwerden werden interdisziplinär, angepasst an die Bedürfnisse der Musikerinnen und Musiker und Sängerinnen und Sänger behandelt.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit
Wir versuchen, unseren Patientinnen und Patienten dabei zu helfen, mit den Beschwerden umzugehen. Die Mitarbeitenden der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sind häufig in weiteren fachärztlichen Disziplinen weitergebildet. Zudem arbeiten wir eng mit verschiedenen medizinischen Fachkliniken des Universitätsklinikums Essen, wie z.B. der Klinik für Innere Medizin, Neurologie oder dem Westdeutschen Kopfschmerzzentrum zusammen. Ein multiprofessionelles Team aus ärztlichem und psychologisch-therapeutischem Fachpersonal, speziell geschultem Pflegepersonal, spezialtherapeutischen Kräften sowie Sozialarbeitenden widmet sich Ihren Beschwerden aus unterschiedlichen Perspektiven.
Multimodale Therapieansätze
Die Behandlung erfolgt in der Regel zu Beginn vollstationär und dauert zwischen sechs und zwölf Wochen. Im weiteren Verlauf wird die Behandlung tagesklinisch fortgeführt. Der teilstationäre Aufenthalt in der Tagesklinik hilft Ihnen, das Erreichte besser in Ihren Alltag und Ihr persönliches Umfeld zu integrieren. Es gibt auch ambulante Behandlungsmöglichkeiten.
Rückenschmerzzentrum
Patienten mit Rückenschmerzen haben nicht selten eine Vielzahl von verschiedenen Arztbesuchen und sogar Operationen hinter sich, ohne dass sich die Beschwerden wesentlich bessern. Wir als Team des Rückenschmerzzentrums bieten Ihnen in enger Kooperation mit den Kliniken für Neurochirurgie, Orthopädie, Anästhesiologie, Psychosomatik sowie Psychiatrie eine interdisziplinäre Behandlung an, in der alle für die Diagnose und Therapie von Rückenschmerzen relevanten Fachrichtungen einer universitären Einrichtung eng zusammenarbeiten.
Zentrum für interdisziplinäre Schmerztherapie (ZIS)
Chronischer Schmerz ist ein bio-psycho-soziales Geschehen, das biologische ebenso wie psychologische, soziale und kulturelle Komponenten hat. Da eine Schmerzkrankheit sehr vielschichtig ist, sollte deshalb auch eine ganzheitliche Therapie erfolgen. Genau hier setzt das ZIS an: Ziel ist es, alle Aspekte der Schmerzkrankheit zu erfassen. Die Einbindung verschiedener Fachdisziplinen ermöglicht im interdisziplinären Team eine optimale Behandlung. Dabei wird auf ein multimodales Konzept und eine auf unsere Patientinnen und Patienten individuell zugeschnittene Therapie gebaut.
Forschung und Innovation
Unsere Klinik forscht intensiv an neuen Diagnose- und Therapieverfahren. So umfassen unsere Forschungsaktivitäten sowohl Projekte im neurobiologischen Grundlagenlabor, auf dem Gebiet der Biomarkerforschung, im Bereich der Bildgebung als auch im Bereich klinischer Studien, in denen neue Therapieansätze geprüft werden. Im Rahmen des Kompetenznetz Parkinson und des DZNE sind wir mit anderen universitären Zentren verbunden, um gemeinsam die Erforschung von Bewegungsstörungen voranzutreiben.
Neurovaskuläre Ambulanz
In der neurovaskulären Ambulanz werden insbesondere Patientinnen mit komplexen neurovaskulären Erkrankungen (Erkrankungen der Hirn- und Rückenmarksgefäße) betreut. Es werden zudem Nachuntersuchungen nach einem stationären Aufenthalt aufgrund einer neurovaskulären Erkrankung angeboten, insbesondere wenn kontrollbedürftige Befunde erhoben wurden oder erneut über Art und Dauer sekundärpräventiver Maßnahmen entschieden werden soll (z.B. Thrombozytenaggregationshemmung nach stattgehabtem Schlaganfall). Ein weiterer Schwerpunkt ist die Unterstützung niedergelassener Kolleginnen auch anderer Fachdisziplinen (wie Gefäßchirurgie, Angiologie) bei der Indikationsstellung für gefäßrekonstruktive Eingriffe. Es besteht eine enge direkte Zusammenarbeit mit dem zertifizierten interdisziplinären Gefäßzentrum sowie der Neuroradiologie des Klinikums rechts der Isar. Ausgewählte Fälle werden zusätzlich im wöchentlich stattfindenden interdisziplinären Gefäßboard besprochen. So kann im Rahmen der ambulanten Behandlung neben der initialen Diagnostik ein weiterführendes Behandlungskonzept unter Einschluss konservativer, operativer bzw. interventioneller Maßnahmen erarbeitet werden. Die neurovaskuläre Ambulanz verfügt über das gesamte Spektrum moderner nichtinvasiver Untersuchungsverfahren.
Neuroonkologie
Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit ist für Diagnostik und Therapie notwendig, um für alle neuroonkologischen Patienten und Patientinnen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Prognose individuell die Diagnostik und ein optimales Behandlungskonzept festzulegen. Neben dem Einsatz modernster tumorspezifischer Verfahren müssen der Erhalt bzw. die Verbesserung der Lebensqualität höchste Priorität besitzen.
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