Amineurin, dessen Wirkstoff Amitriptylin ist, wird hauptsächlich zur Behandlung von Depressionen eingesetzt, kann aber auch bei der Behandlung von Parkinson-Patienten in Betracht gezogen werden, insbesondere im Hinblick auf die nicht-motorischen Symptome der Krankheit. Es ist wichtig, die Wirkungsweise, Dosierung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen von Amitriptylin zu verstehen, um eine informierte Entscheidung über seine Verwendung bei der Parkinson-Behandlung treffen zu können.
Die Wirkung von Amineurin
Amineurin 100 retard enthält den Wirkstoff Amitriptylin, der zur Behandlung von Depressionen eingesetzt wird. Der Wirkstoff hilft speziell bei psychischen Beschwerden, bei denen eine schlechte Stimmungslage oder Ängste im Vordergrund stehen. Dazu gehören auch Angststörungen, die sich negativ auf die Stimmung auswirken. Aufgrund seiner beruhigenden Wirkung hilft Amitriptylin auch gegen krankheitsbedingte Schlafstörungen und sollte abends eingenommen werden.
Darüber hinaus kann der Wirkstoff im Rahmen eines Therapiekonzeptes bei chronischen Schmerzen eingesetzt werden, die oft auch eine seelische Komponente haben. Die von Amitriptylin abgedeckte Schmerzskala reicht von leichten bis mäßig starken Schmerzen bis hin zu starken bis sehr starken Schmerzen.
Dosierung von Amineurin
Die Dosierung erfolgt immer individuell auf den jeweiligen Patienten zugeschnitten. Das Medikament wird besonders bei einer höher dosierten Behandlung verwendet. Es ist durch Bruchrillen in Viertel teilbar.
Außerhalb des Krankenhauses wird zur Behandlung depressiver Erkrankungen eine Anfangsdosis von 50 bis 75 Milligramm Amitriptylin-Hydrochlorid pro Tag empfohlen, entsprechend täglich einer halben bis dreiviertel Retardtablette. Die Dosis sollte dann täglich bis zum Eintritt der Wirkung gesteigert werden. Allerdings darf dabei eine maximale Tagesdosis von 150 Milligramm Wirkstoff nicht überschritten werden. Im Krankenhaus sind täglich maximal 300 Milligramm Amitriptylin-Hydrochlorid erlaubt. Bei älteren Personen wird die angewendete Dosis deutlich niedriger liegen. Oft reicht bei ihnen schon die Hälfte der üblichen Tagesdosis.
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Sollen Jugendliche und Kinder unter 16 Jahren mit Amitriptylin behandelt werden (was nur in Ausnahmefällen erlaubt ist), wird Amitriptylin-Hydrochlorid in einer Tagesdosierung zwischen 25 und 150 Milligramm (entspricht einer viertel bis eineinhalb Retardtablette) eingesetzt. Die Höchstdosis liegt bei vier bis fünf Milligramm Amitriptylin-Hydrochlorid pro Kilogramm Körpergewicht. Die Retardtabletten werden unzerkaut mit Flüssigkeit, am besten mit Wasser, eingenommen. Ob die Einnahme zu oder außerhalb einer Mahlzeit erfolgt, ist nicht von Bedeutung. Wenn eine einschlaffördernde Wirkung erzielt werden soll (darüber entscheidet der Arzt), kann ein größerer Teil der Tagesdosis zur Nacht genommen werden.
Bei der Behandlung chronischer Schmerzen wird wie folgt dosiert: Zu Beginn werden abends 25 Milligramm Amitriptylin-Hydrochlorid (entspricht einer viertel Retardtablette) eingenommen. Die Menge wird bis auf 75 bis 100 Milligramm (entspricht einer dreiviertel bis einer Retardtablette) gesteigert.
Die erforderliche Dauer der Arzneimittelanwendung legt der behandelnde Arzt fest. Normalerweise beträgt sie jedoch mindestens sechs Monate. Zum Ende der Behandlung muss die Dosierung des Medikaments wieder schrittweise vermindert werden.
Bestandteile von Amineurin
Folgende arzneilich nicht wirksame Bestandteile sind in dem Medikament enthalten:
- Hyprolose
- Indigocarmin (E 132)
- Titandioxid (E 171)
- Aluminiumhydroxid
- Cellulose
- Chinolingelb (E 104)
- Hypromellose
- Lactose
- Macrogol 4000
- Magnesiumstearat
- Natriumalginat
- Siliciumdioxid
Nebenwirkungen von Amineurin
Wie bei allen Medikamenten kann auch die Einnahme von Amineurin Nebenwirkungen verursachen. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören:
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- Sehr häufige Nebenwirkungen: Mundtrockenheit, verstopfte Nase, Müdigkeit, Benommenheit, Schwitzen, Schwindel, niedriger Blutdruck, Kreislaufstörungen, Herzrasen, Herzrhythmusstörungen, Gereiztheit, Sprachstörungen, Zittern, Störungen der Scharfsicht, Kopfschmerzen, Verstopfung, Gewichtszunahme, Leber-Enzym-Wertanstieg im Blut (meist vorübergehend).
- Häufige Nebenwirkungen: Blasenentleerungsstörungen, innere Unruhe, Blutnatriummangel, Durstgefühl, Hautausschläge, Geschmacksstörungen, Bewegungsstörungen, Pupillenerweiterung, Verwirrtheit, Konzentrationsmangel, Libido-Verlust, Impotenz, Delirium (vor allem bei älteren Patienten).
- Gelegentliche Nebenwirkungen: Kreislaufzusammenbruch, Bluthochdruck, Wasseransammlungen im Gewebe (Gesicht, Zunge), Ohrensausen, Darmverschluss, Durchfall, Harnsperre, Blutbildveränderungen (Weiße-Blutkörperchenmangel), krankhafter Milchfluss, Leberfunktionsstörungen mit Gallenstau, Angst, Verfolgungswahn, Erregung, Herzrhythmusstörungen, Herzmuskelschwäche-Verstärkung, allergische Hautreaktionen, allergische Gefäßentzündungen, Herzmuskelentzündung.
- Seltene Nebenwirkungen: Haarausfall, Essensverweigerung (Anorexie), Vergrößerung der Speicheldrüse, Lichtüberempfindlichkeit, Wahnvorstellungen, Brustvergrößerung, Körpertemperaturerhöhung.
- Sehr seltene Nebenwirkungen: Fehlen der Granulozyten, Gehirnkrämpfe, Bewegungsstörungen im Gesicht, allgemeine Nervenbeschwerden, Grüner Star-Anfälle (Glaukom), allergische Lungenbläschen-Entzündung (Alveolitis, Löffler-Syndrom), Herzmuskelschäden, spezielle Herzrhythmusstörungen (Torsades de Pointes).
Viele der unerwünschten Nebenwirkungen sind zu Beginn der Behandlung am stärksten und lassen meist nach, wenn sich der Körper an den Wirkstoff gewöhnt hat.
Besonderheiten bei der Anwendung von Amineurin
Bei speziellen Risikogruppen wie Epileptikern, Alkoholikern oder Patienten, die gleichzeitig andere Psychopharmaka nehmen, können epileptische Krampfanfälle auftreten. Bei älteren oder hirngeschädigten Patienten kann der Wirkstoff ein Delirium auslösen. Verwirrtheitszustände und andere delirante Symptome wie Desorientierung oder Wahnvorstellungen kommen häufig vor, insbesondere bei älteren Menschen und Patienten mit Morbus Parkinson oder Parkinson-Syndromen.
Eine akute Überdosierung zeichnet sich durch Übererregbarkeit (bis hin zu Krämpfen), Bewusstseinsstörungen (bis zum Koma), Herzrhythmusstörungen und Atemstillstand aus. Wenn Sie bei sich Anzeichen dieser Symptome, aber auch vermehrt Mundtrockenheit oder Probleme beim Wasserlassen und erhöhten Puls beobachten, weist dies auf eine beginnende Überdosierung hin. Sprechen Sie dann sofort mit Ihrem Arzt.
Eine Behandlung mit Amitriptylin sollte nicht abrupt beendet werden, da dies Nebenwirkungen wie Übelkeit, Schlaflosigkeit und Angstgefühle bewirken kann. Es empfiehlt sich, die Dosis langsam zu verringern (auszuschleichen).
Bei Kindern besteht durch die Behandlung ein erhöhtes Risiko für Zahnfäule (Karies). Es muss also besonders auf die tägliche Zahnpflege geachtet werden. Bei diesen Mitteln, aber auch bei Alkoholkonsum, kann es durch Amitriptylin zu einer gegenseitigen Wirkungsverstärkung kommen.
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Eine gegenseitige Wirkungsverstärkung ergibt sich mit Wirkstoffen, die wie Amitriptylin eine anticholinerge Wirkung haben. Dazu gehören zum Beispiel Phenothiazine (eine Gruppe der Psychopharmaka), Antiparkinsonmittel wie Biperiden, Antihistaminika (als Schlafmittel und gegen Allergien verwendet) oder Atropin (zum Beispiel in Augentropfen enthalten). Cimetidin (gegen Magengeschwüre) und Methylphenidat (wird zum Beispiel bei hyperaktiven Kindern eingesetzt) verstärken die Wirkungen und Nebenwirkungen des Wirkstoffs Amitriptylin.
Manche gefäßverengenden Mittel (Katecholamine), auch wenn sie nur als Zusatz zu Mitteln zur örtlichen Betäubung vorkommen, werden durch Amitriptylin in ihrer Wirkung auf das Nervensystem verstärkt. Besondere ärztliche Vorsicht ist geboten, wenn vorausgehend oder gleichzeitig mit Amitriptylin Antidepressiva anderer Wirkstoffgruppen eingenommen wurden oder werden. Dies gilt insbesondere für die Wirkstoffe Fluoxetin und Fluvoxamin, aber auch für andere trizyklische Antidepressiva. Hier kommt es bei gleichzeitiger Gabe von Amitriptylin zu einer gegenseitigen Verstärkung der Wirkung und zur Zunahme der Häufigkeit auftretender Nebenwirkungen. Die einzunehmende Dosis von Amitriptylin und/oder der anderen Antidepressiva muss daher durch den Arzt angepasst werden. Antidepressiva aus der Gruppe der MAO-Hemmer dürfen wegen schwerer Nebenwirkungen keinesfalls zusammen mit Amitriptylin eingenommen werden. Die einnahme der MAO-Hemmer muss mindestens 14 Tage vor der Einnahme von Amitriptylin beendet werden. Auch bei einem umgekehrten Wechsel von Amitriptylin zu MAO-Hemmern gilt dieser Mindestabstand von 14 Tagen.
Neuroleptika, die ebenfalls auf die Psyche wirken, verstärken Amitriptylin in seiner Wirkung. Dies gilt auch für die gleichzeitige Behandlung mit Antiepileptika wie Benzodiazepinen oder Barbituraten. Hier können vermehrt Krampfanfälle des zentralen Nervensystems auftreten. Amitriptylin kann die Wirkung von manchen Wirkstoffen gegen zu hohen Blutdruck wie beispielsweise Guanethidin, Reserpin, Betanidin, Clonidin verringern oder aufheben. Gleiches gilt für den Wirkstoff Alpha-Methyldopa.
Bei gleichzeitiger Gabe von Schilddrüsenhormonen ist besondere ärztliche Vorsicht geboten, da unerwünschte herzschädigende Effekte verstärkt werden können.
Wirkstoffe gegen Herzrhythmusstörungen vom Typ des Chinidin oder Amiodaron werden in ihrer Wirkung durch Amitriptylin verstärkt.
Wirkstoffe, die den Abbau von Amitriptylin in der Leber beschleunigen, wie Barbiturate, die Epilepsiemittel Carbamazepin und Phenytoin, wie Nikotin oder hormonelle Verhütungsmittel, verringern die Wirkung von Amitriptylin. Carbamazepin und Phenytoin werden dabei gleichzeitig in ihrer Wirkung durch Amitriptylin verstärkt.
Bei gleichzeitiger Gabe von Blutgerinnungsmitteln vom Cumarin-Typ wie beispielsweise Phenprocoumon kann es zu Veränderungen der Blutgerinnung kommen.
Gegenanzeigen für die Anwendung von Amineurin
Der Wirkstoff darf nicht verwendet werden bei:
- Überempfindlichkeit gegen Amitriptylin oder andere tri- und tetrazyklische Antidepressiva
- gleichzeitiger Einnahme von MAO-Hemmern (Antidepressiva)
- Vergiftungen durch Schlafmittel, Schmerzmittel, Psychopharmaka oder Alkohol
- Patienten mit einem Delirium
- unbehandeltem Engwinkelglaukom (grüner Star) (bei Injektion)
- gutartiger Prostatavergrößerung mit Restharnbildung und/oder Harnverhaltung
- Verengung des Magenausgangs (Pylorusstenose) oder krampfbedingtem Darmverschluss
- Reizüberleitungsstörungen zum Herzmuskel oder Blockierungen im Herzerregungsleitungssystem mit Herzschlagverlangsamung
- Kaliummangel oder bei gleichzeitiger Behandlung mit Medikamenten (beispielsweise Entwässerungsmitteln), die einen Kaliummangel verursachen.
Nur nach sorgfältiger ärztlicher Nutzen-Risiko-Abwägung darf Amitriptylin verordnet werden bei:
- gutartiger Prostatavergrößerung ohne Restharnbildung
- schwerer Beeinträchtigung der Leber- oder Nierenfunktion
- Neigung zu epileptischen Krämpfen
- Störungen der Blutbildung
- psychischen Störungen aufgrund einer hirnorganischen Ursache
- älteren Patienten.
Bei diesen Patientengruppen müssen besondere ärztliche Vorsichtsmaßnahmen ergriffen werden und regelmäßige ärztliche Kontrollen stattfinden. Treten bei Anwendung von Amitriptylin manische Phasen (mit extrem gehobener Stimmung und übersteigertem Antrieb) auf, muss der Wirkstoff sofort abgesetzt werden. Dies gilt auch, wenn während der Behandlung, insbesondere im Verlauf schizophrener Erkrankungen (Schizophrenien), zusätzliche depressive Symptome neu auftreten.
Amineurin in Schwangerschaft und Stillzeit
Bisher gibt es keine Hinweise darauf, dass Amitriptylin das ungeborene Kind schädigen könnte. Sicherheitshalber sollte die Anwendung in der Schwangerschaft, besonders in den ersten drei Monaten, trotzdem nur bei zwingenden Gründen und nach sorgfältiger ärztlicher Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen. Wird Amitriptylin gegen Ende der Schwangerschaft verwendet, muss das Neugeborene während der ersten Monate auf Nachwirkungen des Wirkstoffs ärztlich überwacht werden.
Da Amitriptylin in die Muttermilch übergeht, sollte der Wirkstoff nicht in der Stillzeit verwendet werden. Gegebenenfalls muss bei einer Behandlung mit Amitriptylin vorher abgestillt werden.
Amineurin bei Kindern
Von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren sollte der Wirkstoff nicht eingenommen werden, da für diese Patientengruppe keine ausreichenden Erfahrungen vorliegen. Wenn der Arzt den Einsatz des Wirkstoffes bei jüngeren Patienten für nötig hält, darf die Anwendung nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung und unter seiner Kontrolle erfolgen.
Warnhinweise bei der Anwendung von Amineurin
Die Reaktionsfähigkeit wird besonders in den ersten Tagen der Behandlung beeinträchtigt. In diesem Zusammenhang ist auch die Verkehrstüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen stark eingeschränkt. Das Lenken von Fahrzeugen sollte daher in den ersten Tagen der Behandlung unterbleiben. Regelmäßige ärztliche Blutdruckkontrollen sind bei Patienten mit Bluthochdruck und labilen Kreislaufverhältnissen ratsam, da es zu starken Blutdruckabfällen während der Behandlung kommen kann. Die Überwachung der Herzfunktion und EKG-Kontrollen durch den Arzt sind bei Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen empfehlenswert. Eine regelmäßige ärztliche Kontrolle der Leberenzyme sollte bei Patienten mit Lebererkrankungen erfolgen. Eine regelmäßige ärztliche Überprüfung der Nierenfunktion wird insbesondere bei älteren Patienten angeraten. Regelmäßige ärztliche Blutbildkontrollen sollten gemacht werden, da es zu Blutbildveränderungen kommen kann. Ärztliche Kontrollen insbesondere bei Auftreten von Fieber und grippalen Infekten sind über die gesamte Behandlungsdauer notwendig. Die regelmäßige ärztliche Kontrolle der Zähne ist wichtig, da bei Langzeitanwendung vermehrt Zahnkaries beobachtet wurde. Während der Behandlung mit dem Medikament sind ärztliche EEG-Kontrollen der Hirntätigkeit in regelmäßigen Abständen durchzuführen. Schwer depressive Patienten und besonders junge Erwachsene unter 30 Jahren sind trotz Therapie bis zum Eintritt einer Besserung immer selbstmordgefährdet. Das plötzliche Absetzen einer längerfristigen hoch dosierten Therapie sollte vermieden werden, da es sonst zu unerwünschten Reaktionen (Unruhe, Angstgefühl, Schweißausbruch, Schwindel, Erbrechen, Durchfall, Kopfschmerzen, Schlafstörungen) kommen kann. Beim Auftreten einer manischen (übersteigert gehobenen) Verstimmung oder Symptomen im Rahmen einer schizophrenen Erkrankung ist der Wirkstoff sofort abzusetzen. Bei Neigung zu Epilepsie und Hirnschäden kann es durch das Medikament verstärkt zu Krampfanfällen kommen. Bei Patienten mit Schilddrüsenüberfunktion beziehungsweise bei Gabe von Schilddrüsenhormonen ist besondere ärztliche Vorsicht geboten, da unerwünschte herzschädigende Effekte verstärkt werden können. Vor einer Operation sollte der Narkosearzt über die Behandlung mit dem Medikament informiert werden. Bei Kontaktlinsenträgern können Hornhautschädigungen aufgrund einer verminderten Tränendrüsentätigkeit entstehen. Intensives Sonnenlicht sollte während der Behandlung mit dem Medikament vermieden werden. Die antidepressive Wirkung des Medikaments wird durch Nikotin (Rauchen) abgeschwächt. Alkohol verstärkt die abdämpfende Wirkung des Medikaments und verstärkt die Verschlechterung der Reaktionsfähigkeit.
Die Behandlung von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren mit dem Medikament ist nur in Ausnahmefällen erlaubt.
Das Medikament kann unter Umständen zu einem erhöhten Risiko von Knochenbrüchen führen.
Nicht-motorische Symptome bei Parkinson und die Rolle von Antidepressiva
Beim Morbus Parkinson gibt es neben den motorischen Symptomen ein breites Spektrum von nicht-motorischen Störungen. Hierzu gehören neuropsychiatrische Symptome wie Angst/Depression, Tagesmüdigkeit/Fatigue, kognitive Einschränkungen und Demenz. Hinzu kommen Nebenwirkungen von Antiparkinson-Medikamenten, etwa Psychose und Impulskontrollstörungen. Zudem ist das autonome Nervensystem betroffen, was kardiovaskuläre, gastrointestinale und urogenitale Beschwerden sowie Störungen der Thermoregulation und weiterer Systeme zur Folgen haben kann. Zu weiteren nicht-motorischen Störungen zählen unter anderem Schmerzen sowie Schlaf- und Sehstörungen.
Häufigkeit nicht-motorischer Symptome
Studien haben gezeigt, dass nicht-motorische Symptome sowohl beim atypischen (APS) als auch beim idiopathischen Parkinson-Syndrom (IPS) sehr häufig auftreten. Generell weisen 98,6 % der einbezogenen Patienten nicht-motorische Symptome auf. Die häufigsten waren Fatigue (58 %) und Angst (56 %). Es folgten Beinschmerzen (38 %), Insomnie (37 %), Dranginkontinenz und Nykturie (35 %) sowie Hypersalivation und Konzentrationsprobleme (31 %). Insgesamt dominierten psychiatrische Symptome bei den nicht-motorischen Symptomen (67 %).
Nicht-motorische Symptome bereits bei De-novo-Patienten
Nicht-motorische Symptome können bereits zu Beginn der Parkinson-Erkrankung oder im frühen Stadium auftreten. Mit Hilfe von validierten Fragebögen lassen sich bereits bei De-novo-Patienten häufig nicht-motorische Symptome finden.
Nicht-motorische Symptome auch im ON möglich
Die nicht-motorischen Symptome können zwar im motorischen OFF der Patienten auftreten, doch es gibt keine strenge Korrelation zwischen nicht-motorischen und motorischen Symptomen. Der Patient kann demnach im motorischen ON sein und trotzdem nicht-motorische Störungen haben, zum Beispiel Angst, Depression, Probleme der Vigilanz oder Bradyphrenie.
Depression beim Morbus Parkinson
Wenn Parkinson-Patienten depressive Symptome entwickeln, sollte zunächst versucht werden, die dopaminerge Therapie zu optimieren. Persistieren die Symptome trotz optimaler dopaminerger Therapie im OFF, kann u. U. eine Eskalationstherapie hilfreich sein. Bleiben die Beschwerden ohne Zusammenhang mit dem OFF bestehen, sollte ein Antidepressivum eingesetzt werden.
Da für die Behandlung der Depression beim Parkinson-Syndrom wenig spezifische Studien zur Verfügung stehen, muss hierbei auf die Daten zur allgemeinen Therapie der Depression zurückgegriffen werden. Die Therapie mit Trizyklika basiert auf einer guten Datenlage, doch sie ist mit Nebenwirkungen und Interaktionen assoziiert. Eine weitere Option stellen kombinierte Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) dar, etwa Venlafaxin, Duloxetin oder Milnacipran. Das noradrenerge und spezifisch serotonerge bzw. tetrazyklische Antidepressivum (NaSSA) Mirtazapin kann einen zusätzlichen schlafanstoßenden Effekt erzielen, wobei die Zulassung nur für die Behandlung der Depression besteht und der Wirkstoff für den schlafanstoßenden Effekt niedriger dosiert werden muss.
Die S3-Leitlinie zur Therapie des Morbus Parkinson empfiehlt trizyklische Antidepressiva (Empfehlungsgrad A, Evidenzgrad 1++) sowie Antidepressiva neuerer Generation wie SSRI und Venlafaxin (B, 1++) für die Behandlung der Depression bei IPS-Patienten. Auch eine Psychotherapie soll gemäß Empfehlung genutzt werden (B, 1++).
Dopaminagonisten und Depression
Im Rahmen der Optimierung der dopaminergen Therapie bei Parkinson-Patienten mit Depression könnte der Einsatz eines Dopaminagonisten hilfreich sein.
Antidepressiva und RLS
Es ist wichtig zu beachten, dass verschiedene Arzneimittel ein RLS verstärken oder sogar neu auslösen können. Dies gilt etwa für verschiedene trizyklische Antidepressiva sowie für SSRI-Antidepressiva. Die mögliche Verschlechterung des RLS durch Antidepressiva wird auf deren Einfluss auf das Dopaminsystem zurückgeführt. Neben Antidepressiva können auch andere Medikamentengruppen die RLS-Symptomatik verschlechtern, darunter Neuroleptika (Antipsychotika), Antihistaminika, Lithium, Dopamin-Antagonisten und Metoclopramid (ein Magenmittel). Bitte sprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt, wenn Sie Antidepressiva oder andere Medikamente einnehmen und eine Zunahme oder das erstmalige Auftreten von RLS-Symptomen bemerken.
Andere Behandlungsansätze bei Parkinson
Zur Behandlung des RLS sollte in Abhängigkeit von den Blutwerten zunächst Eisen eingesetzt werden. Auch bei einer Verschlechterung des RLS im Behandlungsverlauf oder bei einer Augmentation sollte eine Eisengabe erneut erwogen werden. Die Behandlung mit dopaminergen Medikamenten ist die Therapie erster Wahl (sogenanntes First Line Treatment). Solche Medikamente beeinflussen das dopaminerge System im Gehirn. Zu ihnen zählen L-Dopa (Levodopa) und die sogenannten Dopaminagonisten. Beide werden auch bei der Behandlung des Parkinson-Syndroms eingesetzt.
Die Behandlung eines RLS mit Opioiden ist die Therapie zweiter Wahl (sogenanntes Second Line Treatment). Opioide wirken auf sogenannte Opioid-Rezeptoren im Gehirn, wo sie die Weiterleitung von Schmerzsignalen verhindern. Sie bewirken darüber hinaus durch eine Wirkung auf die k-Rezeptoren im Rückenmarkt auch eine spinale Analgesie.
Darüber hinaus können auch Medikamente zur Therapie einer Epilepsie bei der Behandlung eines RLS zum Einsatz kommen. Hierzu zählen zum Beispiel Gabapentin und Pregabalin (Lyrica®), die sich auch bei der Behandlung von Nervenschmerzen (Neuropathien) als wirksam erwiesen haben. Allerdings sind diese Medikamente nicht für die Therapie des Restless Legs Syndroms zugelassen.