An- und Ausziehen nach einem Apoplex: Therapie und Hilfestellungen

Ein Schlaganfall (Apoplex) kann schwerwiegende Folgen haben, darunter motorische Ausfälle wie Halbseitenlähmung (Hemiparese). Diese Lähmung betrifft häufig Arm und Bein einer Körperseite und kann das selbstständige An- und Ausziehen erheblich erschweren. Die Therapie und Rehabilitation konzentrieren sich darauf, Funktionen wiederherzustellen und den Alltag trotz Einschränkungen zu meistern.

Schlaganfall: Ursachen und Folgen

Jährlich erleiden in Deutschland etwa 270.000 Menschen einen Schlaganfall. Dabei wird die Sauerstoffversorgung bestimmter Hirnareale durch Gefäßverstopfung oder -verletzung unterbrochen, was zum Absterben von Nervenzellen führt. Man unterscheidet zwischen dem ischämischen Schlaganfall (ca. 80% der Fälle), der durch Blutgerinnsel oder Arterienverkalkung verursacht wird, und dem hämorrhagischen Schlaganfall, der auf einer Hirnblutung beruht.

Die Folgen eines Schlaganfalls sind vielfältig und können Sprachstörungen (Aphasie, Dysarthrophonie), Schluckbeschwerden (Dysphagie), Demenz, Lähmungen (Hemiparese) und Spastiken umfassen. Auch seelische Belastungen wie Angststörungen und Depressionen sind häufig.

Bedeutung der Rehabilitation

Nach einem Schlaganfall ist eine frühzeitige und umfassende Rehabilitation entscheidend, um verloren gegangene Fähigkeiten wiederzuerlangen und die Selbstständigkeit im Alltag zu fördern. Die Rehabilitation umfasst verschiedene Therapiebereiche:

  • Physiotherapie: Verbesserung von Kraft, Beweglichkeit, Koordination und Gleichgewicht.
  • Ergotherapie: Unterstützung bei alltäglichen Aktivitäten wie Körperpflege, An- und Ausziehen, Essen und Trinken.
  • Logopädie: Behandlung von Sprach- und Schluckstörungen.
  • Neuropsychologie: Analyse und Behandlung komplexer Störungen wie Konzentrations- und Gedächtnisprobleme.

Die neurologische Rehabilitation zielt darauf ab, die Neuroplastizität des Gehirns zu nutzen, um neue Funktionen im intakten Hirngewebe zu übernehmen.

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Therapie des An- und Ausziehens

Das An- und Ausziehen mag einfach erscheinen, ist jedoch ein komplexer Vorgang, der nach einem Schlaganfall eine Herausforderung darstellen kann. Therapeuten helfen Patienten, die Funktionen von Arm und Hand so gut es geht wiederherzustellen. Wo Funktionen dauerhaft eingeschränkt sind, müssen Hilfsmittel fehlende Fertigkeiten kompensieren.

Prinzipien und Techniken

  • Bobath-Konzept: Dieses Konzept betont die Bedeutung der Wahrnehmung und Bewegungskontrolle. Bei der Körperpflege und beim Ankleiden sollte zuerst die nicht-betroffene Körperseite und dann die betroffene Seite behandelt werden.
  • Schrittweise Annäherung: Komplexe Aufgaben werden in kleinere, leichter zu bewältigende Schritte zerlegt.
  • Strukturierung: Klare Anweisungen und eine feste Reihenfolge helfen, den Ablauf zu verinnerlichen.
  • Orientierungshilfen: Visuelle oder taktile Hinweise (z.B. Etiketten) können helfen, Kleidungsstücke richtig herum anzuziehen.

Praktische Tipps für das Ankleiden

  • Vorbereitung: Kleidung in der richtigen Reihenfolge und gut erreichbar bereitlegen.
  • Reihenfolge: Beim Ankleiden zuerst die betroffenen Körperteile bekleiden, beim Auskleiden umgekehrt.
  • Hilfsmittel: Bänder an Reißverschlüssen erleichtern die Bedienung.
  • Unterstützung: Betroffene in den Ankleideprozess einbeziehen, aber nicht entmündigen.

Umgang mit spezifischen Schwierigkeiten

Einige Patienten haben Schwierigkeiten, Kleidungsstücke richtig herum anzuziehen oder Knöpfe zu schließen. In solchen Fällen können folgende Maßnahmen helfen:

  • Apraxie: Bei Apraxie, einer Störung der Handlungsplanung, kann ein schrittweises Training mit klaren Anweisungen und visuellen Hilfen sinnvoll sein.
  • Räumliche Störungen: Orientierungshilfen wie Etiketten oder farbliche Markierungen können helfen, Kleidungsstücke richtig zu positionieren.
  • Motorische Defizite: Hilfsmittel wie Knöpfhilfen oder Klettverschlüsse können die Selbstständigkeit erleichtern.

Hilfsmittel für das An- und Ausziehen

Es gibt eine Vielzahl von Hilfsmitteln, die das An- und Ausziehen erleichtern können:

  • Knöpfhilfen: Erleichtern das Schließen von Knöpfen.
  • Reißverschlusshilfen: Verlängern den Reißverschlussgriff und erleichtern das Zuziehen.
  • Anziehhilfen für Strümpfe und Schuhe: Erleichtern das Anziehen von Strümpfen und Schuhen, besonders bei eingeschränkter Beweglichkeit.
  • Klettverschlüsse: Ersetzen Knöpfe und Reißverschlüsse.
  • Schlaganfall-Besteck: Besteck mit Griffverdickungen kann auch beim An- und Ausziehen hilfreich sein.

Fußheberschwäche als Folge eines Schlaganfalls

Eine häufige Folge eines Schlaganfalls ist die Fußheberschwäche, die das Anheben des Fußes beeinträchtigt und zu Gangstörungen und einem erhöhten Sturzrisiko führen kann.

Ursachen und Arten

Die Fußheberschwäche kann verschiedene Ursachen haben:

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  • Zentrale Fußheberschwäche: Schädigung des Zentralnervensystems (Gehirn oder Rückenmark).
  • Periphere Fußheberschwäche: Schädigung des peripheren Nervensystems (Nervenwurzeln bis Muskel).
  • Mechanische Fußheberschwäche: Ursache direkt im Bein (z.B. Sehnenriss).

Therapie und Hilfsmittel

Die Therapie der Fußheberschwäche umfasst:

  • Physiotherapie: Gezielte Übungen zum Trainieren der Fußhebermuskulatur.
  • Fußheberorthesen: Unterstützen das Anheben des Fußes und verbessern das Gangbild.
  • Operation: In einigen Fällen kann eine Operation der Sehne sinnvoll sein.

Fußheberorthesen

Fußheberorthesen sind medizinische Hilfsmittel, die den Fuß von außen stützen, entlasten und korrigieren. Sie erleichtern das Anheben des Vorderfußes, stabilisieren das Sprunggelenk und fördern ein natürliches Gehen. Es gibt verschiedene Arten von Fußheberorthesen, die je nach Bedarf und Aktivitätsgrad des Patienten ausgewählt werden:

  • AFO Dynamic: Dynamische Gang-Unterstützung für aktive Menschen.
  • AFO Light: Leichte Orthese für gezielte Unterstützung bei leichter bis mittelschwerer Fußheberschwäche.
  • AFO Leaf Spring: Hoher Tragekomfort durch Fersenfreiheit, geeignet bei Fußheberschwäche, Peroneuslähmung und Fallfußsyndrom.

Pflege nach Schlaganfall

Die Pflege nach einem Schlaganfall stellt besondere Anforderungen an die Pflegepersonen. Neben der körperlichen Unterstützung ist auch die emotionale Unterstützung der Betroffenen wichtig.

Tipps für die Pflege

  • Geduld: Die Kommunikation kann erschwert sein, daher ist Geduld wichtig.
  • Bestärkung: Erfolge positiv hervorheben.
  • Deutliche Aussprache: Langsam und deutlich sprechen.
  • Emotionale Unterstützung: Negative Gefühle zulassen und verständnisvoll reagieren.
  • Aktivierung: Betroffene zu Unternehmungen aktivieren und in den familiären Alltag einbinden.

Schlaganfallprophylaxe

Um einem erneuten Schlaganfall vorzubeugen, ist eine konsequente Schlaganfallprophylaxe wichtig:

  • Kontrolle des Blutdrucks: Hoher Blutdruck ist ein Risikofaktor.
  • Gewichtsreduktion: Übergewicht vermeiden.
  • Bewegung: Regelmäßige Bewegung fördert die Durchblutung.
  • Rauchen und Alkohol vermeiden: Nikotin und Alkohol schädigen die Blutgefäße.
  • Ausgewogene Ernährung: Gesunde Ernährung mit viel Obst und Gemüse.

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